Gelbe Westen: Revolution gegen die Eliten!

Gelbe Westen, Revolution Die Gelben Westen erinnern die Welt daran, wer die wahre Macht hat. Und die Welt würde gut daran tun . . . zuzuhören!
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Jeremy Corbyn: the system is rigged for the rich!

(Das System ist für die Reichen manipuliert)

Vor der Wahl 2017 sagte Jeremy Corbyn, das System sei "für die Reichen manipuliert, erschaffen".

Er bezog sich auf die Liste der 1000 reichsten Menschen in Großbritannien, deren Vermögen um 14 % (83 Mrd) auf unvorstellbare 658 Milliarden Pfund angestiegen ist (die Staatsschulden haben sich von 780 Mrd. Pfund im Jahr 2009 auf 1770 Mrd. per 2017 mehr als verdoppelt).

Dies entspricht dem 6-fachen Budget für die Gesundheit und wurde vom Brexit_Boom befeuert.

Man stelle sich den Aufschrei vor, fuhr er weiter, "wenn Beschäftigte des öffentlichen Dienstes für eine 14-prozentige Gehaltserhöhung sorgen. Aber es ist keine Überraschung, dass die Reichsten nach den Zehnmilliarden, die die Tories ihnen in Steuersenkungen gegeben haben, noch reicher geworden sind. Das meinen wir, wenn wir sagen, dass das System für die Reichen manipuliert, gemacht ist."

Er ist nach wie vor der einzige Politiker, der nicht zu feige ist, die brutale Wahrheit des Kapitalismus/Neoliberalismus auszusprechen.

Stehen wir vor dem Untergang des Abendlandes?

Diese Frage stellte sich IDOG, der leider nur selten einen Beitrag im Freitag als Blogger veröffentlicht. Er trifft den Nagel auf den Kopf - und ich führe die wichtigsten Passagen seines Beitrages etwas verkürzt, sinngemäß zitiert, an:

"Es sind Reaktionen (Anmerkung: der Gelben Westen) auf eine soziale Realität, die ich mal bildhaft mit : "der Untergang des Abendlandes" bezeichnen will.

Hat aber mit Spengler allenfalls insofern etwas zu tun als der schon feststellte , dass alle Kulturen und Zivilisationen irgendwann untergehen müssen, weil sie lebende Organismen sind. Später dann hat Donella Meadows ( u.A. Die Grenzen des Wachstums) das auch in ihren Arbeiten und Forschungen thematisiert und in Bezug auf die sogenannten westliche Industriezivilisation und deren ökonomische Basis beweisen können.

Nicht zuletzt Immanuel Wallerstein hat sein chef d'œvre und damit sein Leben dem Werdegang dessen gewidmet, was man ein historisches System nennt. Auch er kommt in seiner ökonomisch-historischen Analyse von 500 Jahren Kapitalismus zu dem Schluss , dass wir uns seit Anfang der 70er in der Endphase dieser Zivilisation befinden, die ihrer mehr und mehr chaotischen Auflösung entgegenstrebt . . .

Um dem ganzen eine naturwissenschaftliche Krone aufzusetzen kann man noch auf die Arbeiten von Ilja Progogine (Nobelpreis für Chemie) hinweisen, der durch seine Forschung an dissipativen Prozessen und komplexen Systemen darlegen konnte, wie diese Prozesse der chaotischen Auflösung und Umwandlung eines Systems in ein ganz anderes in der Natur vor sich gehen.

Er stellt damit die alte Newtonsche Naturwissenschaft, die noch bis heute die politischen Ideologien und deren angeblichen Gewissheiten sowie Voraussagbarkeiten beeinflusst, als die simplistische Theorie dar, die sie ist, weil sie irreversible Prozesse negiert.
Die Realität, naturwissenschaftlich betrachtet, aber besteht nur aus solchen. Er beweist hinlänglich, dass diese Prozesse in der gesamten Natur, also auch für komplexe Gesellschaften, gelten.

Warum dieses wirklich sehr kurz gefasste Résumé des aktuellen Erkenntnisstandes?

Es geht darum aufzuzeigen, dass es die meisten keine Ahnung davon haben oder diese Fakten einfach nicht wahrhaben wollen, denn damit ist jede mögliche oder angebliche Gewissheit, wie sie durch Ideologien oder Religionen, auch durch die kapitalistische, behauptet werden, absolut hinfällig.

Die Gilets Jaunes sind also eine Reaktion auf den akuten Untergang so wie es schon der Neoliberalismus ist. Dieser ist die Reaktion der Eliten auf den Untergang.

Der Aufstand ist die hilflose Reaktion der Unterworfenen auf den untergangsgeprägten Neoliberalismus. Alles zusammen ist eine sich steigernde Komplexität des Chaos, das weiter in den Untergang führt und damit zu dem kommenden Wandel des System, den keiner voraussehen kann.

Klare Aussagen sind im Moment entsprechend rar und erscheinen wie beschrieben allenfalls im wissenschaftlichen oder philosophischen Kontext. Dementsprechend wirr und sinnlos sind die von der noch herrschenden Ideologie beeinflussten Reaktionen.

- Die Eliten reagieren mit mehr Unterdrückung und Ausbeutung auf zuviel Unterdrückung und Ausbeutung, also stereotyp.

- Und die Unterworfenen und Abhängigen mit ebenso stereotypen Verhaltensmustern, die man verkürzt unter der Formel "Klassenkampf" zusammenfassen kann.

Nur es lässt sich weder mit mehr Ausbeutung eine Elite des System retten, noch mit mehr "Klassenkampf" eine soziale Struktur, die längst untergegangen ist.

Was bleibt ist, dass alle fühlen, dass alles schon quasi am Arsch ist, abrutscht, aber keiner ist mehr fähig einen vernünftigen Diskurs darüber zu führen, weil längst alles auf Lüge und ungerechter Gewalt und deren ideologisch hinkonstruierter Pseudolegitimierung basiert, auf irrealen Ideologien und Idealen, die für die Realität gehalten werden, die aber alles andere sind als die wissenschaftliche Realität, basierend auf Empirie und logischer Deduktion.

Nein, wir haben es mit eine Welt der Fakes zu tun - und wir wissen es.
Wir selbst sind Fakes geworden, entfremdet im Denken und Handeln ...
Ursachen und Wirkungen werden miteinander verwechselt.

Das Problem wir angeblich mit mehr von dem gelöst, was es erst ausgelöst hat. Wahnsinn herrscht".

Und weiter:

" Was also tun ausser beobachten wie sich alles auflöst? Das ist ein ganz anderes Thema, würde ich sagen und kann an sich nur philosophisch beantwortet werden.

Politisch geht nichts mehr und wie sollten alle froh sein, wenn wir es wenigstens schaffen würden, ohne einen irren Krieg, an dem man schon feste arbeitet, durch den Untergang zu kommen....
Was wollen Sie persönlich der Thanatologie des herrschenden Systems entgegensetzen"?

Ungleichheit: Why are the rich getting richer?

Ich habe den Beitrag von IDOG aus der Sicht unseres Geldsystems ergänzt:

"Danke für Deine Gedanken. Es scheint so zu sein, wie Du es schilderst - es läuft auf ein Endgame, einen Schlußstrich - Krieg? - hinaus.

Geldsystemisch betrachtet auch klar: es hat noch nie eine Zeit gegeben, wo die exponentielle Schuldenkurve o h n e Kriege und Zerstörung und Wiederaufbau eben 70 und mehr Jahre dauerte ... !

Niemand fiel es auf, wenn man so mal 30-40 Jahre dahinwirtschaftete ... sich die Schulden immer rasch vergrösserten ... der Zins den Reichtum brav umverteilte ... und genau diesen Effekt eben kaum jemand thematisierte und debattierte ... weil eh schon wieder durch einen Krieg das Vermögen und die Schulden vernichtet wurden ... und in den Friedensverträgen seit mehr als 100 Jahren eben die Sieger sich masslos bereicherten:
wobei - die wahren Sieger immer der Geld- und Industrieadel waren/sind ... und die Politiker deren devote Handlanger immer abgaben.

Nun sind wir - ich muss sogar etwas lachen, weil wenn die Schuldenkurve so rasch steigt (siehe Italien usw.) dann ist es für jeden klar ..., dass der Zins n i e mehr steigen kann ... und dazu brauch ich keine Geld- und Kapitalmarkttheorie ... oder gar so Wunderwuzzis wie Draghi und vorallem Scholz ... - eben am Ende angelangt.

Die irre Ungleichheit (das hat es ja noch nie in dieser Ausprägung gegeben!) schreitet klarerweise immer weiter voran: geht ja nicht anders.

Und beim Einkommen gehts nur mehr darum, dass man den Ärmsten noch ein paar "Pferdeäpfel" ... hinschmeisst - damit diese brav ihre Zinsen bezahlen können !

Der Rest - egal ob Vermögenssteuern oder progressive Einkommenssteuern und SV-Beiträge usw. ist eine Randmelodie ... wenn man nicht verstanden hat, wie das Geldsystem in 70 Jahren eine totale einseitige Wüste der Enteignung der 90 % locker und sehr perfide konstruiert, erreicht hat".

Untergangsstimmung: Realität - oder "Verschwörungspraxis"?

Es ist völlig egal, welches Land, welchen Kontinent man zur Analyse heranzieht - die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind überall gleich:

- die obersten 0,1 - 1 % der Super-Reichen haben ein Milliardenvermögen angehäuft,

- die 10% an der Spitze verfügen weltweit zwischen 55-70 % des Gesamtvermögens

- die unterste Hälfte der Bewohner dieses Planeten darben dahin und ihr Reichtum macht höchstens um die 3 - 8 % aus.

Auch beim Einkommen zeigen sich grosse Ähnlichkeiten - weltweit:

- die obersten 20% erhalten fast die Hälfte (und mehr) des Markteinkommens (alle Einkommen - Löhne, Gewinne, Dividenden, Zinsen, Mieten und Renten vor den sozialen Transfers)

- die unterste Hälfte haben nur ein Almosen von um die 5-14%,

- die CEO´s verdienten vor 20 Jahren ungefähr das 20-40-fache des Lohnes eines durchschnittlichen Arbeiters - heute beträgt der Abstand das 200-500 fache!

Eliten: Es fehlt der realistische Blick

Wirtschaftliche und politische Eliten leben in einer Parallelwelt - in ihrem eigenen Biotop. Sie treffen weitreichende Entscheidungen, die oft keinen Bezug zur Wirklichkeit der Betroffenen haben. Diese können die Demokratie gefährden als auch den Trend zum Rechtspopulismus beschleunigen, meint der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann in seinem neuen Buch "Die Abgehobenen".

ZB.: Österreich - leere Regierungsbank bei der Debatte über Volksbegehren

Ein Paradebeispiel von "Schmecks" (auf hochdeutsch: denkste) war die durch die Volksbegehren (Rauchverbot, Frauenrechte und ORF-Gebühren) erzwungene Diskussion im Parlament. Kein einziges Regierungsmitglied war anwesend, obwohl vor allem die FPÖ die direkte Demokratie als einen ihrer wichtigsten Slogans im Wahlkampf medial ausschlachtete . . .

In Deutschland versetzte Friedrich Merz die Bürger in blasses Staunen als er meinte, dass sein Mio-Einkommen dem "Mittelstand" entspräche. Das er auch 2 Flugzeuge sein eigen nennt, ging dabei medial unter. . .

Macron, der als Investmentbanker bei Rothschild & Cie arbeitete, verdiente sich auch ein Mio-Vermögen. Er betittelt sich gerne selbst als "Jupiter". Seine Abgehobenheit ist legendär und durch seine hämischen Bemerkungen über die "Normalos" (Menschen mit einem niedrigen oder durchschnittlichen Einkommen) lassen jeglichen Respekt vermissen. . .

Das Medianeinkommen in Österreich liegt bei allen Steuerpflichtigen bei ca. 1700,- / Monat (ähnlich wie in Frankreich) , im Jahr um die 27.000,- brutto. Vollzeitbeschäftigte verdienen um ca. 1000 Euro/Monat mehr. Manager in staatsnahen Betrieben liegen um das 10-20 fache höher - Top-Vorstandsdirektoren von börsenotierenden Unternehmen sogar um das 50-80 fache.

Die Geburt, die Herkunft bestimmt die Wahrnehmung

Die Herkunft bestimmt den Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. In einer Studie von 2012, wo 1000 Probanden befragt wurden, konnte Hartmann sehr interessante Zusammenhänge feststellen:

- die wenigen Arbeiterkinder hatten eine erheblich größere Sensibilität für soziale Ungerechtigkeit als jene der Bourgeoisie,

- je wohlhabender das Elternhaus - umso weniger wurde soziale Ungleichheit als Problem empfunden-

Deutliche Unterschiede traten auf, wenn es um Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen ging:

- während Arbeiterkinder selbst unter den Topmanagern mehrheitlich dafür waren, - waren Kinder aus Elitenfamilien mit überwältigender Mehrheit dagegen.

Diese Ergebnisse erklären die diametral unterschiedliche Sichtweise als auch die totale Uneinsichtigkeit zu Steuerthemen beim Einkommen und Vermögen. Macron ist hier keine Ausnahme - er bestätigt nur die empirischen Fakten.

Wieso gefährden abgehobene Eliten die Demokratie?

Dass die irren Einkommensunterschiede Wut und Angst schüren, ist offensichtlich. Das Gefühl, am Ende des Monats mit dem sauer verdienten Geld nicht auszukommen - ist der Hauptgrund, wieso es zum Aufstand der Gelben Westen kam. Verstärkt wird dies durch die Häme und Arroganz der Eliten gegenüber den vielen Menschen, die die Gesellschaft tragen. Es ist kein Geheimnis, dass sie seit ca. 2 Jahrzehnten nichts vom erwirtschafteten Wohlstandszuwachs erhielten und sie sich kein noch so kleines Vermögen ansparen konnten.

Dass dann vermeintlich kleine Steuererhöhungen - bei gleichzeitigen Millarden Geschenken an die Super-Reichen - das Fass zum Überlaufen bringen, ist klar.

Hartmann sieht diese irre Umverteilunmg von unten nach oben als den Hautgrund für das Erstarken rechtspopulistischer Parteien.

Dadurch wurde der Boden für das rechte Lager erst aufbereitet. Obwohl die FPÖ, AfD als auch Marie Le Pen eine klare Politik für Reiche und das gehobene Bürgertum verfolgen - werden sie als Protest vor allem gegen die Sozialdemokraten gewählt. Letztere werden als "Verräter" am kleinen Mann ausgemacht.

Völlig zu recht!

Der Denkzettel wird dann an der Wahlurne eingelöst - niemand weiß dies besser als die dahinsiechende SPD.

Gelingt es Macron die Gelben Westen zu spalten?

Seine Ansprache war eine mit "gespaltener Zunge", wie auch einige Journalisten feststellten. Zuckerbrot (einige Goodies, wie Anhebung der Löhne, Bonis für die Armen usw. - steht die nicht vorhandene Einsicht gegenüber, das Geschenk an die Reichen einer geringeren Vermögenssteuer aufzuheben) und Peitsche war mehr oder weniger der Inhalt seiner bizarren Rede "an das gemeine Volk".

Er wollte damit die Gelben Westen befrieden, ihnen den revolutionären Wind aus den Segeln nehmen, die ihn an den Rand einer Demission brachten. Ob ein Misstrauensantrag im Parlament von Erfolg gekrönt sein wird, ist angesichts der großen Mehrheit seiner Partei zu bezweifeln.

Auch mehren sich einige Stimmen, dass man nun doch - nachdem sich der Präsident ein paar mm bewegte - verhandeln müsse. Ob es ihm gelingt, eine Spaltung in eine verhandlungsbereite und eine "revoltierende" Sektion der Gelben Westen zu erzeugen - werden wir bald sehen. Die Zustimmung scheint etwas eingebrochen zu sein: von fast 80% auf etwas über 60%.

Immer noch viel zu viel. Macrons bisherige Strategie auf die Staatsgewalt zu setzen, ging kräftig daneben.

Nun probiert er es mit Delegitimierung und einige Pressestimmem unterstützen ihn dabei, wenn sie schreiben, dass bei neuen Demonstrationen die Gelben Westen großen Erklärungsbedarf hätten, wieso sie nicht verhandlungsbereit sind? Andererseits - worin bestand das Angebot Macrons und wo sind seine Taten? Er liess fast alles offen, vor allem sagte er kein Wort über die Finanzierung der kalkulierten 8-15 Mrd?

Philippe Martinez: Er spricht darüber, aber er handelt nicht.

Der Generalsekretär der CGT, Martinez, war von Emmanuel Macrons Rede am Montagabend nicht überzeugt. Er forderte weitere Maßnahmen am kommenden Freitag.

Der Präsident der Republik hat nichts von dem Zorn verstanden oder will nichts von ihm verstehen, und das ist ernst!

So schlägt er eine Erhöhung des Mindestlohns um 100 Euro vor. Das ist sehr weit von dem entfernt, was wir gefordert haben. Macron sagt nicht, wer das bezahlen wird - die Arbeitgeber sollen es ja nicht sein. Wer dann? Die Bürger? Sind sie es, die die Erhöhung des Mindestlohns finanzieren werden?

Nichts auf andere Gehälter, nichts auf Beamtengehälter. Nichts über soziale Minima. Nichts über junge Leute.

Das ist weit entfernt von dem, worüber wir hier sprechen. Wir haben einen Präsidenten der Republik, der seine Reden, wie wir sie seit 18 Monaten kennen, fortsetzt und die tiefe Unzufriedenheit, die in diesem Land herrscht, nicht berücksichtigt.

Wo ist der soziale Wandel?

Macron weigert sich immer noch, die Besteuerung auf hohe Vermögen wieder einzuführen. Er sagt, dass er sich mit Steuerhinterziehung befassen wird, aber das haben wir seit 18 Monaten gehört. Wenn er von öffentlichen Dienstleistungen spricht, macht er sich über uns lustig. Er ist derjenige, der seine Versprechen bricht.

Wir, die CGT, werden zu den Konsultationen gehen, obwohl die Vorschläge einfach weggefegt wurden. Wir schließen die Tür und rufen am kommenden Freitag, den 14. Dezember, zum Handeln auf.

Dies ist ein starker Aufruf der CGT, in Verbindung mit den "gelben Westen".

Gelbe Westen: eine Revolution gegen die "korrupte Elite"?

Ja - es sieht so aus.

- Jeremy Corbyn sprach bereits 2017 vom "rigged system" und er bezeichnete die EU auch als "Kapitalisten-Club". Und dies völlig zu recht, zumal die neoliberalen Dogmen - Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung - im Lissabonvertrag verankert sind.

- IDOG konstatierte zu Beginn sehr treffend, dass die Gilets Jaunes eine Reaktion auf den akuten Untergang der Unterworfenen sind - so wie der Neoliberalismus die Ausbeutung zugunsten der Reichen jener der Eliten ist. Die Eliten reagieren mit mehr Unterdrückung und Ausbeutung auf zuviel Unterdrückung und Ausbeutung, also stereotyp.

Und die Unterworfenen und Abhängigen mit ebenso stereotypen Verhaltensmustern, die man verkürzt unter der Formel "Klassenkampf" zusammenfassen kann. Die Komplexität des Chaos, das diese Entwicklung beschleunigt, führt zu einem Wandel, den niemand voraussehen kann.

Nur es lässt sich weder mit mehr Ausbeutung eine Elite des System retten, noch mit mehr "Klassenkampf" eine soziale Struktur, die längst untergegangen ist.

- Geldsystem - Macron: il n`y a pas d`argent magique?!

Nein, die erschütternde Unkenntnis Macrons - der immerhin Mio. als Zockerbanker verdiente - ist keine Überraschung.

Dabei ist es ganz einfach zu verstehen:

alle Wirtschaftssektoren (Konsumenten, Unternehmen und der Staat) erhalten Geld nur als Kredit und daher sind sie alle hoch bei privaten Banken verschuldet. Die Schulden steigen daher exponentiell an - und spiegelgleich explodieren auch die Vermögen auf der anderen Seite der Bilanz: die beiden Seiten sind immer ausgeglichen. Die Schulden der Welt betragen ca. 233.000 Mrd. US-Dollar - und bei einem Zinssatz von 3% werden ca. 7.000 Mrd. an Zinsen von den unteren 80-90% der Menschen, die Netto-Schuldnern sind, an die Gläuibiger - die Zinsprofiteure - umverteilt.

Jedes Jahr!

Der Neoliberalismus, den die Eliten aller Länder den Menschen aufzwingen, hat tiefe Spuren der sozialen Verwüstung, der Enteignung, Arbeitslosigkeit und Armut für viele Menschen gebracht.

Die Gelben Westen sind die erste Bewegung nach den 1968ern, die die Systemfrage stellt und die gegen die herrschende Elite gerichtet ist!

Über Jahre haben sie alle gemerkt, dass sie die Arschkarte gezogen haben und dass sich daran nichts ändern wird: sicher nicht unter dem "Sonnenkönig Macron". Die Bewegung entstand spontan, gleichwohl sich der Unmut und der Zorn über die letzten Jahrzehnte aufstaute - nicht nur in Frankreich.

Es beteiligen sich alle Leute, die genug von dieser Politik der Umverteilung von unten nach oben, der permanenten Vertröstung auf die nächsten Wahlen und den hohlen Versprechungen der Politiker, dass dann alles besser wird, haben.

Es geht nicht um Menschen von links und rechts. Die Gelben Westen sind zu einer viel breiteren Anti-Regierungsbewegung verschmolzen. Sie ist so groß geworden, dass Politologen sie nun als "neue Revolution" bezeichnen.

Der Philosoph und Politikwissenschaftler Aleksandr Gelyevich Dugin erklärt dies wie folgt:

- Erstens ist die Tatsache auffallend, dass populistische Bewegungen gegen die politische Elite als Ganzes gerichtet sind, ohne eine Unterscheidung zu treffen, ob sie nun rechts oder links ist. Dies ist der "Aufstand der Peripherie der Gesellschaft gegen ihr Zentrum".

- Der amerikanische Soziologe Christopher Lasch (1932-1994) bezeichnete in seinem berühmten Werk die in der modernen westlichen Gesellschaft vorherrschende Staatsform als "Elitenrevolution".

Wenn Dugin von der "Elitenrevolution" spricht, erklärt er, wie diejenigen an der Spitze der Machtverhältnisse dazu neigen, diese Macht durch ihren immensen Willen zur Herrschaft zu kontrollieren. Das Ergebnis der Elite-Revolution ist für Kultur und Gesellschaft weitaus zerstörerischer als eine Revolution der Massen, denn im Namen der Vielfalt suchen Eliten aus allen Gruppen diese Macht und nutzen sie, um ihre eigene zu unterdrücken.

Daher kann der Populismus - auch der Gelben Westen - als ein Vergeltungsaufstand des Volkes gegen die Eliten angesehen werden, die ihre Verbindung zur Gesellschaft völlig verloren haben.

Die Eliten haben ihre eigene Welt aufgebaut, in der Doppelmoral und den Normen der "Political Correctness". Die liberale Demagogie herrscht. Man beschimpft die Rechtspopulisten als Verfechter einer il_liberalen Demokratie - hat aber selbst diese zu einer dikatorischen Perfektion entwickelt.

Macron ist ein Vertreter dieser Art von "neuer Elite".

Macrons "Entschuldigung" ist so viel wert, wie ein viel zu grosser Blumenstrauß eines untreuen Ehemannes.

Es ist bizarr, dass die französische Zeitung "Libération" am Vorabend der Wahlen die Überschrift "Faites ce que vous voulez, mais votez Macron ' ("Mach was Du willst, aber wähle Macron") veröffentlichte.

Mit anderen Worten:

die devoten Massen sollten Macron nicht aus irgendeinem rationalen Grund wählen, sondern allein deshalb, weil dies das zwingende Gesetz der herrschenden Elite ist. Und die Missachtung und die Häme der Eliten gegenüber dem gehorsamen Pöbel ist so manifest, dass sie sich nicht einmal die Mühe machen, sie mit realitätsfernen Versprechungen zu manipulieren:

"Wählt Macron, denn das ist ein Befehl und das wird nicht diskutiert."

Wählt und dann seid ihr frei. Ansonsten bist du bedauernswert. Und das ist alles.

- - -

Aber nun sind aus heiterem Himmel die Gelben Westen auferstanden und sie werden nicht weggehen: jetzt nicht mehr!

„In Zeiten der Revolution lernen Millionen Menschen in jeder Woche mehr als in einem Jahr gewöhnlichen trägen Lebens“.

(Lenin)

03:25 13.12.2018
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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