Klassensprecherwahl in der BRD (Eine Polemik)

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Na , wer wird denn nun die oberste Klassensprecherin oder der oberste Klassensprecher in Deutschland?

In der harten Wirklichkeit vertritt der Klassensprecher die Klassen, die noch wählen gehen. Die Hartz - IV Leute sind dann schon eher außen vor. Die Stadtteile in denen sie wohnen, werden eher selten bis überhaupt nicht mit Wahlkampfständen bedacht und von Politikern besucht.

Was sollten die FDP -Leute etwa in Essen -Katernberg dem Publikum erzahlen? Etwas das es o.k. ist und für das Große und Ganze in Deutschland sein muß. Hartz -IV um 30% zu kürzen? In so einem Stadtteil könnte das ungesund für die Leute sein, die es aussprechen.

Das Prekariat steht bei den Wahlen auch eher vor der Tür. Beim sozialdemokratischen Job-Wunder in Deutschland, an dem die Prekarier dank der Agenda 2010 teilhaben durften, hat vielen einen 400 € -Job hier, eine gering bezahlte Vollbeschäftigung dort und noch einen Teilzeit - Job woanders beschert. Da will man doch an einem Wahlsonntag wenigstens mal ausschlafen, so verführerisch der Einser -Schüler Frank auch hinter seiner medial gut rüberkommenden Brille lächelt. Diese Klassensprecherwahlen sind soweiso scheiße, man sitzt ganz hinten, kann kaum etwas sehen und vorne hört man nur diese Wichtigtuer und Streber blöken. Das kann man doch nicht ansehen , wie die sich beim Oberlehrer Horst K. einschleimen!

Komplizierter wird es bei der Mittelschicht in den mittleren Reihen. Vor allem an ihrem unteren Ende ist die Angst um den Job wohl groß, aber wählen gehen ist ja irgendwie Bürgerpflicht. Was bleibt hier zu wählen übrig? Bleib mir weg mit diesen roten Socken und den Müslis,die in den Reihen vor mir sitzen, denkt man und wählt die nette Klassensprecherin Angela vom letzten Jahr in ihrem braven Kleid oder dem schicken Hosenanzug, den sie auch manchmal trägt. Das gute Mädchen aus dem Osten wirkt bieder und solide. Hat es nicht alles Hand und Fuß, was Sie sagt?

Ein paar vereinzelte werden sich hier noch an Ihre sozialdemokratischen Wurzeln erinnern und dem die Stimme geben, dessen Vorgänger Gerhard sie im Sozialkundeunterricht in Fragen von Hartz IV so verarscht hat. Da kann ja der liebe Frank mit seiner wirklich tollen Brille nichts dafür. Wir sind ja nicht nachtragend und was zählt es, wenn Frank damals bei Hartz IV der Stichwortgeber für Gerhard gewesen ist? Mensch, das ist doch Schnee von gestern! Die Looser in den hinteren Reihen sollen doch selbst zusehen, wo sie bleiben. Wer arbeiten will, hat in dieser Klasse immer seine Chance zum "Sehr gut". Die da hinten sollen sich nicht so anstellen, wenn sie kein Pausenbrot haben . Was können wir hier in der Mitte dafür? Mama und Papa arbeiten sich im Job den Popo ab und es reicht gerade mal für Leberwurst! Bääh! Immer nur Leberwurst!

Für die Oberschicht ganz vorne sitzend, vor dem netten Oberlehrer Horst K. ist der Fall eigentlich klar. Da wird Angela oder Guido von den Liberalen gewählt. Das kann doch nicht sein, dass es den Flaschen da hinten einfiele sich in die Mitte oder gar nach vorne zu setzen. Da soll mal einer kommen , wenn die das nicht anders wollen kriegen die noch Hartz VIII und Rente mit 87. Und wenn diese Weicheier mit ihrer ewigen Jammerei Aua sagen, dann gibt es noch gratis einen Schlag ins Gesicht dazu. Die Shrimps zum Frühstück wollen ja genossen sein. Schließlich haben Papa und Mama dafür hart gearbeitet! Gelle.

16:52 30.07.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

Kommentare 2