IWF: Der Neoliberalismus ist "tot" - NA BUM!

IWF, Neoliberalismus,Geld "Von jetzt an werde ich nur so viel ausgeben, wie ich einnehme, selbst wenn ich mir dafür Geld borgen muß". (Mark Twain)
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Mark Twain`s Zitat ist eine geniale Beschreibung unseres Schuldgeldsystems.

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Ist der IWF eine Institution von unfähigen, machtgeilen „Verschwörungspraktikern“?.

Ja, es ist die Wahrheit und wird durch Fakten bestätigt und wirft die Frage auf: wieso man eine solche Institution, die den Menschen – weltweit! - derart viel an Leid, Armut, Arbeitslosigkeit brachte, überhaupt noch konsultiert.

Der IWF erfindet das Geld aus dem Nichts als Buchungszeile und tippt die Ziffern in den Computer. Wieso können dies alle Länder dieses Planeten nicht selbst machen?

Der Unfähigkeitsbeweis wurde dem IWF (2011)sogar von der eigenen Innenrevision (Independent Evaluation Office, IEO) quasi „amtlich“ ausgestellt. Zur Frage: wieso er die größte Finanzkrise alle Zeiten nicht vorhergesehen habe, kam der Bericht zum sehr aufschlussreichen Resumee ... dass,

- "die Fähigkeit, die Risiken korrekt zu identifizieren, durch einen hohen Grad an Gruppendenken untergraben wurde,

- die Grundannahme, dass finanzielle Krisen in großen Volkswirtschaften unwahrscheinlich sind, vorherrschte,

- die „intellektuelle Befangenheit“ eine große Rolle spielte,

- die Notwendigkeit stärkerer Regulierung heruntergespielt wurde,

- die - neoliberale - Kultur des IMF darauf ausgelegt war, abweichende Meinungen zu ignorieren und zu entmutigen! "

http://www.ieo-imf.org/ieo/files/completedevaluations/01102011IEO_full_report_crisis.pdf

Die Machtgeilheit wird durch ein von Wikileaks veröffentlichtes, geplantes Komplott gegen Griechenland bestätigt. https://wikileaks.org/imf-internal-20160319/

Im Transkript einer veröffentlichten Telefonkonferenz zwischen dem IWF-Europa Chef, Poul Thomsen und der IWF-Chefin in Athen, Delia Velkouleskou wurde „vereinbart“, einen Schuldenevent zu inszenieren um Griechenland und die EU zu destabiliseren.

Für weitere Details verweise ich auf den Kommentar von IDOG im Freitag. https://www.freitag.de/autoren/idog/kampf-gegen-den-terror-andersrum

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IWF und Weltbank als neoliberale Vorfeldorganisationen.

Während sich die Weltbank hauptsächlich um die Finanzierung von großen Investitionsprojekten wie Eisenbahnlinien, Häfen oder Staudämmen kümmert - ist der IWF der „Kreditgeber letzter Instanz“. Er ist immer dann zur Stelle, wenn sich Länder in Zahlungsschwierigkeiten befinden. Er offeriert Kredite und knüpft diese an knallharte Bedingungen, die die Souveränität und Demokratie untergraben und die Wirtschaft der Länder dem Diktat des internationalen Finanzkapitals unterordnen.

De facto agiert der IWF wie ein Pfandleiher, der die in Not geratenen Staaten ausnutzt, um sie gefügig zu machen und um sich und die globalen Konzerne dadurch zu bereichern.

Das Rezept des IWF ist seit Jahrzehnten gleich: Strukturanpassungsprogramme.

Diesen fußen auf den Grundlagen des Neoliberalismus. Die Eckpfeiler bestehen aus der Liberalisierung, der Deregulierung und der Privatisierung:

- Das Ziel der Liberalisierung ist der „Freihandel“ (NAFTA, TTP, TTIP, CETA, ISDS usw.). Das Ziel liegt im Abbau von Zöllen und Importbeschränkungen. Dadurch müssen die einheimischen Klein- und Mittelbetriebe sich der Konkurrenz der internationalen Konzerne stellen, denen sie gnadenlos ausgeliefert sind. So wurden viele afrikanische Nahrungsmittelproduzenten in die Abhängigkeit der Multis getrieben.

- Die Deregulierung bedeutet die Aufhebung aller Restriktionen für ausländische Investitionen, vor allem aber den möglichst freien Kapitalverkehr (Verbot von Kapitalsverkehrskontrollen). Die inländischen Unternehmen werden von den Giganten der Wallstreet überrollt. Sie werden an die Wand gedrängt, zu einem Bettel aufgekauft und/oder in die Insolvenz getrieben. Steigende Arbeitslosigkeit und die Zerstrümmerung der binnenwirtschaftlichen Wirtschaftsstruktur sind das Ergebnis. Es beherrschen dann ausländische Oligo(Mono-)pole die "Märkte".

- Die Privatisierung führt dazu, dass das Tafelsilber der Länder (Rohstoffe, Infrastruktur z.B.) „privatisiert“ werden müssen, um die Schulden termingerecht zu bazahlen. Die Preise werden dann für zuvor subventionierte Güter, wie Wasser, Energie oder Transport, nach dem Kauf durch ausländische Konzerne rasch erhöht. Dies macht es für die unteren Einkommensschichten unerschwinglich. So werden viele Menschen bewusst geschädigt und in die Armut getrieben, nur um den internationalen Konzernen einen maximalen Profit zu garantieren.

Die Dokumentation "THE BIG SELLOUT" klärt über diese dikatorische Vorgehensweise des Neoliberalismus auf, wobei die Privatisierung des Wassers in Cochabamba, Bolivien, schon als "klassisches Beispiel" gesehen werden kann. https://www.youtube.com/watch?v=z8P8GmkIiUY

Strukturanpassungsprogramme begünstigen immer global agierende, große Unternehmen zu Lasten der einheimischen Bevölkerung.

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IWF gesteht: der Neoliberalismus ist der Grund der Krisen!

Ja, man glaubt es kaum.

Man kann kaum glauben, dass vielleicht doch noch so etwas wie ein Funken an Orientierung an Tatsachen und/oder sogar an „Einsicht“ zu Tage tritt, seit Jahrzehnten genau die falschen Rezepte den Ländern im Gegenzug zu Krediten mit hohen Zinsen, aufgebürdet zu haben. Aber egal – die Superreichen haben ihre Deals gemacht, das Tafelsilber der Staaten ist längst verscherbelt, um es zynisch zu sagen. Die Menschen haben nie irgendwen interessiert - allein die Bereicherung der obersten 1-10% zählt.

Die zwei entscheidenden Säulen des Neoliberalismus sind:

1.) die totale Markthörigkeit ("Invisible hand"), unter dem das Mantra der „Wettbewerbsfähigkeit der Staaten“, die wie Unternehmen behandelt werden, diktiert wird und in der totalen Deregulierung und Öffnung der Binnen- und Finanzmärkte gipfelt.

2.) der lästige Staat, der zu einer Nachtwächterrolle degradiert wird. Dies erfolgt durch (verfassungsmäßige) Schuldengrenzen, Kontrolle der Staatsbudgets (Fiskalpakt). Durch befohlene Sparprogramme werden die sozialen Sicherungssysteme (Griechenland, Spanien usw.) demoliert. Reicht dies nicht aus um die Schulden zu bezahlen - bleibt nur mehr die Privatisierung als letzte Instanz der neoliberalen Agenda übrig. ­

Was lief nun auf einmal ... schief?

http://www.imf.org/external/pubs/ft/fandd/2016/06/ostry.htm

Nun, genau die beiden zuvor beschriebenen Säulen sind nicht so erfolgreich, wie seit Jahrzehnten bei jeder Kirmes massenmedial in die Welt - volksverdummend - hinaus posaunt. Zwar wurde auf Teufel heraus „globalisiert“ . . . die Länder mussten sich jederzeit und überall der weltweiten Konkurrenz stellen . . . was, so die banale Theorie, zum Erfolg und mehr Wohlstand (gemeint sind eh nur die obersten 1-10%) führen soll.

Der Index der Wettbewerbsfähigkeit - quasi der Zauberstab der neoliberalen Religion – beruht auf einem Bündel an Maßnahmen, wie z.B. freien Kapital- und Güterverkehr, Liberalisierung des Agrarsektors (ein Schelm, wer da an TTIP und die US-Konzerne denkt), Steuererleichterungen für Investoren und deren Gewinne (kommt Ihnen das bekannt vor?) usw. etc.

Wie man in der Abbildung 1 sehen kann, war diese Strategie weltweit sehr „erfolreich“, zumal der Index sich stark der Ziffer eins näherte (1 = starke Konkurrenz, 0 = kein Wettbewerb).

https://www.flickr.com/photos/140576195@N07/27339849475/in/dateposted-public/

Den Nachteil dieser so verordneten ökonomischen und finanziellen Offenheit zeigt die Abbildung 2 auf:

https://www.flickr.com/photos/140576195@N07/27339875285/in/dateposted-public/

- die linke Grafik erhöht aufgrund des starken „IN-flows“ an ausländischem Kapital das Risiko von Finanzkrisen enorm. Das Sample ist mehr als repräsentativ und umfasst den Zeitraum von 1980 – 2014, 53 Entwicklungsländer und ca. 165 Finanzkrisen. .

- die rechte Grafik zeigt den Anstieg der Ungleichheit (Gini-Koeffizient) des Einkommens, wenn sich Krisen nach der Deregulierung des Finanzsektors einstellten. Der untersuchte Zeitraum ging von 1970 – 2010 und umfasste 149 Länder. Es wurden 224 Finanzkrisen – in Englisch niedlicherweise als „Episoden“ bezeichnet – festgestellt, was ca. 5 Krisen p.a. ergibt.

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Schlussfolgerungen:

Dani Rodrik, Harvard-Professor, brachte es auf den Punkt: „…these are hardly a sideshow or a minor blemish in international capital flows;

they are the main story.”

Drei sehr beunruhigende Ergebnisse können ausgemacht werden:

1.) Chancen auf verstärktes Wachstum durch die neoliberale Agenda sind, insbesondere wenn man ein breites Sample an Ländern heranzieht, nicht feststellbar.

2.) Die gesellschaftlichen Kosten der steigenden Ungleichheit sind markant und auf die Liberalisierung und die Wachstumsfokussierung zurückzuführen.

3.) Der Anstieg der Ungleichheit, insbesondere durch völlig falsch verordnete Spardiktate, schadet dem Niveau als auch der Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums (Anmerkung: damit ist die von vielen Ökonomen kritisierte Austerity-Politik zum x-ten mal falsifiziert worden. Auch wenn das Wachstum das Zentrum des Neoliberalismus ausmacht, so muss auf die Ungleichheit besonders geachtet werden.

So die Empfehlung der Autoren dieser Studie des IWF.

Nachschlag - Austerity:

Weiter hinten im Text wird auch die Sparpolitik als kontraproduktiv entlarvt:

- sie führt zu erheblichen Kosten für die Allgemeinheit,

- sie schadet der vwl. Nachfrage und erzeugt Arbeitslosigkeit,

- die Theorie: Haushaltskonsolidierung wirke expansiv (u.a. von Trichet, ehem. EZB-Chef, vertreten) wird durch die empirischen Evidenz widerlegt und das "Sparparadoxon", das jeder Studiosi im 2. Semester kennt, zum x-ten Male verifiziert. In der Praxis erhöht sich im Durchschnitt bei einer Einsparung beim Staatsbudget von 1% die Arbeitslosigkeit um 0,6%punkte und die Ungleichheit steigt innerhalb von 5 Jahren um 1,5 %punkte..

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Einige Anmerkungen zu diesem IWF-Paper:

- Dem Eigenlob – das Wachstum des Welthandels habe Mio. Menschen aus der Armut „gerettet“ . . . durch ausländisches Kapital floss Know_How und Technologie in die Entwicklungsländer . . . die Privatisierung habe in vielen Fällen eine Effizienzsteigerung und Preissenkung der Produkte und Dienstleistungen bewirkt, und sei nur zum Vorteil von vielen Menschen . . . es wurden daher auch die staatlichen Budgets, durch geringere Kosten, entlastet usw. - stehen markant risikoträchtigere und kaum zu beziffernde Lasten (Armut, Arbeitslosigkeit, Ausverkauf des Tafelsilbers usw.) gegenüber.

- Der Hinweis auf "die Dualität von Nutzen und Risken“ bei der Deregulierung des Finanzsektors, lässt sich auf nur einen einzigen Ziffernvergleich der Eurozone runterbrechen: für „Bankenrettungen“ (besser: Rettung der Bankeigentümer) wurden per Ende 2013 ca. 5.300 Mrd. Euro inklusive Garantien an Steuergeldern verbraten . . . während dem für die Jugendarbeitslosigkeit nur 6 Mrd. budgetiert wurden!

- Geradezu amüsant ist der Hinweis im Text, dass man (gemeint sind die großen Länder, USA, Deutschland usw.) die Staatschulden in ruhigen Zeiten tilgen solle, weil sich hohe Schulden negativ auf das Wachstum auswirken würden.

- Die Unkenntnis unseres Geldsystems überrascht nicht, zumal man vom IWF nicht wirklich ... erwarten kann, dass er seine wirtschaftswissenschaftlichen Papers damit selbst aushebelt. Wie wir alle wissen, kann es in einem Geldsystem, wo Geld nur als Kredit/Schuld entsteht, n i e auf Makroebene zu einer Tilgung kommen - denn dann gäbe es ja kein Geld mehr. Es erfolgt immer nur eine UMSCHULDUNG, d.h. alte + neue Schulden + Zinsen ergeben den neuen Schuldenstand der Staaten.

Der Neoliberalismus ist mit seinen finanzwirtschaftlichen Implikationen daher nichts anderes als eine Religion, wo eine kleine, sehr einflussreiche Sekte, Staaten und Mio. Menschen beherrscht und ihnen Kredite gegen diktatorische Bedingungen gibt. Viele Länder wurden so zerstört - und Mio. Menschen in die Armut und Arbeitslosigkeit getrieben so wie die vorher intakte Wirtschaftsstruktur zerstört.

„Religion is regarded by the common people as true, by the wise as false, and by the rulers as useful“.

(Socrates)

03:40 30.05.2016
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

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