Griechische Dilettanten - Holt den Psychiater

Mainstream, Presse. "Die Sprache ist eine Waffe - halte sie scharf". (Kurt Tucholsky)
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Kurt Tucholsky spricht mir aus der Seele - so to say. Nicht nur ich vermute, dass er "steirische Verwandte" gehabt haben muss ... ;-)

Das Griechenbashing, mit einer Präpotenz gepaart mit (angeborener?) sachlich-fundierter Unkenntnis und geistiger Unterausstattung von "wohlgefühlten und selbsternannten Wirtschaftsjournalisten" in den Äther geschossen, führt zu überfüllten Spitälern. Sie sind von Studiosi der FH`s und UNI´s - durch deren Lachkrämpfe ihre Bauchmuskeln zu eisenharten Six-Packs anschwollen und die nur unter ärztlicher Aufsicht wieder rückge_lasert werden können - übervoll.

Die Kommentare dieser lohnschreibenden JunX, mit einem einzigartigen ökonomischen Vakuum im Organ zwischen den ...... Ohren ausgestattet, erinnern mich an die Speiskarte der DDR - und den Begriff: "Sättigungsbeilage". Sie erinnern sich vielleicht ... noch.

By the way ... sollen sich laut US-Medien mehr 50% der US-BürgerInnen nach dem Wohlstandsniveau der "neuen Bundesländer" sehnen. Und die US-Starökonomen, allen voran Paul Krugman und Jo Stiglitz werfen sich sogar 5x pro Tag gegen die untergehende Sonne zu Boden, wenn dies helfen würde, die US-Staatschulden auf das Niveau der DDR (man(n)/frau sagte mir, man solle nicht DDR schreiben - ich tu es aber trotzdem) runterzudreschen - als diese "pleite" war . . .

So ein "On-dit".

In der Stadt der PsychoANALyse steigt die Anzahl der LeserInnen exponentiell an, die sich ob der geistigen Ergüsse solcher "ExpertInnen" fragen:

"Ist Realitätsverlust heilbar"?

Leider kann ich diese Frage nicht mehr an Sigmund Freud delegieren - Sie wissen wieso.

Aber ich bin mir sicher, dass auch die Nachfolger seines Faches nach kurzer Zeit aufgeben und die "Patienten" als unheilbar krank diagnostizieren würden - um dann bei einem Viertel Weissen, und einem Liptauerbrot in Grinzing bei Sonneschein die Heurigen_Freiluft_Saison zu eröffnen.

Scharf genug?

- - - - -

* ) Aperitif.

1. Kurz erzählt. Als die Krise 2007 ausbrach, postete ich mich so querbeet und lernte dabei einige Leute kennen, die ökonomisch und auch so ... gut "drauf" waren. Es war ein sehr interessanter Austausch auf hohem Niveau. Wir legten uns mit den "bezahlten", herumbrüllenden, neoliberalen LohnschreiberInnen (in Wien gibt es sogar eine eigene Marketingfirma, deren "Kerngeschäft" darauf beruht, Leute des öffentlichen Lebens im Netz zu diskreditieren - kein Witz!) an, die eine wirklich schwere Zeit hatten.

So zwischen OKT 2008 und ca. Juni 2009 waren wir alle voller Hoffnung, den in diesem "Window of Opportunity" hätten die Linken (fast) alles an Regulierung und straffen Bankgesetzen durch die Parlamente peitschen können.

Sie taten es nicht, wie wir alle wissen.

2. Meine o.a. Einleitung zum "Griechenbashing" bezieht sich konkret auf "WirtschaftsjournalistInnen ohne kaufmännische Grundkenntnisse" - wie ich sie immer bezeichne. Experten - eben:

- Jan Fleischhauer, S.P.O.N, der sich immer LAUTstark aber ökonomisch platt bemerkbar macht - wie in diesem Artikel z.B. : "Holt den Psychiater".

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-und-die-euro-verhandlungen-holt-den-psychiater-kolumne-a-1022699.html

Das Zitat ... "Die gute Nachricht ist, dass nicht jede psychotische Erfahrung als Krankheit zu werten ist. Oft lässt sich ein weitgehend normales Leben führen" ... kann man nur als eigenes Outing deuten. Oder - meinte er gar . . . n e i n ?!

- Eric Frey, Chef vom Dienst vom "Standard.at". Sein Elaborat benamste er: "Griechische Dilettanten".

http://derstandard.at/2000012761753/Griechische-Dilettanten

Nun - ich überlasse es Ihnen, seine ökonomische Expertise einzuschätzen. Ein paar Beispiele:

- "... tiefgreifende Strukturreformen, müssen über ideologische Schranken hinweggehen (Anmerkg.: die diktatorisch aufoktruierten Strukturreformen fußen auf genau welcher ... Ideologie?)

- ..."der aufgeblähte öffentliche Sektor muss weiter reduziert werden . . . doch die Wiederanstellung gekündigter Beamter und die Absage an alle Privatisierungen sind ein Signal, dass Syriza die tieferen Ursachen für die Wirtschaftsmisere nicht kapiert ... (die vwl. Armuts-, Arbeitslosenziffern und das Zurückbomben auf ein Produktionsniveau von 1975 sind durch welche Politik verursacht worden?)

- ..."In dieser Situation haben Tsipras & Co einen Dilettantismus an den Tag gelegt wie noch keine andere Regierung seit Ausbruch der Euroschuldenkrise. . . Die Kontrolle über die Staatsfinanzen ist ihnen entglitten; dass sie in Brüssel keine konkreten Zahlen vorlegen, liegt daran, dass sie diese selbst nicht kennen. . . (Hmhm - diese Regierung ist w i e lange . . . schon im Amt?)

Als Ergänzung noch ein aufschlussreiches Video von einer Debatte auf PULS4, wo Dirk Müller nicht weiss, ob er sich in einem Kabarett befindet - hören Sie rein. Schauen Sie sich das an. https://www.youtube.com/watch?v=m4paR7Fc54w

* ) Menü.

Die meisten unserer Gruppe von damals - 2008-2011 - haben sich aus den Online-Foren zurückgezogen. Das Geldsystem war "ausdiskutiert", weil ca. 70-80% es in den Gründzügen verstanden hatten und die Informationen weiter trugen und ihre Freunde damit aufklärten.

Angesichts diese Kommentars von Herrn Frey habe ich wieder mal einen "Versuchsballon" gestartet.

Soviel an geballten, hanebüchenen Lügen und Sechzehntelwahrheiten tun mir körperlich weh - ich kann das nicht so mir nix - dir nix ... unwidersprochen lassen. Also schrieb ich an die Redaktion meine Replik auf diesen Artikel, die ich zuschärfte und (eh nur ein bisserl...) überzeichnete. Ich gebe zu, dass ich mir bei 4000 Zeichen schwer tue, meine Argumente "über die Rampe" zu bringen - deshalb auch der stenographische Stil.

Ich wollt´ es einfach wieder mal wissen - bitteschön:

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Der neue „Liberalismus“ - Völlige Frey_heit von Sachkenntnis.

Ja – es stimmt: „Jeder Mensch („Manager“) managt und positioniert auch sich selbst!“

Schon gelesen?

Das ideologisch-verbrämte „Lied“ über die LINKEN Griechen ist da. Die berauschende Einäugigkeit quillt aus jeder Zeile hervor (Eric Frey, „Griechische Dilettanten“, 10. März). Schon klar - alles was dem eigenen, verqueren Weltbild widerspricht, wird mit Hysterie und entlarvender Unkenntnis niedergeschrieben.

Überrascht? Nee.

JA, die neue Regierung ist LINKS - und dies bewusst und authentisch.

JA, sie vertritt genau jene Positionen, für die sie die Mehrheit wählte.

Na Bumm!

Das reichte locker aus, um die demokratisch nicht legitimierte Troika aufzuscheuchen.

Einfach herrlich - herrlich einfach!

Troika – Macht ohne Kontrolle...

https://www.youtube.com/watch?v=xYUqpijQI04 hieß die sehr interessante ARTE-Doku des Journalisten Harald Schumann. In der um die Hälfte (?) verkürzten ARD-Version wurden einige entlarvende Interviews weg zensuriert. Einfach so.

Ä h m ... „Griechische Dilettanten“?

- Yaris Varoufakismeinte: „Es war keine Verschwörung – es war ein ganz einfacher Vorgang: Wie bleiben wir an der Macht! Mr. Juncker gab es offen zu: wir wissen was zu tun ist, aber nicht wie wir gleichzeitig an der Macht bleiben können.“

„Die klugen Leute in Brüssel, Frankfurt und auch Berlin, wussten schon im Mai 2010 dass Griechenland seine Schulden nie zurückzahlen wird . . . In dieser Lage, dem insolventesten aller Staaten den größten Kredit der Geschichte zu geben, wie drittklassig korrupte Banker, das war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

- Der Internationale Währungsfond kam bereits am 25. März 2010 (!) zur Auffassung, dass eine „Austerity-Politik“ das soziale Gefüge total zertrümmern würde.

Vor ca. 2 Jahren musste ihr Chefökonom, Olivier Blanchard, gestehen, dass sich der IWF bei den „Fiscal-Indicators“ um das 3-4-fache verrechnet hatte.. (eine 1%ige Budgetkürzung führt nicht zu einem 0,5-0,7%igen Rückgang des BIP – sondern zu einem 3-4fachen Einbruch der Wirtschaftsleistung);

- Die herrschende Ideologie ist simpel: wer Geld hat lebt – wer keines hat stirbt (Min. 28:40)

- Die Tarifverträge wurden per Dekret – also ohne parlamentarische Abstimmung und entgegen den Vereinbarungen der ILO - abgeändert. Die Regierung allein sollte die Löhne festsetzen (Min. 41).

- Die griechische Regierung wurde erpresst (Min. 48.ff.) – Texte wurden von den Troika-Bürokraten abgeändert und neu verfasst . . . der Verwaltungsminister wurde darauf „hingewiesen“, dass es kein Geld gibt, wenn er nicht unterschreibt!

- Die Lagarde-Liste von 2010, auf der 2062 Namen von Steuerhinterziehern waren, verschwand in den Schubladen der Regierung. Nur 6 (sechs) davon wurden auch „verfolgt“ (Min. 52:40)

- Die BPN-Bank wurde verstaatlicht und nur ein Monat später an nur 1 Anbieter „verkauft“. Verlust für den Staat ca. 15 Mrd. – soviel wie alle Einsparungen im Gesundheitssektor insgesamt!

- Im Gesundheitssektor wurden die Ausgaben mit 6% des BIP von der Troika festgesetzt, Jene der EU liegen bei 10%, Deutschland/Österreich gibt ca. 11% aus.

- Bizarr, wie immer. Othmar Karas (Min. 31). „Ohne Troika gäbe es kein Licht am Ende des Tunnels“.

Usw. usw.

Wie die Troika mit irrer Macht „regiert“, beweist ein Brief vom 5. August 2011 von Trichet (EZB-Chef bis 2012) an Zapatero (ehem. Premier Spaniens). Nur 1 Tag später erfolgte seine devote Antwort.

https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/wie-die-ezb-mit-irrer-macht-europa-regiert

Es gibt keine empirische Evidenz, dass die Austerity-Politik jemals zum Erfolg führte. Paul Krugman stellte fest: „Austerity, it turns out, has devastated Greece just about as much as defeat in total war devastated imperial Germany” … http://krugman.blogs.nytimes.com/2015/02/15/weimar-and-greece-continued/?_r=2

P.S.

Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Damit ist alles zum totalitären und neuen(Neo-)Liberalismus gesagt.

Mehr braucht`s net . . .

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* ) Digestif.

Die Antwort der Online-Redaktion kam 2 Tage später und zauberte ein längeres Schmunzeln in mein Gesicht . . .

13. März – 19.31h.

Sehr geehrter Herr Pregetter,

vielen Dank für Ihre Replik, ich habe Sie an Herrn Frey . . . weiter geleitet. Für eine Veröffentlichung auf derStandard.at ist der Text aus formalen . . . Gründen nicht geeignet.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Bürger

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Tja . . . ;-)

01:25 14.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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