ORF/ Wolf erhält Corti-Preis...statt Zitrone?

ORF, Armin Wolf, Medien "Scheinheiligkeit und Lüge sind die einzige Gesellschaftskleidung, die noch nie aus der Mode gekommen ist". (Prof. Querulix)
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Armin Wolf erhielt den Axel - Corti-Preis.

Hätte er nicht eher die gelbe Zitrone verdient?

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Anmerkung:

- wer Axel Corti war kann man hier nachlesen

- Der Erwachsenenpreis des Fernsehens wird für "erwachsenenbildnerisch besonders wertvolle Leistungen im Rahmen von Sendungen im österreichischen Fernsehen vergeben."

- Die Dankesrede Wolfs, die hier ua. kritisch betrachtet wird, kann man hier nachlesen.

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Eine kurze Vorgeschichte:

Armin Wolf, der "Anchorman des ORF" und von vielen als Starjournalist angesehen, hat es in der ZiB-2 (vergleichbar den Tagesthemen/Heute gegen 22.00h) zu einer gewissen Reputation gebracht.

Sein eher inquisitorischer Interviewstil (nach den Empfindungen der interviewten Politiker - Faymann, ex_Bundeskanzkler reagierte öfters brüsk bis er jahrelang Wolf kein Interview mehr gab) wurde zuletzt nicht nur von Politikern heftig unter Beschuss genommen. Dies ging hin bis zu offenen Job_Drohungen, als auch dem Plan, durch ein neues ORF-Gesetz - das bei einer ÖVP_FPÖ_Regierung sehr wahrscheinlich ist - Einfluss auf die Informationssendungen des staatlichen Rundfunks zu nehmen.

Andererseits hat sich Wolf selbst durch sein nicht gerade zimperliches Verhalten - selbst reagiert er eher dünnhäutig und ist leicht "ang`rührt" wie man in Wien sagt - etliche Feinde gemacht.

In seinem letzten Interview mit dem abdankenden, sehr mächtigen Landeshauptmanns Niederösterreichs, Erwin Pröll, hat er einen wichtigen Schritt dazu gesetzt, dass die "Privat-Stiftung-Pröll" (es ist einmalig dass ein LH durch Steuergelder eine private Stiftung errichtet - und das Geld, etwas mehr als 1 mio Euro jahrelang herumliegen lässt und nicht verwendet), vor einigen Tagen endgültig aufgelöst wurde.

Sehr gut so!

"Django - die Totengräber warten schon" ...

so demütigte Wolf, der ZiB2-Moderator, Mitterlehner. Dass der ex-Vizekanzler dies gerade in Zeiten der zunehmenden Intrigen gegen seine Person, als demütigend emfand, war vielen klar - nicht Herrn Wolf. Mitterlehner, dem der Nickname "Django" zugeordnet wurde, schmiss genervt das Handtuch und legte alle politischen Ämter sofort zurück. Jeder in der Republik wusste um die Intrigen die die "Kurz-Partie" (Sebastian Kurz, neuer ÖVP-Chef) als auch Sobotka, der Innenminister von Prölls Gnaden, gegen Mitterlehner ritten.

Auch der Tod der Tochter von Mitterlehner nur einige Wochen zuvor, war allen Österreicherinnen bekannt - nur nicht Hr. Wolf ... ?!

"Der ORF entschuldigte sich für den „Django“-Scherz Wolfs. Man müsse „zur Kenntnis nehmen, dass dies von Mitterlehner als persönliche Kränkung verstanden wurde, dies tut uns leid“, erklärte TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher in einem Statement. Später entschuldigte er sich bei Mitterlehner auch in der "Zeit im Bild". „Wenn sich jemand gekränkt fühlt, dann tut man gut daran, dies auch ernst zu nehmen“, so Dittlbacher - dies „ungeachtet der aktuellen politischen Situation, die ja heute im Rücktritt des Vizekanzlers gemündet ist“. (Kurier, 10. Mai)

Ob seiner pietätslosen Diffamierung Mitterlehners, stand er von allen Seiten stark unter Beschuss. Zwar entschuldigte sich Wolf bei Mitterlehner: ... "er habe über den Tod Mitterlehners Tochter nicht Bescheid gewusst" ... usw., doch diese kam nicht gerade mit grosser Reue aufgeladen über die Rampe.

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Exkurs: von der Macronisierung, pardon: Mikromundisierung ...

Seit Macron/Kern/Kurz sind wir die übelriechenden Selbstlobeshymnen der Polit-Stars gewohnt. In nur einem Jahr scheinen sich die "Heilsbringer und Wunderwuzzis" - mit Ausnahme Deutschlands - inflationär nur so zu tummeln...

Macron - ist der Überflieger und Raketenaufsteiger der in einer eigenen Weltklasse dahersurft - immer brav hochgejubelt von seinen Milliardären im Medienorgelzirkus. Irgendwie haben sich erste Kratzer im Image eingeschlichen, weil gleich 4 seiner Minister wegen Korruptionsvorwürfen gehen mussten. Natürlich hat dies Macron nicht im Voraus wissen können . . . wo denken Sie hin. Ob es ihm quasi als erste "Auftragsarbeit des Industrie- und Geldadels" gelingt, durch seine Aushebelung der Arbeitsgesetze auch gleich die Gewerkschaften zu demontieren, wird man sehen.

Kern - ein Bewunderer Macrons und mit ihm auf gleichem Niveau - beide sind weder links noch rechts zuzuordnen - hat sich mit seinem Sager: 95% der Politik ist Inszenierung, selbst am besten charakterisiert. Seit er sich als Pizzalieferant verdingte - eh nur einen Abend, eine Woche dürfte er kaum durchhalten - zweifeln auch die Österreicherinnen nicht mehr an seiner klaren Aussage. Die Luftnummern zu seinem Steuerkonzept stehen jenem von Kurz nur wenig nach. Sein Meisterstück - er verfügt, wie Macron und Kurz, über keine Grundkenntnisse in Ökonomie - lieferte er gleich nach einigen Wochen: Kern schenkte den Banken 650 Mio Euro, ohne Not. Kurz darauf berichteten die Banken von den größten Gewinnen zum Halbjahr 2016 . . .

Kurz - der Liebling aller Mütter, die ihn sich als Schwiegersohn so gerne wünschen, ist ein klassisches Produkt der "Ösi-Raiffeisenmedien". Sein Aufstieg zum Messias der ÖVP wird von niemand geringerem als dem Ex-Bundeskanzler Schüssel (der weder über die Korruption der Eurofighter noch die Provisionen, die die FPÖ_Buberlpartie abkassierte, was gewusst haben will) beratend begleitet. Mit seinem nobelpreisverdächtigen Vorschlag die Abgabenquote von 43 auf 40% zu senken, was ca. Einsparungen von 12-14 Mrd bedeutet, liegt er voll auf der Linie der bürgerlichen Presse in Österreich. Dass er dabei Einnahmen von Ausgaben nicht zu unterscheiden vermag (wenn man Steuervergünstigungen streicht steigen die Steuereinnahmen und somit die Abgabenquote - sie sinkt nicht!)... wird auch von den eilig herbeibestellten Experten nobel ausgeblendet:

einem Wunderwuzzi widerspricht man nicht. Basta!

So ungefähr ist das neue Programm der österreichischen "Systemkünstler" - Entertainer, Schmähführer, Möchtegernkabarettisten und G`schichtldrucker etc. - zum Thema: Mikromundisierung der Welt...aufgebaut.

Exkursende.

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Die weinerliche Rede Wolfs hat mit Qualitätsjournalismus wenig zu tun, zumal er seine eigenen Fehler nicht erwähnt: deshalb eine Klarstellung:

1.) Echter Qualitätsjournalismus hat 4 wichtige Merkmale:

- fremde Quellen werden immer als solche benannt und explizit angeführt,

- eigene Meinungen, Positionen haben außen vor zu bleiben, weil das Pro/Contra der divergierenden Standpunkte der Parteien, Wissenschafter etc. – und eben nicht der eigene! – im Vordergrund stehen müssen,

- ein Bericht muss immer auf einer professionellen Recherche beruhen und ist so neutral und objektiv wie möglich abzufassen - Personen zu diffamieren ist ein absolutes NO GO!

- guter Journalismus darf sich nie mit einer speziellen Sache „gemein machen – und diese Position beziehen“.

2.) Die Rede Wolfs bezieht sich kaum auf diese Qualitätsmerkmale. Sie drückt nur seine dünnhäutigen Befindlichkeiten aus - unter (bewusster?) Ausblendung seiner eigenen Unzulänglichkeiten.

Wolf verdient, gemessen an den internationalen Qualitätsstandards, die gelbe Zitrone, weil er

- z.B. bei der jahrelangen Syrien-Berichterstattung n i e die Quelle nannte, woher der ORF seine Informationen dazu bezieht: sie fußen nicht auf einer halbwegs objektiven Berichterstattung vor Ort (Aleppo z.B.) sondern auf der Meinung eines einzelnen Mannes und der sitzt in Coventry und ist alles andere als unparteiisch. Auch wird - bewusst? - der völkerrechtswidrige Krieg der westlichen Allianz in Syrien völlig vom ORF ausgeblendet: wieso? Bei Berichten über die "Weisshelme" vergaß man einfach darauf hinzuweisen, dass Fotos von Opfern gestellt wurden. Sogar CNN musste dies in seinen Berichten bereits im November 2016 "korrigieren" - der ORF tat nichts dergleichen!

- die Entwicklung zum dünnhäutigen und abgehobenen „Star_Journalismus“ durch den Fokus auf die eigene Meinung, die eigene Position mit_geprägt hat; dies trifft auch auf penetrante Interviews zu, wo durch das stete Wiederholen als auch das Unterbrechen des Gastes, das Gespräch in eine gewisse Richtung gelenkt werden soll; zusätzlich wird oft - vor allem in Talkshows - durch "Politcal Framing" eine bewusste Abwertung (Verschwörungstheoretiker z.B.) der Teilnehmer vorgenommen als auch kontroversielle, nicht dem Mainstream dienende Meinungen unterbunden und abgedreht werden.

Guter Journalismus hingegen, stellt das Thema - die Sache und den Gast - in den Vordergrund und hält sich mit eigenen Bewertungen/Meinungen zurück;

- die Neutralität/Objektivität zu wenig beachtet:

er erwähnt auch in dieser Rede Mitterlehner als „negatives“ Beispiel – vergisst aber seine eigene Rolle die er bei der billigen Diffamierung des Vizekanzlers (Django-Hinweis) spielte – und genau das ist DIE Todsünde jedes Journalisten, der ernst genommen werden will:

man wertet „Andersdenkende“ nicht ab – und denunziert diese nicht!

- über keine ökonomischen Grundkenntnisse (er hat Politikwissenschaften studiert und brauchte dafür 29 Semester) verfügt und sich jeder vernunftbegabte Mensch die Frage:

was genau befähigt ihn - nebenberuflich - bei einer Raiffeisenbank–Tagung „über Banken“ zu referieren? stellt.

Dass Wolf hier den fundamentalen Grundsatz – dass sich KEIN Journalist mit irgendeiner Sache g e m e i n machen darf – nicht beachtet, untergräbt seine Position als ZIB2-Moderator zur Gänze. Niemand kann sicher sein kann, dass der "ORF-Journalismus nicht käuflich“ ist! Eine Verquickung von Nebenjobs, auch wenn vom Chef bewilligt, mit dem Bankensektor, der seit 2008 für die grösste Finanzkrise der Menschheit sorgte, ist völlig inkompatibel.

Dass dies jeder Berufsethik widerspricht, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Anmerkung:

Auch was die Berichte über den Klimawandel betrifft, wird eine Einseitigkeit vorgelebt, die (nicht nur von Wolf), einem auf Qualität und ausgewogener Berichterstattung abzielenden Journalismus widerspricht. Eigene Präferenzen haben hint an zu bleiben - und ein qualitatives Pro-Contra der wissenschaftlichen Befunde ist in einfacher Sprache darzustellen.

Dem Unterschied zwischen Tatsachen (bis in die Mitte der 1980er Jahre sanken die Temperaturen des Planeten jahrelang und alle Klimaforscher prognostizierten eine kommende "Eiszeit"?!) - und einer Vorschau über 30-100 Jahre, die mit vielen Unsicherheiten behaftet ist, wird von fast allen Medien nicht in einer neutralen objektiven Berichterstattung Rechnung getragen.

Auch hier entsteht der Eindruck, dass die Journalisten einseitig und propagandistisch, ohne Bezug zu der gesetzlich festgelegten Objektivität, berichten.

Denken können alle Zuseher sicher selbst genau so gut, wie die selbsternannten "Stars" .

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Aus diesen Gründen - nebenberufliche Tätigkeit für Banken ohne wirtschaftliches Basiswissen ... öffentliche Diffamierung von Personen ... sich für eine Sache vereinnahmen lassen, was ein absolutes NOGO ist ... fehlende Hinweise zu Informationsquellen bei sensibler Berichterstattung zu Kriegen wie in Syrien z.B., usw. - ist Herr Wolf nicht die kompetente Person, die den Corti-Preis erhalten sollte.

Eine gelbe, frische Zitrone wäre ob seiner Fehlleistungen besser gewesen - vielleicht hätte diese ein Umdenken bei ihm eingeleitet?

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P.S. Wie wenig Wolf am Puls der Zeit ist zeigt sein BBC-Zitat: „Von der BBC gibt es ein schönes altes Motto: Wir wollen unser Publikum unterstützen, qualifizierter am demokratischen Diskurs teilzunehmen“ auf, zumal gerade der BBC, vor allem die letzten Monate, x-mal von vielen Seiten völlig zu Recht vorgehalten wurde, betreffend der Reports zu Labour / Jeremy Corbyn sehr "einseitig und selektiv" berichtet zu haben.

Viele Persönlichkeiten - wie Ken Loach, ausgezeichneter Filmregisseur - haben auf diese Propaganda der BBC hingewiesen. Dies müsste einem Medienmann vom Schlage eines Armin Wolf ... eigentlich bekannt sein.

Siehe u.a. - "The BBC may have “lost” the election, but it was not during the campaign – rather through its years of brazen pro-EU bias . . . Push came to shove with Brexit. Anyone who knows the BBC knew that its staff were overwhelmingly for remain"...

und:

"There is no such thing as “pure” news.

Everything you read in a newspaper or hear on a radio, every question asked and answered, is the outcome of a human decision to accord it priority over another item. That even applies to humans who program computers to privilege certain stories. All information is “edited” by someone claiming a right to choose, a licence ... to bias."

01:30 23.06.2017
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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