RE: Das Ich entscheidet | 09.07.2016 | 12:26

Max Weber hat im Januar 1919 vor Studenten über Wissenschaft als Beruf gesprochen. In seinem Buch "Die Kunst der Soziologie zu widersprechen" von Fritjof Hager findet sich eine Beschreibung der historischen Situation, der Hörsaalatmosphäre und ein Blick auf die Studenten, die ihm zuhören. Ob und wo und wann er über Politik als Beruf geschrieben und gesprochen wäre also noch mal nach zu recherchieren. Woher kommt aber die Aktualität von Weber ? Denn in der modernen demokratischen Politik wird ja dass, was Weber forderte Politik von Wissenschaft sauber zu trennen, gerade nicht mehr gemacht. Wissenschaftliche Ergebnisse werden von der Politik aufgegriffen um sie für deren Ziele und als Argumente zu benutzen. Von Politik selbst hat Weber nicht viel gehalten, von der Demokratie ? Er war gegen Arbeiter und Soldatenräte, sah den Umsturz als gescheitert an, seine Untersuchungzum Charismatischen Führer zeigen eher eine Vorliebe für eine bürgerliche Herrschaft, er war "gegen den Revolutionskarneval " bei den Massen liegt die Gefahr" . Für die Demokratie in Amerika hatte er noch viel weniger Sympathie: "Der junge Amerikaner hat vor nichts und niemand, vor keiner Tradition und keinem Amt Respekt, es sei denn vor der persönlich eigenen Leistung des Betreffenden: das nennt der Amerikaner Demokratie". Ob Weber und seine Sicht und seine Soziologie hier wirklich als politische Ethik taugt, um als Gegenmittel gegen die Brexit Bande und Trump Begeisterung zu wirken?