Bargeld: der nächste Verschwörungspraktiker!

Geld, Macht, Politik Die ZEIT: "Es gibt kein Grundrecht auf Bargeld" ist ein lustiges Verschwörungspraxis-G`schichterl: ein Schelm, wer die "Corporate Donors" des CER hinterfrägt ... ;-)
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Bevor ich zum Zweck dieses Nachschlages zum Bargeld komme, weise ich auf 2 sehr interessante Videos hin.

Es handelt sich um Kommentare in den öffentlich rechtlichen TV-Anstalten, die über dieses hochsensible Thema nicht unterschiedlicher berichten könnten. Lehnen Sie sich zurück und lassen sie es einfach mal so auf Sie eintriefen ...

ZDF – HEUTE: vom 23. Februar, 21.45h - https://www.youtube.com/watch?v=iVAegqYJ50c

Mit viel positiver Ausstrahlung wird über einen Chip berichtet, den man sich einpflanzen lässt – und schon ist das lästige Bargeld verschwunden und der bargeldlose Komfort ist endlich zur Realität geworden. Der Kommentar des netten HEUTE-Pärchens am Ende ist schon sehr sonderbar – aber umso bezeichnender für das Zweite (mit dem man besser hören – nein, es war sehen - soll?)

Ob sich beide schon für die Chip-Transplatation angemeldet haben, sagen sie nicht . . .

BR – Nur Bares ist wahres! Vom 11. Feber 2016.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/quer/160211-quer-bargeld-100.html#&time=

Das kommt dem allgemeinen Kulturauftrag schon sehr nahe und geht dem Mainstream-Gequatsche nicht auf den Leim. Auch wird das PRO-Argument der Geldwäsche und der organisierten Kriminalität auf seine praktischen Sachverhalte abgeklopft und leitet - weil satirisch kommentiert – zum Nachdenken an.

Gut gemacht.

Und was sagt die BoE (Bank of England) in ihrem Quaterly Bulletin 2010 Q4, Seite 302:

Bank notes are “risk-free” money:

“Bank of England notes are a form of ‘central bank money’,
which the public holds without incurring credit risk. This is
because the central bank is backed by the government.”

http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/qb1004.pdf#page=70

- - -

(Fast) jede Politik ist eine Verschwörung...

Dazu bedarf es keiner Definition („Verabreden“ sich Menschen mit einer gegebenen Macht um zu gestalten und bewahren sie darob Stillschweigen) denn allein die Praxis, wie z.B. der Lesesaal zu den Dokumenten für TTIP, der Zugang als auch die Überwachung der Volksvertreter gestaltet ist, reicht völlig aus.

Ja, ich würde sogar weiter gehen und meinen, dass sowohl Hartz4, als auch eine Steuerpolitik, die die obersten Einkommen + Konzerne zulasten der 99% begünstigt, unter dem Begriff „Verschwörung“ zu verstehen ist: sie wurde ja über 2 Jahrzehnte von allen Parteien genau SO umgesetzt! Diese Entwicklung ist ja nicht vom Himmel gefallen ... oder wurde durch x-Gebete in den Krichen herbeigekniet.

Alle Vermögens- und Armutsberichte sind Dokumente dieser Verschwörung die Warren Buffett so erklärte:

„Es herrscht Krieg – Reich gegen Arm. Und wir, die Reichen werden diesen gewinnen“. (sinngem, widergegeben).

- - -

„Es gibt kein Grundrecht auf Bargeld“ ...

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-02/bargeld-europa-euro-krise/komplettansicht

war die Headline eines Kommentars vom Chefökonomen des „Center for European Reform“, Christian Odendahl. http://www.cer.org.uk/personnel/christian-odendahl

Diesen Artikel muss man sich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Wenn der Begriff Verschwörunstheorie zutrifft - dann ist Odendahl ein sehr großer Wurf gelungen. Wühlt man sich ein bisschen durch die fast 500 Kommentare, dann fühle ich mich gleich wohler, denn bei ca. 80-90% der Poster tritt das was man den „normalen Hausverstand“ nennt, offen und ungeschminkt zu Tage.

Das tut gut.

Einige hervor- und (be-)stechende Posts führe ich kurz an:

- Wolfgang Schmidt (vor 5 Tagen)

Ja, vor allem gibt es zwei "gute" Gründe für das Ende des Bargelds.
1.) Negativzinsen bei der nächsten Rezension - also eine schleichende Enteignung der Mittelschicht (die Reichen haben eh ihr Geld im Ausland gebunkert).
2.) Flächendeckende Überwachung der eigenen Bevölkerung.

Daher IST Bargeld Freiheit.

- M.Knarz (vor 5 Tagen)

Viele große Worte, aber was der Autor letztlich sagt, ist Folgendes: Weil der Sparer sein Geld (aus Sicht des Autors) nicht schnell oder umfassend genug anderen Menschen gibt ("investiert", d.h. auch riskiert), muss man ihm (dem Sparer) das Geld eben wegnehmen, um es "umzuverteilen".

Da diese Umverteilung nicht funktionieren würde, wenn es Bargeld gäbe, auf das (sobald es abgehoben ist) keine negativen Zinsen mehr erhoben werden können, müsse das Bargeld eben abgeschafft werden. Dann stünde der "perfekten Welt" der negativen Zinsen nichts mehr im Weg.

Mit anderen Worten: die Sparer sollen gefälligst für die Schulden der Staaten und Dritter aufkommen sowie ihr Geld "investieren" und die Abschaffung des Bargelds ist ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel mit Gewalt durchzusetzen.

Genau DAS ist aber einer der wichtigsten Gründe, warum die Abschaffung des Bargelds so eine schlechte, autoritäre Idee ist, die jeder freiheitsliebende Mensch ablehnen sollte.

- Lillilei (vor 5 Tagen)

"Wenn alle Zahlungen rein elektronisch ablaufen, hat der Staat die Möglichkeit den kompletten Zahlungsverkehr lückenlos zu überwachen."

Nicht nur das, er kann auch den Zahlungsverkehr komplett einstellen, wenn er wollte.

- almani2000 (vor 5 Tagen)

Naja, Herr Odendahl, netter Artikel. Aber damit wollen Sie doch wohl nur von den wahren Problemen des aktiven Kapitalismus ablenken. Nicht die kleinen Leute mit ihren Ersparnissen unterm Kopfkissen sind das Problem, sondern die 62 reichsten Menschen, die ihr Geld gar nicht mehr der Volkswirtschaft zur Verfügung stellen wollen und können. Wenn wir das Problem lösen, brauchen wir über Ihr Thema hier nicht mehr zu reden!

- - -

Karl Valentin: „Es ist schon alles gesagt, nur noch

nicht von allen."

Ich folge Valentins Rat und beziehe mich auf ein paar Passagen Odendahls:

1.) Allein der Titel „Es gibt kein Grundrecht auf Bargeld“ ist eine Verschwörungstheorie per se! Der in jederfrau(mann-)s Auge stechende Mangel an Glaubwürdigkeit kann weder juristisch ... und noch weniger ökonomisch weggewischt werden. Eine stringtent-schlüssige Begründung konnte ich nicht lesen - Sie vielleicht? Ich verweise daher auf das Statement der BANK of ENGLAND, weiter oben.

2.) Zu Beginn: Ja, Bargeld ist geprägte Freiheit, stimmt.

Es ist schwer nachzuvollziehen, wenn er dazu anmerkt:

„Wie bei der Vorratsdatenspeicherung müssen diese Bedenken gegen Sicherheitsinteressen abgewogen werden.“

Leider lässt er uns total im Dunkeln tappen, welche vor allem aber w e s s e n Sicherheitsinteressen so wichtig sind, dass man sie so locker und ungefragt gegen alle Bürger richten und gewichten muss?

3-) Der Bezug zu den negativen Zinsen der Schweiz und Japans hinkt gewaltig, denn diese werden ausschließlich auf Guthaben der Banken bei den Zentralbanken verrechnet und machen nur die ortsüblichen Pea_Nuts aus. Selbst wenn Geschäftsbanken dazu übergehen sollten (im Erfinden von Gebühren sind sie die kreativsten Unternehmen der Welt), ihren Kunden Bankomatgebühren zu verrechnen, geht die Begründung – Bargeld sei zu teuer – an der Realität weit vorbei.

4.) Auch er outet seine erschütternde Unkenntnis des Schuldgeldsystems – Zitate dazu:

...“Denn das Problem der Weltwirtschaft bleibt ungelöst: Wie sollen die Investitionsschwäche und die Sparschwemme auf der Welt in Einklang gebracht werden? In dem Moment, wo zu viele beginnen, (Bar)geld zu horten, hört Geld auf, ein gesellschaftlich sinnvolles Sparvehikel zu sein.

... Der Staat sollte mehr private Ersparnisse aufnehmen und selbst investieren, sinnvolle Projekte gäbe es ausreichend.

. . . Es ist der Auftrag der Zentralbank, Sparwillen und Investitionsbereitschaft wieder zusammenzubringen. Immer mehr Bargeld beziehungsweise Bankguthaben zu horten, als Sparvehikel, kann für eine Gesellschaft als Ganzes nicht funktionieren, es braucht Investitionen in gleicher Höhe."

Nein – zum wiederholten Male:

es bracht k e i n vwl. Sparen um Kredite zu vergeben, weil die Banken das Geld i m m e r nur als Kredit an die KonsumentInnen, Unternehmen und den Staat vergeben. Und nachdem die Kredite ausschließlich als Geld aus dem Nichts . . .

Korrekt ist, dass die Investitionen, egal in welchem Land, seit 2008 eingebrochen sind.

Der Grund liegt aber nicht darin, dass die Sparvolumina zu gering sind ... oder die Zinsen noch weiter sinken müssten, damit die Nachfrage anspringt . . . sondern darin, dass die Unternehmen aufgrund der eingebrochenen Nachfrage (die man zur Gänze an den realen Lohnverlusten seit mehr als 1 Dekade festzurren muss) keine Bereitschaft zeigen, ihr Geld investiv zu verwenden. Sie schütten die Gewinne lieber an die Eigentümer aus - und so explodiert die Ungleichheit immer, immer weiter . . .

5.) Zitat: „Daher ist die Diskussion um das Bargeld nur ein Seitenarm einer viel größeren (und wichtigeren) Diskussion: Wie erzeugen wir gesamtwirtschaftlich ausreichend Nachfrage, in Deutschland, Europa und der Welt? Diese Diskussion wird in Deutschland viel zu wenig geführt“.

Ja – dass über vwl. Investitionen vor allem auch vom Staat, der EZB finanziert, debattiert werden muss, ist richtig.

Aber mit Verlaub:

hier eine Verbindung zum Bargeld herzustellen, kann man nur, mal abgesehen von großer Unkenntnis um die monetären und realökonomischen Zusammenhänge, als „professionelle Verschwörungspraxis“ interpretieren.

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O.K: - genug geschreibselt: was ist Sache?

Eine gute Freundin machte mich auf den kurzen Schlagabtausch in Twitter zwischen Hr. Odendahl und Hr,. Häring aufmerksam. Letzterer wagte es, einen Hinweis auf die „Corporate Doners“ des Center for European Reform zu geben. Die Reaktion des Herrn Odendahl ist entlarvend und darüber lässt sich trefflich schmunzeln ... ;-)

Hier der Link zu Twitter:

https://www.flickr.com/photos/140576195@N07/24631117504/in/dateposted-public/

Die "Corporate Doners" 2014-15 sind interessant:

http://www.cer.org.uk/sites/default/files/publications/donors_trans_12oct15.pdf

http://www.cer.org.uk/corporate-donors#tabs

Norbert Häring hat diesen Austausch auch in seinem Blog kommentiert.

http://norberthaering.de/de/27-german/news/562-verschwoerung-bargeld#weiterlesen

- - -

Es scheint wirklich Krieg im Medienäther zu herrschen, wenn allein der mehr als berechtige Hinweis auf die "Sponsoren" eines sich als objektiv verkaufenden Institutes, solch reflexartige Kommentare des Chefökonomen auslöst. Er ist nur ein lohnabhängiger Angestellter.

Auch dass die Bank of England quasi die gesamte Geldtheorie mit ihrer klaren Richtigstellung "how money is created" ... entsorgte, dürfte Odendahl entgangen sein.

Man kann sicher noch Jahrhunderte darauf warten, dass Mainstream-Formate - wie dieZEIT, FAZ usw, - bei jedem Artikel eines Experten, von welchem Institut immer, automatisch die Quellen der "Sponsoren" offenlegen.

Tja - die Verschwörungspraktiker sind unterwegs.

22:04 25.02.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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