Bargeld raus - Vollgeld rein!

Banken, Macht, Krieg "Der Größe Missbrauch ist, wenn von der Macht sie das Gewissen trennt." (William Shakespeare).
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Ich habe noch nie erlebt, dass Macht im Gleichschritt mit Gewissen gebraucht wurde, denn dann würde es ja so was Ähnliches wie (politische?) Verantwortung geben, die man auch gerichtlich einklagen kann, im Falle des Missbrauchs - oder?

Wurde schon mal irgendein Regierungschef, Minister angeklagt, vom ex-Präsidenten Wulff mal abgesehen. Wie viele der Bankmanager in den obersten Etagen wurden verurteilt? Ach so, es gibt ja eh die Mrd. Vergleiche bei allen schmutzigen Betrügereien, meinen Sie. O.K. auch ein Standpunkt

Ja, der Mrd.-Ablasshandel blüht und die Politik hat diesem den gesetzlichen Weg über Vergleiche geebnet. Die Banken bezahlen diese irren Summen mit dem "Geld aus Luft" - Sie wissen, die Banken erfinden einfach das Geld mal so - und sie sehen diese Prozesse als „öffentliches Kasperltheater“ und mit ihren Anwaltsarmeen walzen sie die Staatsanwälte nieder.

Bargeld: Was sagt die Forschung? Steht die „letzte Freiheit“ zur Disposition - schon?

Ja, wenn man den ExpertInnen Glauben schenken will, dann geht’s dem Baren an den Kragen.

Bargeld gilt als fast das letzte Stück Freiheit, dass uns von der übermächtigen Bankenlobby als Prosamen erlaubt wird – wie lange noch?

Irgendwie werde ich aber den Eindruck nicht los, dass sich die Ökonomen, die vor einigen Tagen den „Krieg gegen das Bargeld“ eröffneten, selbst ins pseudowissenschaftliche Knie schießen. Die Realität steht gemäß einem Paper der Federal Reserve Bosten Bank diametral anders aus, als die kruden Behauptungen der ÖkonomInnen unterstellen.

https://lh5.googleusercontent.com/-E7ktnRepx4s/VWNjhThyEQI/AAAAAAAAA9Q/8ourgVvd8EY/w958-h719-no/2015%2B-%2B5%2B-%2BBargeld%2B-%2BAlter%2B-%2BEinkommen%2B-%2BBildung.jpg

https://lh5.googleusercontent.com/-e8W88_tuaMs/VWNjoiFFLEI/AAAAAAAAA9g/Mto4CcMBEvM/w958-h719-no/2015%2B-%2B5%2B-%2BBargeld%2B-%2BH%2Ba%2Bn%2Bd%2Be%2Bl.jpg

Quelle: http://www.bostonfed.org/economic/wp/wp2014/wp1404.pdf?_ga=1.16303798.1489528112.1409293260

Die Conclusio zur Frage, inwieweit das Bargeld dem Tod geweiht ist und vom virtuellen Giralgeld und den Kreditkarten verdrängt wird, ist sonnenklar:

- in allen 7 untersuchten Ländern wird Bares noch immer stark verwendet, vor allem für Zahlungen von Kleinbeträgen,

- in Deutschland und Österreich dominiert überwiegend die Barzahlung im Handel und für alle Transaktionsgrößen,

- abgesehen von Käuferpräferenzen hängt die Bevorzugung für Bares sehr von demographischen Merkmalen als auch „Point-of-Sale“-Erleichterungen, wie Kundenkarten z.B. ab,

- die starken Unterschiede in den untersuchten Ländern resultieren aus den Alternativen zum Bargeld (Bankomatkarte – Kreditkarte – Kundenkarte) als auch der differenzierten Marktstruktur und den Zahlungspräferenzen, die durch die Unternehmen vorgegeben werden.

Das Kuriositätenkabinett der ExpertInnen

Zwar gibt es einige Bestrebungen in den skandinavischen Ländern, Dänemark und Schweden, als auch Frankreich, Italiens und neuerdings auch Griechenlands, den Bargeldzahlungsverkehr stark einzuschränken, dennoch ist dier Attacke gegen Bares angesichts der o.a. Untersuchungsergebnisse völlig unverständlich.

- Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates und Wirtschaftsweiser ...

bezeichnete in einem Interview mit dem Spiegel Münzen und Scheine bei den heutigen technischen Möglichkeiten als „Anachronismus ...es erschwere den Zahlungsverkehr ungemein“. Als Begründung schob er nach, dass ...“das Suchen nach Kleingeld bei Handelskassen verlorene Zeit sei ...und Bargeld der Bekämpfung von Schwarzarbeit und Drogen im Weg stünde ...und empfahl den Regierungschefs, dieses Thema am G-7-Gipfel in Elmau zu behandeln."

- UK moves towards cashless society...schrieb The Independent am 21. Mai und Dave Birch, Autor von “Identity Is The New Money”, meinte, dass junge Mittelklassefamilien wahrscheinlich für eine bargeldlose Gesellschaft bereit wären. Bargeld als Zahlungsmittel sei in Großbritannien am Rückzug und werde von Internetbanking, Zahlung per Handy und elektronischen Überweisungen überholt. Bargeld sei schlecht für die Gesellschaft – es fördere die Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

In Ländern wo das Bargeld keine große Rolle mehr spiele, wie den skandinavischen Staaten, wären auch die volkswirtschaftlichen Kosten für die Wirtschaft geringer – andere hingegen, wie Griechenland und Italien, würden Bargeld aus kulturellen Gründen bevorzugen. Er sprang zwar nicht so weit wie Bofinger, der den G7 - Gipfel für die Abschaffung des Bargeldes einspannen will, aber auch sein Appell richtet sich an die britische Regierung, die hinter dieser Idee stehen müsse.

- Auch Larry Summers tat es ...

und forderte bereits 2013 beim IWF-Wirtschaftsforum die Abschaffung des Bargeldes. Er war 1991-93 Chefökonom der Weltbank anschließend Finanzminister der Clinton-Regierung – also ein Mann von nicht zu unterschätzendem Einfluss. Seine Begründung:

er sprach von einer massiven Erhöhung der Nachfrage, leuchtet mir nicht wirklich ein, zumal das Bargeld – also das gesetzliche Zahlungsmittel – nur ca. 2-3% der in der Wirtschaft zirkulierenden Geldmenge ausmacht, mal davon abgesehen, dass es auch in den USA einigen Widerstand gegen solche Bestrebungen geben wird.

https://www.youtube.com/watch?v=KYpVzBbQIX0&feature=youtu.be

- Kenneth Rogoff, der Harvard-Ökonom, blies auch ins selbe Horn ...

nur ein Jahr später. Auch er diente einer großen internationalen Finanzinstitution, dem IWF und ist auch Mitglied des einflussreichem „Council on Foreign Relations“ – einem US Think Tank, wo sich neben den Clintons viele ehemalige sehr mächtige Personen tummeln. Aus seiner Sicht ist Bares nur lästig, denn er ist ein „modellierender Ökonom“. Vielen ist er noch in Erinnerung, als ein Student etliche Fehler in seinen Excel-Sheets - die die Basis für seine Theorie, dass mehr als 90% Staatsverschuldung als Schwelle in eine massive Krise anzusehen sei usw. - aufdeckte. Natürlich kommt, fast wie mit Bofinger abgestimmt..., auch das übliche Argument, dass man das Papiergeld leicht fälschen könne und es der Steuervermeidung diene.

Vor allem aber störe Bargeld die elementare Annahme, dass Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik über die Zinsen die Kontrolle über die Steuerung der Geldmenge hätten – was u.a. in der Eurozone seit 2008 widerlegt ist.

Bei negativen Zinsen – wie seit einiger Zeit – kann die Zentralbank den Zins nur bis Null senken, nicht weiter. Wenn sich Sparen nicht mehr lohnt, heben die Konsumenten das Geld ab – und bunkern es unter ihrer Matraze, weil Null Zinsen immer noch besser sind als negative.

- Citi Economist Says "It Might Be Time to Abolish Cash".

Willem Buiter, Chefökonomen der Citigroup ist ein dezidierter Gegner des Bargeldes. Nachdem das Papiergeld vor allem von älteren und ärmeren Menschen bevorzugt wird, will er nur noch Scheine mit kleinem Nennwert, so um die 5 Dollar, im Umlauf belassen. Er teilt mehr oder weniger die These Rogoff`s und sieht auch im Bargeld eine Fluchtmöglichkeit der BürgerInnen den negativen Zinsen der Zentralbanken ein Schnippchen mit ihrem „Matrazensparen“ zu schlagen. Seine Argumente sind ähnlich platt und sachlich dünn, wie jene der zuvor genannten Gurus – und dass damit die Weltwirtschaft gerettet wird, ist wenig plausibel.

http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-10/citi-economist-says-it-might-be-time-to-abolish-cash

- Eine Studie der WU (Wirtschaftsuniversität) Wien ...

durchgeführt von den Professoren Schäfer und Abele errechnete bei verstärkter Nutzung von virtuellem Geld Einsparungen zwischen 150-300 Mio Euro. Dies entspricht bei einer Bilanzsumme aller privaten Banken von ca. 950 Mrd. Euro um die 0,2-3 Promille.

Bargeld kostet demnach ca. 1,2 Mrd. Euro – was ca. 0,36 % der Wirtschaftsleistung entspricht - dies liegt auf demselben Relevanzniveau wie die Studien zum Wachstum, die wir durch TTIP/TiSA/ISDS erwarten dürfen .

Das entspricht 2,6% je Euro Umsatz und ca. 40 Cent je Transaktion. Bei Bankomatkartenzahlungen ergeben sich diesselben Kosten (39 Cent) - bezogen auf höhere Beträge im Vergleich zu Barzahlungen würden die Kosten je Euro aber um ein Drittel niedriger sein.

Die ÖsterreicherInnen sind wahre Bargeld-Freaks, denn nur ein Zehntel aller Transaktionen erfolgt digital.

Wie erfreulich!

About „Pea-Nuts“: Helmar Kopper (ehemaliger Chef der Deutschen Bank) hat den Begriff „Pea-Nuts“ in die bank-volkstümliche Sprache als Begriff eingeführt und er ist mir in diesem Zusammenhang eingefallen . . .

Frage: Und wer hat die Studie beauftrag/bezahlt?

Richtig geraten: das GUTachten wurde vom Bankomatkartenbetreiber Payment Services Austria finanziert.

Na dann . . .

http://diepresse.com/home/meingeld/verbraucher/4715458/Die-Osterreicher-sind-Kartenmuffel-und-lieben-Bares?direct=4729682&_vl_backlink=/home/wirtschaft/international/4729682/index.do&selChannel=

- ACHTUNG: „Pecunia non olet“ – Geld stinkt nicht ...

aber es ist schmutzig, und mit Bakterien nur so zugeschüttet. Bargeld ist der schmutzigste Gegenstand in unserem täglichen Leben – also aufgepasst! Glaubt man den Ergebnissen der von Master-Card finanzierten Oxford-Studie, dann kommen wir beim Bargeldgebrauch mit ca.26.000 Bakterien in Berührung, also keine „Pea-Nuts“.

Und – wurden auch die Bakterien bei Nutzung von Plastik-Kreditkarten erhoben? Nein, es fand nur eine Befragung von Menschen statt, was diese glauben. . . , dass schmutziger sei! Da laust mich doch der Affe, wenn nicht mal ein Vergleich von Fakten – also Bakteriengefahr hier und dort – stattfindet.

So sind nun mal die Studien – nicht nur zum Geld. Man muss immer nachgucken wer der Auftraggeber ist und auch die Methodik genauer hinterfragen.

Tja ...

https://lh5.googleusercontent.com/-fnqm4-qhS6o/VWRB0wvrcRI/AAAAAAAAA-M/Bd6imiKVJmU/w958-h719-no/2015%2B-%2B5%2B-%2BBargeld%2B-%2BHygiene%2B2.jpg

Quellen: http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/27/finger-weg-vom-schmutzigen-bargeld/#more-640316

http://newsroom.mastercard.com/press-releases/how-clean-is-your-cash-europeans-rank-cash-as-dirtiest-everyday-item/


Bargeld – Giralgeld: was sind die Größenverhältnisse?

Da lasse ich einfach mal 2 selbsterklärende Grafiken sprechen:

https://lh5.googleusercontent.com/-HDE1xaWtAFw/VEmoPOyEBHI/AAAAAAAAAbs/npiBCHdvofE/w958-h719-no/G%2Be%2Bl%2Bd%2B-%2Bcash%2B-%2BGiralgeld%2Bseitr%2B1970.jpg

Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, explodierte das von Banken erfundene „Geld aus dem Nichts“ (Giralgeld), währenddem die Entwicklung der Nutzung von Bargeld weit zurückblieb. Dies ist, meines Erachtens, vorwiegend auf die Erfindung des Girokontos und neuer Technologien, wie das Internetbanking, zurückzuführen.

Denken wir mal zurück, als unsere Großväter den Lohn noch bar ausbezahlt erhielten – im Lohnsackerl. Und die Renten brachte die Briefträger, die oft unter anomymen Polizeischutz standen, weil sie mit großen Beträgen unterwegs waren um die Renten an die SeniorInnen - in bar - auszuzahlen.

Fazit: Ohne Konto – gibt es kein Giralgeld!

https://lh5.googleusercontent.com/-uyvdPAY7DLU/VWRGM7bHnZI/AAAAAAAAA-g/tXVaUiYoY4M/w958-h719-no/2015%2B-%2B5%2B-%2BBargeld%2B-%2BPyramide%2Bder%2BLiquidit%25C3%25A4t.jpg

Die Liquiditätspyramide zeigt deutlich auf, welchen rudimentären Einfluss das Bargeld auf die aberwitzigen Geldvolumina hat, die weltweit durch die virtuelle Gegend schwirren. Es überrascht nur die nicht Eingweihten, dass die Spekulationen – Derivate usw. – derart gigantisch sind, dass die Debatte um die Abschaffung des Bargeldes wie jene anmutet, welchen Einfluß ein umgefallens Fahrrad in China auf die Frankfurter Börse hat. . .

Der Kampf gegen das Bargeld ist schlicht IL-legal!

Ich habe erwähnt, dass nur das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel „erlaubt“ ist. Die von Draghi auch per Geld aus dem Nichts erzeugten 1.140 Mrd. Euro, mit denen er die Wirtschaft über den Ankauf von Anleihen beleben will, sind auch Zentralbankgeld – also Buchgeld, weil die EZB dazu gesetzlich ermächtigt ist, das Geld des Euroraumes zu erzeugen.

Dass es vor der Krise keine Gelderfindungseskapaden der Zentralbanken gab – wissen wir alle.

Der Vollständigkeit halber zitiere ich die entsprechenden Paragraphen des KWG:

“§ 3 Verbotene Geschäfte - Abs. (1) Verboten sind

1. ... 2. ...

3. der Betrieb des Kreditgeschäftes oder des Einlagengeschäftes, wenn es durch Vereinbarung oder geschäftliche Gepflogenheit ausgeschlossen oder erheblich erschwert ist, über den Kreditbetrag oder die Einlagen durch Barabhebung zu verfügen.”

§ 3 Abs. 3 KWG verbietet demnach

a) eine Vereinbarung, die eine Barabhebung des Kreditbetrages ausschließt,

b) eine Vereinbarung, durch die eine Barabhebung des Kreditbetrages erheblich erschwert wird,

c) eine geschäftliche Gepflogenheit, die eine Barabhebung des Kreditbetrages ausschließt und

d) eine geschäftliche Gepflogenheit, die eine Barabhebung des Kreditbetrages erheblich erschwert.

Ist die Giralgeldschöpfung Gewohnheitsrecht?

Die Buchgeldschöpfung – also DAS GELD AUS DEM NICHTS - bezieht sich auf den Passus 3. d.) und wenn eine erhebliche Erschwernis (z.B. die Verweigerung gegenüber einem Kunden, auf sein Verlangen das Bankguthaben bar auszuzahlen) eintritt, so ist dies v e r b o t e n!

Erzeugt das Gewohnheitsrecht eine rechtliche Basis?

Das Buchgeld hat k e i n e gesetzliche Deckung, wie Sebastian Kunze in seinem Artikel hier klar nachwies und schlüssig erklärte: „Die Entstehung von Gewohnheitsrecht erfordert eine lang anhaltende tatsächliche Übung sowie die Überzeugung der Beteiligten, durch die Einhaltung der Übung bestehendes Recht zu befolgen (so BVerfG und BGH auf Basis der Rechtsprechung des Reichsgerichts.“)

Der Kollege Scharpf meint dazu:

„Wie daraus Gewohnheitsrecht werden soll, ist deshalb für mich ein Rätsel. Jedenfalls ist schon verfassungsrechtlich undenkbar, dass aus einer verfassungswidrigen Praxis (Gelderzeugung durch private Geschäftsbanken) im Rechtsstaat des Grundgesetzes geltendes Recht werden kann. Es ist bestenfalls geduldetes Unrecht, aber kein Recht.“

https://www.freitag.de/autoren/sebastian-kunze/geld-und-gesetz

Und – welches Medium hat über die gesetzliche Basis berichtet?

- Norbert Häring, Volkswirt, ging auf das Gesetz ein und bezog sich auf Helmut Siekmann(Herausgeber eines juristischen Standardwerkes zur EU). Laut Siekman seien Begrenzung und/oder Verbote der Bargeldnutzung nicht kompatibel mit Artikel 128 des Vertrages über die Arbeitsweise der EU.

Dieser sagt klar, dass Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel gelten. Die EZB hingegen – seit wann macht sie die Gesetze? – erkennt keinen Widerspruch zum Artikel 128, was die Begrenzung der Münzannehmepflicht auf 50 Münzen betrifft.

Auch die Verweigerung deutscher Finanzämter, Bargeld zur Begleichung der Steuerschulden anzunehmen, stehe sowohl im Widerspruch zum Artikel 128 als auch zum Bundesbankgesetz.

„Der Annahmezwang für hoheitliche Stellen ist konstituierendes Merkmal eines gesetzlichen Zahlungsmittels“, so Siekmann

http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/harvard-oekonom-rogoff-grosse-geldscheine-abschaffen/11786632.html

- Raimund Brichta hinterfragte auch die gesetzliche Basis der Bargeldabschaffungs-Kampagne (N-TV – 22. Mai) und findet es unverständlich (sehr höflich formuliert...) wieso die ExpertInnen nicht zur Kernfrage vorstoßen und sich auf das Gesetz beziehen. Ja, er hat Recht, nur Bargeld ist Zentralbankgeld und sohin gesetzliches Zahlungsmittel, das die Verbrauchern verwenden. Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass das Geld, das sie bei Sparkassen usw. bunkern und überweisen/abheben, keine gesetzliche Basis hat.

Dass diese unfassbare Unkenntnis (übers Geld erfährt man in den Schulen + Unis nicht wirklich die Wahrheit – offen gesagt) nur bei einem Bank-Run wie ein Tsunami über die Menschen hereinbricht, ist die nicht erfreuliche Folge davon – siehe z.B. Zypern-Krise als auch Northern Rock, GB, 2008.

Bargeld raus - Vollgeld rein!

Die Meinung der „hochqualifizierten“ ÖkonomInnen, die sich als willfährige Lobbyisten vor den Zug zur Attacke auf das Bargeld spannen lassen, fusst nur auf vordergründigen, an den Haaren herbeigezogenen Argumenten (Steuerhinterziehung, Kriminalität, Kosten usw.).

Dass sie nicht mal zur bestehenden Gesetzeslage durchdringen – erstaunt einerseits, bestätigt anderseits aber alle berechtigten Zweifel an deren Objektivität und Wissenschaftsanspruch!

Gibt es kein Bargeld mehr, kann niemand aus diesem Enteignungsmodell - Schuldgeldsystem - flüchten.

In Wahrheit geht es nur darum, die Sparer zugunsten der Schuldner – eben der Banken – zu enteignen und sie zum sinnlosen Ausgeben ihrer Einkommen/Vermögen zu „motivieren“. Es ist ein – letzer? – Versuch, die irren Schuldentürme der westlichen Welt vor dem Einsturz zu retten und so das Vermögen der Reichsten 1-10% abzusichern.

Letztendlich weiß jeder vernunftbegabte Mensch, dass ein 100%iges Schuldgeldsystem immer im Crash, Kriegen und sozialen Unruhen mündet.

Schuldenschnitte helfen nicht wirklich, weil dann das „Geldhütchenspiel“ von einem niederigeren Niveau wieder von vorne beginnt und sich alle Wirtschaftssektoren aufs Neue bei den privaten Banken, die 98% des Geldes aus Luft erzeugen, verschulden müssen.

Bei Eigenkapitalquoten (Eigenkapital in % des Gesamtkapitals) um die 3 Prozent ist jede Bank bei der geringsten Krise, beim kleinsten Lufthauch, pleite. Beispiele gibt es en masse . . . und alle mit einem Mittelfristgedächtnis erinnern sich noch an Zypern, wo die Sparer um Teile ihres Vermögens gebracht wurden und die EZB auch noch diktatorisch anordnete, wie viel Euro die Menschen pro Tag von ihrem eigenen Geld abheben dürfen!

In Österreich fand der größte Raubzug aller Zeiten an den BürgerInnen statt und die Unfähigkeit und Inkompetenz der PolitkerInnen aller Couleurs wurde diesen von einer Untersuchungskommission auch noch amtlich bestätigt. Sie wurden nicht angeklagt und es gab keinen einzigen Rücktritt:

Dummheit ist ja nicht strafbar . . .

Würde es der selbsternannten Elite um echte Lösungen gehen - so müssten sie längst das Primat der Politik über die Banken umsetzen und diesen das GELD AUS DEM NICHTS wegnehmen. Es ist fast 8 Jahre nach der Krise nicht einzusehen, dass Banken nach wie vor so weitermachen als sei nichts geschehen und keinerlei gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen.

Nach wie vor entsteht das Geld zu 100% als Schuld/Kredit und daher ist eine Tilgung nicht möglich – es gibt immer nur eine Umschuldung, d.h. alte Schulden + neue Kredite + Zinsen = neuer Schuldenstand.

ISLAND geht mit seiner revolutionären Geldreform den richtigen Weg und ist dabei, SOVEREIGN MONEY einzuführen.

Banken wird die Buchgeldschöpfung entzogen - sie können sich nur mehr neues Geld von der Zentralbank besorgen. Damit ist ein Meilenstein in der Geldgeschichte erreicht, denn alle Verwerfungen - Boom und Rezession - verursacht durch die Kreditexpansion der letzten Jahrhunderte, gehören der Vergangenheit an.

Bargeld bräuchte es dann wirklich nicht mehr, weil sowieso alles Geld vom Staat erzeugt wird.

Diese Idee stammt ursprünglich von den Professoren Henry Simons und Irving Fisher, die diese nach der großen Depression entwarfen (1936). Das staatliche Geldmonopol ist also nicht neu.

Geld ist ein öffentliches Gut – so wie Wasser und Luft!

Das Geld muss- endlich – re_verstaatlicht werden, nicht die Banken. Diese erfüllen dann die Funktion von Vertriebsstellen, ähnlich den Aldi und Tengelmann Filialen.

Damals gab es mächtige Befürworter, u.a. Benjamin Franklin, David Ricardo, Thomas Jefferson und Milton Friedman.

Wieso sich heute weder ÖkonomInnen und noch weniger PolitkerInnen nach der größten Finanzkrise der Menschheit diesem längst durchdachten Konzept (siehe den Vorschlag im Auftrag des isländischen Premierministers) zuwenden und es landauf/landab diskutiert wird – ist nicht nur mir ein Rätsel. Über die Gründe sind alle angehalten – nachzudenken.

"Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist." (Benjamin Franklin)
23:02 25.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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