DDR-Erinnerungen eines "Ruhri"

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ein "Ruhri" ist ein Einwohner der Ruhgebiets. Das Wort "Ruhri" stammt vom Rocktheater N8chtschicht aus Dortmund. Ich nenne mich hier "Ruhri" und nicht Wessi, weil mich diese eingefahrene Ossi-Wessi-Schiene manchmal annervt.

Meine ersten Erinnerungen an die DDR liegen ca. 40 Jahre weit in der Vergangenheit.

Mit einer Dampflokomotive , die weiß rauchende Schwaden hinter sich zog,ging es zu meiner Oma mütterlicherseits durch das Mecklenburger Land, die dort an an einem See lebte.

Sehr schwach leuchten noch die Konturen einer Erinnerung an einen gemischten Bauernhof mit einem oder 2 Schweinen, einem Pferd und einer Schar voll Hühner auf. Selbst die 2 Kühe durften da nicht fehlen.

Zu meiner Ostoma hatte ich nie so einen heißen Draht wie zu meiner Westoma aus Hamburg. Nicht, dass sie weniger liebenswert gewesen wäre, aber ich habe sie eben nur ein einziges mal gesehen. Ich erinnere mich an ihr Glasauge und das sie da Ende der sechziger Jahre schon sehr alt war. Die Gegend um Glashütte war damals voller Kornfelder. Der Onkel erzählte Geschichten aus dem 2ten Weltkrieg und das fand ich als Kind gut.

Ich erinnere mich noch daran, dass wir uns auf der Hinfahrt viele Dinge aus der DDR nicht gerade ernst genommen haben. Als kleiner Junge habe ich wohl ohne große Gedanken darüber einfach nur mitgelacht. Das war schon ein anderes Bewußtsein, dass ich selbst als Kind gegenüber den FDJ-Kindern aus den Gehöften nebenan hatte.

Mit einem Nachbarsjungen stritt ich mich über die Evolution und war ganz geschockt darüber, dass der Menschen vom Affen abstammen sollte. Brav plapperte ich nach, was ich im Religionsunterricht gehört hatte . Hinterher erzählte ich meiner Mutter savon und kam mir ganz groß vor , dass ich die "Fahne des Glaubens" in diesem für mich seltsamen Land wohl ohne nachhaltige Wirkung bei meinem Diskussionsgegner hochgehalten hatte.

Meine Mutter schickte zu Weihnachten immer Päckchen in die DDR und freute sich dabei. Ich kann nicht sagen, dass ich in einer Arroganz gegenüber der DDR erzogen worden bin, aber ich hatte schon im Hinterkopf, dass Bananen, Schokolade und die Genußmittel in denen ich zu Weihnachten schwelgen durfte, für die Verwandten inder DDR wohl etwas Besonderes gewesen sein mussten. Heute ist mir klar, das viele Ostdeutsche sich vielleicht über die Päckchen gefreut haben, aber wohl oft und in der Regel wohl zurecht von einer etwas großtuerischen -wenn manchmal vielleicht auch unbeabsichtigten- Art der Absender dieser Päckchen angenervt gewesen sein müssen.

In dem Arbeiterhaushalt aus dem ich komme, stand man damals etwas mehr auf der Seite der Unternehmer als auf der eigenen Seite. Wir sagten noch "Ostzone" als sich in den westdeutschen Medien der Begriff DDR schon lange durchgesetzt hatte , selbst wenn DDR in der zuhause gelesenen BILD noch viel zu lange in Ausrufungszeichen gesetzt wurde.

Komisch , was die Erinnerung so mit einem macht. Eigentlich wollte ich nur ein paar Zeilen zu diesen kleinen Miniaturbüchlein von Offizin Andersen Nerö aus dem Graphischen Großbetieb Leipzig schreiben und davon, dass ich diese kleinen Bändchen so sehr mag und dreissig Stück von Ihnen gesammelt habe. Den Blog wollte ich dann" Meine kleine heiße DDR-Liebe" nennen.

15:07 20.09.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

Kommentare 8

Avatar
meisterfalk | Community