Die Schrauberkönige

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Wolken zogen über den blauen Himmel des Ruhrgebiets.

Es ist die Zeit der Siebziger des vorigen Jahrhunderts.

Erinnerungen an Werkstätten an einer vielbefahrenen Trasse berühren mich.

Autos darin. Menschen die an an diesen Autos schrauben.

Deutschland ist mit Hemut Schön zum zweiten Mal Fußballweltmeister geworden. Die Kohle im Ruhrgebiet wird schon seit ca.15 Jahren subventioniert, aber der Bergmann im Ruhrgebiet ist noch recht wichtig und es wird noch ganz viel Kohle gefördert, die von den letzten donnernden Dampflokomotiven zu den Verteilerfrachtbahnhöfen gefahren wird.

In den Werkstätten wird an Autos geschraubt.

Ich habe als Jugendlicher immer eher zugesehen und mal diesen oder jenen Schlüssel den Schraubern gereicht. Man sagte mir zwei linke Hände nach. Das hatte wohl seinen Grund und hat sich durch mein Leben gezogen, auch wenn heutzutage mein Selbstbewusstsein diesbezüglich doch etwas stärker geworden ist.

Die Autos in den Werkstätten waren meistens Käfer. Davon gab es damals noch jede Menge in Deutschland.

Oft hatte mal irgend ein Motor seinen Geist aufgegeben und unter den Malochern ging man doch eher zum Schrottplatz und besorgte sich dort einen Austauschmotor , wenn man geschickt genug dazu war. Das war billiger.

Man hatte unter den Malochern Freunde mit einer Werkstatt und man half sich gegenseitig bei den größeren Reperaturen.

Schummeriges Licht in schmutzigen Werkstätten. Motorblöcke, Zahnräder und Getriebe überall ringsumher.

Ich habe zugesehen und mich manchmal auch gelangweilt.

So richtig mitmachen durfte ich nicht.

Das Glücksgefühl der Malocher , wenn so ein Motoraustausch gelungen war, war oft ziemlich groß.

Ich glaube beim VW-Käfer, dieser alten Knutschkugel waren die 1200er Motoren und die mit 1300 cm³ Hubraum relativ problemlos untereinander austauschbar.

Der 1300er hatte in paar PS mehr. Wie freuten sich die Schrauber , wenn sie einen 1300er nach dem 1200er Motor in ihrem Käfer mit den paar Pferestärken mehr hatten.

Das war so ziemlich das Höchste. Das war wohl ein Feeling, was wohl gleich nach dem Sex und wohl noch vor dem Alkoholkonsum kam.

Erinnerungen aus Westdeutschland von Männern und Motoren.

Die Frauen kommen in dieser Geschichte leider nur kurz vor. Ich habe sie als die Anfeuernden in Erinnerung, die sich freuten wenn sie im Haushalt ein paar Märker durch das Selbermachen sparen konnten.

Auf dieser Grundlage wurden die Schrauber dann von ihren Frauen gelobt, aber auch sofort ins Badezimmer in die Wanne geschickt , wenn sie dreckig aus der Werkstatt kamen.

Ich vermute, dass es heute auch noch Menschen mit diesen Hobbies gibt, aber dass die Möglichkeiten hierfür sind heutzutage durch das enorme Potential Bordelektronik in den rollenden Kisten doch wohl eher eingeschränkt.

(Dieser kleine Blog ist den Schrauberkönigen aus dem Ruhrgebiet in den Siebzigern gewidmet und unbekannterweise auch denen , die ein paar hundert Kilometer weiter östlich an ihren Trabis und Wartburg´s schraubten.

Später kam ja noch der russische Fiat Lada dazu.

Darüber kann ich aber nicht erzählen, denn ich komme aus dem Ruhrgebiet.)

22:16 12.12.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

Kommentare 6