Bank of Japan: minus 0,1 % Zinsen - na und?

Zentralbanken, Zins, Geld Dass die Zentralbanken mit dem Leitzins die Kreditvergabe der Privatbanken und damit die Investitionen und das Wachstum steuern können, ist ein Märchen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Japan verrechnet den Banken 0,1 % Negativzins: na und?

Ich kann die "Aufgeregtheit“ ob dieser Zinsmeldung nicht wirklich nachvollziehen, zumal es negative Zinsen, gemeint ist der Leitzins, der wichtigsten Zentralbanken der Welt schon lange gibt – nun eben auch von der Bank of Japan.

https://lh5.googleusercontent.com/-q2WT_ardvT4/Vq6HL2oa6nI/AAAAAAAABh8/NZNcQlUOkMw/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2Bneg.%2BLeitzins%2B-%2BInvestitionen.jpg

Ein rascher Vergleich zeigt, dass die Zielsetzung – durch negative Leitzinsen (die privaten Banken erhalten von ihren bei den Zentralbanken hinterlegten Einlagen weniger zurück, als sie deponierten) die Kreditvergabe zu pushen ... und in weiterer Folge über Investitionen das Wachstum ... und weiters die Beschäftigung zu steigern / die Arbeitslosigkeit zu senken – nicht erreicht wurde.

Im Gegenteil:

unmittelbar nach Draghis Dienstantritt versank der Euroraum 2 Jahre (2013 + 2104) in einer Rezession und es wurde weder der Euro gerettet (Frage: w i e denn?) und noch weniger gab es einen tsunamiartigen Wachstumsschub durch Mister „Wunderwuzzi/whatever it takes“.

Die Anlageinvestitionen pendeln sich auf einem um 20% niedrigerem Niveau im Vergleich zum Ausgangsjahr 2007, also vor der Krise, ein. Dass damit auch der neoliberale Singsang vom Erfolg der Austeritypolitik widerlegt ist, bedarf es keiner Erwähnung der extremen Arbeitslosenziffern mehr: allein das niedrige Investitionsvolumen reicht dafür locker aus, um das wirtschaftspolitische Desaster auszumachen, in die uns die Troika + Merkel/Schäuble geritten haben.

Nix Wohlstands- und Sozialunion – sondern Armuts- und Arbeitslosigekeitsunion.

Japan hat 2 verlorene Jahrzehnte hinter sich – der Euroraum (die EU) vor sich?

Ich kann mit den Horrormeldungen und -prognosen ob des negativen Leitzinses der Bank of Japan wenig bis nichts anfangen, aber vorerst widme ich mich dem realökonomischen Vergleich. Der räumt selbst bei oberflächlicher Betrachtung mit den Mantras der EU-Wirtschaftspolitik und ihren Erfolgen, wie sie die regierungshörigen Leitmedien publizieren, rasch auf:

https://lh3.googleusercontent.com/-8XEsOK4NH4Q/Vq6G_4Fwk8I/AAAAAAAABhc/AjwhAg5kXAc/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2B%2BWeltindustrieprod.%2B-%2BEU%2B-%2BDepression.jpg

Quelle zur rechten Grafik:

http://www.washingtonpost.com/blogs/wonkblog/wp/2014/08/20/worse-than-the-1930s-europes-recession-is-really-a-depression/

Während der rasante Niedergang der Marktanteile der ehemaligen Sowjetunion von fast 20% auf um die 5% (1989) statt fand und sicher nicht unwesentlich zur Auflösung des System-Ost beitrug, verlor Japan ab Mitte der 1990er Jahre fast die Hälfte seiner Marktmacht als Industrienation bis 2010.

Auch die USA büßten fast ein Drittel ihrer vwl. Produktionskapazitäten ein – wobei durch Auslagerung vieler Produktionsstätten nach China, der Aufstieg des Riesenreiches als Weltwerkbank begann.

Depression - Krisenmanagement: EU-Desaster . . . erfolgreiches Japan!

Das oberflächliche Gerede ob der schlechten Wirtschaftspolitik Japans (ja, es wurden Fehler gemacht) wird durch die volskwirtschaftlichen Indikatoren nicht bestätigt. Die Fakten sprechen eine klare Sprache - und verifizieren das verheerende und sinnfreie Krisenmanagement der EU/des Euroraumes ab 2008.

Selbst in den immer wieder zitierten 1990er Jahren kam Japan schneller aus der Rezession heraus – als die EU seit 2008!

8 Jahre nach der größten Finanzkrise aller Zeiten, liegt die EU um ca. 8-10% Wachstum hinter Japan, wenn man die Entwicklung in der größten Krise von 1992 – 2001 als Vergleich heranzieht.

So what ?

USA – Japan – Deutschland: Wachstum und Investitionen: 1960 – 2014.

https://lh5.googleusercontent.com/-PTtUehIXxvc/Vq6G7Kz05HI/AAAAAAAABhM/f9hlzBegazE/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2B%2BUSA%2BJAPAN%2BDE%2B-%2BWachstum%2B-%2BInvestitionen.jpg

Wie öfters gesagt, bin ich kein Freund von makroökonomischen Schnellschüssen aus der Hüfte, sondern ich analysiere einige Fundamentaldaten und vergleiche diese über mehrere Konjunkturzyklen. Dann ergibt sich oft, eine ganz andere Einschätzung, auch wenn man nicht alle Parameter dazu heranzieht.

Bei Japan sprechen die "ExpertInnen"gerne von den 2 verlorenen Dekaden und meinen damit, den Niedergang ab Beginn der 1990er Jahre bis heute. Nun, dies macht keinen schlanken Fuß - ich vergleiche nur Deutschland mit Japan:

- betrachtet man nur Westdeutschland, also bis zur Wiedervereinigung, dann lag Japan i m m e r haushoch mit seinem Wachstum vor Deutschland – die Investitionen waren ca. 1/3 höher - über Jahrzehnte,

- ab ca. 1998 lag Deutschland beim realen Wachstum vor Japan, aber dieser Vorsprung betrug um die 0,4-0,8% der jeweiligen Jahre und fiel eher bescheiden aus; guckt man auf die Investitionen, so sanken diese in Japan von über 25% (ca. 1994) auf ungefähr 18% (2014) des BIP – die Investitionsquote lag aber zuletzt um fast 50% ü b e r jener Deuschlands!

Dies nur vorweg zur Verdeutlichung und Revidierung unbedachter Schlussfolgerungen.

- - -

Führen negative Leitzinsen auch zu höherer Kreditvergabe?

Sorry – aber all die herbeigeschriebenen Erfolge von QE (dem massivem Aufkaufprogramm von Anleihen) bei gleichzeitigen null- und negativen Leitzinsen, gehören in die Kategorie „Wishful Thinking“.

https://lh5.googleusercontent.com/-g-YtHdzc1Gw/Vq6HFbakCxI/AAAAAAAABhs/1r4x2fQ9hDQ/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2BEZB%2B-%2BLeitzins%2B-%2BKreditvergabe.jpg

Wie eh alle ... wissen, die das Schuldgeldsystem verstanden haben, können die Zentralbanken (die EZB) keine direkten Kredite an Unternehmen, Haushalte und den Staat vergeben.

Unser 2-stufiges Banksystem ist so gestrickt, dass a l l e Wirtschaftssektoren n u r bei den privaten Banken das Geld als Kredit/Schuld erhalten und k e i n e Konten bei der eigenen Bundes- /Nationalbank führen dürfen.

Ergo dessen ist es unmöglich, dass die EZB weder die Kreditvergabe der Geschäftsbanken - noch weniger die Investitionsneigung und damit das Wachstum, „befeuern“ kann. Es gibt k e i n e n Zusammenhang (Korrelation), dass ihr dies z.B. über den Leitzins jemals gelungen sei!

Eine kleine Korrektur:

In Phasen einer starken Überhitzung der Konjunktur (ich denke konkret an die 1970er Jahre, wo ein sehr hohes Lohn- und Zinsniveau herrschte) kann man durch exorbitante Erhöhung des Leitzinses UND der Mindestreserve (die Banken müssen einen %satz ihrer Kredite bei der Zentralbank hinterlegen) die heiß gelaufene Konjunktur „abwürgen“. Ich halte aber auch in diesen Phasen die Möglichkeiten der Zentralbanken für sehr bescheiden, auch wenn eine hohe Mindestreserve schneller zur Stabilisierung führen kann, als der Leitzins.

Aber mit Verlaub: eine solche Überhitzung gibt es in den entwickelten Industriestaaten seit mehr als 3 Jahrzehnten nicht mehr. Schaut man sich die Wachstumsraten Chinas seit ca. 15 Jahren an, dann wirkt eine Mindestreserve von zwischen 18-23% (die EZB hat diese 2012 von 2 auf einen %punkt gesenkt) dämpfend auf das Wachstum. Dem stehen allerdings Schattenbanksysteme entgegen, die ausserhalb des offiziellen Banksystems operieren und die Wikrung konterkarieren.

Niedrige (Leit)Zinsen:

Verluste der Sparer, Kreditnehmer sind Zinsgewinner.

https://lh3.googleusercontent.com/-gigFASQatBg/Vq6LeRKXhjI/AAAAAAAABiQ/cYcVHkBu20k/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2BEinlagezinsen%2BVerluste%2Bder%2BSparer.jpg

Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/04/die-ezb-schaedigt-die-deutschen-sparer-23-milliarden-euro-verlust/

Der Leitzins der FED/EZB von ca. 4,5 - 6,0%punkten (2007-08) sank rasch auf 1% und Null. Die amerikanische Nationalbank agierte intelligenter und rascher, als Trichet, der damalige EZB-Chef, der sogar die schon im Tiefflug daherkommende Rezession (der Baltic-Dry-Index sank ins Bodenlose) durch eine Zinserhöhung 2008 noch verstärkte.

Klar ist, dass

- niedrige Zinsen zu Verlusten (weniger Zinseinnahmen) der Sparer

- und auf der anderen Seite zu Zinsgewinnen (weniger Zinskosten) aufseiten der Unternehmen, führt.

Die größte Profiteure aber sind die Staaten, deren Verschuldung in der Eurozone seit 2007 um die Hälfte (!) stieg – und da helfen Zinssätze, die von ungefähr 4 - 7% auf ca. 1 - 3% sinken sehr, die nationalen Budgets zu entlasten. Die meisten Industrieländer tragen trotz gestiegener Verschuldung eine geringere Zinslast.

- - - - -

Japan – USA – EU – GB: Vwl. Schulden und Zentralbanken

Quelle:

A Tour Of The Post-Crisis World Economy In 10 Easy Charts http://www.zerohedge.com/news/2013-07-23/tour-post-crisis-world-economy-10-easy-charts

Um Missverständnissen über die empirischen Entwicklungen zuvor zu kommen, ist es hilfreich, sich die Verschuldung aller Sektoren – Haushalte, Unternehmen, Staat – und die dazugehörige Ausweitung der Bilanzen der Zentralbanken durch Quantitative-Easing-Maßnahmen (Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbanken) genauer anzusehen.

Die Sicht auf die Leitzinsen wird sofort klarer.

https://lh3.googleusercontent.com/-1TxGfWMbbLQ/Vq-sWzajcbI/AAAAAAAABi8/y4-k8EW07pA/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2BZentralbanken%2B-%2Bvwl.%2BSchulden%2B1990%2B-%2B2013.jpg

Geldsystemisch, wie oft erwähnt, müssen die Schulden aller Sektoren immer weiter steigen, d.h. wenn diese z.B. bei den Unternehmen sinken – so bedingt dies einer Zunahme eines anderen Sektors.

Bezogen auf Japan wird dies offensichtlich, denn während der Verschuldungsgrad der Haushalte in Prozent des BIP über 20 Jahre annähernd gleich blieb (um die 80%) – sank dieser bei den Unternehmen beträchtlich, nämlich von 190 auf 140% bis 2013.

Die Staatsschulden hingegen vervierfachten sich zwischen 1990 und 2013 auf ca. 240% der Wirtschaftsleistung – weit mehr als in allen anderen Ländern.

Staatsschulden und Zins:

Ich erinnere mich noch genau, als das Modell der ÖkonomInnen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart – eine Staatsschuldenquote von über 90% beeinflusse das Wachstum negativ – vom Mainstream als „empirischer Beweis“ breit publiziert wurde (2013). Damit wurde starker Druck auf die Politik ausgeübt. Nur kurze Zeit später hatte ein Student die beiden Gurus auf ihren simplen Excel-Rechenfehler hingewiesen und damit ihre These als nicht nachhaltig korrigiert.

Abseits vom Rechenfehler gilt immer: Q (menge) x (multipliziert) P (Preis) also Schulden x Zinsen; nun leuchtet allen ein, dass die Kosten für den Staat für 200 Mrd. Schulden zu 2 % gleich der Variante 400 Mrd. zu 1% = 4 Mrd. Zinsen sind.

Anders gesagt: so simple Lehrsätze mögen den Mainstream hell erleuchten, dieser Lichtstrahl verglüht einer Sternschnuppe gleich innerhalb von wenigen Tagen. . .

Kurz zu den Bilanzen der Zentralbanken

- Vor der Krise (2007) machte die Bilanzsumme der Bank of Japan 20% der Wirtschaftsleistung aus - jene der EZB ca. die Hälfte und jene der FED und BoE lag weit darunter.

- Sprunghaft schoss diese, eben durch die Finanzierung des Staates (egal ob direkt oder indirekt), 2008 in die Höhe und verdreifachte sich in England und den USA. Die EZB erreichte fast das Volumen der BoJ.

- 2011 - 2014 wurde der nächste Turbo gezündet - und wenn Draghis Plan, die QE-Programme um 1.800 Mrd. Euro hochzufahren vollendet sein wird (wohl ohne große Wirkung gebracht zu haben), dann dürfte die EZB ählich der BoJ auf einem Niveau von 40% des BIP gelandet sein. Also bitte: wenn man selbst im Glashaus sitzt ... eh scho wissen.

Staatsfinanzierung durch die Bank of Japan:

Viele schauen verwundert auf die hohen Staatsschulden Japans - ohne die Quellen der Finanzierung zu hinterfragen. Diese unterscheidet sich fundamental gegenüber anderer Länder und hat folgende Struktur:

- ca. 1/3 der Staatsanmleihen hält die Nationalbank selbst

- die Hälfte wird durch die eigene Bevölkerung "finanziert"

- und der Rest auf dem Kapitalmarkt aufgebracht.

Damit steht die Staatsfinanzierung Japans auf ungleich solideren Beinen, als in jedem anderen Land und ist auch kaum anfällig, durch Zinsswaps der Hedgefonds in die Enge getrieben zu werden.

Ein wesentlicher Vorteil - denken wir nur an Griechenland!

USA – EU – Japan: Prognose bis 2030.

Ich weiß, ich bewege mich, scheinbar, etwas abseits des Themas. Um aber die vermeintliche Schwäche Japans, die verlorenen 20 Jahre, besser zu verstehen, analysiere ich kurz diese Vorschau:

https://lh3.googleusercontent.com/-CXqLd5WqS5s/Vq-sRhWNEdI/AAAAAAAABiw/q2TowJeM0L0/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2BUSA%2B-%2BJapan%2B-%2BEU%2B%2BPerspektiven%2Bbis%2B2030.jpg

Es ist keine brüllende Neuigkeit, dass Japan ein großes demographisches Problem hat: die Überalterung.

Die Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15-65 nehmen in Japan um ca. 700-850.000 pro Jahr ab, was einen immensen Einfluss auf die Anzahl der produktiven Stunden einer Volkswirtschaft und in weiterer Folge auf das Wachstum hat – und dies kann man nicht durch einen negativen Leitzins korrigieren!

Obwohl Japan in der Produktivität / je Stunde weit vor der EU liegt – führt der demographische Faktor zu einem schlechteren Wert der realen Wirtschaftsleistung / je Einwohner. Diesen elementaren Einfluss liest man nicht in den „Leitmedien“, weil sich wohl kein Journalist die Mühe macht, den elementaren Zusammenhängen auf den Grund zu gehen.

Negativer Leitzins von 1 Prozent: Auswirkungen auf die deutsche Bankenlandschaft . . .

Nun hat es also auch die Bank of Japan getan und ihren Leitzins von + 0,1% auf minus 0,1% gesenkt. Bei der EZB beträgt der Zinssatz auf die Einlagenfazilität - 0,3% und in der Schweiz sogar minus 0,75 %. Die USA hoben ihren auf 0,25-0,5% erst im Dezember 2015 an, jener von China beträgt 4,35%.

Machen wir ein einfaches Beispiel und dann beurteilen wir, ob sich aus diesem Strafzins irgendein "Incentive" für eine höhere Kreditvergabe ableiten lässt:

- Auf welche Kredite/Guthaben wird der Leitzins angewandt?

Prinzipiell auf alle Guthaben die Geschäftsbanken bei ihren Zentralbanken haben, überwiegend betrifft dies die sog. Mindestreserve, also jenen Teil aller von Banken vergebenen Kredite, den sie bei der Zentralbank hinterlegen müssen – im Euroraum gilt der Satz von 1 Prozent.

- Nehmen wir Deutschland als Beispiel:

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2015/2015_12_monatsbericht.html

- Die Bilanzsumme aller Banken (ohne Bundesbank) beträgt per Oktober 2015 . . . 7.856,5 Mrd. Euro

- die rechnerische Mindestreserve beträgt daher 78,6 Mrd. Euro (Statistischer Teil, S, 20). Nachdem aber laut Richtlinie der EZB alle Verbindlichkeiten abgezogen werden, beträgt die Mindestreserve-BASIS . . . nur 3.317 Mrd. - also weniger als die Hälfte;

- von der Basis kommt der Satz von 1% zur Anwendung

= 33,1 Mrd.

- von diesem Betrag ist sodann der negative Zinssatz von 0,3% zu berechnen . . . = 100 Mio. Euro p.a.

Anders gesagt:

die Banken können nach 1 Jahr von den bei der Bundesbank hinterlegten Mindestreserve von 33, 1 Mrd Euro nur mehr 33,0 Mrd. als Guthaben zurückverlangen.

Die 100 Mio. „Strafzins“ machen in Bezug auf die gesamte Bilanzsumme von 7.856,5 Mrd. gerade mal 0,015 Promille aus. Für Japan ergäbe dies ähnliche Ergebnisse - nur eben um ein Drittel niedriger. . .

- - - - -

Conclusio:

- Ob sich ein negativer Leitzins von 0,1% als brüllender "Anreiz" für Geschäftsbanken eignet, mehr Kredite zu vergeben, muss stark bezweifelt werden;

- es konnte kein Zusammenhang zwischen Leitzins (und dem Aufkauf von Anleihen) und einer starken Kreditnachfrage ... und in Folge von einem Anstieg der Investitionsneigung der Unternehmen ... festgestellt werden;

- die noch immer weit verbreitete These, dass die Zentralbanken über den Zins, die Mindestreserve und durch (in-)direkte geldpolitische Massnahmen (Quantitative Easing usw.) den Staat, die Unternehmen und Konsumenten zu mehr Investitionen und Konsum anzuregen imstande sind, ist auch nicht auszumachen;

- der Leitzins ist eher als ein "Glühwürmchen" am Horizont der Indikatoren, die einen Crash andeuten, zu sehen, gleichwohl er die Hilfslosigkeit der Zentralbanken klar unterstreicht.

P.S.

Ungleich aussagefähigere Beweise, dass das Schuldgeldsystem bald im Crash enden wird, sind:

- die immense Verschuldung aller Sektoren seit 2008 (insbes. der Staatsschulden in der EU z.B.), die sehr niedrige Zinsen voraussetzen, damit die Budgets der Länder überhaupt noch (teilweise) am Kapitalmarkt finanziert werden können;

- die damit verbundene irre Ungleichheit der privaten Vermögen dieser Welt auf der anderen Seite der Bilanz - wodurch große soziale Unruhen immer wahrscheinlicher werden;

- die gesetzeswidrige "Monetarisierung der Staatsschulden" durch die Zentralbanken, die schlecht "geratete" Staaten vorm Bankrott bewahren und so einen längst überfälligen Schuldenschnitt unnötigerweise hinauszögern.

PP.S.

Vor allem der letzte Punkt zeigt einen Trend in Richtung "souveräne Geldschöpfung" des Staates auf, denn wenn die Zentralbanken in einem rasch steigenden Ausmaß die Finanzierung der Staatsbudgets übernehmen, drängt sich die alles entscheidende Frage:

- W i e s o erzeugt der Staat SEIN Geld nicht selbst . . . ?

immer häufiger und mit zunehmender Intensität, auf!

00:01 01.02.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

Kommentare 18