Lost in the car park

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"Was mach ich kleines zersauseltes wirres Federknäuel hier in diesen großen Räumen...Piep,Piep...überall nur Neonlicht...Ich habe so einen Hunger...Alles ist öde...Piep,Piep. Es stinkt hier so nach Benzin und die Mama bringt auch kein Würmchen...Piep,piep...Oh Gott jetzt kommt so ein großer Zweibeiner auf mich zu...Piep,Piep....Oh...Jetzt muß ich koten...Piep...Piep."

Der alte Parkwächter Jan ging durch die Hochgarage. Er mußte wieder saubermachen. "Überall nur dieser Dreck....Das nervt mich so ", dachte er. Er ging seine Arbeitsstrecken durch die Hochgarage ab. Jan war ein großer Mann mit einigem an Übergewicht. Er hatte aber neben dem Bauch auch sehr dicke Muskeln an seinen Armen. Jan konnte so leicht nichts erschrecken. Mit Stress wurde er auch fertig. Wenn Betrunkene ihn anpöbelten blieb er freundlich, aber er liess sich nicht so leicht einschüchtern. Auch bei Problemen an der Schranke behielt Jan die Nerven und wenn da fünfzig Autos waren, die da standen und hupten, löste er das Problem schnell und blieb ruhig. Nur noch ein paar Meter Reinigungsstrecke waren abzugehen. Der untere Streifen der Betonwände war schwarz markiert. Jan schaute auf eine schwarze Kugel. "Die blöde Kugel kommt jetzt auch noch in meine Schippe rein", ging es ihm durch den Kopf. Er fixierte die schwarze Kugel und wollte schon den Handbesen schwingen. Bewegte sich da nicht etwas? Da bekam der dicke Jan einen richtigen Schreck. Das runde schwarze Knäuel bewegte sich und bekam in seiner Welt dieser bei Vollbelegung zweitausend Autos in diesem Parkhaus im Ruhrgebiet eine Stimme. "Piep,Piep",machte das kleine schwarze Federknäuel. Jan sah nach unten und eine ziemlich starke Erregung packte ihn.

"Ja...was fange ich denn mit Dir nur an". dachte er und sah 180 Zentimeter zu dem kleinen schwarzen Vogel herunter. Er suchte die ganze Gegend nach einem Nest und der Mutter ab. Die war nicht zu finden. So holte er einen Eimer und versuchte den kleinen flugunfähigen Vogel zu fangen. Das Kleine mit seinem niedlichen gelben Schnabel konnte schon laufen. Es wollte fliehen, konnte dann aber nach einigen Versuchen von Jan in den Eimer eingefangen werden. Das kleine Tierchen mit seinen vielleicht fünfzig Gramm Körpergewicht versetzte den großen über hundert Kilogramm schweren Mann doch in sehr viel Aufregung.

Jan nahm schließlich den kleinen Vogel in seinen Garten mit und kümmerte sich um ihn, bis es eines Tages fliegen konnte und danach fort war. Oft noch dachte Jan an dieses kleine Vogelküken, dass ihn so seltsam zärtlich berührt hatte.

20:59 12.10.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

Kommentare 10

Avatar
rainer-kuehn | Community
Avatar
Avatar
Avatar