Peter Plöger
11.01.2016 | 20:45 2

Changes work

Erinnern David Bowie war ein imaginärer Mentor für mich

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Peter Plöger

Changes work

David Bowie, 1978

Bild: Evening Standard/Getty Images

Die Nachricht hat mich perplex und traurig gemacht. David Bowie ist gestern gestorben.

David Bowie hat in meinem Leben eine große Rolle gespielt. Er war der erste Arbeitssammler, den ich kannte, der erste, der alles, womit er sich beschäftigte, auf immer wieder neues Terrain weitertrieb.

Seit ich zwölf oder dreizehn war, habe ich David Bowie gehört. Mal mehr, mal weniger. Mit „Let’s dance“ hat es angefangen. Eine Zeitlang habe ich mir fast jedes Jahr eines seiner älteren Alben gekauft, immer dasjenige, das er in dem Alter gemacht hatte, in dem ich zu dem Zeitpunkt gerade war. 2002 war ich 30, also habe ich mir „Heroes“ von 1977 geholt. Ein Stück weit konnte ich seine vergangenen Wandlungen damit begleiten.

David Bowie hat einiges zu tun mit den Berufen, die ich jetzt ausübe. Natürlich bin ich kein Musiker, Produzent, Schauspieler oder Kunstmäzen geworden. Es ist nicht einmal so, dass mich alles interessiert hätte, was Bowie in seiner langen Kariere produziert hat. (Er war an so vielen Dingen beteiligt – das wäre auch schwierig geworden.)

Nein, das Faszinierende an ihm war für mich, dass er immer wieder anders war. Am Anfang ein blondgelockter Bänkelsänger mit Wandergitarre, dann ein schriller Out-of-Space-Rocker, dann ein genialer Exilant in seiner Berliner Zeit, dann ein Erfolg Suchender im Mainstreamrock, darauf wieder eine totale Wende zu vollkommen anderen Musikstilen, schließlich nachdenklichere Töne, reife Lebensrückblicke und eine musikalische Rückkehr nach Berlin. Zwischendrin stand er noch auf der Bühne und am Filmset, hat gemalt, Künstler gefördert, und wahrscheinlich noch hundert andere Dinge gemacht. (Und leider auch ziemlich viel gekifft, gekokst und gesoffen.)

Ich hab ihn mir von Anfang an vorgestellt als jemanden, der sagen würde: „Ja, es ist gut, wenn du nicht an einer Sache hängen bleibst. Mach heute das eine, zieh es durch, schau wie weit du kommst damit. Wenn du morgen etwas anderes machst, prima. Sei neugierig! Schau, was es noch für dich gibt.“ Bowie war immer derjenige, der mir bewiesen hat, dass Vielfalt und Wandel in dem, was ich tue, richtig und gut sein kann. Auch in meinen Berufen. Changes work.

Gut, dass er da war. Man findet viele Vorbilder für Spezialisierung und Konzentration auf das Eine – ganz besonders, wenn sie als gesellschaftliche Anforderung in Mode sind. Man findet wenige Vorbilder, wenn man sich der Vielfalt und dem dauernden Wandel verpflichtet fühlt. Darin war David Bowie mein imaginärer Mentor.

Danke dafür!

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (2)

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2016 | 13:34

Schöne persönliche Sichtweise auf David Bowie. Ich selber - als nicht ausgewiesener "Fan" frage mich, worin diese Faszination, dieses fast schon liebevolle Sichangezogenfühlen von Bowie auf mich besteht ... Vielleicht ist es eine subtile oder auch offene Fähigkeit der Kommunikation seiner Songs mit jedem einzelnen Hörer seiner Werke auf einer völlig individuellen, privaten, höchstpersönlichen Ebene...?