Das habe ich öfters oder mein Urologen-Blues

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Gestern war ich in Essen-Rüttenscheid. Ich habe meinen alten Urologen gesucht.

In den Gemäuern, wo ich ihn 2004 zum letzten Mal seine Dienste gebraucht habe, war er nicht mehr zu finden.

Mir ging so das "Yesterday" durch den Kopf. In meiner Erinnerung sah ich die Bilder von fernen Ländern, die ich füher in seinen Behandlungszimmern gesehen hatte. Bestimmt ist der jetzt in Rente , dachte ich gedankenverloren noch recht weit nördlich an der langen Rüttenscheider Strasse, die recht weit nach Süden bis hin zur Gruga geht.

In diesen Räumen hatt ich bei der Blasenspiegelung vor Schmerzen geschrien und das sollte nun alles vorbei sein?

Gönnerhaft dachte ich, dass der gute und sehr nette Doktor, der so vielen Menschen geholfen hat, dass auch total verdient hat und beschimpfte mich selbst dafür , dass ich im Internet nicht vorher nach seiner Adresse recherchiert hatte.

So schlenderte ich über die Vergänglichkeit alles unseres menschlichen Tuns brütend weiter zum Rüttenscheider Stern hinunter, noch den einen Blick nach links und rechts riskierend, ob der Doktor doch nicht irgendwo in der 'Nähe umgezogen war.

Es war so um 16:00h und ich war aufgrund dieser trüben Gedanken auch nicht gerade heiter gestimmt.

Ein Medikament, dass mir im Krankenhaus verschrieben worden ist und das mir nun der Urologe verschreiben musste, war der Grund meiner Bemühungen.

Am Rüttenscheider Stern, vielleicht 50m von den ehemaligen Praxisräumen des guten Urologen entfernt, fiel mir dann das Schild einer urologischen Klinik auf.

Ich ging dort hin, um zu schauen, ob der Urologe sich dort vielleicht der Praxisgemeinschaft angeschlossen hätte.

War nicht so. Gestern ist vorbei, bestimmte ich. Die urologische Praxis-Klinik hat einmal im Monat Sprechstunde, las ich.

Na toll, dann kann ich mir erst mal wieder eine Adresse von einem neuen Urologen raussuchen, schimpfte es sehr dumpf in mir, die Augen hin und herwandernd, so verloren der Blick in der Metropole der Großstadt, bis sie irgendwo an dem gleichen Gebäude den Namen meines alten Urologen las.

Uff, und dann hatte er gestern nachmittag noch seine längste Wochensprechstunde!

Ich fuhr hoch in die Etage mit den schicken neuen Praxisräumen in denen er jetzt sein heilendes Geschäft betreibt.

Viele alte Männer-zu denen ich ja jetzt selbst irgendwie auch gehöre- vor der Anmeldung, drängelnd,in einem Fall auch unverschämt zur Sprechstundenhilfe, was ganz gut zu seinem grünen Filz mit Jägersträußchen und seiner Knickerbockerhose passte, fand ich.

Nett und überraschend fand ich aber auch, dass Mitarbeiterinnen sich nach so vielen Jahren noch an mich erinnern konnten. Von denen erfuhr ich dann, dass die Praxis 2004 zu letzten mal aufgesucht hatte.

Natürlich musste ich auch 2 Stunden warten, was mir entgegen meinen frühren Erfahrungen in der neuen schicken Praxis in der man auch viel bequemer und spannugsfreier als früher sitzen konnte, ausgesprochen günstig vorkam.

Die Stimme meines alten Urologen erkannte ich schon am Lautsprecher an den Anweisungen , die er seinen Mitarbeiterinnen gab.

Die Fotos von den fernen orientalischen Ländern nun auch im sehr konfortablen Wartezimmer.

Der Strand an dem ich den guten Doktor zuvor in meinen hoffnungslosen sentimentalen urologischen Memories gesehen hatte, muss wohl doch noch mindestens bis zum nächsten Sommerurlaub warten.

Böse Zungen (Woody Allen?) behaupten ja, dass der Besuch beim Urologen für ältere Männer eine der wenigen Möglichkeiten ist , Sex zu haben, ich möchte jedoch hoch und heilig versichern, dass es mir wirklich nur um das Medikament ging.

Das Sentimentale? Da kann ich nichts für, das habe ich öfters.

13:24 20.01.2010
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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