(1) JOHN LAW: Jetzt werden wir alle reich...

Gold ist Geld. "Wenn es ums Geld geht, hat jeder die gleiche Religion." (Voltaire)
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John Law gilt als der Erfinder des modernen (Papiergeld)-Kapitalismus. Wenn man seine Geschichte verfolgt, so ergeben sich „verdächtige Parallelen“ zu Alan Greenspan als auch Ben Bernanke, im Volksmund besser bekannt unter : „Helicopter Ben“ (nachdem er angeregt haben soll, in Zeiten der Deflation, das Geld vom Hubschrauber abwerfen zu lassen...).

„Geld muss nicht aus Gold sein. Nein, sagte John Law, Geld kann auch aus Papier sein, aus wertlosem Zeug. Und dann wird es uns alle reich machen. So reich, dass wir gar kein Gold mehr brauchen. Das war seine Idee. Und weil diese Idee sich Jahre und Jahrzehnte später in der ganzen Welt verbreitete und inzwischen selbstverständlich ist, kann man sagen, dass der Kapitalismus von heute, die modernen Finanzmärkte, die Börsencrashs und Bankenrettungen, dass all das an jenem 21. April 1671 seinen Ursprung hat, an dem John Law auf die Welt kam.“ (Die Zeit, 2010)

Seinem Vater, ein Goldschmied, übergeben viele Geschäftsleute ihre Münzen. Er bewahrt sie auf und wenn seine Kunden „Liquiditätsengpässe“ haben, so schießt er ihnen ein paar Pfund vor.

Das Wunder des modernen Bankwesens - der KREDIT – war geboren.

So sieht dies ca. 300 Jahre später der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith . Was aber wenn dem Staat die Gold- und Silbermünzen mangels genügend Rohstoffe ausgehen ? Dann gibt es zuwenig Geld für die Kaufleute – und da es zuwenig davon gibt, steigt der Wert immer höher. Die Menschen beginnen die Münzen zu horten – sie sparen – weil sie ja morgen noch wertvoller sein werden. Die Kunden haben kein Geld um zu kaufen und die Kaufleite machen keine Geschäfte mehr.

Der Grund : es fehlt das Geld !

So folgerte John Law. „In seinem Essay Betrachtung über Geld und Handel mit einem Vorschlag, die Nation mit Geld zu versorgen entwickelt er 1705 einen detaillierten Plan für eine neue Wirtschaftsordnung, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt:

Papier soll zu Geld werden, und eine staatliche Bank soll die Scheine drucken.

Vergangenheit und Gegenwart zugleich.

John Law reiste durch halb Europa und scheitert mit seinen Spinnereien - zunächst. Als am 1. Septem-ber 1715 Ludwig XIV stirbt ist Frankreich zwar mächtig – aber pleite!

Die Wirtschaft ist am Boden und der Hunger treibt die Menschen auf die Felder, die sie wie Schafe abweideten – so die Chronik. Die Staatsgeschäfte übernimmt Herzog Philippe von Orléans (statt Ludwig XV, der erst 7 Jahre alt ist) und sie bestehen in einer einzigen Aufgabe : den Staat zu sanieren.

Die damaligen „Finanzexperten“ schlugen das gleiche Rezept vor wie heute : Eisern sparen – oder den Staatsbankrott und ein RESET, d.h. von vorne beginnen ! Aber Philippe hörte auf John Law und seine Alternative lautet : Niedrige Zinsen, billiges Geld – und der Laden brummt !

Am 2. Mai 1716 erhält Law per königlichem Dekret die „Lizenz“ zur Gründung einer Bank: der Banque Générale. Jeder der Geld braucht, bekommt keine Münzen – sondern nur PAPIERGELD, das die Bank selber druckt. Damit beginnt eine neue Epoche und nachdem der Staat die „wertlosen Zettel“ zur Bezahlung der Steuern akzeptiert und sich die Bank verpflichtet, die Zettel jederzeit gegen Edelmetall zu einem fixen Preis einzutauschen, beginnt die Bevölkerung dem Papiergeld zu vertrauen (Dass viele später, 1971 der Präsident Richard Nixon genau das Eintauschen des Papiergeldes gegen Gold aufhob, sei hier nur am Rande erwähnt).

Da nicht alle Leute gleichzeitig die wertlosen Zettel umtauschen wollen, kann John Law mehr Papiergeld ausgeben als an Goldmünzen in den Tresoren liegt.

Viel mehr !

Da sich auch der Staat große Mengen „Zettel“ bei der Bank besorgt um seine Schulden zu tilgen – wird das neue Geld zum offiziellen Zahlungsmittel. „Es verwandelt das Land. Die Handwerker bekommen Aufträge, die Manufakturen stellen Arbeiter ein, die Menschen haben wieder genug zu essen.

Es beginnt das, was man heute einen Aufschwung nennt.

John Law: Um reich zu werden, braucht`s kein Gold

Einige Jahrhunderte später und unter der Anwendung komplizierter, mathematischer Modelle erklären uns die Wirtschaftswissenschafter, was damals geschah : Je mehr Geld in Umlauf kommt – desto niedriger die Zinsen. Als Folge der „billigen Kredite“ steigern die Kaufleute ihre Investitionen (Nachfrage nach Krediten) und es steigen überall die Umsätze. *.)

Alan Greenspan macht es ähnlich wie John Law : mit viel Geld (billigen Krediten) und niedrigen Zinsen führt der US-Wirtschaft gegen Ende des 20. Jahrhunderts aus der Krise und schafft so den längsten Aufschwung der amerikanischen Geschichte !

Die GELDILLUSION platzt in einer riesigen Blase (Subprime Kredite) mit dem Konkurs von Lehman Brothers im September 2008.

https://lh5.googleusercontent.com/-jfSqZd4wzUA/VA4I5vC1qOI/AAAAAAAAAR0/WofRGf-WNJw/w958-h719-no/USA%2B-%2BGeldmenge%2BM2%2B-%2B1990%2B%3D%2B100.jpg

Quelle : http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2011/09/1a183.jpg

Die Geldmenge in den USA wächst rasant. Dies sehen Sie am Chart. Gegenüber 1990 ist die Geld-menge M2 (Einlagen mit maximal drei Monaten Kündigungsfrist) fast 3mal so hoch (2011 im Vergleich zu 1990), wohingegen die Wirtschaft immer nur um 3 Prozent bis 5 Prozent wächst - in guten Jahren. Der Ordnung halber muss man korrigierend hinzufügen, dass auf das Konto von Alan Greenspan, der den FED-Vorsitz 11. August 1987 – 31. Jänner 2006 führte, nur eine Ausweitung von 100 (1990) auf ca. 200 fällt :

immerhin eine Verdoppelung innerhalb von 16 Jahren !

Wenn die Geldmenge gegenüber der Warenmenge (BIP-Wachstum) steigt wird das Geld damit – früher oder später – wertloser. Dem "Mehr" an Geld steht deshalb relativ betrachtet immer weniger an Gütern gegenüber. Die Preise werden automatisch steigen - und damit die Inflation.

Die Entwicklung lässt sich schon deshalb kaum aufhalten, weil die Zinslast auch immer größer wird - und bedient werden will - anders gesagt: die Geldmenge für den Zins kann nur wieder als Kredit .. erzeugt werden! Dass die Inflation bis dato nicht schon in die Höhe schoss, liegt u.a. auch daran, dass die Reallöhne seit 2 Dekaden sanken und sich die sog. „Überliquidität“ nicht in höheren Löhnen niederschlug.

Das überschüssige Geld wurde dafür z.B. in Aktien investiert.

Der Dow Jones Industrial Average Index stieg von ca. 7.500 Punkten (Oktober / 2002) auf unglaubliche 13.800 (September / 2007) - und sackte in der schwersten Nachkriegsrezession 2009 auf ca. 7000 (Feber / 2009) ab. Die Realwirtschaft hingegen hatte sowohl nach der (kleinen) Rezession 2001/02 ungleich mehr jedoch nach dem heftigem Abschwung 2009 schwer damit zu kämpfen, sich wieder zu erholen.

Wie ging das noch mal ?

Niedrige Zinsen = hohe Geldmenge = Umsatzzuwächse (BIP-Steigerung)

https://lh5.googleusercontent.com/-IXj6Gn-IP5E/VA4Igk1m2CI/AAAAAAAAARk/JJcKlbnvftA/w958-h719-no/Zinssatz%2B2000%2B-%2B2011%2B-%2BEZB%2B-%2BFED.jpg

Auf den 1. Blick lässt sich der von John Law (und der heutigen Mainstream-Ökonomie) propagierte Zusammenhang bestätigen :

- Richtig ist, dass zwischen 2001-2005 die Zinsen von 6,5 % auf 1 % sanken – und die Geldmenge um 1 Drittel (von 150 auf 200) stieg.

- Danach stiegen aber die Zinsen wiederum auf 5,25 % (2007) und die Geldmenge ebenso.

Ein Zusammenhang zwischen Zins und Geldmenge lässt sich daher nicht schlüssig beobachten. Genau dies jedoch, wollen uns die Zentral-banker dieser Welt bei jedem medialen Kaffeekränzchen als kausalen Zusammenhang einreden . . .

(Anmerkung: wenn etwas als "eisernes Gesetz" in den Wirtschaftswissenschaften gilt - dann ist es, dass 1.) eine Zusammenhang = Korrelation gegeben sein muss - und 2.) dass dieser k a u s a l begründet werden kann! Hier reicht alleine die grafische Darstellung aus, dass ein solcher Zusammenhang n i c h t existiert - und daher auch keine Kausalität auszumachen ist).

Das jähe Ende von John Law : Er, seine Kunden und Frankreich sind pleite !

John Law hat, vorerst, Frankreich mit seinem „Geld aus Luft“ gerettet ! Dem nicht genug, expandiert er mit seiner Bank – er setzt auf WACHSTUM (kommt Ihnen das bekannt vor ?).

»Hätte er an diesem Punkt aufgehört, wäre er wahrscheinlich als frühes Genie in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen«, sagt der Ökonomieprofessor Paul Schmidt von der Frankfurt School of Finance and Management, der sich intensiv mit dem Schotten beschäftigt hat.

Sein zweites Standbein : »Mississippi Compagnie«.

Das Handelshaus soll in Louisiana, in der Neuen Welt, Gold- und Silbervorräte ausbeuten. Mit diesen Sicherheiten könnte er noch mehr Geldzettel drucken und noch mehr (Schein)Reichtum anhäufen – so sein Kalkül. Uns so begibt er Anteilsscheine – Aktien - an die Menschen, die diese auf „Kredit“ kaufen. Das Stück kostet zu Beginn 500 Livre und steigt schnell auf 1000, 2000 und 3000 Livre.

Ehrbare Kaufleute, die seit Jahrzehnten brav mit Tuch, Gewürzen oder Tee handelten, sind nur mehr an den Aktien des neuen Unternehmens von John Law interessiert. Die Kurse explodieren auf 7000 und weiter bis 9000 Livre und auf einmal scheint Reichtum für alle möglich : für die Fürsten und andere Adelige als auch für gewöhnliche Handwerker und Dienstmädchen.

Ein neues Wort taucht in der Welt auf : Millionär !

Der Ökonom John Kenneth Galbraith wird später schreiben: »Die Pariser haben sich nie so glücklich und zufrieden gefühlt wie in jenem wunderbaren Jahr.« Der Kurs steigt auf sagenhafte 10.000 Livre. Man schreibt das Jahr 1720 und die Leute rufen :

»Gott schütze den König und Monsieur Law!«

Frankreich ist als eines der ersten Länder dem Geldrausch verfallen. In den folgenden Jahrhunderten werden Dutzende andere Länder dieser GELDILLUSION folgen.

Nur die Produkte werden sich ändern : von der Eisenbahn, dem Auto bis hin zum Internet (2000) und Immobilien (2007). Es ist immer dasselbe Spiel und aus heiterem Himmel offenbart sich am Ende die bittere Erkenntnis:

Zum Beispiel: Es gibt kein Gold in Louisiana.

Was machen eigentlich Greenspan/Bernanke ?

Nun – er, an dessen Lippen über fast 2 Jahrzehnte nicht nur die gesamte Wallstreet hing, wird als jener Mann des Geldes in die Geschichte eingehen, der die größte Geldblase der Nachkriegszeit mit „Geld aus Luft“ erzeugte und damit die amerikanische Wirtschaft an den Abgrund führte. Im Oktober 2008 bekannte er "einen Fehler in dem Modell, dass ich für die entscheidende Struktur gehalten habe, die festlegt, wie die Welt funktioniert".

Bernanke diente nicht mal halb so lang - und seit seinem Auscheiden ist es ziemlich ruhig um ihn geworden. Kein Wunder, er hatte den Mist seines Vrogängers aufzuräumen und tat dies - erraten: mit immer mehr Geld . . . Ob er wirklich einmal Geld aus einem Helicopter warf (um eine Deflation zu verhindern... wie wir sie in Europa längst haben), ist nicht überliefert.

Die Idee - Menschen einfach mit Geld zu versorgen - war/ist besser als alle Sparpakete der EU-Troika zusammen ;-)

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Nun denne : dazu fällt mir nur mehr ein Zitat von Bruno Kreisky, dem verstorbenen Altkanzler Österreichs ein, der dieses oft an die Journaille ... verschwendete :

"Junge, lernen Sie Geschichte !“

22:39 08.09.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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