Mrd. für Bankaktionäre - trotz Krise!

Geld, Macht, Banken, Die Banken plündern den Planeten - und die Politik steht Schmiere!
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Mal ganz ehrlich:

haben Sie wirklich geglaubt, dass die Politikerinnen egal welcher Couleur, auch nur einen Gedanken daran verschwenden, die Bürger - und nicht die Banken (besser gesagt: die Bankeigentümer) zu "retten"?

Wie naiv.

Auch ich zählte mich zu dieser "naiven Spezies", weil ich so einige Monate daran glaubte. Ja, ich nahm allen Ernstes an, dass so zwischen Oktober 2008 und Juni 2009 die Politiker es - e n d l i c h - begriffen hätten und die Banken in die Schranken weisen würden.

Sie hätten alle Trümpfe in der Hand gehabt, die Finanzbranche gründlich zu reorganiseren und ihnen strenge Regeln für die "freihändige Vergabe von Buchungszeilen" - Geld aus dem Nichts - zu verordnen. Auch weitgehende Gesetze, die Zentralbanken an die kurze Leine zu legen, wären möglich gewesen . . .

Aber es kam, wie wir alle wissen, ganz anders.

Im Oktober 2008 wurden die Bilanzierungsregeln der Banken zu ihren Gunsten stark verändert: sie durften alle toxischen "Papiere" (zumeist Handelsaktiva usw.) vom Handelsbuch (Umlaufvermögen) - ins Bankbuch (Anlagevermögen) umbuchen, umgliedern.

Das klingt simple - aber damit war verbunden, dass sie ihr Umlaufvermögen (ihre spekulativen Papiere, die innerhalb eines Jahres ge- und verkauft wurden) nicht am Jahresende nach den Kurswerten bewerten mussten - sondern diese als Anlagevermögen o h n e Abschreibungen mit dem Anschaffungswert einfach so stehen lassen konnten. Und so wurde aus einer spekulativen, kurzfristigen Veranlagung - langfristiges Anlagevermögen.

Damit wurden viele Banken "gerettet" - andererseits wusste niemand (außer den Wirtschaftsprüfern) wieviele Schrottpapiere in den Bilanzen der Banken schlummerten. Gut - das war eine Maßnahme die nichts gekostet hat, aber genau dies hätte man mit etlichen, strengen Auflagen verbinden müssen - was nicht geschah.

Der Stresstest ist ein reines Placebo – die Banken prüfen sich selbst.

Ich weiß, dies hören die Banker nicht gerne – und bei näherem Hingucken müssten selbst die bankdevotesten Politiker unruhig werden. Alles nicht so schlimm, so der Bericht der EBA (Europäischen Bankaufsicht) und der EZB. Mal von der Absurdität abgesehen, dass sich gerade der „kriminellste Sektor“ (es gibt ja kaum eine Geschäftsfeld, wo die Kunden nicht betrogen wurden – siehe die Deusche Bank und ihre Mrd. an Prozess-Rückstellungen) selbst auch noch prüfen darf, so lasen sich die Ergebnisse auch noch „stabil und aufbauend“:

51 Banken der EU- und Banken von Norwegen wiesen per Ende 2015 eine robuste harte Kernkapitalquote von ca, 13% im Verhältnis zu den risko-gewichteten Aktiva aus (2014 – 11,2% / 2011 - 9,2%).

Der große Ziffernzauber.

- Bei den risikogewichteten Aktiva wird das Vermögen der Banken (zumeist Kreditforderungen und Handelsaktiva) in Riskikoklassen gewichtet – und ob sie es glauben oder nicht:

diese Standards werden von den Ratingagenturen mit ihren Tripple AAA`s – bis CCC´s bewertet: nach wie vor wird genau jenes System angewandt und jene Unternehmen mit dem Rating beauftragt, die die größte Krise der Menschheit zu einem nicht geringen Grad verursachten.

Toll - nicht wahr?

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/risikogewicht.html

- hartes Kernkapital: dieses besteht aus dem Eigenkapital und den Gewinnrücklagen (einbehaltene Gewinne) – beide Positionen stehen zur Gänze zur Abdeckung von Verlusten (diese waren seit 2008 durch die Abschreibung auf spekulative Papiere, Veranlagungen beträchtlich) zur Verfügung.

Übersteigen die Verluste ein bestimmtes Maß des Kernkapitals, dann müssen die Banken über Ausgabe neuer Aktien z.B. Eigenkapital aufbringen – oder aber sie „Verscherbeln“ einige ihrer Vermögenswerte (Kreditforderungen) um über die Verkaufserlöse/-gewinne ihr Eigenkapital zu erhöhen, wobei sich gleichzeitig die Bilanzsumme verringert und damit die Kernkapitalquote steigt.

http://wirtschaftsthemen.net/finanzen/finanzierung/kernkapitalquote-tier-1-ein-gefaehrlicher-schwindel/008607.html

Eine – robuste – Kernkapitalquote ist kaum aussagekräftig, weil durch die korrigierten, risikogewichteten Aktiva die Bilanzsumme zur Berechnung locker um die Hälfte geringer weden kann – anders gesagt:

bei 10% macht bei gewichteten Aktiva von 50% das auf die gesamte Bilanzsumme bezogene Kernkapital nur 5% aus. Ein netter Schwindel, bei dem vor allem dem Steuerzahler bewusst viel Sand in die von Mrd.Rettungspaketen eingetrübten Augen gestreut wird.

NPL – Non performing loans: zweifelhafte Kredite.

Diese sind ein ungleich besserer Massstab als die „getürkte Kernkapitalquote“. Die österreichischen Banken sind für ihre Expansion in die CEE-Länder - sie vergaben Kredite auf Teufel komm raus – bekannt.

Als sich Paul Krugman 2009 erlaubte auf das Ausfallsrisiko hinzuweisen, wurde er regelrecht von allen selbsternannten Eliten - Politiker und ExpertInnen, die Bankblanzen nur aus sicherer Entfernung kennen - „medial hingerichtet“.

Ich habe mich selten so geschämt, Österreicher zu sein!

Im Dezember 2009 kam es zum grössten Kriminalfall – der RE-verstaatlichung der Hypo-Kärnten, die irre Verluste aufgrund zweifelhafter Kreditvergaben auswies: wer hätte das gedacht . . . Nach wie vor schwankt die NPL-Rate so um die 6-15% aller Kredite, je nach CEE-Land. Jene in der Ukraine sind auch schon mit über 50%igen Ausfallsraten als Verlust in die Bankbücher eingegangen.

Dazu ein Beispiel:

Eine Bank hat ihre Aktiva (Kreditforderungen) zu 50% im Heimatland und zu 50% als Kredit in anderen Ländern an Kunden und Unternehmen vergeben. Bei einer Kernkapitalquote von 5% der gesamten Bilanzsumme, reichen zweifelhafte Kreditberichtigungen/-abschreibungen von 10% der ausländischen Kreditobligos aus, dass das ganze Eigenkapital aufgezehrt wird – und dann bleibt nur mehr der Kanossagang zum Finanzminister. Diese haben noch nie gezögert.

Dann treten sie alle gemeinsam vor die Presse, um die Steuerzahler zu informieren, dass es „alternativlos“ sei, und man diese Bank retten müsse usw. etc.

Milliarden-Dividenden für Bankeigentümer – trotz Krise?

Aufgrund der zuvor erklärten Zusammenhänge wäre es für alle Nicht-Banker sonnenklar, dass die Kernkapitalquote – also das nominelle Eigenkapital + einbehaltene Gewinne (Gewinnrücklagen) – unbedingt zu erhöhen ist, damit nicht schon wieder der Steuerzahler zum Zahlmeister für die Bankbankrotteure wird.

Tja – auch wenn Sie nun überrascht sein sollten:

dem ist nicht so!

- Die Kurse der Bankaktien sanken um ca. 50% seit dem letzten Stresstest des Jahres 2014; der Grund dürfte in der noch immer geringen Kapitalausstattung liegen – anders gesagt: das Risiko, dass große Banken pleite gehen, ist seit 2008 nicht kleiner geworden;

- müssten die europäischen Banken dieselben Kriterien erfüllen wie die amerikanischen, dann kommt man auf eine Eigenkapital-Unterdeckung von ca. 123 Mrd. Euro;

http://www.sascha-steffen.de/uploads/5/9/9/3/5993642/benchmarking_august2016.pdf

- Gerade die schlecht mit Eigenkapital versorgten Banken haben in den vergangenen Jahren über 20 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausgeschüttet; -

- Allein die Dividenden von 28 Instituten machten 2015 40 Mrd. Euro aus, was fast einem Anteil von 60 % der Gewinne entspricht;

- unter den zehn schlechtesten Banken zahlte Barclays am meisten Geld an ihre Eigentümer aus – es waren 6,3 Mrd Euro in 6 Jahren;

- die höchsten Dividenden der getesteten Banken schüttete die britische Grosbank HSBC aus – es waren sagenhafte 40 Mrd. Euro in sechs Jahren;

- die am besten kapitalisierteBank – die Swedbank – hingegen, war mit Auszahlungen an ihre Aktionäre äusserst sparsam: sie betrugen nur 7,7 Mio. Euro in den letzten Jahren.

Und – wozu braucht`s noch eine Bankenaufsicht?

Zugegeben – eine nicht so unberechtigte Frage.

Diese irre Ausschüttungspolitik könnte von der Bankaufsicht aller Länder locker verhindert und damit auch das Risiko von weiteren Mrd.Zuschüssen an diese Banken zulasten der Staatsbüergerinnen eingedämmt werden. Es obliegt ihnen zu entscheiden, ob sie bei schwach kapitalisierten Banken die Ausschüttungen kürzen – oder nicht.

Nur zur Info:

hätte die europäische Bankenaufsicht (EBA) seit 2010 den Banken ihre irre Dividendenpolitik untersagt und sie dazu angehalten die Gewinne im Unternehmen zu belassen - dann wären ca. 50% der Kapitallücke von 123 Mrd. gedeckt!

Hohe Dividenden = Umverteilungsturbo von unten nach oben!

Dass die Politik seit 2008 in einem mehrjährigen Winterschlaf verfallen ist, wissen alle.

Wie zuvor erwähnt, wären viele Auswüchse locker seit Oktober 2008 zu regeln gewesen, allein es fehlte am politischen Willen. Hinzu kommt, dass auch die Banken- und Finanzaufsichtsbehörden in den Ländern völlig untätig zusahen, wie gleich nach den wüsten Bilanzjahren 2009 und 2010, es wieder zu den verheerenden Gewinntransfers zu den Aktionären kam.

Wenige Banken machten „Tabula-Rasa“ und entrümpelten ihre Bilanz durch Mrd. Abschreibungen.

Viele trauten sich nicht mal die Salami-Taktik anzuwenden, so wie die Credit-Suisse, die erst letztes Jahr einen Verlust von 2,4 Mrd. sfr erleiden musste. Aber keine Angst – trotzdem gab es für die Eigentümer eine Dividende von 70 Rp. Nun mag für „ungelernte Bankbilanzleserinnen“ ... es sehr seltsam erscheinen, dass man trotz rauschender Verluste Gewinne verteilen kann – die Auflösung liest sich so:

Der Verlust sei einer Goodwill-Abschreibung von 3,8 Mrd,. geschuldet und man habe die Dividende aus dem Tagesgeschäft „verdient“. Dies scheint aber sehr fragwürdig zu sein, zumal man wenige Monate zuvor auch noch eine Kapitalerhöhung von 6 Mrd. sfr durchgezogen hatte. Ob man mit solch einer difusen Politik auch nur einen Restbestand an Normalität bekunden will, darf ernsthaft in Zweifel gezogen werden.

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Fazit:

Es hat sich seit 2008 rein gar nichts geändert – die Politik steht Schmiere und die Banken machen was sie wollen!

Ob die überfällige Forderung - High time to tell European banks: No dividends – bei den verantwortlichen Eliten Gehör finden wird, möchte ich angesichts der von der EU-Troika und Merkel/Schäuble federführend-betriebenen „Bankrettungspolitik um jeden Preis“, nicht mehr kommentieren.

http://www.sascha-steffen.de/uploads/5/9/9/3/5993642/dividends_v4aug2016.pdf

03:26 11.08.2016
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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