ÖVP - Kurz: eine "feindliche Übergabe"?

Kurz, ÖVP, SPÖ, Regierung ""Scheinheiligsprechungen sind gängiger als Heiligsprechungen". (Erhard Horst Bellermann, 1937, deutscher Bauingenieur, Dichter).
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Sehr kurz erklärt:

Die ÖVP krebst seitMonaten in den Umfragen um 20% - oft darunter - herum. Da ist natürlich Feuer am Dach, wie auch die Roten wissen, gleichwohl sie sich um die 25% "stabilisiert" haben. Die FPÖ liegt seit mehr als einem Jahr immer über 30 - teilweise sogar um die 35%!

Es mag in Deutschland nicht so sehr interessieren - was ich gut nachvollziehen kann - was da so alles bei den Ösis abgeht. Die politischen Intrigen sind aber universell - so to say - und sicher keine alpenländisch_folkloristische Eigenart.

Ein guter Brauch in der ÖVP allemal - weil sie in 10 Jahren mit dem Abgang Mitterlehners gleich vier Parteichefs "verschlissen" - pardon: wegintrigriert hat. Das ist dann europaweit doch eine beachtliche Leistung - von Italien mal abgesehen.

Kurz - der neue "Heilsbringer"der ÖVP, der sich im Schlepptau von Macron fühlt (das Kern, SPÖ, auch ein "Fan" Macrons ist, wundert sowieso niemand mehr) - hat mit sehr fiesen Tricks und immer hinter dem Rücken der Betroffenen Mitterlehner als Parteichef weggeputscht, sodass dieser total vorgeführt und als Watschenmann punziert, das Handtuch schmiss und abtrat.

Das sind eigentlich alltägliche politische "Ränkespiele", aber nachdem die ÖVP stets sehr Bünde - (Wirtschaftskammer. Wirtschaftsbund, die sehr mächtige Landwirtschaftkammer usw.) und Länderorientiert (6 von 9 Landeshauptleuten stellt die ÖVP) war, ist die totale Kastration dieser einst so mächtigen, konservativen Volkspartei, eine Novität wie man sie in Europa kein 2. Mal findet:

Kurz wurde bei seinem Coup zum abslolutistischen "Führer" sogar bejubelt. Ich ging sowohl dem "Wunderwuzzi" Kurz - irgendwie fühle ich mich an Guttenberg erinnert - als auch seinem Persönlichkeitswandel hin zu weit rechts (er könnte locker die AfD "führen"...) nachgegangen.

Klar ist allen, die die österreichischen Spezifika etwas kennen, dass dahinter der mächtige Raiffeisenkonzern steht, der als Gigant am Medienmarkt auftritt und über viele "Partnerschaften" den ländlichen Raum kontrolliert. Kurz ist also, nach meinem Dafürhalten, Macron dahingehend sehr ähnlich - weil sie beide in fast identer Form nur die "Hampelmänner" des Kapitals sind und als devote "Klons" aufgebaut wurden.

Kurz hat die SPÖ gleich in die Knie gezwungen, weil er Neuwahlen forderte, obwohl er erstvor 2 Monaten ein neues Regierungsprogramm unterzeichnete.

Als Drahtziehern solcher HO-RUCK-Methoden wird Schüssel - Ex-Kanzler - der als 3. bei der Wahl dann auf einmal (trotz der vor der Wahl abgebenen Zusicherung - werden wir Dritter, gehen wir in die Oppostition! ) sich selbst zum Kanzler "krönte" - immer wieder genannt. Dass er ein Altmeister der politischen Intrige war, wissen alle. Als großer Staatsmann wird er sicher nicht in die österreichische Geschichte eingehen, denn auf seinen Schultern lasten die x-fachen "Kick-Back-Zahlungen"(Bestechungsgelder) an die FPÖ-Buberlpartie (Eckpfeiler der JunX war KHG, Karl Heinz Grasser, Ex-Finanzminister, der nun definitiv angeklagt wurde) bei der Privatisierung östereichischen Staatseigentums. Vor dem U-Ausschuss sagte er aus, davon "nichts bemerkt zu haben".

Das erinnert wieder an Guttenberg, der auch drauflos log, was das Zeug hielt - bis es sogar ihm dämmerte, dass er nur mehr als doofer Betrüger und Lügner dasteht.

So weit - kurz - die Vor- und Nachgeschichte.

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Eine "feindliche Übernahme" ist das klassiche Lehrbuchbeispiel, wo sich Investmentbanken auszeichnen und sie funktioniert immer nach Schema F - also: der Erwerb der Kapitalmehrheit, (in der Politik wird so lange gegen Andersdenke gemobbt und intrigiert, bis diese erledigt sind oder aufgeben), keine Informationen dringen nach außen (den Markt, die Mitbewerber) oder gehen an die betroffenen Arbeitnehmer vor dem Deal. Das Ziel ist die totale Unterwerfung unter die Fuchtel des (vermeintlich?) Stärkeren.

Wie verzweifelt ist die ÖVP, die sich Kurz total ausliefert, sich devot übergibt...?

Das Diktat von Kurz an seine ÖVP, in der er sein ganzes, junges Leben verbrachte und der er alles zu verdanken hat, kommt einer "feindlichen Übergabe" gleich. Von einer freundlichen Übernahme der Partei als Chef kann keine Rede sein. Noch nie wagte ein Politiker sich so weit vor, seiner Familie quasi alles bis hin zur totalen Selbstaufgabe, auch des Namens (er will mit seiner Bewegung und dem Beipackzettel - ÖVP - in die Nationalratswahl ziehen), in einer affig-arroganten Weise zu diktieren: das ist einmalig in der österreichsichen Geschichte!

Seine Forderungen - wie z.B. Liste für die Nationalratswahlen ohne Veto der ÖVP-Gremien, Entscheidung des Parteichefs über Regierungsmitglieder, Koalitionen und die Inhalte der Partei, Änderung der Parteistatuten nach den Wünschen des "Heilsbringers Kurz" u.a.m. - lassen keinen Stein auf dem anderen und kommen einer Auflösung der ÖVP gleich.

Die Frage: wie verzweifelt eine solche Partei sein muss, dass sie sich einem 30jährigen quasi durch Selbstaufgabe total unterwirft, drängt sich auf.

Zuerst KHG - und nun eben Kurz.

Erinnern wir uns noch mal an Karl Heinz Grasser (KHG), dem möglichen Vorbild für Kurz, nicht nur was den irren und abwegigen Mediahype anbelangt. KHG - von Schüssel schon als sein Nachfolger auserkoren und von Khol gerade noch im letzten Monent verhindert - beeindruckte auch die Öffentlichkeit mit seinen Sprechblasen. Besonders in Erinnerung blieben seine eigenen Lobhudeleien, die nicht nur deftig nach Lüge stanken, sondern auch eine grosse Portion Narzissmus und Selbstverliebheit in sich trugen. In so einem Stadium ist der Weg zum Arzt wohl die letzte Option. Hier ein kleiner Beleg, wie sehr er sich selbst verfallen war, als er sich als einer der besten Finanzminister selbst ausrief - um gleich mit großem Getöse am Boden der Realität aufzuklatschen.

Schüssel, damaliger Bundeskanzler, hat von all den Malversationen der Buberlpartie - es wurden bei etlichen Privatisierungen Kick-Backzahlungen (im Volksmund: Bestechungsprovision) vereinbart - nichts gewusst, sagt er. Da wurde sein so kunstvoll vom Mainstream zusammengebasteltes Image des "kleinen Metternich und großen Strategen" der Realität angepasst: und das war nicht heroisch sondern ziemlich unbedeutend. Seine Geschichte wird sich wohl nur auf sein menschliches Versagen, die größte Korruption seit 60 Jahren nicht erkannt zu haben, reduzieren.

Sehr seltsam.

Fehlt der ÖVP der Realitätsbezug?

Ein gesunder Bezug zur Realität war wohl nie ein Kernthema der ÖVP, wie das Rücktrittstheater um den steirischen, langgedienten Landesrat Buchmann aufzeigte. Ihm wurde der Dr._Titel durch die Uni-Graz wegen Nachweis des Plagiierens aberkannt und es wurden schwere wissenschaftliche Fehler dokumentiert. Während bei Buchmann um die 30% abgeschriebener Teile in der Dr.-Arbeit festgestellt wurden, waren es beim EU-Kommissar Hahn nur um die 25%. Letzterer durfte aber seinen Titel behalten - da waren wohl die Seilschaften der Schwarzen in der Uni-Wien zu stark.

Man lebt in Anstalten und hats gerne geschlossen - und die Uni als auch die Politik ist eine Anstalt. Ein Biotop.

Mal von diesen PR-Scheinheiligkeiten abgesehen, kann der präsumptive neue Chef der ÖVP auf keine Grundkenntnisse, oder gar einschlägige Berufserfahrungen in den Schlüsselfeldern: Gesundheit, Bildung, Wirtschaft, verweisen. Egal, er holt sich eben seine "Experten", so der Tenor seiner Anhänger. So weit - so unverständlich: denn wenn man keinen blassen Schimmer von diesen elementaren Bereichen hat, dann ist man nur zum Nachblabblern der vorgelegten "Papers" verdammt. Eine kritische Auseinandersetzung ist aufgrund fehlenden Wissens nicht möglich. Es wundert schon sehr, wie wenig Sachkenntnis in der Politik heutzutage eine Rolle spielt, obwohl die Welt von Jahr zu Jahr komplexer wird.

Das Archiv ist ein Hund - sagt man!

Nach kurzem Stöbern tritt so einiges an Widersprüchen zu Kurz zutage - bitteschön:

ÖVP - Kurz zitiert:

Überrascht? Ja, es ist derselbe Mann, der gleiche Politiker. Seine Wandlung in nur 2 Jahren ist sehr erstaunlich, zumal es sich offensichtlich um eine totale Schubumkehr des Charakters, der Persönlichkeit handeln muss.

Nun mag man seine damalige Ansicht - Zitat:"Der durchschnittliche Zuwanderer von heute ist gebildeter als der durchschnittliche Österreicher." (Neujahrsbuch Gerasdorf, 2015) längst vergessen haben. Gut, wir leben in dynamischen Zeiten und wer hat wirklich seine einst geäusserten Meinungen - so zwischen Instagram, Twitter und Facebook und den PR-Wellen, auf denen man so gerne durch die Medien reitet und sich dabei hochleben lässt, etc. - noch im Kopf.

Was die wenigsten wissen: Kurz war Merkel um Jahre voraus - Zitat:"Wir haben zu wenig Willkommeskultur" (ZiB24, Nov. 2014). Klar, mit der Situation ändert jeder seine Ansicht und bei der leichtesten Brise bricht ein welker Grashalm schnell in sich zusammen - stimmt. Er hat sich später korrigiert und ist Merkel in die Parade gefahren: das muss man auch mal können, nicht wahr. Ja, das sind Politiker die man promoten muss: keine Standfestigkeit dafür systemelastisches Verbiegen je nach Tageszeit?

Ach, du eiliger Sebastian ...

war der Titel in derZEIT vom 12. November 2016. Sein "Freund" und journalistischer Wegbegleiter, Herbert Lackner, SPö-affin, schrieb ihm einen öffentlichen Brief.

2011 wurde Kurz vom damaligen Vizekanzler, Spindelegger - der Vorgänger von Mitterlehner - als Integrationsstaatssekretär in sein Kabinett aufgenommen. Da war er 25 Jahre alt. Die Häme, die dem Studienabbrecher auf Facebook entgegenstieß - "Ich mache meinen Staatssekretär bei Humboldt" - hielt Lackner für "ungehörig", obowohl ihm der Wahlkampf Kurz`zum Landtag von Wien (er wollte mit einem "Geilomobil" Furore machen) nicht gefiel. Lackner lobte die Manieren des jungen Politikers und wies darauf hin, dass Kurz - er war 2013 zum Außenminister aufgestiegen - nach dem Anschlag in Paris (Charlie Hebdo) davor warnte, "alle Muslime pauschal als Dschihadisten zu sehen". In einer gemeinsamen Erklärung mit dem tschechischen Außenminister wurde beklagt, "dass nicht alle EU-Staaten das sich abzeichnende Flüchtlingsproblem ernst nehmen".

Dann bejammert Lackner die eigentümliche Wandlung seines Freundes. Nachdem die Flüchtlingswelle im August 2015 über Mitteleuropa schwappte, geschah Denkwürdiges: Tausende Menschen eilten zu den Bahnhöfen, um Syrer und Iraker mit den Nötigsten zu versorgen. Sie leisteten Hilfe, zu der der Staat nicht imstande war. Der Bundespräsident kam, um den Helfern zu danken und Kern, heute Bunbeskanzler, organisierte als Chef der Bahn den Transit auf vorbildliche Weise.

"Dich hat man auf keinem Bahnhof gesehen. Auch an einen Besuch von dir im Flüchtlingslager Traiskirchen erinnert sich niemand", so Lackner.

Gibt dir das nicht zu denken?

...stellte er zur weiteren Entwicklung seines Freundes fest. Er wies auf das Grauen auf den Flüchtlingsbooten im Mittelmeer, dem Tod durch Ersticken in einem Lastwagen hin, wozu Kurz nur lapidar meinte: "Die Leute sollen halt bleiben, wo sie sind".

Humanitätsduselei könne Kurz sicher niemand vorwerfen, musste Lackner feststellen. Weiters verwies der Journalist darauf, das durch das Schließen der Balkanroute ein Chaos auf den griechischen Inseln drohte und Kurz dies mit: "Es wird ohne hässliche Bilder nicht gehen", quittierte.

"Prinz Eisenherz" lautete darauf der Titel eines Artikels im Profil über Kurz, Aussenminister und zuständig für Integration.

Lackner beklagte den totalen Gesinnungswandel von Kurz und seine nicht vorhandene Empathie.

Kurz

- nannte Australien als Beispiel für eine gelungene Flüchtlingspolitik, trotz der allgemein bekannten katastrophalen Zustände, die dort herrschten,

- trat für die Kürzung der Mindestsicherung für Asylberechtigte, weniger Sozialleistungen für in Österreich arbeitende EU-Bürger, ein,

- war für den Verschub auf offenem Meer aufgegriffener Flüchtlingen auf nicht näher genannte Mittelmeerinseln, Burkaverbot, verpflichtende Ein-Euro-Jobs, sofortiger Beschluss einer Notverordnung,

- strich die Hilfe vor Ort in allen TV-Sendern gebetsmühlenartig hervor - tat aber das genaue Gegenteil davon! Die Hilfszahlungen für das UN-World-Food-Programm für 5 Mio geflüchtete Syrer betrugen für Österreich für 2015 9,3 Mio Euro - währenddem die Schweden mit 109 und Deutschland mit 290 Mio. Euro halfen.

Kurz, der herbeigesehnte "Führer" der letzten christlichen-sozialen (?) Bastion der ÖVP, vertrat Flüchtlingsideen, die selbst Norbert Hofer, dem blauen Präsidentschaftskandidaten zu weit gingen.

"Das mit den Inseln gehe gar nicht", sagte er. Die Frage: wo in Österreich Not ausgebrochen sei, stellten sich viele, die diese sozialen, vor allem aber menschenunwürdigen Massnahmen, nicht verstehen konnten.

Es ist nicht bekannt, dass sich der ÖVP-Messias mit solcher Energie, Inbrunst und Leidenschaft den Steuerhinterziehern der eigenen Couleur in Liechtenstein, Luxemburg und der Schweiz gewidmet hat. Aber da braucht man ja Grundkenntnisse in Ökonomie und ein bisserl Jus-Wissen - vermutlich eine unüberwindbare Hürde für Kurz.

Macht euren Dreck alleine

schrieb Andreas Weber im Trend 19/2017 und er berichtete chronologisch und sehr plausibel über den Sturz von Mitterlehner. Dass die Sache dann derartig aus dem Ruder lief, war vielleicht nicht so geplant gewesen, was nichts an der Intrige ändert.

- Das gemeinsame Weiterarbeiten bis Herbst 2018 war dem Lager von Kurz ein Dorn im Auge, weil sich jeder Kandidat in einem Jahr verbraucht und dann steht ja noch der Wahlkampf bevor;

- also musste der bissige Hund "Sobotka" vorgeschickt werden, der mit dem mit Amon akkordierten Anti-Kern-Pamphlet vorpreschte und dann den Kanzler der Unfähigkeit bezichtigte; Ziel war es, wie seit Monaten, die SPÖ so weit zu provozieren, dass sie sich in Neuwahlen flüchtete, was selten noch von Erfolg gekrönt war;

- die Lage eskalierte, Mitterlehner wollte Sobotka loswerden und fühlte schon beim Bundespräsidenten vor - davon bekam das Kurz-Lager Wind und streute Meldungen aus, dass der Vizekanzler es nicht schaffe, Sobotka zu feuern, was diesen weiter beschädigte;

- ein Vier-Augen-Gespräch mit Kurz, wo dieser dem Vizekanzler verschiedene Bedingungen für seinen weiteren Verbleib gestellt haben soll folgte: so legte er ihm nahe, auch den Kanzler direkt anzugreifen, was Mitterlehner abgelehnt hat, laut Trend;

- der Angriff der SPÖ auf Kurz blieb nicht aus und so streuten diese dann Gerüchte über den "Sesselkleber Mitterlehner";

- der ORF hat auch, in Gestalt des am meisten überschätzten "Nachrichtenvorlesers", Armin Wolf, kräftig bei der Demontage des Vizekanzlers mitgemischt, denn das Bild mit dem "Totengräber Django"

http://www.krone.at/medien/wolfs-django-scherz-der-orf-entschuldigt-sich-vizekanzler-gekraenkt-story-568707

entbehrte nicht nur jeder Berufsethik, sondern hätte in andern Unternehmen zu einer "Fristlosen" wegen Diffamierung geführt - nicht so in Österreich! Hier werden überbezahlte Journalisten als Stars eingestuft, die sich in einer inferioren Abgehobenheit anmaßen, Personen abzuwerten und sie mit primitiven Kommentaren denunzieren.

Dass Wolf Ziel von massiver und berechtigter Kritik ob seiner Denunziation des Vizekanzlers wurde, ist nicht überraschend. Natürlich beschäftigten sich auch "Satireamagazine" mit diesem primitiven Ausritt des sonst so hochgehypten Starmoderators - hochdeutsch verseuchter Begriff für einen überbezahlten "Nadchrichtenvorleser"!

Kommen Sie nach Österreich, treten sie der ÖVP bei - oder bewerben Sie sich beim ORF (Warnung: geht nur mit Parteibuch von rot oder schwarz) - wir haben es hier wirklich lustig ...

http://dietagespresse.com/nach-mitterlehner-kritik-wolf-darf-vorerst-noch-kein-waterboarding-bei-interviews-einsetzen/

Das alles ist Geschichte: Mitterlehner trat zurück.

Kurz - ein schamloser Intrigant?

Wer beim Artikel im Trend noch Zweifel hatte, wird nun durch Strolz, Chef der NEOS, eines Besseren belehrt. Sein Tweed vom 13. Mai ist an Klarheit nicht zu übertreffen: "Und sebastiankurz hör endlich auf unsere Leute durchtelefonieren. Ist schamlos & intrigant, wie gegen Mitterlehner.Lass uns da draußen!"

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Folgt heute die definitive "Scheinheilig-Sprechung"?

Das wichtigste Fundament - so sagt man - der christlich-(sozialen) Parteien, sei der Glaube. Niemand weiß dies besser als der vermutlich neue Chef jener Partei, der ÖVP, die für sich die große Nähe zum Christentum beansprucht - Kurz. Sein tiefer und aufrichtiger Glaube (ich spreche nicht vom Charakter!) klingt wie eine laukalte und langweilige Gute_Nachtgeschichte - und liest sich wie im Link erwähnt. In dem kleinen Ausschnitt "glaubt" Kurz gleich 13 x ... an dies & das, irgendwas halt.

Bei all diesen Märchen

...den massenmedial verbreiteten Lügen und Achterlwahrheiten...der Zudichtung von herausragenden Fähigkeiten ohne jeglichen Realitätsbezug oder dem Nachweis einer soliden und abgeschlossenen Grundausbildung - egal in welchem Bereich...der völligen Absenz von so was wie Berufserfahrung im Leben "da draussen", für die die Politiker (nein, ich meine nicht Kurz) das Leben leichter machen sollen...der journalistischen Lobhudelei, nur weil jemand mal ein Bier für einen bei der Schlacht am kalten Buffett mitbrachte...dem volksverblödeten Hype um einen Heilsbringer, so als ob ganz Österreich bis dato im Mittelalter gelebt und nur auf DEN Erlöser gewartet hätte...der Glorifizierung weit jenseits des Hausverstandes von Menschen ...

ist der Verweis auf ein Sprichwort quasi der letzte Ausweg, doch noch so was Ähnliches wie Vernunft einkehren zu lassen:

"Den Menschen wurde das Hirn zum Denken gegeben - vielen bleibt es ein Leben lang erspart". (Obersteirische Lebensweisheit)

Ist die ÖVP reif fürs Kabarett?

Also, wenn Sie mich fragen? Gut, haben Sie nicht und so verweise ich Sie auf einige Versuche, sich dem Parteichefdilemma der ÖVP mit dem absolutistischen Anspruch des allwissenden "Führers", satirisch zu nähern: bitteschön.

1 - Der spirituelle Zugang

2 - Keine Angst: es ist nur für kurze Zeit...

3 - Willst Du die totale Macht?

P.S.

Egal welche Variante Ihnen persönlich am besten zusagt, heute Abend werden wir alle "Erleuchtete" sein ...

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Es mag für einige erstaunlich klingen - aber ich weiß bei Kurz bis heute nicht, worin seine ausserordentlichen Fähigkeiten, seine politische Weitsicht, seine humanitären Werte, sein Wille, sich für die Menschen Österreichs einzusetzen und schlicht seine Motivation, seine Begründung, dass gerade ER sich für den Job des Bundeskanzler berufen fühlt, bestehen sollen.

Sie vielleicht?

Häupl, Landeshauptmann von Wien, antwortete im Kurier vor ca. einem Jahr auf die Frage, wie er den Shooting-Star der ÖVP einschätze, wie folgt:"Kurz hat in den Jahren seiner Tätigkeit im Wiener Landtag eine einzige Frage an mich gerichtet: ob es möglich wäre, das Alter für Ordensverleihungen zu reduzieren, damit auch Jüngere davon profitieren. Kurz sieht halt nur jung aus . . . " (sinngemäß zitiert).

00:48 16.05.2017
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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