Österreich / BP-Wahl: sg. BP - KandidatInnen!

Wahl, Bundespräsident Seit 1946 gab es immer einen roten oder schwarzen BP. Am 24.4. gibt es 6 BewerberInnen. Eine Gelegenheit - sie alle über ihre "Geldsystemkenntnisse" zu befragen. . .
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Die Nerven liegen total blank.

Der Grund - nach 70 Jahren, wo sich rote und schwarze BP´s abwechselten, sieht alles danach aus, dass es keiner der beiden GroKo-Kandidaten in die Stichwahl schaffen wird. Zu groß scheint der Vorsprung des "3er-Kartells" zu sein, als das er noch aufholbar wäre:

- Frau Dr. Griss, unabhängige Ex-Richterin des OGH, die 2014 mit dem Griss-Report allen Eliten ein vernichtendes Zeugnis der Inkompetenz zum Kriminalfall Hypo-Kärnten ausstellte und sich im Polit-Minenfeld als Wahlkämpferin immer besser behaupten konnte. Am Donnerstag hat sie weitere Sympathien erringen können, als sie meinte: es handelt sich bei dieser Wahl um keinen Lagerwahlkampf GRÜN gegen BLAU. Sie unterstrich auch immer wieder, dass sie die einzige "unabhängige" Kandidatin sei, was stimmt.

- Herr Dr. Van der Bellen, ex-Grün Boss und emerit. Univ.Prof., der von den jungen Grünen als neoliberal tituliert wird, weil er den ESM verhandelte, generell für TTIP ist und auch Studiengebühren befürwortete, fühlt sich schon als Sieger und gibt sich dementsprechend "präsidial und über den Dingen stehend". Sein professorales Gehabe könnte ihm noch zum Verhängnis werden, zumal er sein ganzes Leben nur in der Schule, der Universität und dem Parlament verbrachte. Sein Anfangslapsus - er sei unabhängig, obwohl er von den Grünen finanziert wird - scheint keine Rolle mehr zu spielen.

- Herr Ing. Hofer, FPÖ und noch 3. Parlamentspräsident, wird als ein Wolf-im-Schafspelz gesehen, weil er meinte ..."viele werden noch groß schauen, was alles möglich ist" ... (der BP hat bei uns eine ähnliche Funktion wie in Deutschland, außer bei der Regierungsbestellung, da könnte er seine Papiermacht ausspielen). Allerdings war er auch der erste, der ein klares NEIN zu einer Unterschrift unter den TTIP-Vertrag öffentlich bekundete. Ja, und er "trägt" eine Glock . . . die Kärntner Wunderpistole.

Diese 3 KandidatInnen liegen in den Meinungsumfragen eng beieinander und erreichen um die 18 - 25% an Zustimmung.

- Dr. Khol, schwarzer Ex-Co-Boss des Seniorenbundes und oft als "Stratege" des Schüssel-Haider-Paktes (2000) bezeichnet (Schüssel hat den Kriminalfall Hypo-Kärnten und die korrupten Machenschaften der FPÖ-Buberlpartie, wo MIO. an Provisionen flossen, zu verantworten) ist zwar Polit-Profi aber seine Distanz zu den normalen Menschen scheint angeboren zu sein. Sein Handicap: er ist nur 2. Wahl, nachdem der Landeshauptmann von NÖ, Erwin Pröll, absagte.

- Seinem Pendant auf der roten Seite, Hundstorfer, Ex-Sozialminister (der ziemlich hilfos "zusah", wie sich die größte Arbeitslosigkeit seit 1946 manifestierte), gelang es weder die eigenen Parteianhänger zu mobilisieren noch die Herzen der WählerInnen für sich zu gewinnen. Mit seinem Statement - er wisse nicht, welcher Partei seine obersten Beamten angehören . . . - hat er einen großen, unbeabsichtigten Lacher im ORF -Studio eingefahren.

- Baumeister Lugner, 83 Jahre und kein bißchen müde für sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Werbetrommel zu rühren, hat sich selbst als "Kasperl" bezeichnet und nimmt diesen Wahlkampf von der lockeren Seite. Er ist DER PR-Mann des Wiener Opernballs seit mehr als 2 Dekaden - und alles wartet immer gespannt, welchen Ex-Star er wieder eingeladen hat. Sein Hauptanliegen als BP wäre es, der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen, was er öfters bekundete.

Für die 3 Nachzügler werden zwichen 6-17% an Zuspruch in den Umfragen ausgewiesen.

Die Spannbreite ist riesig - so um die 20-30% Unentschlossene lassen kaum plausible Vorhersagen zu. Dennoch gibt es kaum jemand, der dem roten und schwarzen Kandidaten zutraut, in die Stichwahl zu kommen. Sie agierten eher desinteressiert, abgehoben, wenig volksnah und gelten als Partei-Apparatschiks 1. Güteklasse. Ihnen fehlt es u.a. auch an intellektueller Frische, sie agieren nach den URalten Schemata und davon scheinen die ÖsterreicherInnen nun wirklich genug gehabt zu haben.

Was ein Ausscheiden im ersten Wahlgang für den BK und Vize bedeutet - darüber gibt es die wildesten Spekulationen.

"Es wird kein Stein am anderen bleiben" ... so einige Prophezeiungen. Ein Rücktritt sowohl des BK Faymann (rot) und des Vizekanzlers Dr. Mitterlehner (schwarz) ist möglich und sehr wahrscheinlich, sollten beide BP-Anwärter unter einer medialen Wahrnehmungsschwelle von 15% bleiben.

Auch potentielle Nachfolger scharen - angeblich - schon in den Startlöchern.

Bei der SPÖ wird Herr Kern, derzeit CEO der Bundesbahn - und der brandneue Verteidigungsminister (seit Jänner 2016 im Amt), Doskozil, genannt. Letzterer hat sich als hemdsärmeliger "Macher" erwiesen: er hat keine Scheu, auch den Brenner mit Militär gegen die ... Eindringlinge, pardon AsylbewerberInnen, ins ach so schöne Österreich ... zu verteidigen. Ängste, sich mit der FPÖ in ein Regierungsbett zu legen, scheint er auch nicht zu haben. Wen wundert`s, zumal sein Ex-Chef, der Landeshauptmann vom Burgenland, Nissl, dies in tsunami-artiger Schnelligkeit und entgegen dem Parteitagsbeschluss der SPÖ, vorexerzierte.

Sie wissen: was kümmert mich mein Geschwätz von gestern . . .

Kern hingegen ist eine "Vranitzky-Erfindung" und eher auf der gegenüberliegenden Parteiseite zu finden. Als ÖBB-Manager hat er nichts falsch gemacht, was im Klartext heißt: er hat sich nicht mit der mächtigen Gewerkschaft der Eisenbahner angelegt und sich etliche Pluspunkte anlässlich der ersten Flüchtlingswellen, wo die ÖBB große Hilfestellung für die zahlreichen zivilen HelferInnen leistete, bei den Menschen abgeholt.

Ganz anders ist die Obmann-Reserve Lage bei der ÖVP.

Seit seinem Antritt als Aussenminister wird Hr. Kurz in einem nur mit dem ehem. Finanzminister im Schüsselkabinett KHG (Karl Heinz Grasser, FPÖ) vergleichbaren Medienhype in allerhöchste Politsphären hochgelobt. Selbst in deutschen - schon klar: regierungshörigen Blättern - wird er als Wunderwuzzi gepriesen, dass man als normaler Bürger meint, des Lesens/Hörens/Sehens nicht mehr mächtig zu sein. Kurz hat zwar nach mehr als 8 Semestern keinen Bachelor-Abschluss geschafft . . . aber was macht das schon, bei einem solchen Jahrhunderttalent?

Seine Wahlkampferfahrung ist sehr bescheiden. In Wien waren seine Aktionen - Deckname: Geilo - Mobil - bei den Landtagswahlen nicht wirklich von großem Erfolg gekrönt. Er scheint aber zumindest so g` scheit zu sein, dass er nicht auf diese Ablöse drängt - damit er nicht als Königsmörder des Vizekanzlers da steht. Er ist unter 30 Jahre alt und hat noch Zeit. Allerdings nur, bis ihn die Partei in einer Notlage darum bittet . . .

Bleibt nach einem Erdbeben alles beim Alten?

- Auch das ist denkbar, denn zum Einen hat Faymann ca. 22 verlorene Wahlen überlebt – wieso soll er dann nach der BP-Wahl gehen, zumal man diese immer als Persönlichkeitswahl auslegen kann. Dem Newcomer – Doskozil – wird man nicht nach einigen Monaten den BK andienen. Er kann als lupenreiner Polizist noch keine abprüfbaren Ergebnisse in anderen Politikfeldern, als der inneren Sicherheit, nachweisen.

Kern hätte schon ungleich mehr an Kompetenz anzubieten, aber er hält sich - noch - vornehm zurück.

- Bei den Schwarzen wurde Vizekanzler Mitterlehner durch Pröll in einer nur den Konservativen eigenen Art und Weise desavouiert: entgegen seinem Willen installierte der LH den neuen Innenminister um seine Hofübergabe in Niederösterreich (NÖ) an Frau Mikl-Leitner (ehem. Innenministerin) vorzubereiten. Das war vor ca. einer Woche – also mitten im BP-Wahlkampf.

Damit ist Mitterlehner arg beschädigt. Dies könnte ihm sogar den Job sichern, denn niemand wird seine Nachfolge freiwillig antreten, wenn aus NÖ ohne Vorwarnung einfach Minister wie warme Semmeln ... ausgewechselt werden. Dieses ältere Video zeigt, wie unberechenbar der Landeshautpmann aus NÖ agiert:

https://www.youtube.com/watch?v=GxOnpOAZXyQ

Letztendlich könnte sich beide - Faymann wie Mitterlehner – als auch deren Parteien noch enger aneinander klammern, wenn ihre BP-Kandidaten mit Bomben und Granaten untergehen sollten. Nichts verbindet mehr, als eine gemeinsame Niederlage! Man braucht dann nur mehr einen „Sündenbock“ im Außen suchen.

Und da wird sich wohl was finden lassen ... ;)

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So weit ein kurzer Überblick aus meiner Sicht, was bisher geschah.

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Nachdem der scheidende BP, Dr. Fischer, meine drei Anfragen zum Geldsystem nicht beantwortete, startete ich einen neuen Anlauf und schrieb an die sechs BP-KandidatInnen vor ca. 10 tagen und erinnerte sie am 21. April nochmals daran.

Vieles was im letzten Monat öffentlich debattiert wurde, hat mit dem eingegrenzten Aufgabenbereich des BP nichts oder sehr wenig zu tun. Nachdem es aber in die Kompetenz des BP fällt, wichtige Verträge wie z.B. den ESM u.a.m. zu unterschreiben, zählen ökonomische Kenntnisse meiner Ansicht nach zu den Schlüsselkriterien eines Staatsoberhauptes!

Und diese fußen auf einem grundlegenden Verständnis, in welchem Geldsystem die Menschen leben und zu welchen irren Verwerfungen dieses immer führen muss, wie die Geschichte über Jahrhunderte zeigt.

P.S.

Auf Seite 2 finden Sie das erste Mail vom 13. April an die BP-BewerberInnen und 3 Antworten, die ich wiederum beantwortete. Sie stammen von den Büros . . . .Ing. Hofer, FPÖ - und von Dr. Van der Bellen, Grün und dem Büro Dr. Griss.

Der folgende offene Brief wurde am 21. April (wie der erste auch) an ca. 100 Politiker und Organisationen, 70 Medien und ca. 70 Kultutschaffende und Künstler gesendet.

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Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Fischer,

Sehr geehrte Frau Dr. Irmgard Griss, Sehr geehrte Herren Dr. Andreas Khol, Dr. Alexander Van der Bellen, Ing. Norbert Hofer, Rudolf Hundstorfer und Richard Lugner!

Erinnerung: Mein offener Brief vom 13. April an die BP-KandidatInnen

Der Wahlkampf geht in die heiße Phase und heute stehen die Debatten im ORF auf dem Programm.

In vielen Lebensbereichen legten die BP-KandidatInnen ihre oft sehr divergierenden Ansichten dar – so war von „Allmachtsfantasien“, die Regierung nach persönlichen Präferenzen als auch bei EU-Kritik einfach abzuberufen, die Rede. Insbesondere interessiert die Bevölkerung die Position zum Problem der AsylwerberInnen, der Organisation des Zustroms und der Integration als auch die Frage, ob es in Österreich überhaupt einen Notstand gibt – oder nicht.

Leider gab es bisher kaum Fragen, die die Qualifikation im Bereich des Wirtschaftswissens der zur Auswahl stehenden Personen überprüften. Ja, man könnte diese einfach mit dem Hinweis wegwischen, dass diese Themen nicht in den Kompetenzbereich des Bundespräsidenten fallen – aber mit Verlaub: dies trifft auf (fast) alle Bereiche, über die seit Wochen diskutiert wurde, genauso zu.

Hinzu kommt, dass die Eurokrise sicher nicht gelöst ist!

Die Staatsschulden stiegen seit 2008 um mehr als 50 % ( ! ), wobei die „Rettung des Vermögens der Bankeigentümer“ (die als Rettung der Banken den Menschen verklickert wurde) den größten Anteil an dieser Schuldenexplosion hat/hatte.

Dass Staaten „pleite“ gehen, ist weder neu - noch überraschend, weil durch das Geldsystem (alles Geld entsteht als Kredit/Schuld) bedingt:

- den Rekord hält Spanien, das insgesamt 13 mal pleite ging – davon 3 mal (1557, 1575 und 1596) unter König Philipp II, der 90% des Budgets fü

- zwischen 1500 – 1800 erlebten die BürgerInnen Frankreichs 8 Pleiten,

- und Österreich war nach den Napoleonkriegen 1811 bankrott; daraus wurden aber keine Lehren gezogen, denn bereits 1816 war das Land wieder pleite.

Die Staatsschulden Österreichs betrugen 1980 ca. 27 Mrd. Euro – 2015 lagen sie bei ca. 290 Mrd. Eine Steigerung um das 10-fache in nur 35 Jahren: so was nennt man exponentiell.

Aber wem sage ich das?

Die privaten Banken erfinden das Geld aus dem Nichts - und dies ist die geübte Praxis seit mehr als 300 Jahren, als die Bank of England 1694 gegründet wurde. Die volkstümlichen Ansicht - die Banken gäben nur das Geld der Sparer als Kredit an die Wirtschaft weiter - wurde durch die Zentralbanken (Bank of England, Bundesbank z.B.) korrigiert und ist auch durch die Praxis der doppelten Buchhaltung längst widerlegt (falsifiziert).

Kein Politiker, egal welcher Couleur, würde es wagen, das Wasser zu privatisieren nur damit die Profitgier einiger Konzerne befriedigt wird – und beim Geld, das zu 98% von privaten Banken aus Luft erfunden wird, bringt niemand trotz des Kriminalfalls Hypo-Kärnten den Mut auf, eine klare Position zu beziehen und eine allumfassende Geldreform – wie in ISLAND – zu initiieren?

Ich ersuche sie alle daher nochmals meine 3 Verständnisfragen

Frage 1.) Können Sie mit einfachen Worten unser Geldsystem und seine verheerende Umverteilungswirkung erklären?.

Frage 2.) Werden Sie als BundespräsidentIn eine breite Diskussion darüber initiieren und in dieser Funktion eine umfassende Geldreform einleiten und vorantreiben?

Frage 3.) Welche „aktive“ Rolle werden Sie als BundespräsidentIn übernehmen, um die Korruption in der Politik (Stichwort: Hypo-Kärnten) und die irre Ungleichheit zu beseitigen?

zu beantworten.

Ein herzliches Dankeschön vorweg und freundliche Grüße,

Dr. Otmar Pregetter

P.S. Ich habe mir Ihre Antworten bis Samstag vormittag vorgemerkt. Diese werden dann im Freitag, der Wochenzeitung von Jakob Augstein, als auch in den Sozialen Medien veröffentlicht werden, damit sich die Menschen noch vor der Wahl auch über diese elementaren Fragen ein klares Bild machen können.

Hier die 2 Mails, die eingegangen sind als auch meine Replik darauf.

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Nachricht an Norbert Hofer

Maileingang aus dem Bürö Ing. Hofer am 15. April.

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Sehr geehrter Herr Dr. Pregettero!

Vielen Dank für Ihre sehr interessante Nachricht und Ihre Fragen an den Dritten Nationalratspräsidenten Ing. Norbert Hofer!
Ich werde das Schreiben an Herrn Hofer gerne weiterleiten und mich mit der Thematik gerne befassen.

Beste Grüße,

Roland Esterer, BSc

Büro des Dritten Präsidenten des Nationalrats
Referent
Tel. +43 676 8900 2368
roland.esterer@parlament.gv.at

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Meine Antwort darauf vom 15. April

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Sehr geehrter Herr Esterer, Bsc!

In den bisherigen Veranstaltungen kamen eher emotionale Befindlichkeiten, ideologische Zughörigkeit und einige Allmachtsfantasien - die die Qual der Wahl der BürgerInnen eher vergrößerten - zum Ausdruck.

Die größte Finanzkrise der Menschheit ist nicht gelöst - im Gegenteil: allein die Staatsschulden der Eurozone haben sich seit 2008 um 50% erhöht, in nur 8 Jahren. Die Wirtschaftskompetenz der BP-KandidatInnen wurde bisher nicht hinterfragt - sie ist aber eine entscheidendes Kriterium für alle WählerInnen!

Ich habe mir eine Antwort bis Dienstag, 19. April vorgemerkt. Am Mittwoch werden diese dann breit in den Sozialen Medien und etlichen Online-Portalen veröffentlicht werden. Ich danke Ihnen vorweg für eine Antwort von Ing. Norbert Hofer.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Otmar Pregetter

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Alexander Van der Bellen

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Antwort vom Büro Dr. Van der Bellen erhalten am 18. April

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Sehr geehrter Herr Dr. Pregetter,

danke für Ihr Mail, wir ersuchen allerdings um Verständnis, dass diese Thematik nicht in den Kompetenzbereich des Bundespräsidenten fällt.

Beste Grüße vom Team Van der Bellen

https://www.flickr.com/photos/140576195@N07/26526328211/in/dateposted-public/

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Antwort an das Büro Dr. Van der Bellen am 18. April

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Sehr geehrter Herr Dr. Van der Bellen,

danke für Ihre Antwort.

Es fallen viele der in den TV-Diskussionsrunden angeschnittenen Themen nicht in den Kompetenzbereich des Bundespräsidenten, dennoch nutzen alle BP-KandidatInnen ihre Chance - eben um den Wählern einer Orientierung zu geben – zu einer umfassenden Antwort.

Nachdem die „volkstümlichen Ansichten“ wie das Geld aus dem Nichts entsteht, längst durch die Aussagen der Zentralbanken (Bank of England, Bundesbank z.B.) als auch durch die Praxis der doppelten Buchhaltung seit Jahrhunderten falsifiziert sind, ist es für alle Menschen völlig unverständlich, wieso die Elite Österreichs dazu nicht Stellung beziehen will.

Ich ersuche Sie daher nochmals um eine Antwort, die Ihre persönliche Sichtweise als Wirtschaftsexperte darlegt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Otmar Pregetter

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Büro Dr. Griss - heute 23. April

kontakt_mb@griss16.at

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Anzahl an Anfragen derzeit nicht zeitnahe antworten können. Wir bemühen uns sehr alle Anfragen zu beantworten.
Besten Gruß,
Das Team für Irmgard Griss

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Meine Antwort - 23.4.

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Sehr geehrte Frau Dr. Griss,
danke für die Antwort Ihres Teams.
Die gesellschaftspolitische Machtfrage - wer in einem Land das Geld aus dem Nichts (Buchgeld) erzeugen darf:
- der Staat = WIR ALLE !
- oder private Banken o h n e gesetzliche Basis (im Bankwesengesetz kommen die Begriffe Buchgeld, Giralgeld und Buchgeldschöpfung gar nicht vor ...?)
ist eine elementares Element, dass sich auf die Ungleichheit (bei Vermögen wie Einkommen) und damit auf die Spreizung einer Gesellschaft fundamental auswirkt.
Egal wer am Ende die neue BundespräsidentIN werden wird - er/sie muss sich dieser Frage stellen! Ich hoffe, dass wenn Sie es in die Stichwahl schaffen sollten, Sie diese Frage beantworten werden.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Otmar Pregetter

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1. Mail an die BP-KandidatInnen vom 13. April 2016

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Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Fischer,

Sehr geehrte Frau Dr. Irmgard Griss,

Sehr geehrte Herren Dr. Andreas Khol, Dr. Alexander Van der Bellen,

Ing. Norbert Hofer, Rudolf Hundstorfer und Richard Lugner!

Offener Brief - Fragen an die BP-KandidatInnen:

Ich habe mich dreimal (12. Dez. 2014, 5. März und 13. Mai 2015) an Sie, Herr BP Dr. Fischer gewandt und gebeten, Sie mögen betreffend der „volkstümlichen Unwahrheiten“ wie unser Geldsystem funktioniert, eine breit angelegte und u.a. von den Universitäten getragene Debatte über eine umfassende Geldreform einleiten - leider erhielt ich keine Antwort. Meine Anfragen wurden im FREITAG, der Wochenzeitung von Jakob Augstein, als auch in den Sozialen Medien veröffentlicht.

https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/hypo-geld-sg-hr-bundespraesident-dr-fischer

Nachdem in 2 Wochen BP-Wahlen anstehen und die KandidatInnen bereits zu vielen Themen Position bezogen haben, ersuche ich Sie alle, klar und mit einfachen Worten auf meine Fragen zu antworten.

Frage 1.) Können Sie mit einfachen Worten unser Geldsystem und seine verheerende

Umverteilungswirkung erklären?.

Frage 2.) Werden Sie als BundespräsidentIn eine breite Diskussion darüber initiieren und in dieser

Funktion eine umfassende Geldreform einleiten und vorantreiben?

Zu Ihrer Information: ISLAND hat genau dies vor einem Jahr getan und im Auftrag des dam. Premierministers wurde eine Studie erstellt, die zur Debatte im Parlament dient.

https://positivemoney.org/wp-content/uploads/2015/04/monetary-reform-Iceland.pdf

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Exkurs:

Banken erfinden DAS GELD AUS DEM NICHTS.

„Der Vorgang mit dem Banken Geld erzeugen ist so simpel, dass der Geist ihn kaum erfassen kann."

(John Kenneth Galbraith, Amerikanischer Ökonom und Präsidentenberater)

Dies ist keine Verschwörungstheorie - sondern seit Jahrhunderten DIE Praxis, wie unser Geld entsteht. Alle Handels- und BerufsschulabsolventInnen, die lernen, wie man einen Kredit, die Tilgung als auch den Zinserlös der Banken verbucht, wissen dies genau.

Leider ist die Unkenntnis über unser Geldsystem (alles Geld entsteht als Kredit/Schuld) in den höchsten Ebenen der Politik und bei vielen „ExpertInnen“ des ökonomischen Mainstream, sehr hoch, deshalb führe ich Ihnen einige selbsterklärende und leicht verständliche Informationen/Links an:

* Spiegel 39/1972: Bundesbank: „Geld aus dem Nichts“

Bundesbankdirektor Helmut Schlesinger meinte: „Auf volkswirtschaftlicher Ebene heben sich Forderungen/Verbindlichkeiten gegeneinander auf: Sie sind ein blankes Nichts. Die Privatbankiers machen das, was ihnen seit langem verboten ist: selber Geld!“Er beklagte weiter:

„Dies istein Rückfall in das vergangene Jahrhundert, wo jede Zettelbank Geld drucken konnte."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42842883.html

* Bundesbank: „Traf Goethe ein Kernproblem der Geldpolitik?“

In einer Begrüßungsrede vom 18. September 2012 bezog sich der Chef der Bundesbank, Dr. Jens Weidmann, auf Goethes Faust, das Geld und die Geldschöpfung (Punkt 2.). Ich zitiere verkürzt:

„Gerade in jüngster Zeit stellen sich viele Bürger die Frage nach der Herkunft des Geldes: Woher nehmen denn die Zentralbanken eigentlich das viele Geld . . . Die Finanzkraft einer Notenbank ist prinzipiell unbegrenzt, da sich eine Notenbank das Geld, das sie vergibt oder mit dem sie bezahlt vorher nicht etwa beschaffen muss, sondern es quasi aus dem N i c h t s ... erschaffen kann.“ http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2012/2012_09_18_weidmann_begruessungsrede.html

* Bank of England (BoE): „Money creation in the modern economy“.

Im 1. Quartalsbericht 2014 räumte die BoE mit den in den Schul- und Uni-Lehrbüchern völlig falsch vermittelten Inhalten über die Gelderzeugung auf und verLAUTbarte die Wahrheit:

„Money creation in practice differs from some popular m i s c o n c e p t i o n s . . . the principal way is through commercial banks making loans! Whenever a bank makes a loan, it simultaneously creates a matching deposit in the borrowers bank account, thereby creating n e w m o n e y.”

http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx

* Financial Times: Strip private Banks of their power to create money!

Mit dieser glasklaren Forderung kommentierte Martin Wolf, Chefökonom der Financial Times, die Klarstellung der Bank of England. Er präzisierte seine Ansicht wie folgt: „The giant hole at the heart of our market economies needs to be plugged . Printing counterfeit banknotes is illegal – but creating private money is not . . . It could - and should - be terminated”.

http://www.ft.com/intl/cms/s/0/7f000b18-ca44-11e3-bb92-00144feabdc0.html?siteedition=intl#axzz2zX9Myt5t

“Over time - who ever controls the money system, controls the nation"

(Stephen Zarlenga, Director, American Monetary Institute)

Exkursende.

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Panama – UK – Leaks: wie 1% die Demokratie „korrumpiert".

Den mit Abstand treffendsten Kommentar dazu schrieb Aditya Chakrabortty im The Guardian: „Because at root, the Panama Papers are not about tax ... they’re not even about money. What the Panama Papers really depict is the corruption of our democracy!

With a few exceptions, our politicians no longer resemble, nor do they work for us …

The 1% are buying political influence as never before.”

http://www.theguardian.com/news/commentisfree/2016/apr/10/money-offshore-corrupt-democracy-political-influence

Frage 3.) Welche „aktive“ Rolle werden Sie als BundespräsidentIn übernehmen, um die Korruption

in der Politik (Stichwort: Hypo-Kärnten) und die irre Ungleichheit zu beseitigen?

„People have hearts, they have kids, they get jobs, they cry, they dance, they live, they love and they die. AND THAT MATTERS. That matters, because we don`t run this country for corporations, WE RUN IT FOR PEOPLE”. (Elizabeth Warren)

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* ISLAND - Olafur Ragnar Grimsson: ein Präsident von Format und Charakter!

Er ist in vieler Hinsicht eine echte Ausnahmeerscheinung und wurde 1996 Präsident und 2012 in diesem Amt zum 5. Mal bestätigt - ein einsamer Rekord in westlichen Demokratien.

Er hat durch seine Vetos 2010 und 2011 - private Investoren nicht auf Kosten der eigenen Bevölkerung im Bankencrash zu entschädigen - die Voraussetzung für eine rasche und nachhaltige Konsolidierung der isländischen Wirtschaft gelegt. Das Interview mit FOX NEWS anlässlich des World-Economic-Forum in Davos 2013, ist eines der ganz wenigen Beispiele, wie ein Präsident mit einer klaren Vision und viel Mut das Richtige entgegen allen Ratschlägen der EU, des IWF und der USA tun kann.

„ Wenn die privaten Banken pleite gehen, wieso sollten normale Menschen – Steuerzahler, Lehrer, Krankenschwestern, Arbeiter – den Preis dafür zahlen und die Last tragen?“

https://www.youtube.com/watch?v=KDWRvUekt3M&nohtml5=False

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Ja, es ist allerhöchste Zeit ist, die flächendeckende Ungleichheit und Korruption zu stoppen! Ihnen kommt als BundespräsidentIn eine Schlüssel- und Vorreiterrolle zu.

Ich danke Ihnen allen herzlich für die rasche Beantwortung der Fragen, die selbstverständlich so wie dieses Mail veröffentlicht werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Otmar Pregetter

P.S. Anbei noch einige interessante Links:

- ARTE - Der größte Betrug aller Zeiten: https://www.youtube.com/watch?v=AZ8qa-h5bhs

- Volker Pispers: Geld ist Fantasie. https://www.youtube.com/watch?v=NVAkETaO8Zc

- Positive Money – UK: INEQUALITY - why are the rich getting richer? https://www.youtube.com/watch?v=ZzCegQVljdY

- Otmar Pregetter : Why are the rich getting richer?

https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/2-un-f-why-are-the-rich-getting-richer

13:05 23.04.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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