Corbyn: " Dump The Guardian + Celebrities" !

Corbyn, Denunziantentum "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher". (Albert Einstein)
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Natürlich sind wir im Nachhinein alle "g`scheiter"! Aber es gibt davon etliche Ausnahmen. Das passt gut zu einem weit verbreitetem Manager-Spuch: alle dürfen Fehler machen. . .

- nur wer den gleichen Fehler zum 2. Mal macht, ist nicht lernfähig

- wer diesen zum 3. Mal macht - ist nicht lernfähig und dumm!

Davon gibt es dann wieder die Ausnahmen der Ausnahmen - nämlich: egal ob die eigene Meinung durch x-fache Tatsachen widerlegt wird - man(N)/frau bleibt bei der eigenen Meinung. Dass diese "Malaria des Kleingeistes" selbst in allerhöchsten Ebenen weit verbreitet ist, ist nicht neu.

Bei vielen bleibt eben der Hirntod jahrelang unbemerkt! Auch so eine OBERsteirische Weisheit... ;)

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- The Guardian: einige Kostproben des britischen "Qulaitätsjournalismus" http://theguardian.fivefilters.org/?v1

2015 - July - "Labour party members, please think before you vote for Jeremy Corbyn" (Anne Perkins),

2015 - August: "Tony Blair: Even if you hate me, please don’t take Labour over the cliff edge" (If Jeremy Corbyn becomes leader, the party won’t just face defeat but annihilation. . . Stop him before it’s too late . . . The Labour party is in danger more mortal today than at any point in the over 100 years of its existence. . . )

2016 - February - I’ve felt the Bern. And Jeremy Corbyn, you’re no Senator Sanders (Jonathan Freedland)

2016 - September - Why can’t I get behind Corbyn, when we want the same things? Here’s why (Polly Toinbee)

2017 - January - Labour’s Corbyn reboot shows exactly why he has to go (Suzanna Moore)

2017 - March - Jeremy Corbyn says he’s staying. That’s not good enough (Owen Jones)

2017 - March - The Guardian view on Labour: not up to the job - (The Editor)

2017 - May - Labour has a chance if it replaces Corbyn. Look at Australia in 1983 (Van Badham)

Ich lasse es gut sein, weil sich dieser Papageienjournalismus (alle blabbern nach, was der Papagei so ausspuckt) sowieso von selbst disqualifiziert.

- SCHOCK: Labour hat 150.000 neue Mitglieder - in 3 Tagen.

http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/labour-jeremy-corbyn-150000-new-members-general-election-theresa-may-conservatives-minority-a7784241.html?cmpid=facebook-post

Na - das nenne ich eine Bewegung!

Seit Freitag traten 150.000 neue Mitglieder Labour bei - die Partei hat nun ca. die 800.000 Mitglieder. Die Tories lagen im Dezember 2016 um die 150.000 - insgesamt.

Also - ich kann den Neid von The Guardian irgendwie verstehen: das Blatt schrieb per Ende 2016 einen Verlust von fast 100 Mio Pfund, überlegt die Abwanderung nach Manchester ... und bietet Abos um Rabatte an, die man nicht mal im persichen Bazar im hintersten Tal erwarten würde.

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Obama - Corbyns Labour Partei wirke "des_integrierend"... und habe den "Boden der Fakten und Realität" verloren ...

http://www.telegraph.co.uk/news/2016/12/26/barack-obama-says-democrats-will-not-disintegrate-like-labour/

Zugegeben: diese Aussage stammt von Dezember 2016, da wurde dem armen Kriegspärsidenten klar, dass seine Zeit um ist. Und mit Verlaub: es ist auch völlig "Powidl" was der grosse Star beim Kirchentag in Deutschland denkt ... sagt ... oder schreibt ... denn die Realtiät bestätigt nicht nur Corbyns immensen Sieg - sondern dass Obama der wohl am meisten überschätzte und hochgejubelte US-Präsidenten aller Zeiten ist.

Ja - wenn er auch nur einen Funken des Anstandes von Corbyn hätte . . . würde er den Friedensnobelpreis sofort zurückgeben! Nicht nur ich befürchte, dass es nicht mal dazu reicht.

2017 - September: Obama lobt Macron - J.K. Rowling (Harry Potter) delegitimiert Corbyn

https://jacobinmag.com/2017/06/corbyn-jk-rowling-obama-blair-macron

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Celebrities abfällig über Menschen äussern, die sie weder persönlich kennen - und noch weniger, wo sie deren politische Inhalte gelesen haben.

Obama war immer nur ein Hampelmann der Wallstreet - nie was anderes. Er lobte Macron, weil dieser ... "für liberale Werte (whatever that may be?!) stünde. Und er - Obama himself - ist immer bereit aufzustehen, wenn ... "unsere Werte zur Disposition stehen".

Gut - das Manifest von Labour ist ein Meisterstück von sozialdemokratischen Werten und Überzeugungen, zu denen sich die Demokraten der USA immer so gerne als "progressive Partei" bekennen würden . . . wenn, ja wenn diese nur "politisch und auch realistisch wären".

Macron hingegen - der die Steuern für Reiche senken will (unter Obama wurde die obersten 10% der Reichen um 1000 Mrd. $ reicher) ... der, wie Trump auch, die Banken weiter deregulieren will (damit nur ja kein Kreditstau entsteht?) ... und der zu einfachen Arbeitern anlässlich einer Demonstration sagte: "der beste Weg sich einen Anzug wie ich ihn trage, leisten zu können - ist, für einen solchen hart zu arbeiten" - liegt voll auf Obamas "Werteniveau" . . .

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J.K. Rowling (Harry Potter) outet sich gerne als "Dermokratische Sozialistin".

Sie nörgelte unaufhörlich an Corbyn rum, wie z.B:

- auf Twitter meinte sie, dass "Labour" sicherlich für Generation ... fertig sei,

- dass Corbyn nur den Tories helfe (Anmerkung: das beweist alleine, dass sie keinen Satz von seinem Programm, oder seinen Reden jemals las/hörte),

- sie monierte, dass der Labour-Chef am Boden eines vollgepackten Zuges saß,

- und sie echauffierte sich, dass "C0rbyn und seine Mitstreiter begeistert sein werden, wenn Labour ruiniert ist".

Hmhm - da kommen nicht nur ob des einfachen Hausverstandes starke Zweifel auf und man kann der Millionärin nur den Rat geben: sie solle lieber in ihrer kleinen, selbsterträumten Welt von Harry Potter bleiben - dort ist wirklich ihr angestammter Platz.

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Kolumnistin Sarah Ditu (New Statesman) ist auch ein Parteimitglied - sie schrieb am 18. April: "What should you do if you support Labour but can’t stand Jeremy Corbyn?” Ihre Opposition zu Corbyn fußte nicht auf der "Unwählbarkeit (Unelectibility)" und auch nicht darauf, dass er so unpopular ist. Es gehe auch nicht darum, dass er inkompetent ist, sondern es sei "moralisch unerträglich, sich Corbyn als Premierminister vorzustellen" . . . und aher könne sie nicht für ihn kämpfen.

Das "untergriffige Vernadern" scheint auch den Herausgeber des "New Statemsman" Jason Cowley befallen zu haben, denn im Feber 2017 warnte er davor, dass "die Zombie-Party zu schwach ist, um zu gewinnen." Gegen Monatsende legte er nach und verriet den Lesern, dass "der Gestank von Verfall und Misserfolg aus der Labour Party jetzt überwältigt ist."

Und selbst 2 Tage vor der Wahl meinte er, dass " Labor seit 1935 wohl die schlimmste Wahlniederlage zu erwarten habe".

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Zurück zum The Guardian:

"The Guardian never gets a political result right. On Corbyn they got it really wrong"! (After spending two years trashing the possibility that Corbyn could win elections, The Guardian's coverage must be judged harshly. An apology is due).

http://www.middleeasteye.net/columns/the-guardian-elections-coverage-never-get-it-right-Jeremy-Corbyn-really-wrong-972873248

2015 traten 5 Bewerber für den Job des Labour-Bosses an - einer davon war Jeremy Corbyn.

Polly Toinbee, die etliche Diffamierungskommentare über Corbyn verfasste, schrieb, dass er "ein freier Geist, der Außenseiter, der nicht mit den üblichen politischen Regeln spiele" sei. Genau darum habe er keinen Chance, weil "er seit 1983 ein Labour-Relikt ist".

Die vom The Guardian hochgesalbte Kandidatin war Yvette Cooper, eine echte neoliberale Sozialdemokratin aus dem verfallenen Stall Tony Blairs. Nun das Ergebnis sprach für sich:

Yvette Cooper schaffte 17 % - Jeremy Corbyn siegte gegen seine 4 Mitbewerber schon im ersten Durchgang mit 59%!

The Guardian lag um Tsunamis daneben.

Unbeirrt ihres hirnrissigen Irrtums bohrte The Guardian ein Messer nach dem anderen über 2 Jahre in den Rücken von Jeremy Corbyn.

Cäsars Mord war dagegen das Werk eines einsamen Wolfes und Martin Kettle meinte, dass der Mittelpunkt jeder Politik die Mitte - die auch Schröder für sich erfand - sei. (Anmerkung: ein fataler Irrtum, den auch Kern, SPÖ, macht, der allen Ernstes den "Mittelstand" umwirbt - obwohl es ca. 1,7 Mio echte Arbeiter in Österreich gibt und wenn davon die Sozialdemokratie nur 50% von der FPÖ wieder zurückgewinnen könnte, sie locker die Wahlen am 15. Oktober gewinnen kann)
"Das Problem für Labour ist, dass 45% aller britischen Wähler gemäß einer Umfrage in der politischen Mitte zu orten seien. Beachtliche 77% der britischen Öffentlichkeit sehen sich entweder als Zentristen oder Mitte-links oder Mitte-rechts. Nur 19% sehen Corbyn in diesem Spekturm - bei Blair waren es 49% und bei Thersa May sind es 44%", so Kettle.

Alan Travis, der für die Innenpolitik zuständige Redakteur, vertrat die Theorie, dass Labour die Stimme der weißen Arbeiterklasse verloren habe. Versteifend darauf schloss er, dass Theresa May bei dieser Wahl Labour killen würde. Seine Prognosen sahen Corbyns Labour bei nur ca. 200 Abgeordneten. Das Niveau, wie sie Labour von Margareth Thatcher zugeteilt wurde.

Owen Jones, einer der wenigen die Corbyn unterstützten fiel auch nach den By-Elections von ihm ab, die die Tories gewannen. "Corbyn sei nicht in der Lage, die vielfältigen Krisen von Labour zu managen. Labour solle sich bewusst werden, dass die Geschichte ein gnadenloser Richter ist". Gerechterweise muss man Owen Jones zugute halten, dass er sich bei Corbyn und McDonnell (Schattenfinanzminister von Labour) " uneingeschränkt und herzliche entschuldigte".

Er gestand ein, "nicht"ein bisschen falsch oder etwas falsch oder meist falsch - sondern völlig falsch gelegen zu sein!" Weiters forderte er den Mainstream auf, auch ihre Vergehen zu gestehen.

Bis dato sind keine diesbezüglichen Offenbarungseide der eigenen, völlig verirrten Unzulänglichkeit der sich immer sebst so hoch lobenden Journalistenzunft bekannt. In unseren Breitengraden ist das Wort "Entschuldigung" ein sehr selten gebrauchtes - und wenn, dann ist es immer nur von den anderen einzufordern - selbst irrt man eben nie ...

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Ein Erklärungsversuch von David Hearst: Labour und The Guardian müssten sich politisch ergänzen - und nicht bekämpfen, meint Hearst.

Corbyn versprach neue Wähler zu lukrieren - das tat er.

Er wollte die Jugend ansprechen - das tat er.

Jeremy wollte auch den Ton und die Inhalte der Politik ändern - auch das gelang ihm!

Warum unterstützte The Guardian also Labour/Corbyn nicht in all seinen Bemühungen?

Hearst meint, beide - The Guardian und Labour - hätten eine gemeinsame (neoliberale?) Geschichte.

Die Zeitung zog von Manchester nach London (nach den rauschenden Verlusten will sie wieder zurück). Das Blatt verlor ua. das Interesse an Schottland und es gab zeitweise nicht mal einen Korrespondenten dort. Dann entdeckte The Guardian die USA und war ernsthaft der Ansicht, sie könnten Google einen Teil der Werbung wegschnappen.

The Guardian tickt so: er kennt nur 2 Geschwindigkeiten - Arroganz und blinde Panik. Hunderte Mio Pfund ärmer, segelt das Blatt nun wieder zurück nach Manchester.

"New Labour" von Tony Blair, machte sich auch auf, die "neue kapitalistische Welt" zu erobern und wurde genau durch diese Strategie, zu einer lahmen Ente. Angepasst bis zur Unkenntlichkeit und vollgepfropft mit der neoliberalen Agenda - vom Senken der Gewinnsteuern bis hin zu hohen Studiengebühren usw. - erfüllte New Labour brav die Vorgaben.

Blair wollte die Macht und die Politik von Labour dauerhaft verändern - wie man auch an seinen schändlichen Versuchen erkennen kann, Corbyn selbst noch kurz vor dem Wahlgang zu diffamieren. Die Machtvorstellungen Blairs - vom Irakkrieg, der Libyen-Intervention und den irren Bankenrettungen - als auch seiner Nachfolger waren alles andere, denn ein gelungenes Beispiel für "Leadership"! Mangels jeder Einsicht mag für die Blair_ites die totale Schubumkehr Corbyns unakzeptabel erschienen sein, sodass sie jegliche Loyalität wegen fehlenden Realtitätsbezuges vermissen ließen.

Es ist nun an der Zeit, definitiv einzugestehen, dass der neoliberale Zug für Labour in die falsche Richtung führte - zumal es Jeremy Corbyn mit einem fulminanten Wahlerfolg gelang (er war nur etwa 2. 000 Stimmen vom Sieg entfernt!) zu beweisen, dass auch links der Mitte Platz für Wahlsiege ist.

Corbyn gewann diesen 2-jährigen Kampf, indem er sich nie auf all diese Delegtimierungen einließ und sich damit nicht auf diese inferiore Ebene hinunter begab. Sein Erfolg bestand einfach darin, die Herzen und berechtigten Anliegen, Ängste der Menschen ernst zu nehmen - und ihnen menschenwürdige Lösungen anzubieten.

So konnte er nicht nur die Jugend für sich gewinnen, sondern war auch für viele Altsozialistinnen wählbar geworden.

Indem er der Austerity abschwor, längst überfällige Investitionen vorschlug und sowohl die Reverstaatlichung der desaströs geführten Railways als auch der NHS forderte, stieß er mitten ins Herz der Menschen, die diese heruntergewirtschafteten Services, die ungleich besser vom Staat als von privaten Kapitalisten managebar sind, nicht mehr ertragen wollen.

Daseinsfürsorge, Infrastruktur, Gesundheit und Bildung - sind die ureigensten Aufgaben jedes Staates. Zu welchen verheerenden Ergebnissen die Profitgiert führte, können alle anhand der Entwicklung des Landes der letzten 20 Jahre nachlesen.

Diese Themen bestimmten neben dem Brexit die Wahl - und ob May trotz des herben Verlustes der Mehrheit regieren wird, werden die kommenden Wochen zeigen.

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"Die Berühmtheit mancher Zeitgenosssen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen"!

(Heiner Geißler)

02:08 12.06.2017
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Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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