Ein deutsch-deutsches Kistenmärchen

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In der alten Zeit vor 1989 unterschied man in Deutschland nur zwei lebendige Sorten von Holz. Das kam von den Ossi-Bäumen und den Wessi-Bäumen. In dieser Zeit stand im Westen eine große Kiste, die aus schwarzbraunem Wessi-Holz hergestellt worden war, östlich von ihr brührte sie eine etwas kleinere Kiste aus eher rötlichem Ossi-Holz.

In beiden Kisten lebten kleine Meerschweinchen aus der gleichen deutschen Sorte, die aber von unterschiedlichen Tierhaltern großgezogen worden. Der eine Tierhalter kam aus Moskau. Er hatte nach dem zweiten Weltkrieg die etwas kleinere Ossikiste für sich ergattern können. Der Tierhalter der etwa doppelt so großen Wessikiste lebte in Washington.

Die Wessi-Kiste hatte viele Löcher und die süßen kleinen Meerschweinchen konnten auf dem Grundstück des Washingtoner Halters herumtollen.

Nur die Ossi-Kiste hatte kein Loch, durch das die Meerschweinchen in die Wessi-Kiste gelangen konnten. Oft sorgte das für viel Verdruß bei den Ossi-Meerschweinchen.

Die Meerschweinchen in beiden Kisten wurden von ihren jeweiligen Haltern mit sehr viel Aufmerksamkeit großgezogen und die Halter versuchten den Meerschweinchen in ihrer jeweiligen Kiste anzuerziehen, dass im Falle eines ernsthaften Streits mit dem konkurrierenden Tierhalter die Meerschweinchen aus der jeweils anderen Kiste gebissen werden müssten. Das konnten sich viele von den armen kleinen Meerschweinchen kaum vorstellen, weil es sogar oft vorkam, dass Mitglieder aus der eigenen Familie in der anderen Kiste lebten.

In der Wesssi-Kiste war das Futter etwas feiner, aber in der Ossikiste gab es einen größeren Zusammenhalt der Meerschweinchen, dachte man.

Immer mehr Meerschweinchen aus der Ossi-Kiste sprangen in die Wessi-Kiste um auch etwas von dem besseren Futter abzubekommen. Irgendwann mußte der Moskauer Halter sein ganzes Feld neu bestellen und es scherte ihn nicht mehr , dass viele seiner Meerschweinchen in die Wessi-Kiste wollten. Wenn es so ist, ist es so, sagte der Moskauer Halter und ließ seine Meerschweinchen machen, was sie wollten. Er hatte zu viel in seinem eigenen Haus zu tun.

Da freuten sich alle lieben kleinen Meerschweinchen und wollte nur noch in einer Kiste zusammen leben. Sie zerlegten ihre Kisten und bauten, nachdem das Interesse ihrer Halter für sie nachgelassen hatte, eine neue große Kiste, die aus viel mehr deutschen Holzsorten bestand, deren Herkunft im folgenden genauer beschrieben wird.

Aus dem Ruhrgebiet kamen für die neu zu bauende Kiste die Russi-(Magda)-Ebereschen. Bayern steuerte die Bassi-Kastanien zum Bau der neuen einen Kiste bei. Hessen war mit den Hessi-Pinien für den Kistenbau vetreten und aus Hamburg kamen die Hassi-Weidenbäume , ín Niedersachssen wachsen die Nissi-Bäume mit ihrem starken Holz, in Bremen die berühmte Bressi-Fichte , die sogar über den Ozean verschifft wurde, auch Baden-Württemberg mit seinem Wüssi-Gehölz hat in dieser Hinsicht Weltruf zu bieten genauso wie Berlin mit seinem Bessi-Ahorn und Sachsen mit der weltberühmten Sassi-Eiche. Zu diesen weltbekannten deutschen Holz-Spezialitäten gehört auch der Thüringische Tüssi-Gingko sowie die sachsen-anhaltinische Anssi -Trauerweide. So viel Holz brauchte man für die große neue deutsche Kiste, dass auch die nordrhein-westfälische Nossi-Tanne nicht vergessen werden darf. -Doch hier möchte ich mit der Aufzählung der Holzarten zum Schluss kommen , auch wenn noch längst nicht alle benannt sind, wie etwa die mecklenburgische Mecssi-Birke oder die brandenburische Brassi-Kiefer.

So machten sich die Meerschweinchen dran aus all diesen schönen Holzsorten eine neue Kiste zu bauen mit ganz vielen Ausgängen. Dies gelang den fleißigen displinierten Meerschweinchen eigentlich ganz gut, auch wenn die Kiste eigentlich bis heute noch immer nicht fertig ist, aber jetzt schon hier und da recht ansehnlich aussieht.

Da die Tierhalter ihre ursprünglichen Kisten vewahrlosen liessen , was es für die Meerschweinchen aus der Unterschicht nun schlechter um das Futter bestellt. Oft war bei den Unterschicht-Meerschweinchen Schmalhans der Küchenmeister und auch für die Mittelschicht-Meerschweinchen, auch Mischis (Magda) genannt, war es um das Futter oft nicht mehr so üppig wie in früheren Zeiten bestellt.

Viele Meerschweinchen waren gar nicht zufrieden damit, aber es hieß, dass die Welt nun ganz global geworden ist und das es noch ganz viele andere Kisten mit hungrigen Meerschweinchen gibt.

Und wenn die Meerschweinchen der Unterschicht, die auch Uschis genannt (Magda) wurden, darüber unzufrieden wurden, sagten ihnen die Meerschweinchen der Oberschicht, die sogenannten Oschis, "haut doch ab aus unserer Kiste." Früher hatten sie immer den unzufriedenen Meerschweinchen in der Wessi-Kiste gesagt, dass sie gerne in die Ossi-Kiste gehen könnten, aber das ging ja jetzt nicht mehr , weil es nur noch eine deutsche Kiste aus ganz vielen guten Holzsorten aber mit viel weniger Futter für die Unterschicht gab.

17:51 13.11.2009
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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