(1)Banken erzeugen das "Geld aus dem Nichts"

Geld,Kredit, Banken Kaiser: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.“ Mephisto: „Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr"... (Goethe)
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(Nach meinen Informationen ist historisch nicht belegt, ob Goethe die "Schuldgeldschöpfung" en detail verstanden hat).

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Obwohl es auf Google heute nur ca. 58 Mio. Zugriffe gibt, bin ich mir ziemlich sicher, dass von den 631 Mitgliedern des Bundestages, 632 ... den Bürgern nicht erklären können, in welchem Geldsystem wir seit Jahrhunderten leben und welche Auswirkungen dieses auf den Wohlstand aller Menschen hat.

Ja, wenn man dieses Thema anspricht, wenden sich die Ökonomen (die wenigsten haben den Zusammenhang zwischen den Geld- und Güterströmen und dem Zins(eszins)verstanden – dazu später ein paar Beispiele) und die selbsternannten Eliten einfach ab:

wieso eigentlich?

Nachdem den vor lauter Abstimmung über zig-Mrd. für die Rettung der Bankeigentümer herumhechelnden Entscheidungsträgerinnen kaum Zeit zum Denken bleibt, erkläre ich Ihnen kurz die sehr einfachen Zusammenhänge.

Zuerst aber noch ein Blick zurück in die goldenen 1970er Jahre.

SPIEGEL – 39/1972: Bundesbank: „Geld aus dem Nichts“

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42842883.html

Das Kreditschöpfungs-Privileg der Banken ist ein „alter Hut“, wie man dem Artikel im Spiegel vom 18. September 1972 entnehmen kann. Nachdem das „Problem“ schon Jahrzehnte allen politischen Entscheidungsträger-innen bekannt war/ist, stellt sich jedem vernunftbegabten Menschen die Frage:

w a r u m wurde dieses Problem nach dem Ausbruch der größten Finanzkrise aller Zeiten, noch keiner dem Wohle aller Menschen (und nicht nur einer winzig kleinen, privilegierten Schichte!) dienenden Lösung zugeführt?

1972 – was war das Problem?

Die Bundesbank beschwerte sich, dass die Geschäftsbanken mit „Tricks“ ihre Politik, der Geldschwemme Herr zu werden, unterlaufen und fanden ihm damaligen Wahlkämpfer und späteren Finanzminister, Helmut Schmidt, einen Verbündeten. „Wir haben keine Effizienz mehr", klagte der damalige Bundesbank-Vize, Otmar Emminger. „Wir können die Geldinflation mit den alten Instrumenten nicht mehr stoppen." Schmidt versprach Abhilfe und wollte gegen „internationale Spekulanten, die die Stabilitätspolitik der Bundesbank durchlöchern“ vorgehen.

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt ... vor? Und weiter . . .

- Emminger: "Es ist bedrückend ... wie stolz manche Banken (auch öffentliche Institute) verkünden, sie hätten ihre Bilanzsumme um 24% ausgeweitet. Da wird die Inflation geschürt" (Anmerkung: eine Ausweitung der Bilanzsumme ist (fast) identisch mit einer starken Kreditvergabe).

- Einerseits wettern die Banker gegen das "bedenkliche Problem der Weltinflation" - andererseits schüren sie diese mit einer exorbitanten Kreditausweitung selbst.

(Hinweis: steigt die Geldmenge = Kreditexpansion schneller als das BIP, so kommt es früher oder später zu einer (rasch) steigenden Inflation; derzeit haben wir die einzigartige Situation, dass in ganz Südeuropa längst eine Deflation/Depression durch die von der Troika nieder geprügelten Löhne und Renten gegeben ist – und im Norden eine sog. „Asset-Price-Inflation“ auszumachen ist.

Die Banken schwimmen in Geld (u.a. weil ihnen die EZB 1000 Mrd. zur Verfügung stellte) und nachdem die Unternehmen kaum Kredite nachfragen (weil sie aufgrund der Rezession keine positiven Investitionschancen sehen), wandert die „herumvagabundierende Knete“... eben an die Börsen und in Immobilien, wo dann die Kurse + Preise explodieren).

- Laut Bundesbankdirektor Helmut Schlesinger ...„ist es ein Problem geworden, dass sich jeder Bankier immer mehr Geld von seinen Berufskollegen borgt ... und diese Gelder wieder weiter an Unternehmen leiht“. Das Guthaben des einen Bankiers = die Schuld des anderen. Auf volkswirtschaftlicher Ebene heben sich Forderungen/Verbindlichkeiten gegeneinander auf: Sie sind ein blankes Nichts. Die Privatbankiers machen das, was ihnen seit langem verboten ist: selber Geld!

- „Das ist ein Rückfall in das vergangene Jahrhundert, wo jede Zettelbank Geld drucken konnte." monierte Vizechef Emminger. Und ein Kollege wünschte sich: "Wenn doch einer davon mal Pleite ginge, aber das können wir uns ja leider wohl nicht leisten."

Das war 1 9 7 2.

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Hmhm - stimmt nicht: die Banken reichen NUR die Spareinlagen als Kredit weiter. . . ?!

Nun, das ist das Ammenmärchen, mit dem uns alle Banker tagtäglich hinters Licht führen. In den Lehrbüchern der Schulen und Universitäten liest man von der wichtigen „Transformationsfunktion der Banken“. Ein kurzer Blick in die Bilanzen des Finanzsektors reicht aus, diese abenteuerliche Behauptung zu widerlegen.

Wie stellte sich Situation 1972, als es kaum Girokonten und kein Internet-Banking gab, dar?

- Die Depression der 1930er Jahre brachte große Bankenpleiten mit sich. Danach waren die Bankiers etwas vorsichtiger und leihten - zunächst – nur Geld weiter, das ihnen die Sparer auf kurze oder längere Frist anvertrauten oder sie verborgten nur Kredite, die durch Wechsel und Devisen jederzeit bei der Nationalbank in Bares umzutauschen waren. Dieser Gleichschritt: Einlagen = vergebene Kredite war zwischen 1965 bis ca. 1970 die Maxime.

- Nun, Vorsicht ist nicht das „Ding“ der Banker (Sie wissen, wenn man sich sicher sein kann, dass sowieso IMMER die Steuerzahler für alles haften und die Blöden sind, dann ...) und allein die Großbanken hatten von Ende Dezember bis Ende Juli über 12 Mrd. Mark an Unternehmen und Haushalte als Kredite vergeben – obwohl ihnen nur 3,7 Mrd. als Spareinlagen zuflossen.

„Die Geldhändler sind auf einen Kunstgriff verfallen,

Bares aus dem Nichts zu ziehen.“

Also - Sie sehen, alles was wir heute erleben m ü s s e n, ist ein alter „Geld aus dem Nichts – Hut“, wo jede „Zettelbank (mir gefällt der Begriff sehr gut) Geld drucken konnte“!

In 42 Jahren ist nichts geschehen, obwohl alle Entscheidungsträgerinnen in Verantwortung für die Finanz- und Geldwirtschaft, von dieser Praxis gewusst haben.

Und dass der billige „Schmäh“, präziser formuliert: die Schutzbehauptung - Banken würden NUR das Geld der Sparer als Kredit an Unternehmen/Konsumenten und den Staat weiterreichen, heute noch bei jeder Talkshow und jedem Interview mit den „Geldalchimisten“ widerspruchslos akzeptiert wird, beweist, wie gering die Kenntnis über die Erzeugung des Geldes ist.

Hören Sie einfach mal genauer hin: die nächste Gelegenheit der Volksverdummung kommt bestimmt.

Ich habe mich entschlossen, die Erklärung an echte „Experten“ zu delegieren.

1.) Dr. Jens Weidmann, Chef der Bundesbank: „Traf Goethe ein Kernproblem der Geldpolitik?“

http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2012/2012_09_18_weidmann_begruessungsrede.html%20

Seine Rede ließ an Klarheit nichts offen: Gerade in jüngster Zeit stellen sich viele Bürger die Frage nach der Herkunft des Geldes: Woher nehmen denn die Zentralbanken eigentlich das viele Geld, das sie brauchen, um dem Bankensystem im Rahmen geldpolitischer Operationen Kredite in Billionenhöhe zu geben oder anderes zu kaufen?

Weshalb heißt es in diesem Zusammenhang regelmäßig, dass die finanzielle Feuerkraft der Notenbanken grundsätzlich grenzenlos sei? Notenbanken schaffen Geld, indem sie Geschäftsbanken gegen Sicherheiten Kredite gewähren oder ihnen Aktiva wie zum Beispiel Anleihen abkaufen.

Die Finanzkraft einer Notenbank ist dabei prinzipiell unbegrenzt, da sich eine Notenbank das Geld, das sie vergibt oder mit dem sie bezahlt vorhernicht etwa beschaffen muss, sondern es quasi aus dem N i c h t s . . . erschaffen kann.“

Dazu ein einfaches Beispiel:

- Die EZB stellt den Banken 1000 Mrd. Euro um 0,15% Zinsen zur Verfügung. (Ähm . . .ich habe keine Mail bekommen, dass ich meine Spareinlagen abliefern solle - Sie vielleicht?)

- Diese kaufen sodann Staatsanleihen (für die ja immer der Steuerzahler „trip-pelt“, denn ER garantiert das AAA - Rating) um mit 3-6% Zinsen Gewinne in Mrd.-Höhe einzufahren.

- Sollte eine Anleihe von den bitter-pösen Finanzmärkten unter Druck geraten (Griechenlandanleihen z.B.), dann pilgern die „Herrscher des Gelduniversums“ einfach zu den Regierungschefs - und innerhalb kürzester Zeit erhalten sie die Zusicherung, dass sie keine Angst haben müssten, weil der Staat - also WIR ALLE! - immer für 100% haftet und bezahlt..

- Bei der Bilanzpressekonferenz lassen sich die Banker feiern . . . die Mainstream-Journaille bejubelt die „Leistungsträgerinnen“ . . . diese sacken ihre Millionen-Bonis ein . . .

und dies mit „Geld aus dem Nichts – ganz o h n e jedes Risiko“!

Spätestens jetzt, stosst es jedem vernunftbegabten Bürger giftig auf, weil ihn das erfundene Geldhütchenspiel zum 1. Mal aus seinen festgezurrten Komfort-Angeln gehoben hat.

2.a.) Nun hat auch The Bank of England, in ihrem Quaterly Bulletin 2014 Q1 endgültig mit den in

http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx

den Schul- und Uni-Lehrbüchern völlig falsch vermittelten Inhalten über die Gelderzeugung aufgeräumt und die Wahrheit - „Money creation in the modern economy“ - öffentlich verLAUTbart:

Money creation in practice differs from some popular misconceptions - banks do not act simply as intermediaries, lending out deposits that savers place with them…but how those bank deposits are created is often misunderstood: the principal way is through commercial banks making l o a n s! Whenever a bank makes a loan. . ., it simultaneously creates a matching deposit in the borrowers bank account,

. . . thereby creating new money!”

2.b.) “The truth is out: money is just an IOU, and the banks are rolling in it” …

http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/mar/18/truth-money-iou-bank-of-england-austerity?CMP=fb_gu

schrieb David Graeber im „The Guardian“ am 18. März und bezog sich auf das Statement der BoE: „Three economists from the Bank's Monetary Analysis Directorate stated outright that

- most common assumptions of how banking works are s i m p l y w r o n g,

- and that the kind of populist, heterodox positions more ordinarily associated with groups such as Occupy Wall Street are c o r r e c t.

In doing so, they have effectively thrown the entire theoretical basis for AUSTERITY out of the window”!

3.) Dr. Binswanger (emeritierter. Univ. Prof. für VWL an der Universität St. Gallen)

http://www.wienerzeitung.at/beilagen/extra/?em_cnt=610098

erläuterte in der Wiener Zeitung vom 21. Feber dieses Jahres die elementaren Zusammenhänge der Geldschöpfung der Geschäftsbanken wie folgt:

Warum wird das Übel nicht an der Wurzel gepackt?

Wer oder was verhindert eine tiefgreifende Reform?

Mit einer Geldschöpfung aus dem Nichts kann man - dies liegt auf der Hand - sehr viel Geld verdienen. Daher übersieht man gerne die Krisen, die damit verbunden sind. Wenn diese eintreten, gibt man allen möglichen Ursachen die Schuld. Nur nicht der Ursache, mit der man sie in doppeltem Sinne des Wortes "verdient" hat.“

4.) Public Banking in America: Philadelphia, April 2012.

https://www.youtube.com/watch?v=38F31xbZYz4

Die erst 12jährige Victoria Grant stellt nicht nur die richtigen Fragen, sondern sie erklärt für alle auf geniale Weise, wie die exponentielle Verschuldung die Macht der Banken die Regierungen und die Demokratie gefährdet. By the way…entzaubert sie, leicht verständlich, den „Mythos des Geldes!“

Die zwei größten Lügen über das Geld:

- Die in allen Lehrbüchern von der Mittelschule bis hinauf in Volkswirtschaftsstudien weit verbreitete, unwahre Behauptung - die Banken reichen nur das Geld der „Sparer“ als Kredit weiter - haben sowohl die deutsche Bundesbank als auch die Bank of England mit präzisen Fakten widerlegt!

- Die Spareinlagen sind sicher ist angesichts der Tatsache, dass diesen nur ca. ein Siebtel/Achtel ihres Wertes an echtem Bargeld (und nur dieses ist das gesetzliche Zahlungsmittel) gegenübersteht, eine unhaltbare These!

Nicht wissen ist nicht schlimm - nicht wissen wollen, schon.

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Im 2. Teil widme ich mich den Zusammenhängen zwischen der Zentral- und den Geschäftsbanken, dem gesetzlichen anerkannten Geld (Münzen, Scheinen), dem Giralgeld und dem Zins(eszins).


15:19 01.10.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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