Kurz (ÖVP): Mehr Brutto - vom Netto ...?!

Kurz, ÖVP, Abgabenquote "Auch das kleinste Licht hat sein Atmosphärchen". (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach,1830-1916)
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Mehr Brutto vom Netto" ist eine Aussage, die H.C. Strache machte. Sie charakterisiert treffend seine eher bescheidenen Kenntnisse ökonomischer Zusammenhänge. Dies gilt auch für Kurz: beide sind in ihrer Unwissenheit vereint. Wenn 2 ökonomisch Blinde fusionieren, eine Regierung bilden, so werden sie deshalb nicht zu Sehenden...

Kurz redet viel - sagt aber wenig bis nichts:

Nun, das kennen wir alle schon ewig. Spätestens aber seit KHG - (Karl-Heinz-Grasser, der wegen zahlreicher Malversationen angeklagt wurde) ehem. Finanzminister, der sich sogar vor einigen Jahren zur Aussage: "Ich versteh´ vom Steuerrecht nichts" hinreissen ließ - erreichen die inhaltsleeren Sprechblasen immer weniger Menschen.

Die Politiker rangieren mit den Journalisten am untersten Ende der Vertrauensskala. Der 247. Neuanfang mit neuen, frischen Gesichtern, deckt nur für kurze Zeit die Planlosigkeit und operative Hektik der Akteure zu. "Jedem Neuen wohnt ein Zauber inne" (Hesse - zitiert von Mitterlehner vor einem Jahr), wirkt nur mehr wie ein laukalter Medienaufguß. Man baut ein massenmedial hochgejubeltes Image einer Person auf, das nicht mit Leistung oder Inhalten verbunden ist.

Nicht das "Erreichte zählt - sondern das Erzählte reicht"!

Der PlanA, das x-te Regierungsübereinkommen, sinnfreie Pressemeldungen, wie: wir wollen Neuwahlen, aber bis dahin werden wir sachlich für die Menschen arbeiten usw., helfen nicht weiter. Nicht wirklich. Wir wissen alle aus der Werbung, dass wenn "nicht drin ist - was drauf steht", nur kurzfristige Flops und Eintagsfliegen produziert werden. Der politische Lebenszyklus ist beschränkt und wird durch die zunehmend realitätsfremde Politik immer kürzer. Niemand weiß dies besser als die ÖVP. Der Schuss der ausgetüftelten Strategie geht nach hinten los.

Aus die Maus.

Dies scheint sich herumgesprochen zu haben und siehe da, auf einmal präsentieren fast alle Parteien ihre "Programme".

Kern preschte mit seinem PlanA, den er allein im Kämmerlein ohne Zutun der Partei verfasste, vor. Der "95%ige Inszenierungskanzler" posaunte Begriffe, wie z.B. Marshall Plan, NEW DEAL, Wertschöpfungsabgabe, Arbeitszeitverkürzung usw., inflationär in die Medienwelt. Sie mit konkreten, verständlichen Inhalten zu füllen - das gelang ihm (bisher) nicht.

Als erste Amtshandlung schenkte er den Banken sofort 650 Mio Euro - ohne Not! Nur 3 Wochen später meldeten sie stolz die höchsten Gewinne im ersten Halbjahr 2016 aller Zeiten. Vor einigen Wochen wetterte Kern im Kurier gegen die "Banken, denen man das Geld nachwarf und in den Schulen brökle der Verputz von den Wänden"...? Solch ein Spagat um 180 Grad gelingt nicht jedem.

Die FPÖ ist auch dabei, so was ähnliches wie ein Wirtschaftskonzept zu erstellen. Da fragt sich jeder vernunftbegabte Mensch: was haben sie die letzten Jahre gemacht? Nur neoliberale Phrasen gedroschen?

Einiges Altvergorenes sickerte durch: natürlich ist man - wie alle erzkapitalistischen Parteien - gegen Vermögens- und Erbschaftssteuern und Sparen muss man bei den Ärmsten: den Mindestsicherungsbezieherinnen!

Wie sich dies mit dem eigenen Dogma: "Wir sind die Partei des Kleinen Mannes" verträgt, wird mit keiner Silbe erwähnt.

Anmerkung:

dass Österreich gemäß der OECD 2015 sehr geringe Vermögenssteuern mit 0,5% des BIP (Deutschland und Schweden ca. 1,0%, Frankreich 4,1%, Dänemark 2.0%) einhebt und Länder wie die USA (2,8%), Grossbritannien (4,1%) als auch die Schweiz mit 1,9% ein Vielfaches davon lukrieren, verdrängt die FPÖ mit einer pathologischen Beharrlichkeit...

Dass die Schweiz überdies ca. 1,2%punkte - also das Doppelte von Österreich - auch noch als Vermögens_SUBSTANZ_steuer eintreibt, ist eine Todsünde. Beschallen uns nicht die neoliberalen Parteien - FP_Ö_VP, NEOS und auch die SPÖ (Kern hat die Vermögenssteuern nicht mehr in das neue Regierungsprogramm hineinreklamiert) - seit Jahrzehnten mit dem Ammenmärchen, dass die "Reichen scheu seien, wie ein Reh"?

Demgemäß müssten alle Vermögenden, die sich in der Schweiz niederließen, total bescheuert sein. Man las auch nichts von einer Landflucht der Millionäre aus der Schweiz, den USA oder GB?

Sehr seltsam.

Die NEOS sind in der Zwickmühle, im Wahlkampf nicht mehr wahrgenommen zu werden, also legten auch sie ein Papier vor. Nullaussagen, wie - Leistung muss sich lohnen u.a.m. - findet man auch dort zur Genüge. Natürlich will man alles tun, damit die Reichen (Haselsteiner, Miliardär und Industrieller, ist einer ihrer Sponsoren) nicht mehr Steuern zahlen müssen. Selbstverständlich wird dabei die Tatsache, dass in Österreich und Deutschland das Vermögen am ungleichsten (der Gini-Koeffizient liegt bei sagenhaften 0,76 und wird nur mehr von den USA übertroffen!) verteilt ist, mit einer Nonchalance negiert, wie man sie ganz selten erlebt.

Anmerkung:

der Gini-Koeffizient ist ein Indikator für die Verteilung des Vermögens/Einkommens eines Landes: bei 1 = totale Ungleichheit (d.h. das Vermögen fiele auf nur einen Haushalt) und bei 0 totale Gleichheit (das gesamte Volksvermögen wäre auf alle Einwohner/Haushalte gleichmäßig verteilt). Der Gini-Koeffizient ist ein plausibler Richtwert, obwohl er auch teilweise Schätzungen unterliegt (ähnlich der BIP-Berrechnung) und damit einen Ländervergleich etwas erschwert.Die Aussage ist nur auf die Verteilung, nicht jedoch die Einkommenshöhe, beschränkt. Arme Länder können daher eine ungleichere Verteilung als reiche aufweisen. Die Irre Konzentration des Vermögens auf die obersten 10% hat nicht nur Thomas Piketty (Buch: The Capital in the 21st Century) nachgewiesen. Seit 2000 hat sich diese Entwicklung weiter verschärft, wie alle Befunde der Vermögensverteilung - hier Österreich-Deutschland im Vergleich - ergeben.

Die Grünen haben zwar Vorstellungen, erleiden aber durch anti-demokratische Allüren (Hochhaus beim Eislaufverein, Hinausschmiss der Jungen Grünen usw.) massive Vertrauensverluste. Der Obfrauwechsel von Glawischnig war zwar notwendig, aber ob das Führungstrio und diese Verantwortungsteilung ein Erfolg wird, werden wir im Wahlkampf erleben. Dass sich die Grünen krampfhaft als einzig-verbliebene Anti_FPÖ_Partei positionieren, könnte sich angesichts des Werbens von SPÖ und ÖVP um eine blaue Regierungsbeteiligung, als Fehler erweisen.

Ob Lunacek - als Mitglied der Spinelli-Gruppe (auch Swoboda, SPÖ, und Karas, ÖVP, sind Mitglieder) die u.a. vom früheren Goldman Sachs Mann, Mario Monti (Ex-Premier Italiens), mitgegründet wurde und die auch als "Sponsor" dahintersteht - die richtige "Frontfrau" ist, darf bezweifelt werden. Die Grünen sind in einer selbstverschuldeten Defensivposition - sie dümpeln zwischen 7-9% herum - wo es anderer Qualitäten bedarf, als bei einer EU-Wahl. Ausserdem ist es unseriös und unredlich, zuhause den Österreicherinnen die "Vertretung ihrer Interessen vorzugaukeln" und in Brüssel lautstark für die Abschaffung der Nationalstaaten einzutreten.

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Kurz: mehr Brutto - vom Netto?!

Auch die ÖVP hatte ein Programm, bis Kurz als "Heilsbringer und wirklich letzte, allerletzte Hoffnung der ÖVP" inszeniert wurde.

Nun ist alles Neu. Liest man.

Seine Vorstellungen, so er denn welche hat, werden erst Anfang September bekannt gegeben. Liest man.

Irgendwie verständlich, denn auch in 3 heissen Sommermonaten kann ein übermenschliches Wesen vom hohen Sockel gestürzt werden. Und so lässt man, getreu der Salamitaktik - immer nur ein paar kleine Happen dem Rudel zum Fraß vorzuwerfen - einige Gedanken medial durchsickern.

Klotzen - nicht Kleckern ist die Devise, das ist man dem hochgehypten Ruf schuldig. Um den Anschein der Exklusivität hochzuzwirbeln, bedient man sich eines internationalen Mediums (Bloomberg). Internationalität ist das Gebot der Stunde, da reicht die banale, provinzielle Medienbühne nicht (mehr) aus. Denn wenn man als Ösi-Ausgabe des französischen Überfliegers Macron gehandelt wird, muss man sich aus den tiefen Tälern des heimischen Boulevards befreien und zu luftigen Höhen ansetzen.

Es geht um die großen Ideen und Inhalte - was sonst? Böse Zungen meinten: "Let`s make AUSTRIA GREAT again" sei das Mindeste, das die Botschaft vermitteln muss. Aber das klingt zu sehr nach abgekupferten Trump-Tweed.

Das passt gar nicht. . .

Schaun wir uns das mal an.

1.) Steuersenkung: das beliebteste und naivste Märchen.

Schüssel tat es (2001 erzielt er die höchste Abgabenquote bisher, mit dem "Wunderwuzzi" KHG, Karl-Heinz-Grasser), Gusenbauer auch - und ähm - und was macht eigentlich Spindelegger (erinnert sich noch jemand, wie er die Wirtschaft entfesseln und 400.000 neue Arbeitsplätze schaffen wollte...) beruflich so? An Vorbildern mangelt es nicht in der ÖVP, der vermeintlichen Wirschaftspartei.

Die starke Ansage, die Abgabenquote um 3% auf 40% senken zu wollen, entspricht einem Volumen von um die 12-14 Mrd. Euro (auf Deutschland umgerechnet = x10 = 120-140 Mrd.) - mehr das Doppelte der letzten Steuerreform und fast die Hälfte der Lohnsteuer!

2.) Leidet Kurz unter Realtitäsverlust, denn 14 Mrd.

- entsprechen knapp 20% des Bundesbudgets und machen etwa 8% aller Abgaben aus, inklusive aller Sozialversicherungen, was selbst bei "derPresse" Zweifel aufkeimen lässt.

- sind ca. das 4-fache des Arbeitslosengeldes,

- sind mehr als alle Behörden zusammen für Gesundheit ausgeben,

- betragen die Ausgaben für Unis und Fachhochschulen für 4 Jahre,

- sind das 14-fache der Mindestsicherung,

- entsprechen ca. 70% aller Pensionsausgaben eines Jahres.

3.) Er spach von "fehlgeleiteten Sozialausgaben" ?

- Eine sehr eigentümliche Ansicht, denn die Ausländerinnen zahlen ca. 5,3 Mrd. Euro in unsere sozialen Sicherungssysteme ein und erhalten nur 3,7 Mrd. wieder zurürck: der Saldo zugunsten des Budgets beträgt daher 1,6 Mrd.! Bisher kam kein einziger Politiker auf die Idee, dies als soziale Fehlleistung auszulegen.

Keiner der auch noch Kanzler werden will . . . ?

- Die Pensionen machen insgesamt ca. 20 Mrd. aus. Die durchschnittliche Rente beträgt ca. 1.094,- Euro (Frauen erhalten 875,-), 1,1 Mio Menschen erhalten nur die Mindestrente um die 860,- im Monat; die Notstandshilfe liegt etwa bei 744,- im Monat; an Mindestsicherung werden ca. 311,- Euro je Person / Monat ausbezahlt.

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Exkurs: "Fehlgeleitete Sozialausgaben" - wirklich?

Das genaue Gegenteil ist der Fall: die sozialen Sicherungssysteme greifen in Österreich sehr gut, wie man anhand der folgenden Grafiken leicht ersehen kann:

1.) Einkommen: Gini-Koeffizient - vor und nach Steuern.

Der Gini-Koeffizient wird sowohl vom Brutto-Einkommen als auch nach dem Abzug von Steuern und SV-Beiträgen plus der sozialen Transfers, wie Familien- Mietbeihilfen, Pflegegeld, Arbeitslosengeld usw., ermittelt. Die Differenz, also wie der soziale Wohlfahrtsstaat die Verwerfungen des Kapitalismus korrigiert, ist ein wichtiger Indikator für die Treffsichheit:

und hier liegt Österreich an der Spitze!

2.) Einkommen: Veränderung der Ungleichheit - 1985-2010.

Die Abbildung 1 wird durch die Veränderung zwischen Brutto- und Nettoeinkommen, bestätigt: der Gini-Koeffizient lag bei 26 - und er änderte sich über ca. 25 Jahre (1985 - 2010) kaum! Er betrug bei den Bruttolöhnen (2010) 0,46 (Tabelle 2) - und sank bei den netto-verfügbaren Einkommen ink. Sozialtransfers auf 0,26: die Differenz beweist wie stark unser Sozialsystem ausgleichend wirkt (siehe Grafik 1).

Die Aussage von Kurz:

"Man müsse bei den fehlgeleiteten Sozialausgaben sparen", beweist einmal mehr seine erschütternde Unkenntnis in sozialen und ökonomischen Belangen!

Exkursende.

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4.) Und - wie sieht die Gegenfinanzierung aus?

Sehr vage, was Kurz nach schiebt: Einsparungen in der Verwaltung (DER Dauerbrenner aller Politiker seit Jahrzehnten)... bei den sozialen Transfers (insbes. den Ausländern, der irr teuren Mindestsicherung für die Ärmsten z.B.) ... vor allem bei den Förderungen/Subventionen und - last but not least - durch höheres Wachstum sprudeln auch die Steuern.

Schwupp die wupp - fertig ist das geniale Konzept!

Und dann kommt es in der ZiB2 wie aus der Pistole geschossen: es geht um die "Wettbewerbsfähigkeit"! Ob solch geballter Wirtschaftskompetenz bleibt jedem Journalisten von Rang die Sprache weg - denn die simple Frage:

und was verstehen sie unter Wettberwebsfähigkeit und wie misst man diese? will und will niemand in diesem Land stellen: w i e s o ?

Kurz` Vorschläge sind rasch entzaubert, denn

- die Einsparungen bei der Verwaltung trifft sein ureigenstes Klientel: die Länder! Ohne tiefgreifende Einschnitte in den österreichischen Förderalismussumpf geht gar nichts, sicher keine Mrd. Beträge an Sparmaßnahmen;

- bei der Mindestsicherung sind kaum mehr als 200-250 Mio. Euro einzusparen (die Indexierung der Familienbeihilfe für Kinder im Ausland bringt um die 100 Mio. und die Deckelung der Mindestsicherung bei 1.500,- Euro dürfte im besten Fall 150 Mio. ergeben);

- höhere Steuereinnahmen durch Wachstum? Ein häufiger Irrtum, wenn man damit Gewinnsteuern meint, weil die höheren Gewinne nicht investiert sondern überwiegend ausgeschüttet werden und daher eine "Beschäftigungseffekt" kaum erzielt wird. Anders verhält es sich bei Lohnsteuersenkungen für Gering- und Mittelverdiener (nachdem diese kaum Lohnsteuer bezahlen, wurde bei der letzten Steuerreform eine Negativsteuer bis 400,- Euro umgesetzt), weil das Geld unmittelbar in den Konsum fliesst: die Mehrwertsteuereinnahmen erhöhen sich.

Dies war bei der Steuerreform 2016 der Fall, wo der Entlastung von ca. 5,2 Mrd. höhere Einnahmen bei Verbrauchssteuern um 3,2 Mrd. wieder zurückflossen. Per Saldo hat sich dadurch die Abgabenquote nur um ca. 2 Mrd, vermindert - also ca. 0,8% des BIP.

- Förderungen/Subventionen: Ein schwieriges Kapitel, weil die Begriffe - Förderungen, Subventionen und öffentliche Leistungen, Steuerbegünstigunen usw. - kaum voneinander zu trennen sind. Internationale Vergleiche sind daher mit Vorsicht zu geniessen. Man greift sowohl auf die Zahlen des Staates als auch der VGR (volkswirtschaftliche Gesamtrechnung) zurück.

Nach der Revision der VGR sanken die Förderungen von 19,3 Mrd auf bescheidene 8,5 Mrd. ab. Mitterlehner hat in all seinen Jahren keine Einsparungen erzielt, zumal sich beide Grossparteien über den Förderdschungel ihre Wählerschaft absichern.

Von den oft zitierten rund 20 Mrd Euro (2014), entfallen ca. 5 Milliarden auf Landes- und Gemeindebeträge. Inkludiert sind auch der EU-Beitrag, die Investitionszuschüsse an die Bahn, als auch die Förderungen der Landwirtschaft, die so zwischen 2,0 - 2,5 Mrd. pendelt.

Genauers weiß man nicht, da es eine vor Jahren angedachte Transparenzdatenbank bis heute nich gibt.

Weiters sind Steuerbegünstigungen, wie die Gruppenbesteuerung als auch die Pendlerpauschale enthalten. Auch vergünstige MWSt-sätze auf Lebensmittel z.B., sind dazu zu zählen. In Summe also ein sehr unübersichtliche Struktur. Sticht man in diesen Topf, dann ist sicher einiges zu holen, insoferne man keine Scheu davor hat, sich viele, mächtige Feinde in den eigenen Reihen zu schaffen.

20 Mrd. ist ungefähr das Doppelte der Körperschafts- und Einkommensteuer zusammen - anders gesagt:

alle Arbeitnehmer zahlen neben der Lohnsteuer auch sämtliche Subventionen an die Unternehmen - wobei diese nur die Hälfte dessen, als Steuern an den Staat zurückgeben!

Beschränkt man sich auf die "Förderungen und Vermögenstransfers an Unternehmen", dann liegt das Volumen bei gut 11 Mrd Euro für 2014. Also bedeutend niedriger als die öffentliche Ziffer. Allerdings sind die "Bankenrettungen" da nicht enthalten, die bei uns so um die 14-18 Mrd. liegen dürften. Der Rest verteilt sich auf klassische Wirtschaftsförderung (Exportsubventionen, Zinshilfen, Marketingbeiträge usw.), Arbeitsmarkt und Forschungsförderungen etc. usw.

5.) Steuerreform 2016 - Umverteilung von unten nach oben!

Das Märchen - Steuern runter für jene die es wirklich brauchen - hatte immer Saison. Das Gegenteil war fast imnmer der Fall, so auch 2016, wo

- die untersten 5 Einkommensdezile, also 50% der Menschen, nur um die 0,7% an Einkommenszuwächse hatten, währenddem die obere Hälfte fast das 4-fache verbuchen konnte - sicher kein Zufall, wobei

- die 1,7 Mio. Arbeiter 3,1%

- die 2,0 Mio. Angestellten 3,3%

- aber die 0,2 Mio. Beamten 3,9 %

- und die 200.000 Beamtenpensionisten mit 4,1% profitierten.

Die Steuerreform 2016 war ein Betrug an 50% der schlecht bis mittel verdienenden Menschen - währenddem die Besserverdiener sich über substanzielle Zuwächse freuen konnten:

die Einkommensschere ging damit weiter auf!

6.) Abgabenquote - Wettbewerbsfähigkeit - Wachstum - Staatsschuld.

Eine rasche Analyse bestätigt, dass es keinen Zusammenhang gibt, d.h. wo keine Korrealtion - da gibt es auch keine Kausalität!

- So haben alle skandinavischen Länder eine um 3-4%punkte höhere Steuerlast als Österreich - aber eine um ein Viertel (oder mehr) geringere Staatsverschuldung - und trotzdem eine höheres Wachstum.

- Länder mit einer niedrigeren Abgabenquote, wie Griechenland (37%), haben ungleich höhere Staatsschulden (Griechenland: 180%, USA und GB mehr als 100% des BIP) als auch das Wachstum nicht an jenes von Schweden seit 1999 heranreicht.

- Griechenland z.B. hätte bei einer Abgabenquote in der Höhe Deutschlands/Österreichs (Unterschied um die 6-8%punkte)seit Jahrzehnten Budget-Überschüsse erzielt und die Staatsschulden lägen auf dem Niveau von Schweden - oder sogar darunter.

- Seit der Krise - und das wird sowohl vom IWF als auch der OECD mehrmals bestätigt und eingemahnt - dümpeln die öffentlichen Investitionen dahin. Gerade in den südeuropäschen Ländern wurden sie um mindestens 20-40% gekürzt, was sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirkte.

- Das paradoxe ist aber, dass wir in Zeiten des niedrigsten Zinsniveaus seit Jahrzehnten darüber lamentieren, dass sich der Staat verschulden soll, um die ausgebliebenen Investitionen der Privatwirtschaft - die Gewinne durch Steuersenkungen werden ausgeschüttet und nicht investiert - zu ersetzen.

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Zum Abschluss auch mal kurz nachgedacht:

- Kurz tritt also FÜR eine h ö h e r e Abgabenquote ein, denn wenn man Förderungen (die ja weniger Einnahmen bedeuteten) streicht - dann erhöhen sich dadurch die Staatseinnahmen und somit auch die Abgabenquote!

- "Zeit für Neues" (Kurz` Slogan) ist nur alter, abgestandener Wein in noch älteren, morschen Schläuchen, weil eine Senkung der Abgabenquote von der ÖVP schon in den alten Regierungsprogrammen von 2002, 2006, 2008 und 2013 (wo Kurz bereits Regierungsmitglied war) stand ...

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Anmerkungen:

Der Staat ist ein Einnahmen-/Ausgabenrechner - und hohe Einnahmen führen per se zu niedrigeren Schulden.

Prügelt man die Einnahmen (Abgabenquote) hinunter, so fehlt das Geld in der Bildung und der Gesundheit, weil man nur dort Mrd. einsparen kann: die Staatsschulden steigen an.

Eine Volkswirtschaft funktioniert nicht nach dem Märchen der schwäbischen Hausfrau - weil die Ausgaben des einen Sektors (Staatsausgaben in die Bauwirtschaft z.B.) immer den Einnahmen des anderen Wirtschaftsbereichs (Bauwirtschaft erzielt Umsätze durch öffentliche Investitionen in den U-Bahnbau z.B.) entsprechen!

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F a z i t:

"Mehr Brutto - vom Netto" ist ein Synonym für fehlende ökonomische Kompetenz. Dies trifft auf Kurz` Ansichten zu.

Dass er sich als jahrelanges Regierungsmitglied wenig Wissen über die Au(f)sgabenstruktur des Staates angeeignet hat, zeigt eine rasche Analyse auf.

Seine Aussage, dass es gelte bei "fehlgeleitenden Sozialausgaben zu sparen", entspricht nicht den Tatsachen: der österreichische Sozialstaat korrigiert seht gut die immensen Verwerfungen des Raffgierkapitalismus durch die sozialen Transfers. Massive Einschnitte würden diesen über Jahrzehnte erfolgreichen Weg zunichte machen!

Wenn er meint, er wolle auch Schulden in einer Niedrigzinsphase zurückzahlen, dann ist das Staunen sehr groß.

Sein grosser Wurf besteht aus einer wahllosen Aufzählung neoliberaler Dogmen - wie "Sparen per se" und "Steuern senken" z.B..

Ihm dürfte auch nicht bekannt sein, dass sämtliche neoliberalen Thesen durch den IWF vor Jahren widerlegt wurden und dass das naive Dogma des "schlanken Staates" durch die skandinavischen Länder seit Jahrzehnten empirisch falsifiziert ist.

Dass der designierte ÖVP-Chef und Kanzlerkandidat, die irren sozialen Verwerfungen dieser Rezepte, die die Troika ganz Südeuropa diktierte, nicht kennt, ist sehr eigentümlich.

Gedanken sind frei, das ist korrekt.

Von einem Politiker, der in Umfragen zu Mounteveresten hochgejubelt und als der "Heilsbringer für eh alles" positioniert wird, der um Bundeskanzler zu werden eine Wahl aus egoistischen Motiven provoziert, dürfen alle Bürgerinnen Österreichs viel mehr als nur unausgegorene und kaum durchdachte Ideen ohne ökonomische wie soziale Kompetenz, erwarten.

00:33 08.06.2017
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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