Mitterlehner/ex-Vizekanzler: haltlose HALTUNG

Mitterlehner, Haltung Haltung? Erfordert Rückgrat und ist damit für die meisten Menschen sowieso "out of range." © Peter Rudl
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

War gestern bei der Lesung von Mitterlehners Buch:
HATLTUNG!
- - -
Natürlich wollte ich Fragen stellen – aber dazu später.
Meine ErwartungsHALTUNG war gleich Null – sie wurde nicht enttäuscht . . .
- - -
- Der kleine Saal bei Thalia-Landstraße war mit ca. 100-150 Leuten restlos „ausgebucht“; ich war eine Stunde früher, so gegen 18h da – und fast alle Plätze waren besetzt oder reserviert.

- Dies wunderte mich sehr: einerseits, weil er ja nichts Neues sagt (o.k., es ist eine politische Biographie – also ein „Politischer Soft-Porno“…) – andererseits hatte er viel Werbung über den ORF und alle Medien bekommen und seine „Kontroverse“ mit Kurz wurde auch noch durch die ÖVP-Altgranden, wie Khol, Spindelegger und Platter, künstlich aufgeblasen.

- Zum Einen freute mich dieses große Interesse, weil es doch viele „Gleichgesinnte“ zu geben scheint, die mit dieser a_sozialen Politik nichts anfangen können und diese vehement ablehnen – andererseits dürften viele ÖVPler da gewesen sein, die sich nach den alten Zeiten zurücksehnen usw. etc.

- Zum Schluss gab es eine lange Schlange – so um die 70 Personen – die sich für eine Widmung anstellten, irgendwie bedrückend ob solch einer „Heldenverehrung“ ohne Held.

- Mitterlehner gab einen kurzen Abriss, was in seinem Buch steht. Er bemühte sich, nicht nur auf den Putsch durch Kurz reduziert zu werden. Seine „aalglatte ÖVP-Karriere“, Wirtschaftskammer, Wirtschaftsbund, Parlament und Minister + ÖVP-Chef, kennen auch alle – inklusive des ÖVP-Obmann-Sterbens und – Stechens…

- Inhaltlich bot er auch nix Neues – und natürlich habe ich sein Buch nicht gekauft! Da gönn ich mir lieber ein 8erl – oder zwei - mit einer lieben Freundin bei einem Italiener.

- Er ging auf das Flüchtlingsjahr 2015 ein und bestätigte die längst bekannte Ansicht, dass die Faymann-Regierung damals völlig „überrascht“ war?! Dies ist sehr überraschend, denn das man trotz aller Geheimdienste nicht mehr weiß, dass sich zig 1000e Flüchltinge vor der ungarischen Grenze befinden, mag glauben wer will. Dass die meisten damals nach Deutschland durchgewunken wurden, ist auch allseits bekannt.

- Politisch kritisierte er die anti-christliche und a-soziale Politik von Kurz, Bundeskanzler (womit er zwischendurch auch guten Applaus bekam –auch von mir, weil jeder der die Menschenwürde hoch hält, diesen verdient!) um dann sich und seine Regierung (er war zwischen 2008-17 Minister) ob des „guten Managements“ der Finanzkrise zu loben … gleichwohl wir alle wissen, dass es hier nichts zu loben gibt!

- Seine Lobhudelei setzte er dann (die EU-Wahlen stehen vor der Tür) fort und leierte die albekannte EU-phorische Propaganda der Kapitalisten und machtgeilen Zentristen herunter. Es fehlte nur mehr die Forderunge nach einem Vereinigten Staat Europa...?!
. . . es ist ein tolles Friedenprojekt (da hat er wohl seit dem Yugoslawienkrieg alles verschlafen) … ein kleines Land kann sich nicht behaupten (CH und Norwegen existieren ja nicht) … die EU hat uns nur Vorteile gebracht (oh ja, es ist ja so gut wie nix teurer geworden, die höchste Arbeitslosigkeit aller Zeiten dürfte er nicht bemerkt haben) … die Bankenrettungen vermied er anzusprechen . . . wie alt_klug ;)
- - -
Danach gabs eine Debatte – sehr verkürzt:

- bereits eingangs stellte er fest: dass man später dann ... 10 Fragen „zulasse“ … (welch ein tolles Demokratieverständnis!),

- so war es dann auch - wobei ich (als altgewohnter und unangenehmer, aber immer sehr sachlicher Diskussionsteilnehmer) sofort die Hand in die Höhe riss und dann bei der 3. Runde auch, mit vier anderen, meine Frage stellen durfte,

- die anderen Fragen drehten sich um seine Zusammenarbeit mit Kern, SPÖ … die EU … Otmar Karas, ÖVP, den er ja unterstützt … ob er nicht eine Splitterpartei gründen wolle … usw. usw.
- - -

Meine Frage:


Nachdem ich wusste, dass er bei der EU-Wahl die ÖVP und eben Othmar Karas (den ich für eine Nullnummer halte) unterstützen wird, stellte ich dazu eine konkrete Frage.

Ich fragte ihn, wieso die ÖVP im EU-Parlament – namentlich: Othmar Karas, Frau Köstinger bei allen Abstimmungen, die FÜR mehr Frauenrechte, wie zB
... am 13. Sep 2016 – fand eine wichtige Abstimmung im EU-Parlament statt, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem für Frauen steigern sollte. Zentrale Forderungen sind: ein Anspruch auf weitere Gehaltsfortzahlung und Sozialschutz von Frauen im Mutterschaftsurlaub;
... am 3. 10. 2017 - zur EU-Resolution FÜR ein Recht auf die Rückkehr zu einem Vollzeitdienstverhältnis nach einem Wechsel in Teilzeit, zB. nach einem Baby;
... und 1.3. 2018 – zum Status von Frauen in der Gesellschaft, insbes. dem Punkt „ stärkere Förderung von sexueller und reproduktiver Gesundheit und Stärkung der Rolle der Frau“
immer gemeinsam mit der FPÖ ( ! ) GEGEN DIE INTERESSEN VON FRAUEN STIMMTEN –
und andererseits
- der Streichung, dass prekäre Arbeitsverhältnissen von der Liste von Diskriminierung gegenüber Frauen zu streichen sind,
z u s t i m m t e n?!
- Konkret fragte ich Mitterlehner, wie er dies mit seiner
H A L T U N G (der Titel seines Buches) vereinbaren könne. . .

- - -


P.S.
Ein Thalia Mitarbeiter bedrängte mich, nicht so viele Details zu fragen, wegen derer Zeit warats g`wesn …
- - - - -
Mitterlehner bemühte sich redlich, alle anderen Fragen ausschweifend und staatstragend zu beantworten und ging – wie nicht anders zu erwarten war – n i c h t auf meine Frage ein … !
- - -

Was lernt man daraus:
- alle Politiker sprühen nur Sprechblasen in die Luft, das haben sie über Jahre antrainiert,
- sie sind alle NLP fern_gesteuert . . . und kritische, an die Substanz der eigenen Glaubwürdigkeit gehende Fragen, werden prinzipiell „übergangen“ und nicht beantwortet;
- natürlich ist das nach x-Jahren, wo ich an ähnlichen Veranstaltungen teilnahm, für mich keine brüllende Neuigkeit mehr.
Wieso sollte gerade Mitterlehner eine Ausnahme sein?

- - -

P.S.
- Der Moderator, wie die PR.-Lady – beide irgendwie aufgezogen wie kleine Äffchen – stehen sicher nicht dafür, die nicht beantworteten Fragen nochmals zu stellen und auf eine Beantwortung zu drängen oder diese gar einzufordern . . .

- Das Publikum, vorwiegend F r a u e n, war überwiegend froh, dass die ca. 20 Frageminuten vorbei waren – sie gaben brav und regen Applaus und stellten sich demütig um eine Widmung an. . . K e i n e von ihnen drängte Mitterlehner, meine für sie wichtige Frage, zu beantworten.

- Ob sich bald was bei uns ändern wird?
Ich bin da stark am Zweifeln!

10:57 24.04.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

Kommentare