Die Trauerfeier in Ingolstadt

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Ich habe gestern vor Schichtbeginn die Trauerfeier für die vier gefallenen Soldaten teilweise im Fernsehen geschaut. Der Verteidigungsminister hat davon gesprochen, dass vorraussichtlich noch mehr solcher Trauerfeiern stattfinden werden.

Das hat was Schockierendes. Wieder wurde auch von der deutschen Sicherheit gesprochen, die in Zeiten der Globalisierung auch am Hindukusch verteidigt würde.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich glaube, dass durch den Krieg in Afghanistan mit seiner deutschen Beteiligung viel mehr sehr viel Unsicherheit für die deutsche Bevölkerung geschaffen wird.

Tote afghanische Zivilisten und auch tote Taliban durch deutsche Beteiligung wird die Sicherheitslage in Deutschland sicher nicht zum Positiven wenden.

Letzte Woche habe ich ich in der "Regierungserklärung zu Afghanistan" vom notwendigen Respekt zwischen Befürwortern und Gegnern geschrieben.

Den halte ich zwar nach wie vor für wichtig, aber mindestens genauso wichtig ist es den den Befürwortern mit Entschiedenheit immer wieder die Konsequenzen ihrer Entscheidungen gegen den Willen der Mehrheit des deutschen Volkes vor die Augen zu führen.

Ein rechtes Vertrauen zu diesen Entscheidungsträgern mag bei allem Respekt bei mir nicht aufkommen.

Ein Verteidigungsminister der -wirklich ganz ohne Neid- aus jeder Pore seines Auftretens den Wohlgeruch seines Jobs ausdünstet, der ihm so gut zu Gesicht stehen will, verkündet seinen Glauben an Gott und befiehlt seine gefallenen Mitarbeiter in die Hände des auferstandenen Sohn Gottes, an den er- wie beschrieben- glaubt.

Ich will mich nicht darüber lustig machen , weil dieses Thema einfach viel zu ernst ist, aber so richtig überzeugen konnte mich Mr. "der Job steht ihm gut" auch nicht.

Ich habe letztlich auch nicht die Antworten für Afghanistan, außer dass die Bundeswehr dort einfach nichts verloren hat.

Keine Verbesserungen der Lebensumstände des afghanischen Volkes auf breiter Grundlage wurden durch den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan erzielt.

Die Mittelmacht Deutschland darf wieder Kreiger in die ganze Welt und eben auch nach Afghanistan schicken und überall auf der Welt ihre strategischen Interessen als einer der großen Exporteure der Welt verfolgen.

Darum geht es und nicht um diese wohlfeilen edlen Worte von Selbstaufgabe für ein höheres Ganzes , die bei solchen Trauerfeiern immer wieder unter die Leute gebracht werden.

Diese Trauerfeiern machen mich sehr skeptisch.

Ich sehe darin Schritte zu einer Remilitärisierierung der bundesdeutschen Gesellschaft wo statt Wohlstand oder zumindest ein menschenwürdiges Leben für alle, solche doch eher fragwürdigen Inhalte der Selbstaufopferung verbreitet werden.

22:14 25.04.2010
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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