Ein zu grosser Happen

Lesen Lesend in andere Welten und Zeiten abgetaucht, doch es bleibt die Suche nach dem Sinn von all dem.
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Zur Zeit bin ich viel am Lesen. Ich hatte Urlaub und da bot sich das irgendwie so an, weil immer nur fernsehen ja auch blöd ist und bei mir persönlich ein nicht gewolltes Suchtpotential hat. Ich will hier gar nicht die Titel alle aufführen und Lesen ist für mich wohl eher nicht ein Zeichen von schlau sein.

Bei mir ist das eher ein Mittel um sich mal "wegzuschießen" und meistens in die Welt der Geschichte abzutauchen.

Ich war in den letzten Wochen mit der Nase über dem Buch in der geschichtlichen Welt von Mesopotanien und im Irak, war in Altamerika und im europäischen Mittelalter von ganz früh bis ganz spät, habe dann eine Wiedergeburt der Geschichte mitgemacht und in Matin Luthers Leben geschnüffelt. 2017, das Jahr mit der 500ten Wiederkehr des 31 Oktober steht vor der Tür.

Als Vorrecht des Bloggers habe ich mir hier die Auflistung der Titel meiner Lektüre geschenkt.

War in Ilja Ehrenburgs Industrieroman "Das Leben der Autos, Malik, Berlin, 1930 (russischer Originaltitel:10 PS)" zuhause und bin zur Zeit bei Georges Duby: Krieger und Bauern, Die Entwicklung der mittelalterlichen Wirtschaft und Gesellschaft bis um 1200, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt a. M. ,1984".

Ich kann die Sätze in dem Duby verstehen, aber es kommt mir so vor das ich da mit meinem Kopf in einen riesigen Happen getaucht bin, der kaum verdaulich ist. Das ist so einen Fülle von Einzelinformationen , die ich irgendwie nicht raffe. Ein Kloß im Kopf , dessen Inhalt man nach Sätzen verstanden und verspeist hat, aber dessen inhaltliche Oberfläche ich eigentlich nie wirklich gesehn habe. Ich war beglückt , als Georges Duby ein Beispiel für einen Frondienst bei der Abtei von Werden gab, deren bauliche Reste sich heute in Essen-Werden befinden. Froh hat mich nicht gemacht, weil die armen Bauern damals so hart mit dem Spaten schuften mussten, sondern dass ich bei Duby der sehr oft Beispiele aus seinem Heimatland Frankreich gab, mal ein Beispiel ganz aus meiner fast unmittelbaren Nähe fand.

Abgesehen von solchen eher seltenen Glücksmomenten versuche ich all das sacken zu lassen und mich danach zu fragen , ob das Lesen was gebracht hat. Es bleibt aber vor allem nur der Kloß in meinem Kopf.

Ich glaube Sinn hat das nur, wenn man sich Notizen macht und die Strukturen die Duby aufgedeckt hat auf Papier nachzeichnet. Sonst bleibt davon ja gar nichts. Sich mit Büchern wegschießen ist ja ganz schön, aber nur Lesen damit die Zeit rumgeht kann es ja irgendwie auch nicht sein.

15:40 20.10.2016
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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