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In der Mayerschen in Essen haben sie wieder weisse Buchwochen gehabt.

Mich hat ein Essay von Ilma Rakusa mit dem Titel: "Langsamer!" angelacht.

Der "Nice Price" von 12 € , der an der Kasse nochmals halbiert wurde und der Respekt einflössende Name des Literaturverlag´s Droschl haben mich zugreifen lassen.

Normalerweise habe ich mit diesen ganzen Betrachtungen über die Geschwindigkeit in unserer Zeit nicht´s am Hut.

Und selbst im Umgang mit meiner Fernbedienung bin ich noch so eine Art Master of Zapping-Deseaster und selbst für eine Büchleinbesprechung ist es eigentlich noch viel zu früh, weil ich mich gerade erst einmal auf Seite 32 befinde. Im Buch war auch eine Postkarte des Droschl-Verlages mit der man sich Neuveröffentlichungen des Verlages zuschicken lassen kann.

Ganz im Gegensatz zum Titel :" Langsamer", war die Postkarte schneller als man gucken ausgefüllt und ausgedruckt im Briefkasten aud dem Weg nach Graz in Südösterreich.

Nein, natürlich habe ich mit so einem Thema nichts zu tun , habe ich gedacht und dabei vergessen , wie oft ich mir das Leben schon durch übertriebene Hast selbst schwer gemacht habe.

Selbst im Beruflichen und im Privaten habe ich schon sehr oft die Rückmeldung erhalten: "Mensch, mache doch mal ein bißchen langsamer!"

Beeindruckt hat mich aber mit wieviel Rafinesse die Autorin bereits auf diesen ersten Seiten zum Lesen und vor allem auch zu einer angemessenen Lese-und Lebensgeschwindigkeit verführt.

Ihre Fragen sind zum Beispiel:

"Hat nicht gerade die Beschleunigung unseren "Zeitwohlstand" reduziert und Arbeitslosigkeit hevorgebacht? Wieviel Geschwindigkeit verkraften wir?"

Die Schönheit der in den Text eingeflochte Gedichte und Texte z. B. Inger Christensen alphabet (1981) haben mich an viele der schönen Blogs des archinauten erinnert. ;)

Der Autorin ist es natürlich klar, dass wir in einer schneller gewordenen Zeit leben und das einfache Negierung dieses Umstandes nicht weiterhilft.

Für mich sucht die Autorin nach der Zufriedenheit in einer dem Menschen angemessenen Geschwindigkeit und gibt dabei ein klares Statement gegen die Atemlosigkeit unserer Tage ab.

Dem Bauer mit seinem 16 -Stunden -Tag , der sich bei seiner Arbeit und in seinem Dorf an der frischen Luft wohlfühlt, will Ilma Rakusa seinen Job nicht ausreden.

Sie beginnt ihre Betrachtung mit Goethe und dem Prototyp des modernen Tatmenschen Faust, wobei Goethe jedoch die Geschwindigkeit des in der Eisenbahn verpackten Menschen und den verloren gegangenen Geruch der Pflaume beklagt.

Und sie stellt sich die Frage , was Goethe zu der Geschwindigkeit unserer heutigen Jets gesagt hätte?

Überzeugend auch das Eingangszitat von Robert Walser in der Einleitung (S.5):

"Ich bin überzeugt, dass wir viel zu wenig langsam sind"

Dies ist der Natur der Sache nach natürlich keine Buchbesprechung sonder ein Erlebnis mit meinem neuesten kleinem Büchlein, dass ich gerne noch vertiefen und ausweiten möchte . Vielleicht gelingt mir das ja doch ein wenig langsamer!

Quelle:

Langsamer!, Ima Rakusa, Literaturverlag Droschl, Essay 54, 4 Auflage 2006,89 S.

ISBN-3-85420-692-5

13:49 12.08.2010
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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