Geldwäsche in Luxemburg vs. Panama-Leaks

banken, geldwäsche,betrug Panama-Leak ist ein Nebengeräusch und wird ebenso schnell medial entsorgt werden, wie Swiss- und LUX-Leak. Die großen Geldwäsche-Opern werden woanders gespielt.
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Eigentlich habe ich zuviel „Land unter“, aber an einigen Klarstellungen ist mir gelegen. Einen kleinen Anlass lieferte der Beitrag eines Freitag-Journalisten: „Achselzucken schadet“ - aber nicht nur. https://www.freitag.de/autoren/nils-markwardt/achselzucken-schadet-warum-zynismus-die-falsche-reaktion-auf-die-panama-papers-ist

Ja, Panama-Leaks ist nur eine kleine Probebühne einer Provinzoperette – aber weder die Met, noch die Mailänder Scala und nicht die Wiener Oper, wo die wahren Arien und das hohe C ... der Geldwäsche und Steuerhinterziehung gesungen werden.

Ich habe die Süddeutsche mit großem Interesse von Montag bis heute inkl. gut gelesen. Nun ists aber auch gut. Die Positionierung der Putin-Connection (das Head-Line-Mantra im billigen Mainstream - von allen Leitmedien die letzten 4 Tage den Menschen um die Ohren gebrüllt) hat seine dummbeutlerische Schuldigkeit getan!

Die mehr als berechtigte Kritik darob, trifft den Nagel auf den Kopf und an den Fakten gibt’s nichts zu rütteln – bitteschön:

1.) ABC-Analyse der Steueroasen.

Die irre Medientrommel korreliert nicht mit den Tatsachen, insoferne man diese überhaupt ins Kalkül zieht, denn

- Deutschland liegt an 8. und Panama erst an 11. Stelle im Ranking im Financial Secrecy Index von Tax Justice Network.

- Interessanter scheint mir der globalgewichtete Index (Footnote 6: The Global Scale Weight represent a jurisdiction's share in global financial services exports) zu sein - und siehe da: Deutschland ergattert mit 6.026 Punkten (nach den USA mit 19.603, UK mit 17.394 und LUX mit 11,630) den nur für Uninformierte überraschenden 4. Platz – noch vor der Schweiz (5.625).

Panama rangiert unter ferner liefen...

http://www.financialsecrecyindex.com/introduction/fsi-2015-results

Also wenn man die allseits bekannte ABC-Analyse auf die Wichtigkeit der Panama-Leaks anwendet, weiß man gleich wie viele heiße Medienluft hier wieder auf die Menschen niederprasselt. NONA (net vielleicht...) ist jede Veröffentlichung, die hoffentlich auch zu gesetzlichen Konsequenzen führt, zu begrüßen.

Der Medienhype – auch als weltweites Ereignis inszeniert – hält nicht das, was er verspricht.

That`s the point!

2.) ForgetPanama: it's easier to hide your money in the US than almost anywhere . . .

titelte heute The Guardian und rückte als mitbeteiligte Zeitung die hochgejubelten Verhältnisse selbst zu recht.

http://www.theguardian.com/us-news/2016/apr/06/panama-papers-us-tax-havens-delaware

Dass bisher nur ca. 200 Namen von US-Bürgern in den Dateien auftauchten, führen die Redakteure auf die simple Tatsache zurück, dass es ungleich einfacher sei, in den Steueroasen der USA selbst (Delaware, Nevada usw.) Briefkastenfirmen zur Verschleierung des „Schwarzgeldes“ zu errichten, als in Panama z.B.

Auch der Hinweis, dass die USA an dritter Stelle weit vor Panama (13.) im Index von Tax Justice Network gereiht sind, rückt den Medienhype zurecht.

“You don’t really have to go to Panama or other tax havens. They are not the only ones making it possible for corrupt officials and other criminals to launder their money. You can do it in every state . . . in the US,” explained Shah (Vice-President Programs and Operations, Tax Justice Network).

In every state in the US, you can incorporate an LLC – [a limited liability company] – or another legal entity and you don’t have to disclose who the beneficiary on it is. . .

In fact, Delaware is so synonymous with anonymous companies and ghost corporations that it was named in Transparency International’s Unmask the Corrupt campaign as one of the most symbolic cases of corruption.”

Die Feststellung, dass Delaware gleichbedeutend mit Korruption von anonymen Firmengeschäften ist – überrascht nicht wirklich . . .

3.) Luxemburg – DAS Paradies für (Bar-)Geldwäsche.

Müht man sich ab, in die Untiefen der Geldwäsche zu tauchen um ein bisserl g`scheiter zu werden, so landet man rasch bei Luxemburg (die Schweiz als auch die Britischen Jungfern- und Kanalinseln, die unter dem Schutz der Queen stehen und als Parkplatz für den Adel – von Baronesse bis hin zum Fürstenenkel in der x-ten Generation – dienen, lasse ich außen vor) – und sehr eigentümlichen „Bargeld-Transaktionen“.

Bitteschön:

"Piles of cash in Luxembourg

. . .While most countries print about 10% of their national wealth in banknotes each year, Luxembourg printed double the value of its GDP ( ? ) in c a s h . . . in 2014 alone . . .;

. . . The country may have an outsized financial sector, “but this mostly handles business finance and asset management, not street markets… there is no good reason why they need so much cash,” a French expert said . . .,

. . . “What is surprising is that Luxembourg is a net producer of notes, but that we then lose track of the flow,” said Angelini, whose organisation wants to deepen its investigations on the subject in collaboration with the ECB. Unlike in France or Germany, the declaration of cash sums over €10,000 entering or leaving Luxembourg is not compulsory, but is done “by request”. According to aCommission inquiry, the country had carried out only 15 checks over a period of two years . . . ?!”.

http://www.euractiv.com/section/euro-finance/news/suspicious-bank-notes-lead-to-luxembourg/

4.) Geldwäsche: Bargeld – oder Buchgeld?

Eigentlich egal, weil das System bietet durch selbsterschaffene “Gesetzeslücken” genügend Bühnen, um zig. Mrd. reinzuwaschen und einer gerechten Besteuerung zu entziehen.

Wenn PolitikerInnen aller Couleur nach mehr Transparenz und/oder Kontrolle und Strafverfolgung schreien, dann mag dies vielleicht für eine mediale Sternschnuppe reichen – die Glaubwürdigkeit jedoch ist längst einer nicht zu unterschätzenden Portion Resignation + Zorn in der Bevölkerung gewichen. Große, unverhältnismäßige Kontrollen bei den Hartz4-Bezieherinnen mit einer aggressiven Vehemenz einzufordern, aber über Jahrzehnte nichts gegen flächendeckende Steuerhinterziehung (kein ehrlicher Steuerzahler braucht eine Briefkastenfirma: wozu denn?) zu unternehmen, zeigt auf, wie weit sich die Geld- und Politik-Clique von den Menschen entfernt hat.

Was die elegante Geldwäsche über das Buchgeld betrifft, verweise ich auf meinen Kommentar zur Raiffeisenbank in Österreich. https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/oesterreich-leak-wie-waescht-man-elegant-geld

P.S.

Gerne spreche ich mal ein Lob aus – es gilt dem ORF: ich gestehe, dass ich sehr skeptisch war, als unsere TV-Anstalt als Aufklärer im Rahmen dieser großen Ermittlungen erwähnt wurde. Das Beispiel des Unternehmens von Poroshenko und der Raiffeisenbank, war:

Geldwäsche, aber bitte mit Sahne ... ;-)

20:54 07.04.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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