Geldsystem: Hat`s Hr. Fitschen...kapiert?

Geld, Macht, ExpertInnen "Die Welt ist voll Torheit, Dumpfheit, Inkonsequenz und Ungerechtigkeit; es gehört viel Mut dazu, diesen nicht das Feld zu räumen und sich beiseite zu begeben". (Goethe)
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Eigentlich und überhaupt...

ist das Thema des „Geldes aus dem Nichts“ - also die nicht gesetzeskonforme Buchgeldschöpfung der privaten Banken – längst Allgemeinwissen, nicht so bei ExpertInnen, wie man immer wieder feststellen muss.

Eigentlich und überhaupt ...

hatte ich Hr. Fitschen, Deutsche Bank Co-Vorstand, nicht auf meiner „Agenda“, aber kurzes Querlesen im Handelsblatt, das über den Bankentag ausführlich berichtet, ließ mich meine Meinung ändern. Bevor ich mich den Ansichten Fitschen`s widme, ein paar Informationen zum Bankentag.

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Das Image der Banken ist Mount-Everest-grottentief

Klar – nix Neues und wen wundert`s?

https://lh5.googleusercontent.com/-j4_CeS8KcH0/VeiIDAHMGOI/AAAAAAAABMI/lmQAUi_mbbU/w958-h719-no/2015%2B-%2B9%2B-%2BUS-Bank%2B-%2BVertrauensindex.jpg

Ich weiß – die Grafik bezieht sich auf die US-Banken.

Aber ich denke, man liegt nicht um Eckhäuser daneben, der DB (Deutsche Bank) keine nennenswertere Image-Verbesserung als den amerikanischen Kreditinstituten zuzuordnen, zumal sie kaum einen Skandal und/oder Manipulation (egal ob es um die Zinssätze Libor/Euribor oder um Devisenkursmanipulationen usw. etc. ging) ausließ.

Für jene Leser, die mit einem mittleren Langzeitgedächtnis ausgestattet sind, die sich noch an das sehr ehrgeizige Ziel Ackermann`s erinnern - er forderte eine 25%ige Eigenkapitalsrendite – zeigt die Grafik, das jene der US-Banken selbst in der „Wunderwelt der Zocker“ bis ca. 2006 nur die Hälfte erreichten.

Ackermann´s Zielsetzung war wirklich sehr ambitioniert . . .

Eigentlich und überhaupt ...

hat sich insbesondere bei der DB nullo geändert, was doch etwas erstaunt, zumal nach dem Abtreten von Ackermann die beiden Nachfolger (Jürgen Fitschen und Anshu Jain, die am 1.Juli 2012 das Ruder übernahmen) eine „Kultur-Schubumkehr“ einleiten wollten.

Zitat Fitschen:

Wer eine falsche Kreditentscheidung trifft, wer Risiken falsch einschätzt . . .oder diese Risiken den Kunden unzureichend kommuniziert. . ., wer bei Transaktionen manipuliert . . ., der kann gewaltigen Schaden anrichten. Auf Fehler muss eine Bank schnell, transparent und effektiv reagieren und vom Management bis in die Filialen hinein eine Kultur leben, die diese Risiken so gut wie möglich ausschließt“

(In: Handelsblatt, 2. 9. 2015: Vom Nutzen der Banken).

Die Einschätzung dieses Statements überlasse ich Ihnen selbst.

Die üblichen Verdächtigen/UN_schuldigen

Eigentlich und überhaupt . . . wieder nix Neues!

https://lh3.googleusercontent.com/-nw7C1UUvjbk/VeiIzqON_-I/AAAAAAAABMo/n1feXW78pz8/w958-h719-no/2015%2B-%2B9%2B-%2BBankstrafen%2B-%2BR%25C3%25BCcklagen%2B%2B-%2BGesamt.jpg

Es ist schon

1.) verdächtig und auch „verhaltensauffällig – irgendwie, halt, so.

2.) Andererseits ist niemand "schuldig", denn dafür blüht der eigens dafür eingerichtete Ablasshandel (die Kirche wies dazu den historischen Weg) seit Jahren.

Sorry, juristisch nennt man es "Vergleich“ und egal wie viele Mrd. die Banken dafür hinblättern, ein Schuldeingeständnis ist damit nicht verbunden – das ist ja der Sinn dieser Deals! Und der nicht ganz unerwünschte Effekt so ganz nebenbei ... ist, wenn keine Schuld . . . keine Anklage . . . keine Banker die in den "Häf`n" (Wienerisch = Gefängnis) wandern .

In Ziffern gegossener Kulturwandel der DB:

„Für den Neu-Chef der DB hätte das wahr werden können. Immerhin verkündete John Cryan bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte 1,2 Milliarden Euro Vorsteuergewinn – ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Aber wieder mal machen Sünden der Vergangenheit einen Strich durch die Rechnung.

Für die teuren Folgen der vielen Skandale muss Cryans Haus mehr als eine Milliarde zur Seite legen. . . Das nimmt der Quartalsbilanz den Glanz.“ Quelle: http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/banken-versicherungen/strengere-regulierung-bei-den-banken-geht-die-angst-um/12126590.html?ticket=ST-3173717-xZvntORsJCFSeijfqEjq-s02lcgiacc01.vhb.de

Fazit: "Betrug" (Fitschen steht bald wegen Steuerbetruges vor Gericht) und Manipulation seit Jahrzehnten – aber ganz ohne Schuld. Unschuldig. Eben ;-)

Es gilt, ganz klar, die Unschuldsvermutung.

(Anmerkung: Die Strafen scheinen auf den ersten Blick sehr hoch zu sein. Setzt man diese aber zu den (Manipulations-)Gewinnen von mehr als 10 Jahren in Bezug, dann sind sie nur „Pea-Nuts“ - letztendlich werden sie auch mit "Geld aus dem Nichts" ... bezahlt.

Das Geschwätz vom „Regulierungs-TSUNAMI“

http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/banken-versicherungen/handelsblatt-bankentagung-wir-haben-es-mit-einem-regulierungstsunami-zu-tun/12269984.html?ticket=ST-3206415-VMeTvnZO6hJ0umMbcciQ-s02lcgiacc01.vhb.de

Eigentlich und überhaupt ...

geht nicht nur mir das an geistiger Armseligkeit nicht mehr zu toppende Gesabber von „Überregulierung“ der Banken auf den berühmten Wiener Keks.

Von einer der wichtigsten Reformvorhaben blieb so gut wie nichts übrig - nämlich einer massiv erhöhten Eigenkapitalbasis in Bezug auf die gesamte Bilanzsumme (also den vergebenen Krediten) gemäß den Basel III-Vorschlägen.

Der Vorschlg liegt bei 3% - oder anders gesagt: der Kredithebel (Leverage Ratio = Fremdkapital / Eigenkapital) beträgt ca. 33, ungefähr das Doppelte der US-Banken-Regelung!

Jedem ist klar, dass damit der Grundstein der nächsten Finanzkrise gelegt ist – und sogar der ehemalige Fed-Chef, Alan Greenspan, meldet sich zu diesem Thema und meinte:

“The bottom line is that the rules cap a bank’s total leverage only at a thumping 33 times, although some jurisdictions such as the US set lower but still high limits. Most hedge funds — traditionally seen as risky playthings of those with money to burn — operate at less than three. Even Mr Greenspan’s approach would only reduce that number to five . . .He points out that US bank equity capital ratios have fluctuated widely since 1870, when they had stood at nearly 40 per cent.”

Sinngemäß sagte Greenspan, dass ...“ein Kredithebel/Leverage von 33 sehr hoch ist (Anmerkg.: dies entspricht einer Eigenkapitalquote von nur ca. 3%, womit die Banken, wie erlebt, sofort wieder von den BürgerInnen "gerettet" werden müssen) und selbst die US-Regierung niedrigere Hebel ansetzt! Er schlägt eine Hebel von 5 vor, was einem Eigenkapital von 20% entspricht und er verweist auf das Jahr 1870, wo die Banken eine Eigenkapitalquote von 40% der Bilanzsumme hatten. (Financial Times, 23.8.)

Daran wäre nichts zu bemängeln - außer der Tatsache, dass Greenspan diese Weisheit nun aus der Distanz eines Rentners ausspricht. Nicht auszudenken, welche Revolution er entfacht hätte, wenn er seine Erkenntnis noch während seiner Amtszeit öffentlich verLAUTbart hätte . . .

http://www.ft.com/intl/cms/s/0/59b15ccc-49aa-11e5-9b5d-89a026fda5c9.html#axzz3juPluGLn

Jürgen Fitschen meinte:

Die Regulierung ist eine Herausforderung allererster Güte“ . . .Weiters warnte er vor „unerwünschten Nebenwirkungen, wie einem Austrocknen der Märkte."

- Ähm . . . lese ich richtig? Er hat tatsächlich Angst vor dem „Austrocknen der Märkte“ - obwohl die Banken jederzeit und (fast) unbegrenztGeld aus dem Nichts erzeugen und durch den Hochfrequenzhandel jederzeit damit die Kurse rauf- und runterpeitschen (manipulieren ist das bessere Wort ... ;-) ) können, wie es ihnen beliebt.

- „Unerwüschte Nebenwirkung“: aus seiner Sicht mag dies ja wirklich ein ernsthaftes Problem darstellen, denn mit dem normalen Kreditgeschäft verdient die DB wenig Geld.

Weiters:Die Banken könnten nicht mehr genügend Liquiditätspuffer bereithalten. . ., um gegenzusteuern. . ., wenn die Märkte heftig schwanken wie nach den jüngsten Verwerfungen in Asien“

- Mich befällt ein fürchterlicher Verdacht, dass Hr. Fitschen nicht mal weiß (oder wissen will?), wie bei einer Bank das Geld entsteht, wenn er von ungenügender Liquidität spricht. Was er unter „gegensteuern“ meint (Kursstützungskäufe - vielleicht?) wäre auch zu hitnerfragen.

- Ob er mit „ungenügender Liquidität“ die Mindestreserve, also Zentralbankgeld im Sinn hatte? Nee, kann man ausschließen, den bei 1% der Kreditsumme ist dies nicht wirklich ein Hindernis, Banken am expansiven Erfinden von „Buchungszeilen“ zu hindern .

Vom Nutzen der Banken (Jürgen Fitschen, Handelsblatt, 2.9.2015)

http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/banken-versicherungen/deutsche-bank-co-chef-juergen-fitschen-vom-nutzen-der-banken/12264404.html?ticket=ST-3128833-iFD1Z00DUR6OfXC2LXn7-s02lcgiacc01.vhb.de

Eigentlich und überhaupt ...

stand, wie eingangs erwähnt, Hr. Fitschen nicht auf meinem „Zettel“, aber es kommt immer anders, als man denkt.

Die Grafik veranschaulicht, welchen Stellenwert die DB in Deutschland hat – in der Welt gehört sie in fast allen Finanzfeldern zu den Top 5.

Ihre Bilanzsumme macht nicht ganz das 6-fache des österreichischen BIP`s aus. Die Aussagen der Vorstände haben daher einiges Gewicht.

https://lh5.googleusercontent.com/-nAkzSqb_dJg/VeiIVOiEWNI/AAAAAAAABMY/NTOOP1DWWuM/w958-h719-no/2015%2B-%2B9%2B-%2BDeutschland%2B-%2Bgr%25C3%25B6sste%2BBanken.jpg

Fitschen stellt eine einfache Frage:

„Wie aber schaffen Banken in einer freien Marktwirtschaft, die als Garant unserer Stabilität und Freiheit gilt, echten Mehrwert“?

Seine Antwort überrascht dann - doch:

„Vereinfacht gesagt, sie vergeben Kredite an Unternehmen, Privatkunden und Staaten. Sie finanzieren diese durch anvertraute Einlagen und aufgenommene Kredite, und sie bewerten Sicherheiten.“

Mit Verlaub:

Einer der wichtigsten „Banker“ gibt öffentlich zu, die Buchgeldschöpfung nicht verstanden zu haben?

Und dies nach wie vielen Jahren im Kreditgeschäft?

Die Lüge/Unwissenheit (?) ... “ Sie finanzieren diese durch anvertraute Einlagen und aufgenommene Kredite“ ... dass Spareinlagen die Kredite der Banken „finanzieren“, wirft folgende Fragen auf:

1.) Woher nehmen die Sparer/Unternehmen das Geld? Ja – ist es ihnen nicht unter Androhung von saftigen Strafen verboten, Geld s e l b s t zu erzeugen?

2.) Ist es nicht anders rum, d.h. n u r die Zentral- und Geschäftsbanken (ZB /GB) erzeugen das Geld und KonsumentInnen, Unternehmen und der Staat erhalten nur von den GB Geld als Kredit/Schuld?

3.) Ein rascher Blick in den Monatsbericht der Bundesbank vom August 2015 lässt noch größere Zweifel an der Meinung Fitschen`s aufkommen, zumal die Bilanzsumme aller Banken in Deutschland für Juni 7.848,3 Mrd. Euro beträgt – die Spareinlagen aber nur den Wert von 607,5 Mrd. ergeben (Statistischer Teil, Banken, Seite 24, 25.)

Ob er wohl die Antwort auf die Frage: woher kommt das Geld der Differenz von ca. 7.240 Mrd. Euro? geben kann?

http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2015/2015_08_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile

Auch auf die Gefahr hin, mich hier zu wiederholen, erwähne ich ein paar nicht ganz unbedeutende Quellen, die die mit naiv wohlwollend umschriebene Ansicht des Vorstandes der DB korrigieren:

- Im Büchlein der Bundesbank, Geld und Geldpolitik für die Sekundarstufe VII, wird die Geldschöpfung ganz schnörkellos wie folgt erklärt:

Wird einem Kunden ein Kredit über 1000 Euro gewährt, erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1000 Euro. Es wurden 1000 Euro Buchgeld geschaffen." Das Geld entsteht im Moment der Kreditvergabe, von einem Rückgriff auf irgendwelche Einlagen ist nicht die Rede, was auch durch die Rechnungslegung/Buchung bestätigt wird:

Forderung Kunde X // Verbindlichkeit Kunde X ...... 100,-.

- Die Bank of England steht auch im krassen Widerspruch zur These Fitschen`s und räumte im Quaterly Bulletin 1/2014h mit den „kruden Ansichten von ExpertInnen“ definitiv auf:

Money creation in practice differs from some popular m i s c o n c e p t i o n s - banks do not act simply as intermediaries, lending out deposits that savers place with them…but how those bank deposits are created is often m i s u n d e r s t o o d : the principal way is through commercial banks making loans! Whenever a bank makes a loan, it simultaneously creates a matching deposit in the borrowers bank account, thereby creating n e w m o n e y.”

http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx

- Spiegel 39/1972: Bundesbank: „Geld aus dem Nichts“

Schon 1972, also vor mehr als 40 Jahren, verliehen allein die Großbanken ca. 12 Mrd. Mark an die Unternehmen, obwohl sie nur über Spareinlagen von 3,7 Mrd. Mark verfügten und da stellt sich die simple Frage:

woher ... nahmen die Banken denn das Geld?

Selbst wenn sich Banken gegenseitig Geld leihen – bedarf es dazu keiner Einlagen von Sparern/Unternehmen!

Die Schuld des einen Bankiers entspricht dem Guthaben einer anderen Bank, d.h. volkswirtschaftlich heben sich die Forderungen / Verbindlichkeiten gegeneinander auf:

Sie sind ein blankes Nichts.

So machen die Privatbankiers das, was ihnen seit langem verboten ist: selber Geld . . . schimpfte Bundesbank-Vizechef Emminger:

"Das ist ein Rückfall in das vergangene Jahrhundert, wo jede Zettelbank Geld drucken konnte."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42842883.html

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Es ist eigentümlich und sehr bedenklich, wenn nicht mal einer der Bosse der mit Abstand größten Bank Deutschlands weiß, wie eine Bank funktioniert . . . und wie sie durch eine simple Buchung im Computer, das „Geld aus dem Nichts“ erfindet.

Nicht wissen ist nicht schlimm.

Nicht wissen, wollen . . . schon.

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Nachschlag: Eigentlich und überhaupt ...

reichen die zuvor angeführten, veröffentlichten Ansichten Fitschen´s locker aus, um ihn als „Top-Manager“ mit Mio.-Gage einzuschätzen.

Zur Abrundung ergänze ich noch ein paar „Bonmots“, weise aber explizit darauf hin, dass ich mich diesen nur mehr von der satirischen und ein bisserl von der zynischen Seite nähern kann.

Fitschen: „Doch es kam zum Glück anders: Durch beherztes Eingreifen von Staaten und Finanzinstitutionen wurde eine Lage stabilisiert, die außer Kontrolle zu geraten drohte . . . Für mich war das eine prägende Erfahrung: Einerseits mussten wir lernen, dass unser Finanzsystem fragiler war . . . , als wir dachten, und unsere Eigenkapitalpolster zu gering waren“ . . .

Da laust einem doch der Affe, denn könnte es sein, dass

- n u r die GIER des Banksektors die größte Finanzkrise aller Zeiten, verursachte?

- die irren Verluste den Verursachern, d.h.den Banken selbst, und nicht den BürgerInnen, anzulasten sind?

- sich seit 2008 weder an der „Fragilität“ des Geldsystems noch an den Eigenkapitalpolstern substanziell etwas zum Besseren verändert hat?

F.: „Das Besondere bei Banken ist aber, dass hier Fehlentscheidungen oder gar Manipulationen oft dramatische Folgen haben können . . . Auf Fehler muss eine Bank schnell, transparent und effektiv reagieren und vom Management bis in die Filialen hinein eine Kultur leben, die diese Risiken so gut wie möglich ausschließt“.

- Stimmt – die Folgen waren/sind dramatisch, aber nicht für die Banken, oder gar jene, die diese „Fehlentscheidungen“ trafen oder zu verantworten haben, sondern für alle SteuerzahlerInnen!

- Angesichts der Mrd.Rückstellungen für Strafen der DB bis hin zum gerichtlich anhängigen Steuerbetrug einer „Kultur das billige Wort zu reden“..., die diese Risken „so gut wie möglich ausschließt“ ... kann man nur als sinnfreie Wortspende interpretieren.

F.: „Ein funktionierender Finanzsektor stiftet enormen Nutzen“

Ähm ... bin ich der Einzige, der sich im falschen Film widerfindet, denn

- mit einer auf keiner gesetzlichen Basis fußenden „Geldschöpfung aus Luft“ kann es NIE einen „funktionierenden Finanzsektor für alle Bürger“ geben:

THAT´S FOR SURE!

- ja: langfristig sind “gelebte Werte und Haltung” ein unbedingtes MUST-HAVE, aber irgendwie kommt man sich gefrotzelt vor, wenn dies gerade ein Manager der DB ausspricht. . .

-F.: "Eine Bank mit „Wertekompass, wird ihre Kunden motivieren, sich steuerehrlich zu verhalten“.

Ein messerscharfes NEIN!

Jede Bank hat sich an die Gesetze zu halten und dafür zu sorgen, dass an ihre Kunden k e i n e steuerschonenenden Produkte, die die Moral untergraben, verkauft werden, als auch eine Beratung in dieser Hinsicht A-MORALISCH und ANTI-SOZIAL ist!

F:. „Gerade die Finanzkrise von 2008 hat uns den volkswirtschaftlichen Nutzen und damit den gesellschaftlichen Wert von Banken eindrücklich, da schmerzlich, vor Augen geführt“:

Worin nun der „vwl. Nutzen und der gesellschaftliche Wert“ des Bankensektors mit seiner maßlosen Gier und der vorgelebten antidemokratischen „Gelddiktatur“ (ja, ich denke ganz konkret an die EZB) liegt, ist das Geheimnis des NOCH-Co-Vorsitzenden der DB.

„Schmerzlich“ . . . war es für die SteuerzahlerInnen (per 2012 betrug die Summe der Bankenrettung ca. 5.100 Mrd. Euro, inkl. Garantien – für die Jungendarbeitslosigkeit wurden nur magere 60 Mrd. von der EU-Kommission „budgetiert“) – das stimmt.

Eine verantwortliche Politik hätte strikt nach dem "Verursacherprinzip" und im strengen Einklang mit den "Gesetzen des freien Marktes", auf den sich die Banker ja sooo gerne berufen, gehandelt und den Bankensektor selbst für sämtlich Verluste zahlen lassen!

Es gibt nicht einen Grund, wieso Krankenschwestern, BauarbeiterInnen, LehrerInnen usw. dafür aufkommen sollen.

F.: „Wenn die Banken regulatorisch gehindert werden, kalkulierte ( ? ) . . .Risiken einzugehen, wird nicht etwa die Realwirtschaft unterstützt..., Investitionen besser, sondern anders zu finanzieren: Risiken werden in Einrichtungen wie Schattenbanken ausgelagert, die kaum reguliert sind. Darum sollte auch Regulierung Maß und Mitte nie aus den Augen verlieren“.

O.K. – jetzt ist die Katze aus dem Sack!

Also zuerst - eh nur ansatzweise – eine reumütige Inszenierung abliefern, dann sofort bei kaum angedachten Regulierungsmaßnahmen das Märchen, dass damit der Realwirtschaft nicht gedient wäre, auftischen, hat das „gewisse Bank-Geschmäckle“, das wir alle seit 2008 kennen.

Der Hinweis – ich las es als offene Drohung – die Risiken dann in kaum regulierte Schattenbanken auszulagern, kann die Bevölkerung nur als ernstzunehmende Aufforderung verstehen, genau diesem Schattenbanken-Unwesen den sofortigen und endgültigen Todesstoss zu versetzen!

Dumme Gedanken hat jeder, aber der

Weise verschweigt sie.

(Wilhelm Busch)

23:51 03.09.2015
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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