Bargeld: Verschwörungspraktiker am Ziel?

Geld, Macht, Politik "Geld ist geprägte Freiheit". (Fjodor Michailowitsch Dostojewski)
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Alle, die die 6. Klasse Real- oder Hauptschule überlebten, wissen, dass die Entwicklung einer exponentiellen Kurve ein jähes Ende haben muss. Krebs im Endstadium wird dann immer als d a s Beispiel genannt und alle wissen um das Ergebnis. Wieso dies seit Jahrhunderten nicht bedacht wird, wenn es um unser Geldsystem geht - ist weder verständlich und noch weniger nachvollziehbar.

Wie schon öfters erwähnt, wurden stets vor dem Kollaps immer dieselben Lösungen von den Eliten "angeboten", die sich bei einer kurzen historischen Recherche als nicht wirklich zielführend erwiesen haben:

- Krieg, den uns die Politik immer als alternativlos und Ultima Ratio verkaufen will, mit dem danach folgenden, mühsamen Wiederaufbau. Die Profiteure scharren schon in ihren Startlöchern. Wenn man einige Kommentare so deutet und sich die Gewinner der Krisen im Nahen Osten seit 2002 ansieht, dann bedarf es keiner allzu großen Denkleistung mehr, dass diese Kategorie eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt: hat nicht Gabriel die Rüstungsexporte an Saudi Arabien, Israel u.a.m. für "gut" befunden?

Tja - sozial ist, was Arbeit schafft, nicht wahr?

- Haircuts, also brav und überfallsartig organisierte Schulden- und Vermögensschnitte, wobei die Geschichte auch immer wieder dieselbe Platte „spielt“: die leichteste Übung ist immer jene, wo man das Vermögen bei der Masse rasiert. Die vielen kleinen Sparer, die über keine starke Lobby verfügen und die man immer quasi über Nacht enteignen kann, wurden immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Am Freitag lachen die Politiker in die Kameras der öffentlichen TV-Anstlaten - und am Montag sind alle Banken geschlossen: Pech gehabt.

Deutschland`s Position als Exportweltmeister und Musterschüler wurde auch mit einem großen Schuldenschnitt in den 1950er Jahren erkauft – die Griechen verzichteten ebenso wie viele andere Länder auf die Begleichung von Reperationszahlungen. Erst damit, das ist unstrittig, wurde das deutsche Wirtschaftswunder auch ein reales;

- als 3. Variante steht noch die (ewige?) Streckung der Schulden zusammen mit extrem niedrigen Zinsen zur Verfügung. Dies dachte der ehem. griechischen Finanzminister, Gikas Hardouvelis, im Handelsblatt vom 21. September 2014, an. Kurz erinnert: 2010 wurden Griechenland die Staatsschulden teilweise erlassen und nur 4 Jahre später war wieder ein Point of no return erreicht. Klarerweise ist auch dies keine Lösung – das systemimmanente Geldproblem wird nur prolongiert und der Exodus auf den St. Nimmerleinstag verschoben.

Den aktuellen PolitikerInnen ist dies, insoferne sie die Zusammenhänge überhaupt verstehen, schnurzegal. Sie genießen ihre hart erarbeitete und großzügige Rente, dafür haben sie auch selbst vorgesorgt.

Und – hilft eine Schuldenbremse?

Alle Leser, die meine Artikel zum Geldsystem verfolgt haben, wissen, dass auch dieser so korrekt deutsch-anmutende Ausweg nicht den erhofften Erfolg bringen kann. Ja, ich weiß, Schäuble sieht dies total anders ... aber er ist ja ein Jurist! Die SPD torkelt hintendrein und ist auch schuldenbremsig gepolt - und Merkel ist in der Unschärferelation Heisenberg`s gedanklich total gefangen, wie uns allen längst bekannt ist.

Bei einer kurzen Recherche stoßen wir auf die USA, die genau am 7. Feber 2014 zum 108ten Mal (in Worten: hundert_und_acht) ihre Schuldenbremse aufgehoben und verlängert haben. Ich habe dieses Prozedere seit damals nicht mehr verfolgt, weil ich wenig Lust habe, mit knallharten, mathematischen Fakten gnadenlos esoterisch-selbstverliebte Politiker und „Verschwörungspraktiker“ in ihrer Religionsausübung aus dem jahrzehntelangen hirnschonenden Winterschlaf zu reißen.

Erst kürzlich konnte man die für alle zu erwartende Tatsache nachlesen, dass es auch Obama nicht und nicht gelingen wollte, die gesetzlich-verankerte Schuldendynamik zu bremsen - trotz Gesetz.

Ganz im Gegenteil:

seine Ära wird in die US-Geschichte als jene Epoche eingehen, wo sich die Staatsschulden innerhalb von nur 8 Jahren um fast genau denselben Betrag erhöhten, den sie seit Kriegsende bis zu seiner Amtseinführung 2008 erreichten. O.K. - er hatte auch die größte Finanzkrise der Menschheit zu bewältigen – also ist auch etwas Milde angebracht . . .

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2014: der IWF fordert eine 10%ige Vermögensabgabe.

http://www.imf.org/external/pubs/ft/fm/2013/02/pdf/fm1302.pdf

Den Vorschlag des IWF vom Oktober 2014 beschrieb das Forbes Magazin wie folgt:

„The International Monetary Fund (IMF) quietly dropped a bomb in its October Fiscal Monitor Report.”

Naja, als Bombe würde ich diesen hilflosen Versuch, ein nicht nachhaltiges Geldsystem zu retten um die Reichtümer der Reichen abzusichern, nicht bezeichnen.

Natürlich klingt eine einmalige Vermögensabgabe ziemlich harmlos, aber das Kraut machen eben nicht die Milliardäre fett (sie sind mit Steueroasen bestens vertraut und können sich locker einem Vermögensschnitt entziehen), sondern die vielen kleinen Sparer, die sich eine kleine Summe für den Lebensabend auf die Seite legten. Da tun 10% von 30.000,- Euro ungleich mehr weh - und genau dies ist auch das Ziel der Übung.

Fein säuberlich wird die massive Enteignung wirtschaftswissenschaftlich "begründet" – und selbstverständlich gibt es auch Quellenverweise zu Gurus wie z,B.: Pigou, Ricardo und Schumpeter. Selbst J.M. Keynes darf nicht fehlen. Aber man ist korrekt und macht sich die Mühe darauf hinzuweisen, dass er seine Meinung hierzu änderte: „...until he changed his mind“.

Immerhin.

Auch der Hinweis auf die außergewöhnliche und einmalige Notwendigkeit dieser Aktion um eine nachhaltig-stabile Verschuldung der Staaten wieder herzustellen, überrascht nicht. Selbstverständlich gibt es wirtschaftshistorische Belege, wie z.B. ... „dass diese Praxis nach dem 1. Weltkrieg in Europa weite Verbreitung fand ... und dass man nach dem 2. Weltkrieg mit Vermögensabgaben in Deutschland und Japan große Erfahrung sammeln konnte“ (sinngem. übersetzt).

10 Prozent auf das Nettovermögen eines Samples von 15 Eurostaaten würden ausreichen, um die Staatsverschuldung auf das Vorkrisenniveau von 2007 abzusenken. Dieses umfasst nicht nur das Bar_Vermögen, sondern auch Immobilien, Versichungsleistungen usw.

https://lh5.googleusercontent.com/-njnOZU5Vfeg/VsUkDLy6JmI/AAAAAAAABkc/xXWG_QA4VRI/w958-h719-no/2016%2B-%2B2%2B%2B-%2BIWF%2B-%2B2013%2BVerm%25C3%25B6gensschnitt.jpg

Wenn Sie nun die mit naiv wohlwollend umschriebenen Auffassung teilen, dass diese Modelle nur aufgrund der verheerenden Verschuldung aller Staaten nach der größten Finanzkrise der Menschheit entstanden seien, dann irren sie gewaltig.

Rein zufällig ... deckt sich diese Idee mit einer Analyse der BCG (Boston Consulting Group) vom September 2011 mit dem Titel: Back to Mesopotamia?

http://www.bcg.de/documents/file87307.pdf

Wie es sich halt so ergibt, wurde die BCG-Studie von einem gewissen Levin Holle mit_verfasst, der kurz nach der Veröffentlichung neuer Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium für die strategisch wichtige Abteilung VII wurde.

Und es ist auch kein Witz, dass Herr Holle mit dem damaligen Staatssekretär im Finanzministerium, Jörg Asmussen, beim TSI Congress (True Sales International, Lobbyvereinigung für Verbriefungen) zusammen kam. Diese ist wiederum ganz zufällig jene Vereinigung, die Asmussen einlud, um die Verbriefungen in Deutschland voranzutreiben und die als Auslöser der Finanzkrise 2007 ff. gelten.

Ich fasse die drei wichtigsten Gedanken zusammen:

1. Nur die obersten 1% der Reichen mit einer hohen Steuer zu belegen reicht nicht aus, die extrem gestiegene Verschuldung – die Bankenrettungen wurden fast zur Gänze den Steuerzahlern umgehängt – rasch und nachhaltig zu vermindern. Dazu bedarf es eines Schnittes über sämtliche Nettovermögen, also des Geld-, Immobilien- und Versicherungsvermögens.

2. Aber auch ein 10%iger Haircut reduziert die Schuldenlast nur auf das Niveau vor der Krise des Jahres 2007. Nachdem aber Geld nur als Schuld entsteht, werden diese systembedingt rasch wieder auf das Niveau von heute ansteigen. Die nächste Krise ist daher vorprogrammiert.

3. Sollte durch akkordierte Maßnahmen zwischen Politik und den Finanzeliten dieses Enteignungsszenario nicht durchsetzbar sein – so bleibt nur mehr eine Hyperinflation als Entschuldungsinstrument übrig (geplante Kriege lasse ich mal als Ultima Ratio außen vor).

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Die großen Hindernisse: Gold, Geld aus dem Nichts, Bargeld, - und Bankrun!

Ad) Bankrun:

dieser ist das 1. elementare Alarmzeichen für das Schuldgeldsystem, denn nichts ist schädlicher, als dass das komplette Vertrauen der BürgerInnen in das „Ponzi-Scheme (Pyramidenspiel) verloren geht. Sie kommen auf den nicht einfach so abwegigen Gedanken, ihr erspartes Geld in bar von den Banken beheben zu wollen. Historische Beispiele gibt’s en masse – ich erwähne nur Northern Rock, GB und danach Zypern als auch Griechenland.

Haben also die Menschen jeden Glauben in das Finanzsystem verloren, dann ist der Zeitpunkt gekommen, dass sich die mächtigen Banker die PolitikerInnen „zur Brust“ nehmen ... und diese dann vor die Bühne treten und lautstark verkünden:

die Spareinlagen sind sicher!

So geschehen im Oktober 2008 als in Deutschland Merkel/Steinbrück und bei uns Faymann/Molterer diesen Schritt taten – und die Menschen schlicht belogen, nur um ein selbstgestricktes, gesetzeswidriges Pyramidenspiel zu „retten“ ?

Ad) Bargeld:

ich spannte bewusst diesen größeren Bogen, um die Hintergründe der so vehement geforderten Einschränkung oder des Verbotes von Bargeld offen zu legen.

Klar ist, dass es ohne Bargeld keinen

Bankrun geben kann!

Schafft man also das schädliche, menschenverunsichernde, bakterienbehaftete, alle möglichen Krankheiten übertragende, lästige und zeitraubende Bargeld ab – dann bricht der Urtraum aller Banker aus: die totale Beherrschung von zig Mrd. Menschen über die von ihnen frei erfundenen Buchungszeilen = Buchgeld!

Die Bürger aller Staaten wären den Bankcomputern und den Launen der Bankdiktatoren völlig ausgeliefert, ein Zustand, den sich nicht mal Orwell in seinen kühnsten Träumen vorzustellen gewagt hat. Nein – ich möchte mich nicht mit den Politikerinnen und deren Rolle in diesem Pyramidenspiel befassen, das überlasse ich Ihnen selbst.

Dennoch ein Tipp: machen sie eine einfache Übung und fragen Sie bekannte Lokalpolitikerinnen über deren Kenntnisse zum Geldsystem präzise aus. Zumindest auf die Faustformel der Volksverdummung – die Spareinlagen sind sicher – müssen sie gefasst sein.

Ad) Geld aus dem Nichts:

https://lh3.googleusercontent.com/-Ve1eQfsCHm4/VZMsOhqeYWI/AAAAAAAABEM/0SH1parPoLw/w958-h719-no/G%2Be%2Bl%2Bd%2B-%2BBargeld%2B-%2BGiralgeld.jpg

Wie allen längst bekannt sein dürfte, erzeugen die privaten Geschäftsbanken das Geld aus dem Nichts, indem bei der Kreditvergabe einfach das Geld, besser gesagt das Giralgeld auf den Bankkonten, erzeugt wird. Es bedarf daher keiner Spareinlagen (auch so eine dicke Lüge, die uns die Politiker und Expertinnen in einfältiger Eintracht auftischen), um den Unternehmen Geld für ihre Investitionen zu geben.

Die beiden Grafiken zeigen, wie sich in den USA (links) und Großbritannien (rechts) das Verhältnis zwischen dem echten Geld (Münzen und Scheine) und dem virtuell erzeugten Buchgeld die letzten 50 Jahre entwickelte. Nur ca. 2-3% macht das gesetzliche Zahlungsmittel aus – der Rest ist künstlich und nicht gesetzlich gedecktes Giralgeld.

JA - es ist eine erschreckende exponentielle Kurve, die uns direkt ins Gesicht sticht und auch JA, die wenigsten EntscheidungsträgerInnen sind sich dieser Entwicklung bewusst. Die beiden größten Innovationen des Finanzssektors – das Girokonto und die Bankomatkarte – waren an dieser Explosion des virtuell-erzeugten Geldes nicht ganz unschuldig. Den Rest besorgte die Politik, indem sie sich die verheerende Deregulierung des Finanzssektors (Basel II) aufschwatzen ließ.

Auch JA - Lobbygruppen waren daran nicht ganz unbeteiligt und ob es „Kick-Backs“ zu den Volksvertretern gab/gibt, möchte ich nicht ausschließen.

Ad) Gold:

„Gold ist Geld – alles andere ist Kredit“ (J.P. Morgan).

Ich bezweifle aufrichtig, dass wir Menschen imstande sind, auch nur einen Beistrich bezüglich Geld und Finanzkrisen aus der Geschichte zu lernen. Zwar zeigt sich seit einigen Wochen das allseits bekannte Signal - sinken die Börsenkurse rasch, dann steigt der Preis fürs Gold ebenso stark an – querbeet über alle Börsen weltweit, aber noch – ich betone noch ... – gibt es keine öffentlich verlautbaren Gedanken, den Menschen auch ihre privaten Goldbestände zu konfiszieren.

Wie bitte? Sie glauben das nicht?

Voran ging „The Land of the Free“ – die USA. Am 5. April 1933 unterzeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6102, mit der der privaten Goldbesitz in den USA per 1. Mai 1933 verboten wurde. Unter Androhung von Strafen mussten alle, die mehr als 5 Unzen Gold besaßen, dieses innerhalb von 14 Tagen bei staatlichen Sammelstellen abliefern.

Das Ziel war, den Goldabfluß ins Ausland zu stoppen und die Depression zu bekämpfen. Der Erlös für die Menschen war sehr gering, zumal kurz darauf der Dollar stark gegenüber dem Gold abwertete. Dies war ein substanzieller Eckpfeiler im New Deal von Roosevelt. Er wollte unter allen Bedingungen die Konjunktur beleben und dem Schuldenboom der 1920er Jahre entkommen.

Nein, ich wundere mich nicht über das medial breit diskutierte Bargeldverbot, weil dies nur ein Vorbote zur totalen Enteignung ist und in feiner Dosierung den Menschen „schmackhaft“ gemacht wird.

Der nächste und erste Schritt wird im Einzug der 500,.- Euroscheine kommen. Die Beschlüsse hierzu, so liest man, sind im EZB-Dirketorium im Einklang mit Juncker/Dijselbloom bereits gefasst. Ob es bei den sonst immer sehr auf Harmonie bedachten Nationalbankchefs auch Gegenstimmen geben wird, werden wir bald wissen.

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Verschwörungstheoretiker versus -praktiker:

Ich erhebe selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Betrachtung der letzten Jahre, was die klaren Positionen PRO Abschaffung des Bargeldes durch „gekaufte“ und/oder ehrliche Proponenten und Entscheidungsträgerinnen betrifft – anders gesagt: Sie können meine kleine Liste gerne mit Ihrer Erfahrung anreichern.

Larry Summers ...

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/us-oekonom-larry-summers-will-bargeld-abschaffen-damit-staat-und-banken-besseren-zugriff-haben/9326548.html

ließ bereits im Jänner 2014 auf einer Konferenz des IWF den Geist aus der Flasche und preschte mal vor. Man müsse das Bargeld abschaffen, damit die Banken ihren Kunden negative Zinsen verrechnen könnten, d.h. alle Kunden müssten für das Parken des Geldes bezahlen und bekämen keine Zinsen mehr für ihre Geldeinlage.

Um diese Maßnahme umzusetzen, müsse man das Bargeld verbieten - damit die Geldflucht, das Abheben der Ersparnisse der Bürger, verhindern werden könne. Der Staat (?) und die Banken müssten Zugriff auf das Geld der Sparer haben, um die Kunden . . . zum Ausgeben zu zwingen ... damit könne man die Konjunktur ankurbeln ...und Arbeitslätze schaffen ... usw. usw. usw.

Es folgten heftige Debatten, wurde berichtet - aber den Stein brachte er ins Rollen . . .

Kenneth Rogoff von der Harvard University ...

hat im Mai 2014 ein Paper bei einer Konferenz für Makroökonomen präsentiert, dass sich mit den Kosten/Nutzen von „phasing out paper currency“ befasste. Obwohl das Papiergeld einen hohen Stellenwert bei den Menschen seit über 100 Jahren nach wie vor habe, sei es an der Zeit, die Abschaffung anzudenken.

Er plädierte schon damals für kleine Scheine, damit man die Untergrundtätigkeit und illegale Verwendung einschränken könne. Grosse Stückelungen würden auch die Steuerhinterziehung erleichtern.

Ob dies die US-Justizministerin, die erst kürzlich die Schweizer Grossbanken ob ihrer Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern im Visier hatte, auch so sieht, möchte ich stark bezweifeln.

Weiters ... sei es an der Zeit, den „Kosten“ des Bargeldes den „Nutzen“ von Buchgeld gegenüberzustellen. Für Bargeld sei die Dämmerstunde angebrochen usw. – so eine kurze, sinngemäße Zusammenfassung seiner Conclusio von 2014.

http://scholar.harvard.edu/files/rogoff/files/c13431.pdf

Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser ...

schlug in dieselbe Kerbe – nur einige Monate später, am 16. Mai 2015 im SPIEGEL. Die Bundesregierung möge sich für die Abschaffung des Bargeldes einsetzen, weil dieses out of time sei und nur den Einfluss der Zentralbanken schmälern würde. Man könne damit die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknen. Er empfahl der Regierung dieses Thema auf die Agenda des G-7 Gipfles in Ellmau zu setzen.

Nun – ich weiß nicht wie der Herr Univ.Prof. Bofinger sonst so drauf ist ... und wie er es mit den Gesetzen so hält ... denn wenn er ernsthaft das Bargeld abschaffen will, dann will er das gesetzlich verankerte Zahlungsmittel verbieten lassen?! Dass ein so renommierter Wirtschaftsweiser nicht mal die gesetzlichen Grundlagen des Geldes kennt, kann ich nur mit erschütternder Unkenntnis interpretieren.

Ob er nur nach ein paar Minuten medialer Aufmerksamkeit heischte... oder sich als verlängerter Arm den Herren Summers/Rogoff andienen wollte, bleibt im großen schwarzen Loch des Universums verborgen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bargeld-peter-bofinger-will-muenzen-und-scheine-abschaffen-a-1033905.html

"Cash ist fürchterlich teuer", meinte Cryan.

Der neue Chef der Deutschen Bank schlug Ende Jänner in Davos auch auf dieselbe Propagandatrommel ein . . . er sieht das Ende des Bargeldes in ca. 10 Jahren kommen. Es sei auch fürchterlich ineffizient und man müsse das Bargeld komplett de_materialisieren, was Kosten spare als auch die Geldwäsche erschwere.

- Dan Schulman beschwor die Digitalisierung des Geldes und sah im Banking per Smartphone die alleinig glückseligmachende Zukunft: kein Wunder, er ist der Paypal-Boss. Er gab aber auch zu, dass Kriminelle grundsätzlich jedes Passwort knacken könnten . . . deshalb müsse man sich verstärkt um „Schutzmechanismen“ kümmern.

- „Meines Erachtens wird der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs zunehmen, und trotzdem wird Bargeld bleiben“, beruhigte Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Bundesbank.

http://www.derwesten.de/wirtschaft/deutsche-bank-co-chef-cryan-sieht-welt-ohne-bargeld-nahen-id11488149.html

Dies war nur ein kleiner Auszug aus den zahlreichen Medienberichten zum Bargeld.

Die Meinungsführer als auch die Trabanten sind leicht auszumachen – man werfe nur einen Blick in deren CV oder schaue sich ihren Werdegang und ihre derzeitige Position im Geldmachtgefüge an.

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An vorderster Stelle ist auf alle Fälle der 3er-Bund – Summers, Rogoff und Draghi – zu nennen.

Sie kennen sich aus vergangenen Tagen, sei es vom Studium in Harvard, dem MIT, von Jobs als Banker bei der Weltbank, dem IWF oder Goldman Sachs und/oder als Berater auf höchster Ebene für Präsidenten. Nicht zu vergessen die Mitgliedschaft im Club of 30, dem wohl elitärsten Club der Banker und wissenschaftlichen Meinungsführer.

Neben den 3 sind u.a. auch Trichet, der Vorgänger Draghis, der Zapatero (ehem. Spanischer Premierminister) diktatorisch Lohnkürzungen aufzwang, Paul Volcker und Paul Krugman, Mark Carney, der Boss der Bank of England (auch ex-Goldman Sachse), Timothy Geithner, ex-US-Finanzminister und u.a, auch Axel Weber, ex-Bundesbank-Chef, Mitglieder dieses Clubs (Informationsstand per 2014). .

Und was sagt Mario Draghi?

Er ist der wohl Mächtigste dieses 3er-Bundes, das hat er hinlänglich bewiesen. Nun ist sein über allen Ufern hinauslaufendes Aufkaufprogramm von Staatsanleihen und Wertpapieren (QE), alles andere als ein Erfolg – wie ich in diesem Artikel nachwies.

https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/bank-of-japan-minus-0-1-zinsen-na-und

Dies hinterlässt aber keinen Kratzer an seinem Image.

Auch nicht die Tatsache, dass die Eurozone unmittelbar nach seinem Amtsantritt 2 Jahre (2013 - 14) in eine Rezession stürzte – ein einmaliges Ereignis in Europa. In den Medien wurde darüber auch nur mit vornehmer Zurückhaltung berichtet.

Selbst seine mehrfachen Statements, wo er das Ende des Sozialstaates ausruft, bleiben unwidersprochen, wobei nur ein kurzer Blick gegen Norden, ja ich meine Schweden, ausreichen würde um all seine „Argumente“ als das zu entlarven, was sie sind:

nichts als heiße Luft!

Die Intention ist es also nun, so peu a peu . . . den 500er -Schein auslaufen zu lassen. Genauers weiß man noch nicht, auch nicht, ob dabei die „Expertisen“ von Larry Summers und Ken Rogoff eine Rolle spielten. Zuletzt hörte man das Gras dahingehend wachsen, dass es ein Veto vom deutschen und österreichischen Zentralbankchef geben wird. Dies kann aber locker von den anderen Staaten niedergestimmt werden.

So ungefähr der letzte Informationsstand aus meiner Sicht.

Aber selbst hier, fehlt mir für diese nicht ganz überraschende Aktion die rechtliche Basis, einfach das gesetzliche Zahlungsmittel per Beschluß derart stark einschränken zu wollen (die 500er Noten machen ca. 30% des gesamten Bargeldumlaufes der Eurozone aus).

Draghi hat als oberster Geld-Chef dafür zu sorgen, dass das gesetzliche Zahlungsmittel – und dies sind bekannterweise n u r Scheine und Münzen – in ausreichender Menge im gesamten Währungsgebiet zur Verfügung steht: von einer Befugnis dieses zu limitieren um damit den privaten Banken einen größeren Machtbereich einzuräumen, konnte ich nichts lesen.

Und - wie lange dauert der Winterschlaf der Politik?

O.K. - ich übertrieb ein bisserl, es gab ja etliche Meldungen zum Bargeld. Wenn ich mich korrekt erinnere, kam die 1. Meldung von Sigmar Gabriel, der sich eine Beschränkung des Bargeldumlaufes gut vorstellen konnte. Danach las ich dasselbe von Schäuble.

In Österreich war es etwas hysterischer, denn die FPÖ will unbedingt eine Volksabstimmung einleiten und der Fraktionschef der ÖVP will das Bargeld in der Verfassung verankert wissen. Die SPÖ verweist auf das Nationalbankgesetz, wo eh alles dazu geregelt sei.

So weit – so Ungut!

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Der Eiertanz um das einzige gesetzliche Zahlungsmittel als auch die völlig an der Rechtslage vorbei und eher an Verschwörungstheorien sich anlehnenden Behauptungen, dass der Besitz von Bargeld einem Betrugs- oder gar einem Geldwäscheverdacht gleich gesetzt wird, erscheint vor dem Hintergrund der Debatte/Propaganda der letzten Jahre, sehr verständlich zu sein.

Das heißt natürlich nicht, dass man diese kruden Ideen und nicht wirklich plausiblen und stringenten „Argumente“, teilen muss.

Wie Sie für sich die derzeitige Sachlage einschätzen – ob Verschwörungstheorie oder doch im Vorfeld wohl abgestimmte und nicht rechtskonforme Verschwörungspraxis – bleibt Ihnen überlassen.

22:12 18.02.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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