Grenzen neoliberaler Selbstinszenierung

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Das hat die Taliban wirklich schwer geschlagen,

die Guttenbergs liegen Ihnen auf dem Magen,

Den Taliban wird eine Talkshow gesendet,

die Taliban davon so sehr geblendet,

flüchten Husch, Husch, Husch

in die Berge des Hindukusch.

Die Guttenbergs in Afghanistan als moralische Unterstützung der Truppe, sagen sie.

Ein Trip des Verteidigungsministers nach Afghanistan im Advent wäre bei aller Umstrittenheit des Einsatzes der Bundeswehr am Hindukusch fast selbstverständlich gewesen.

Auch die dabei zu erwartenden Hochglanzfotos mit dem posierenden Verteitidungsminister hätte man hierzulande wahrscheinlich noch überwiegend mit Bewunderung aufgenommen.

Ihm ist eigentlich das gelungen, was Gerhard Schröder damals eigentlich nicht geschafft hat.

Ihm wird seine Verpackung des Neoliberalismus in bisher eigentlich immer profihafter Manier zum Beispiel in schönen Anzügen einhergehend mit gekonnter Rhetorik als solide Politik abgenommen, ohne dass ihre neoliberalen Inhalte ernsthaft in Frage gestellt oder diskutiert werden.

Er gilt sogar als einer der Favoriten auf die Merkel-Nachfolge.

Die Reise mit J.B. Kerner und seiner Frau Stefanie könnte den Bogen überspannt haben.

Talkshows am Hindukusch lassen auch breiten Schichten die Selbstinszenierung des Guttenberg-Paares doch sehr offensichtlich werden.

Deutschland ist wohl doch noch nicht so weit amerikanisiert, dass Aktionen an den Stile eines George W. Bush erinnernd , der in Kampfpilotenmontur einen Gummitruthan am Bord eines Flugzeugsträgers zerlegte , hierzulande dem adeligen Power-Minister aus Süddeutschland als authentisch abgenommen werden.

Die heftigen Diskussion um diesen Besuch zusammen mit dem medial abgenutzten staatsatragendem Gesicht des Johannes B. Kerner scheinen doch zu belegen, dass die Nachfrage nach solchen Bildern hierzulande doch noch eher stark begrenzt ist, auch wenn BILD heute das süddeutsche Power-Paar in Propagandamanier auf der Titelseite abgebildet hat.

Talksshows am Hindukusch werden von breiten Teilen der Medien dann doch als überflüssig angesehen.

Auf mich wirkt das wie ein Funken Hoffnung im Advent.

Der Besuch entlarvt die Worte des Verteidigungsministers bei den Trauerreden für gefallene Bundeswehrsoldaten auch im nachhinein doch als ziemlich hohl.

Natürlich nehme ich ihm, seiner Frau oder J.B. Kerner ab, dass sie über gefallene deutsche Sodaten traurig sind.

Wer wäre das nicht?

..aber ganz sicher werden solche Hochglanz-PR-Reisen in eigner Sache, dem Andenken an die deutschen Soldaten, die aus welchen Gründen auch immer dort ihr Leben gelassen haben, nicht gerecht.

...und in Sachen Kerner würde ich diesem Menschen niemals vorwerfen, dass er Karriere gemacht hat.

Das wollen Viele und er hat es eben geschafft, aber gerade im Zusammenhang mit solch einer Reise , die ja auch in den Augen ihrer Organisatoren, die angebliche moralische Überlegenheit der westlichen Demokratien gegenüber dem Islam demonstrieren soll, dürfte doch nicht vergessen werden, mit welch schmuddeligen Talkshows Kerner bei SAT1 am Vormittag seine Karriere gestartet hat.

Da wurde mit allen Abgründen aus Sex und Drogen, die dieses Land so zu bieten hat, Quote gemacht und J.B Kerner hat moderiert.

J.B. Kerner ,unserer moralischer Botschafter in Afghanistan?

Ich gebe ja zu , dass mir selbst das Moralisieren ja gar nicht so liegt, aber dass sind doch die immer wieder Guttenberg und Konsorten selbst verkündeten Massstäbe.

Auch Guttenbergs Frau Stefanie steht da in ihren umstrittenen Auftritten auf dem Schmuddelsender RTL2 im eigentlich lobreichen Kampf gegen die Kinderpornografie ja Kerner in nichts nach.

Der Zweck heiligt die Mittel?

Die kritische Diskussion um die Afghanistanreise von den Guttenbergs und Kerner könnte hoffen lassen, dass wir in der BRD in diesem Fall noch nicht ganz so weit unten angelangt sind.

10:38 14.12.2010
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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