Macht Draghi die EZB zur "Bad Bank"?

EZB, Bad Bank, Euro "Wer sein Wort bricht, verliert seine Glaubwürdigkeit - für immer. " (Unbekannt)
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Ich wurde von einem lieben Freund mal gefragt:

„Geh – was ist eine Bad Bank?“

Meine Antwort war kryptisch: „No – eine Dead-Bank?“

Angesichts des letzten Beschlusses der EZB, der angeblich sehr umstritten war, stellt sich nach neuesten Meldungen die wichtige Frage: wird die EZB eine Bad-Bank, d.h. ein Auffangbecken für die Euro-Banken, wo diese ihre toxischen Papiere (besser: Ramschpapierln mit hohem Verlustpotential) einfach mal so locker loswerden können? In meinem letzten Kommentar zum EZB-Chef kam in mir genau diese Vermutung hoch – und siehe da: Draghi hielt Wort ...https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/draghi-wunderwuzzi-zocker-kaffeesudleser?seite=2

Stresstest als "Farce-Programm"

Der Ausgangspunkt war ein im Herbst vorigen Jahres vereinbarter "Stresstest" für ca. 130 Banken, die unter die Prüfaufsicht der EZB fallen. "Transparenz ist das vorrangige Ziel", sagte der EZB-Boss und verwies auf die große Leistung, die die Banken im Euroraum in den letzten 5 Jahre bei der Aufräumung ihrer Bilanzen bereits erbracht hätten: es wurden 225 Mrd. an Kapital von Eigentümern eingesammelt – und sie haben auch 275 Mrd. an „Staatshilfen“ erhalten, berichtete er. (Hinweis: eigentlich müssten die Steuerzahler längst 100% Eigentümer aller Banken sein!). Ungeachtet dessen, gäbe es noch großes Misstrauen vonseiten der „Finanzmärkte“ – deshalb der Stresstest. Ja, auch die Qualität der Ziffern (wer glaubt einer Bankbilanz, wirklich?) solle damit enorm verbessert werden.

Basierend auf den Bilanzen per 31.12.2013 und mit einer unteren Schwelle von 30 Mrd. Bilanzsumme, sollen alle Banken im Euroraum dieser Prüfung unterzogen werden. In Deutschland sind dies 24 Kreditinstitute die ca. 65 % des Bankensektors abdecken. In Österreich fallen 6 Banken darunter.

Das klingt - so locker hingesagt – super, suppi-dolle: aber gab es solch eine „Geschichte“ nicht schon mal ... JA, leider ging diese nicht so „super, suppi-dolle“ aus, siehe die Bankrettungen von Frankreich über Spanien bis zuletzt Portugal. Genau wie damals ist sich die Bafin-Chefin Elke König sicher und sie macht sich keine besonderen Sorgen:

eine Frau – ein Wort!

Die EZB hat ihr Pulver längst verschossen

Mit der Zinssenkung vor ca. 1 Woche um gigantische 0,1%punkte und der Ankündigung mit dem Kauf von Wertpapieren der Geschäftsbanken, soll nun der so lang ersehnte Wachstumsschub wie ein Tsunami über die Eurozone hereinbrechen. Naja ...wer es glaubt?

Mal kurz nach gedacht:

-die EZB gibt den Geschäftsbanken über Kredite (oder Ankauf von Wertpapieren) Geld, sodass diese dann, diese Mittel an die Unternehmen in Form von Krediten „weiterreichen“, um Investitionen zu tätigen

-ob die Kommerzbanken dies auch so 1 : 1 umsetzen kann niemand, am allerwenigsten die EZB, kontrollieren

-wenn nun die EZB den Banken ihren „Giftmüll“ abkauft, so bereinigt sie deren Bilanz, d.h. die verlustträchtigen „Assets“ (Kredite usw.) wandern zur EZB um dort unbeaufsichtigt bis zum St. Nimmerleinstag herumzuliegen – irgendwo

-wieso ... nun gerade eine solche Aktion, einen Investitionsschub bei den realen Unternehmen auslösen soll, bleibt im Dunkeln, zumal das Geld schon einen Schritt zuvor (als die Banken den Firmen Geld über Kredite gaben) an diese gelangte – und das EZB-Geld NUR an die Banken fließt.

https://lh4.googleusercontent.com/-MsP-AvYRR4w/VBtp2xRV9LI/AAAAAAAAAUg/Y7IU5-J9LoM/w958-h719-no/Bad%2BBank%2B-%2BDraghi%2B-%2BBilanzsumme%2B-%2BKreditentwicklung.jpg

Quelle. EZB.

Nun bin ich wirklich perplex, denn die Abbildung beweist, dass a l l e bisherigen geldpolitischen Maßnahmen der EZB und ihres „Wunderwuzzis – Draghi“ (also die irre Geldflut, die sich in einer Erhöhung der Bilanzsumme der EZB auf über 3.000 Mrd. Euro niederschlug) völlig unwirksam blieben und das EZB-Geld NIE in der Wirtschaft landete. Die Grafik müsste gerade ER kennen ... ;-)

Im Gegenteil: die Kreditnachfrage s a n k seit Draghis Präsidentschaft . . . jedes Jahr!

https://lh4.googleusercontent.com/-C7caEeZVTCk/VBtw1_MPAbI/AAAAAAAAAVU/59KVnBd2arw/w958-h719-no/DAX%2B-%2B2010%2B-%2B2014.jpg

Quelle: http://www.finanzen.net/index/DAX/Charttool

Das Geld ist nicht weg – es hat nur ein anderer.

Nachdem das Geld, das die EZB den Banken im Euroraum zur Verfügung stellte, nicht bei den Unternehmen und Konsumenten (z.B. in Form höherer Reallöhne) landete, muß es ja woanders investiert worden sein – stimmt.

Die berühmte „Überliquidität“ von der alle Aktienanalysten stundenlang die Menschen zuquasseln, landete zum Einen bei den Börsen – und zum Anderen als starke Nachfrage im Immobilienmarkt. Man spricht hier von einer sogenannten „Asset-Price-Inflation“, weil dieser künstlich und unnötig geschaffenen ÜBERnachfrage nur ein geringes Angebot an Aktien und Immobilien gegenübersteht. Dies führte zu einem fulminanten Preisanstieg von fast 100% (DAX 2011 zu 2014).

Hmhm . . . nachdem Draghi kurz nach seinem Amtsantritt vor 2 Jahren gleich mal - so mir nix, dir nix - real mit nominell verwechselte (?), bin ich mir sehr unsicher, ob er überhaupt weiß, wie das Geld in die Wirtschaft kommt. Wie - Sie meinen, das ist bei dieser Aktion egal? Da mögen sie recht haben, denn es geht gar nicht darum, sondern ... http://www.agenda2020.at/a20_joomla25/index.php?option=com_content&view=article&id=167:euro-desaster-ezb-chef-lieber-heimlich-doof-als-unheimlich-schlau&catid=34&Itemid=160

Was bisher geschah - oder: „Whatever it takes“

Nö - ich verstehe den „Kult“ rund um den ehemaligen Goldman-Sachsen nicht, weil er nur eine Buchungszeile von 1000 Mrd. Euro erfand und damit (angeblich) den Euro gerettet haben soll?! Auch ist seine Aussage: „Die Gesetze erlauben uns keine massive Ausdehnung der Bondkäufe“ zu Beginn seiner Amtszeit längst in Vergessenheit geraten.

Ich verstehe: die Wahrheit ist ein Kind der Zeit.

https://lh6.googleusercontent.com/-o1X0xWhrpXI/VBtp8IIWbvI/AAAAAAAAAUw/KV7BoZpgC88/w958-h719-no/Bad%2BBank%2B2%2B-%2BDraghi%2B-%2BEZB%2B-%2BBilanzsumme.jpg

http://blog.markusgaertner.com/wp-content/uploads/2012/01/2012-01-19_0910.png

https://lh6.googleusercontent.com/-9On7vPDa85s/VBtqCZhL5hI/AAAAAAAAAVA/sXm50TIrMIk/w958-h719-no/Bad%2BBank%2B3%2B-%2BDraghi%2B-%2BEZB%2B-%2BBilanzsumme%2B-%2BDetails.jpg

Anmerkung: mit freiem Auge ist die Geldpolitik des EZB-Chefs, den privaten Banken mit 1000 Mrd. (Geld aus dem Nichts) zu damals 0,25% auszuhelfen, in dieser Grafik auszumachen. (Siehe „Long-Term-Financing“ / 6. blauer Farbblock von unten).

Vom Zockerbanker zum „Schrottpapierhändler“?

Nein, mir liegt nichts daran, den Chef der EZB abzuwerten. Ich messe seine Aussagen/Handlungen an der ökonomischen Realität – that`s it. Das Wort „Zockerbanker“ ist eine treffende Berufsbezeichnung für Investment-Banker, weil diese ausschließlich auf das Auf und Ab von Kursen (egal ob Rohstoffe, Lebensmittel, Zinsen oder Devisenkurse usw. usw.) spekulieren. Von Investitionen in Innovation für die Allgemeinheit z.B. - Gott bewahre! - ist/war nie die Rede.

Der Schritt zur Bad-Bank dürfte mit dem Ankaufsprogramm, so die einhellige Meinung der meisten Medien, eingeleitet worden sein, weil die EZB nun auch in Erwägung zieht, schlecht bewertete „Verbriefungen“ (zumeist faule Kredite, die zu einem noch mehr stinkenden Schuldenpaket zusammengeschnürt werden) als Pfand zu akzeptieren: dies lehnte sie bisher strikt ab!

Das lauwarme „Dementi“ Draghis, ... verbriefte Kredite hätten zwar einen schlechten Ruf, aber sie seien keineswegs durchwegs schlecht ... konnte niemanden überzeugen. Auch sei noch nicht definitiv festgelegt, welche „Qualität“ (A- oder B- „ge_ratet“?) die Wertpapiere haben sollen, die die EZB ankaufen wird.

Mal abgesehen von dem hohen Volumen von 500- 700 Mrd. Euro, was ca. 2-3% der Bilanzsumme aller Eurobanken entspricht, soll auch der Kauf von ABS-Papieren nicht abgelehnt werden – also genau jene Wertpapiere, die den Crash in den USA einleiteten und die mit Fantasie-Ratings seitens der Agenturen versehen wurden. Bis dato wurden Papiere dieser Kategorie nicht mal als Pfand bei der europäischen Zentralbank akzeptiert.

Die EZB wird zur „Bad-Bank“ – einr Müllhalde für die privaten Geschäftsbanken.

Klartext:

wenn die EZB genau jene Wertpapiere der Banken aufkauft, die sie bisher nicht mal als „Sicherheit“ für erteilte Kredite annahm, dann übernimmt sie auch die vollen Risken. Für die Banken brechen so rosige Zeiten an, wie vor der Finanzkrise 2007/08.

Alle von den Politiker_innen dem Steuerzahler versprochenen Maßnahmen - starke Regulierung der Banken, Erhöhung des Eigenkapitals um Verluste abzufedern, Beschränkung der Boni, Errichtung einer europäischen Ratingagentur (erinnern Sie sich noch?) u.v.a.m. - waren bisher nichts als leere Wortspenden.

Mit dem Aufkauf von als B) eingestuften „Wertpapieren“ werden die Bilanzen sämtlicher Geschäftsbanken von ihren verlustbringenden Teilen (den zweifelhaften und uneinbringlichen Kreditforderungen) entlastet, womit sie den Stresstest locker schaffen dürften.

Haben die Banken diese verbrieften Kredite zu einem großen Teil seit 2008 abgeschrieben, also wertberichtigt, dann erzielen sie zusätzlich zur Bereinigung ihrer Bilanz auch noch Mrd.-Gewinne!

Im Gegensatz dazu übernimmt die EZB nun diese „gebündelten Massenvernichtungswaffen“ und wenn sie von einem Betrag von angenommenen 100 Mrd. Euro von den Kreditschuldnern nur die Hälfte nach Jahren erhält – dann hat sie einen Verlust von 50% „lukriert“ . . .

Dass bei so einer Geldpolitik der Zentralbank der Bankensektor in Lob ausbricht (ich unterstelle mal: der eine oder andere Schenkel der Bankvorstände dürfte vor lauter Lachen und darauf klatschen ziemlich rot und wund geworden sein?!) als auch die Börsen diese „goutieren“ . . . ist allen Bürgern, deren Ding zwischen den Ohren ... noch halbwegs funktioniert, sonnenklar.

F a z i t : der Steuerzahler ist wieder der Dumme!


02:13 19.09.2014
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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