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http://www.wdr.de/themen/kultur/kulturhauptstadt_2010/programm/_img/schachtzeichen_400q.jpg

(Fotomontage zur Bewerbung der Schachtzeichen-Kunstinstallation)

Hier ist im folgenden von einer Kunstaktion im Rahmen der Europäischen Kunsthaupstadt 2010 Essen für das Ruhrgebiet die Rede:

Im Ruhrgebiet sind seit seit dem 22 Mai um 12 h über 350 gelbe Ballons an den Orten am Boden verankert, an denen früher Kohle gefördert wurde.

Sie hängen in ca. 60 -80 Meter Höhe und sind weithin sichtbar. Alleine im Essener Stadtgebiet sind 52 Ballons an den früheren Schächten plaziert.

Heute habe ich allerdings noch keinen Ballon gesehen. Es scheint eine Sturmwarnug zu geben und aus Sicherheitsgründen sind die Ballons heute bis jetzt wohl nicht in der Luft.

Sie sollen für eine Woche den Strukturwandel im Ruhrgebiet "sinnlich erfahrbar machen." (schachtzeichen.de) Heute nacht werden sie sogar illuminiert. Ihre Farbe ist Gelb und sie tauchen an den unmöglichsten Stellen auf, wo man so ohne weiteres keine Kohleförderung vermutet hätte.

Ich bin im Ruhrgebiet geboren und habe fast immer hier gelebt. Mein Herz schägt höher , wenn ich diese Ballons sehe.

Gestern hatte ich frei und ich bin mit Angehörigen durch das ganze Ruhrgebiet gefahren. Oberhausen, Essen, Bottrop, Bochum , Hattingen u.s.w. Ich habe ganz viele Ballons gesehen.

An vielen Stellen wo sie zu sehen sind ist heute nur noch Natur und sonst gar nichts mehr, aber selbstverständlich gibt es die Ballons mitten in der Stadt und den Stadtteilen, aber auch dort an Stellen wo schon seit Jahrzehnten keine Fördertürme mehr stehen.

Besonders interessant finde ich einen Ballon, der ziemlich nahe am Essener Zentrum plaziert ist. Also muss es da auch früher mal einen Schacht oder eine kleine Zeche gegeben haben, von der ich bisher nichts wusste.

Die Verantwortlichen sprechen davon, dass die Bilder für die Menschen des Ruhrgbiets und natürlich auch für die hochverehrten Besucher schaffen wollen, die sich in das Gedächnis einbrennen.

Bei mir ist ihnen dies ganz sicher gelungen. Ich freue mich über die tolle Aktion mit dieser ungewöhnlichen Art von Industrielandschaftsmarken.

Die Ballons wurden durch die Industrie gesponsert. Die Kosten für einen Ballon sollen für die Sponsoren ca. 12.000 € betragen haben.

Weiterführende Informationen:

www.schachtzeichen.de/

http://alte-zechen.de/wp-content/uploads/2010/04/SchachtZeichen.jpg

(Bildquelle: pottculture.de, Fotomontage zur Bewerbung der Schachtzeichen-Kunstinstallation)

Tagebuch-Ergänzungen:

25.5.10:

Heute war ich nach der Arbeit im 22ten Stock des Essener Rathauses und habe aus über 100 Metern Höhe die größte Kunstinstallation der Welt von oben angesehen.

Die Bilder im Blog sind nur Fotomontagen zur Bewerbung dieser Aktion im Vorfeld.

Die Größe der Ballons ist darauf übertrieben dargestellt. Die kleinen gelben Punkte am Horizont waren aber vom 22tem Stock des Rathauses von Essen dennoch sehr gut zu erkennen.

Heute vormittag waren die Ballons wegen Sturmgefahr nur in 30 m Höhe aufgestiegen.

Etliche Ballons, man spricht in den Meldungen im Lokalsender Radio Essen von ca. 50 Ballons sollen durch das Wetter beschädigt sein.

Drei Ballons sind bis jetzt durch mutwillige Zerstörung abhanden gekommen.

Unbekannte haben die Halteseile durchgeschnitten und die Ballons sind in der Atmosphäre nach Unbekannt entschwunden. Das Organisationskomitee von Ruhr 2010 hat daher Ehrenwachen organisiert.

(Leider ist mir das mit der übertriebenen Größe der Ballons auf den oben verlinkten Fotos heute erst so richtig klar geworden, obwohl von der Größe der Ballons in den Fotomontagen hätte ich da von selbst drauf kommen müssen. :)Ich bitte den (die) hochgeschätzte(n) Leser(in) um Verständnis. Sorry.)

Die Angaben im Radio und Fernsehen zur Kunstaktion nehme ich oft sehr unterschiedlich wahr und manchmal scheinen die Zahlen bezogen auf die gleichen Sachverhalte überhaupt nicht zueinander zu passen.

26.5.10

Einen Ballon habe ich besonders im Blick, wann immer sich die Möglichkeit dafür bietet.

Der ist aber mehr auf dem Boden als Alles andere, glaube ich.

Ob, die Ballons in die Luftsteigen dürfen, wird von Tag zu Tag beim Regierungspräsidenten entschieden.

Der Regierungspräsident für den Regierungsbezirk in dem Essen liegt, sitzt im Düsseldorf.

Auch wenn ich aufgrund meiner Einsatzstelle nicht so oft einen Ballon sehe, denke ich manchmal an diese Kunstaktion.

Gestern war was davon in irgend einer Kultursendung auf 3sat oder so im Fernsehen.

Von der grössten Kunstinstallation der Welt haben sie gesprochen.

Heute scheint sich nach dem Pfingstwochenende das Medienecho über die Schachtzeichen doch sehr beruhigt zu haben.

Tagsüber muss ich an eien Kommentar von goedzak denken.

Er hat die Schritte Naturlandschaft-Kulturlandschaft-Symbol-Landschaft für das Ruhrgebiet in seinem Kommentar herausgearbeitet und sieht einen Übergang zur virtuellen Landschaft kommen.

Von 100 Meter Höhe habe ich gestern vom Essener Rathaus auf diese Symbole geblickt.

Der Strukturwandel soll mit ihen deutlich gemacht werden.

Es ist aber keine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt.

Dort wo sich die gelben Punkte konzentrieren, nämlich im Essener Norden gibt es die sozialen Brennpunkte und Herausforderungen, die etwas Anderes und vor allem Besseres als Hartz IV bräuchten.

Die Gedanken daran tun weh.

Es ist nicht nur eine stolze Industriegeschichte des Ruhrgebiets.

Es ist auch immer noch ein nicht bewältigter Strukturwandel, der vielleicht nicht so sehr in die Feierstimmung des Kultursommers Ruhr 2010 passt, der mit der Schachtzeichenaktion eingeläutet worden ist.

Alle schauen auf die Zechen.

Zeche Zollverein Schacht XII ist ein Weltkulturerbe.

Oh, wie schön!

Das ist noch nicht einmal ironisch gemeint. Ich bin stolz auf dieses Essener Industriedenkmal.

....aber geht mal ein paar Strassen weiter!

Dort ist alles ziemlich grau und immer noch sehr unterentwickelt.

Katernberg, Stoppenberg und Altenessen diese Stadtteile im Essener Norden.

Das sind auch gleichzeitig die Stadtteile in denen die Linke ca. ihre 10 % erreicht.

Das hat seinen Grund!

27.5.10

"Mein Ballon" ist nur selten zu sehen.

28.5.10

Jetzt soll es eine Protestaktion mit schwarzen Ballons geben, die sich "Schlachtzeichen" nennt nund die sich gegen die geplanten Einsparungen an öffentlichen Einrichtungen in Essen wendet.

Diese schwarzen Ballons sollen an Einrichtungen befestigt werden, die von den Einsparungen betroffen sind.

Etwa 30 schwarze Ballons sind geplant, hat das Lokalradio gemeldet.

"Meinen Ballon" habe ich heute gar nicht gesehen, obwohl ich immer wieder drauf geachtet habe.

Sonntagabend soll das Kunstspektakel zu Ende gehen. Eine Verlängerung ist nicht geplant.

Es soll aber noch eine Überraschung geben, wurde von der Organsisation im Lokalradio verlautet,-was immer das auch heißen mag?

Zum Abschluss ein Reim :

Schachtzeichen

Über 300 gelbe Ballons schweben kreuz und quer in der Ruhrgebietsluft

umhüllt von dem mittlerweile auch im Ruhrgebiet frischen Frühlingsduft

sind die am Boden gründlich und sorgsam an einstigen Schächten festgemacht

und mein Herz hat wirklich aus ganzer Kraft und voller Freude gelacht

als ich den einen oder anderen von ihnen schwebend gesehen habe,

sind sie doch für unser aller Erinnerung eine wirklich wichtige Gabe,

an die Kumpels zu denken , die einst dort unter Tage ihre Schichten machten

und die mit ihrem Schweiss das Ruhrgebiet zur industriellen Blüte brachten

und sind diese Zeiten bis auf Rudimente auch längst vorbei und vergangen

so ist die Erinnerung an sie wenigstens für einen Augenblick eingefangen

und ist die Arbeitskraft heutzutage wiederum nicht mehr sehr viel wert,

gibt es einen Platz in meinem Herzen, der den Malocher wirklich sehr verehrt

und auch einen Platz für ihre ums Überleben kämpfenden Bermannsfrauen.

die es den Bermannsfamilien erst ermöglichten, nach vorne zu schauen.

12:10 24.05.2010
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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