IWF: Neoliberalismus nix tot - er leben tut?!

IWF, Macht, Skandal So manche Wahrheit ging von einem Irrtum aus. (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach, 1830 - 1916),
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Ein vielfaches SORRY, leid mir tut, weil auch ich einem unfassbaren Irrtum aufsaß und bei vollem geistigem Bewusstsein glaubte, dass der IWF seine Fehler endlich aufgrund seiner eigenen, empirischen Analysen einsah - und korrigierte:

aber - NIX DA: alles wieder GUTT!

(Ja - gutt mit 2 TT, eines reicht nicht)

Eingeständnisse „zizerlweis“ (auf deutsch: peu a peu) . . .

Der IWF hat schon einige Male seine kruden, neoliberalen „Theorien“ selbst falsifizierten müssen!

Jedes Unternehmen würde dadurch einen großen Imageschaden erleiden- nicht so die Institution der Troika, der IWF. Ja, ich gebe gerne zu, dass auch in meinen Ohren das Wort REVOLUTION (Der Neoliberalismus ist tot!) einen sehr guten und nachhaltigen Klang erzeugte, zumal nicht nur die Unfähigkeit des IWF durch seine eigenes IEO (Independant Evaluation office, 2011), die Krise vorherzusehen, ganz offiziell anerkannt und bestätigt wurde: ich weiß, ich wieder hole mich gerade ...

So gestand der IWF 2012 ein, dass Kapitalverkehrskontrollen – sonst ein absolutes NO GO! – verheerende Folgen einer Finanzkrise vermindern können. Ich erinnere mich sogar noch, dass der IWF Island darob als repräsentatives Beispiel lobend erwähnte . . .

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022199612000177

2013: Der ehem. Chefökonom, Olivier Blanchard, musste öffentlich zugeben – er tat dies in einer allseits hochgelobten und weithin anerkannten Studie – dass er sich bei den Fiskalmultiplikatoren ziemlich verrechnet hatte. Das unfassbare der Politik war geschehen:

ganz Südeuropa, das anhand der „Expertise des IWF“ in Grund und Boden devastiert und 40 Jahre in seiner Entwicklung zurückgebombt wurde, war ein doofer, ja man muss sagen: saublöder Fehler eines „Starökonomen“? http://www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2013/wp1301.pdf

„This paper investigates the relation between growth forecast errors and planned fiscal consolidation during the crisis. . . A natural interpretation is that fiscal multipliers were substantially higher than implicitly assumed by forecasters.”

2014: O.K. nur ein Jahr später stellte man fest, dass sich eine hohe Ungleichheit – die man seit 2008 durch die Austerity-Politik selbst durch irre Lohn- und Rentenkürzungen bei gleichzeitiger Nichteinführung von hohen, progressiven Vermögenssteuern erzeugt hatte – auch noch negativ auf das seit Jahren herbeigesehnte und berechnete Wachstum auswirkt.

Ja, ziemlich blöd gelaufen, nicht wahr?! http://www.imf.org/external/pubs/ft/sdn/2014/sdn1402.pdf

. . . machen noch lange keine Revolution: alles klar?

"Evolution not Revolution: Rethinking Policy at the IMF", lautete die Korrektur seiner eigenen Studie des Chefökonomen, Maurice Obstfeld.

"The Fund has long tried to build on its experiences in the field and on new research to improve its effectiveness in economic surveillance, technical assistence, and crises response" . . .

das klingt doch ganz anders, sicher nicht nach dem Tod des Neoliberalismus! Wo denken Sie, ähm WIR, denn alle hin ... ?

Und er legte nach: „ . . . der IWF habe seine „Erkenntnisse“ an neuem Denken ... in neuem Lichte ... angepasst, zumal seine Entscheidungen/Empfehlungen große Auswirkungen auf die Mitgliedsländer des Weltfinanzssystems haben. Dieser Prozess habe sich aber nicht grundlegend im Kern geändert ..., weil sie nach wie vor auf „offenen und wettbewerbsfähigen Märkten, robuste Makro politischen Rahmenbedingungen, die finanzielle Stabilität und starke Institutionen" ... beruhe. Hinzugekommen seien wichtige Erkenntnisse darüber, wie am besten diese Ergebnisse in einer nachhaltigen Art und Weise erreicht werden können“ ...

Auf die Frage: der vor einigen Tagen erschienene Artikel - "Neoliberalism: oversold?“http://www.imf.org/external/pubs/ft/fandd/2016/06/ostry.htm

wurde von einigen als großes Umdenken des IWF gedeutet, wie z.B. dass Sparen nicht funktioniert und tatsächlich die Ungleichheit verschärfe? antwortete Obstfeld:

Dieser Artikel wurde vielfach falsch interpretiert . . . er bedeutet keine große Veränderung in den Ansätzen des IWF ... es ist irreführend ... niemand wolle unnötige Strenge, aber der IWF stehe für eine Finanzpolitik, die Wachstum und Eigenkapital langfristig unterstützt (?). Dies mag von Land zu Land unterschiedlich sein, aber alle Regierungen haben ihren Schuldenstatus auf eine langfristige Perspektive zu stellen. Dies kann für die Ärmsten sehr teuer werden – was aber eine Tatsache und keine ideologische Position sei“ . . .

- - -

Anmerkung:

dass gerade der IWF seit Jahrzehnten eine rein ideoligisch-verbrämte Politik allen Staaten aufzwingt, ist längst x-fach erwiesen - vor allem durch die Studien des IWF selbst!

- - -

Weiter: ...“die Aufgabe des IWF sei es, Regierungen finanztechnisch bestens zu beraten . . . um schlechte Ergebnisse zu vermeiden ... und u.a. auch Situationen zu erkennen, wo eine übermäßige Ausgabenkürzung sich auf das Wachstum kontraproduktiv auswirken könne" ... (sinngem. von mir übersetzt).

usw. etc.

- - -

Ich hab genug gelesen, von der jämmerlichen und an Armseligkeit nicht mehr zu toppenden „Joberhaltungsshow“ des Chefökonomen. Seine Ausflüchte sind angesichts aller Fakten und fatalen Entwicklungen für zig-Mio. Menschen, von Südeuropa bis nach Argentinien und zurück, wohl das Entbehrlichste, was ich seit Jahren las.

Bitte – lesen sie selbst weiter . . .

http://www.imf.org/external/pubs/ft/survey/so/2016/POL060216A.htm

"Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wie viel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen." (Albert Einstein)

03:54 04.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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