REVOLUTION: Island nimmt Banken das Geld weg!

Geld, Macht, Banken "Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Worte und Taten der Politiker zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der Mehrheit" (Brecht)
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https://lh5.googleusercontent.com/-ZRz3PcWrnPU/VTUrPjgQKBI/AAAAAAAAA1g/BAv1TiqLaFs/w958-h719-no/2015%2B-%2B4%2B-%2BISLAND%2B-%2BPrimeminister%2Boffice%2B-%2BReport.jpg

Quelle: Der Brief/Vorschlag an den Premierminister., 31..3.

http://eng.forsaetisraduneyti.is/news-and-articles/reform-of-the-monetary-system

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"Over time - who ever controls the money system,

controls the nation"

(Stephen Zarlenga, Director, American Monetary Institute)

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In his foreword to the report, Lord Adair Turner, former chairman of the UK Financial Services Authority and chair of the policy development committee of the international Financial Stability Board, said of efforts to make the existing financial system more stable

“have still failed to address the fundamental issue – the ability of banks to create credit, money and purchasing power, and the instability which inevitably follows. As a result, the reforms agreed to date still leave the world dangerously vulnerable to future financial and economic instability.”

Prime Minister Gunnlaugssonsaid:

The findings will be an important contribution to the upcoming discussion, here and elsewhere, on money creation and monetary policy.”

Frosti Sigurjonsson, the MP who wrote the report stated: “Iceland, being a sovereign state with an independent currency, is free to abandon the present unstable fractional reserves system and implement a better monetary system. Such an initiative must however rest on further study of the alternatives and a widespread consensus on the urgency for reform.”

Seitdem Island Ende März seine Absicht - den Banken die Buchgeldschöpfung einfach wegzunehmen und sie der Zentralbank zu übertragen - öffentlich machte, gab es international ein starkes Presseecho. Ja, viele sprachen berechtigerweise von einer (Geld-)Revolution! Schauen wir uns die Pressemeldungen, auszugsweise, ein bisserl an.

Internationale Medien:

Über Islands Geldrevolte berichteten, wie eh fast immer, die „üblichen Verdächtigen“. . .

* “Iceland looks at ending boom and bust with radical money plan“ war die Headline am 31. März des “Telegraph”. Und weiter:

„Icelandic government suggests removing the power of commercial banks to create money and handing it to the central bank”. Dass diese Nachricht mehr als 18.000 mal verteilt wurde, ist ein Zeichen des großen Interesses, was auch mehr als 400 Kommentare unterstreichen. Ja, viele Nischengazetten erreichen nicht mal eine Auflage von über 15.000 Stück. http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/11507810/Iceland-looks-at-ending-boom-and-bust-with-radical-money-plan.html

* “Fed up of crises, Iceland mulls a monetary revolution” titelte France24h nur ein paar Stunden später http://www.france24.com/en/20150401-fed-crises-iceland-mulls-monetary-revolution/ (1. April – 00H25) und bezog sich auf einen AFP/File. Leider war der Link 2-3 Tage später bei AFP nicht mehr verfügbar. http://www.afp.com/de/news/3379514/

* Zerohedge berichtete fast zeitgleich am 1. April von diesem epochalen Schritt der isländischen Regierung:

„Who knew that the revolution would start with those radical Icelanders? It does, though.

One Frosti Sigurjonsson, a lawmaker from the ruling Progress Party, issued a report today that suggests taking the power to create money away from commercial banks, and hand it to the central bank and, ultimately, Parliament. Iceland Stuns Banks: Plans To Take Back The Power To Create Money”

http://www.zerohedge.com/news/2015-04-01/iceland-stuns-banks-plans-take-back-power-create-money#comment-form

* Selbstverständlich schrieb auch PositiveMoney.Org sofort darüber: “Fundamental reform of the monetary system must be considered.” Says head of Iceland Parliament’s Committee for Economic Affairs. http://www.positivemoney.org/2015/04/iceland-fundamental-reform-monetary-system-must-considered/

Deutschsprachige Online- und Printmedien:

Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben und schnell querrecherchiert, las man über die isländische Revolte vor allem in den bekannten Onlineportalen. Mit kurzer Verzögerung bei Vollgeldinitiative.ch und einen Tag später, am 2. April, auch bei Dirk Müller`s Cashkurs.com und den Goldseiten.de.

http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/islands-regierung-legt-axt-an-wurzel-an-kommerziellen-geschaeftsbanken-soll-macht-zur-geldschoepfun/

Mit einiger Verspätung folgten Cicero.de und Heise.de/Telepolis am 8. April mit einem kurzen Bericht. http://www.heise.de/tp/artikel/44/44609/1.html.

Gibt man Island bei den allseits hoch gelobten (hab ich nie verstanden) Nachdenkseiten.de in das Suchfeld ein, so landet man bei einem Eintrag aus dem Jahre 2013. http://www.nachdenkseiten.de/?s=island&Submit.x=0&Submit.y=0

Über die Stornierung des isländischen Beitrittsantrages zur EU Mitte März berichteten einige Zeitungen, die sich so gerne das „Qualitätsmascherl“ umhängen, wie die FAZ, dieZeit, der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung (SZ). Gibt man z.B. bei der SZ Island als Suchbegriff ein, so erfährt man zwar viel über Reisen in den hohen Norden – über die Geldrevolution aber nix. . .

Mit einigen Tagen Verspätung (verständlicherweise war der Absturz des German-Wings-Flugzeuges das bestimmende Thema) folgten dann zwei deckungsgleiche Berichte im Tagesanzeiger (288 Kommentare) und der Berner Zeitung vom 10. 4. http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/konjunktur/Island-liebaeugelt-mit-der-Geldrevolution/story/31573626

Am 15. April erschien im Standard ein interessantes Interview mit Frosti Sigurjonsson, der diese Initiative ins isländische Parlament brachte. Was an seinem Vorschlag „provozierend“ sein soll, bleibt das Geheimnis des Journalisten Szigetvari, der nicht wirklich als ökonomische Lichtgestalt wahrgenommen wird.

http://derstandard.at/2000014283313/Sigurjonsson-Banken-das-Recht-zur-Gelderschaffung-wegnehmen

Und im Freitag? Bei der Suche wird…„man hier auch nicht geholfen“… https://www.freitag.de/@@search?SearchableText=island&SubmitSearch=Suche und bei Island+Geldreform oder gar Island+Geldrevolution erscheint . . . ?

Nun, was sagen die ÖkonomInnen . . . so?

http://www.positivemoney.org/2015/04/economists-saying-icelands-sovereign-money-proposal/

* In einem Beitrag zur Serie “The Death of Banks” schreibt Mathew C. Klein am 8. April in der FT: „Icelands grand monetary experiment? One of the oddest things about the aftermath of the financial crisis is the extent to which things haven’t changed.” Und weiter:

“The essential proposal will sound familiar: separate money — the stuff we use for emergency savings and transactions — from credit, which is inherently risky but promises the possibility of higher returns. The Central Bank of Iceland would become the sole provider of “money” … and safeguard it in “risk-free, electronic safe deposit boxes”.

http://ftalphaville.ft.com/2015/04/08/2125780/icelands-grand-monetary-experiment/

* Der ehemalige Vorsitzende der UK Financial Services Authority, Lord Adair Turner , schreibt im Bericht:

“It proposes a radical structural solution to the problems we face. The feasibility and merits of that specific solution need to be debated. But whatever the precise policies pursued, they must be grounded in the philosophy which this report proposes

thatmoney creation is too important

to be left to bankers alone.”

* Reuters.com - Edward Hades, ein mehrfacher Uni-Professor, dürfte die Erzeugung des Geldes (fast) nur durch private Banken und die dadurch entstehenden, verheerenden Auswirkungen nach meinem Dafürhalten nicht wirklich verstanden haben (haben wollen?), denn ...“foreign currency inflows and shadow banking“... haben mit der Buchgeldschöpfung per se und dem isländischen Vorschlag nichts zu tun.

Sein Schlusssatz im letzten Absatz ... The bankers’ lucrative money-creating power could be threatened by a monetary revolution which started in Reykjavík… hat die Macht der privaten Banken und ihr “Geld aus dem Nichts – Privileg“ treffend beschrieben, als auch die Gefahr . . . , die diesem revolutionären Vorschlag inne wohnt!

http://blogs.reuters.com/edward-hadas/2015/04/08/iceland-may-have-cure-to-bad-banking/

* Flassbeck-Economics: so wie bei den deutschen Leitmedien findet man auch auf seiner Homepage keinen Kommentar zum Vorschlag der isländischen Regierung, das Geldsystem zu reformieren. Sonderbar, zumal er x -Elaborate über das Geldsystem schrieb und sich auch mit dem einen oder anderen Kritiker in die Haare kriegte. Nee - dass er es nicht las, halte ich für unwahrscheinlich.

http://www.flassbeck-economics.de/?s=island

http://www.flassbeck-economics.de/?s=island%2Bgeldreform

* IFO – Institut: beim ... ach so hochgehypten Institut unter der Leitung des Star-Ökonomen, Hans Werner Sinn, wird man auch nicht fündig.

Eigenartig, weil gerade er, überall und jederzeit präsent ist und sich auch keines noch so schrägens Kommentars enthält. Dass er davon nichts las/hörte und nicht mal informiert wurde, kann ich nicht glauben. http://www.cesifo-group.de/ifoHome/search/result.html?main.query=iceland&main.search=+

* Weder das WIFO (Wirtschaftsforschungsinstitut) noch die zweite österreichische Institution, das IHS (Institut für höhere Studien), nehmen vom geplanten Umbau des Geldsystems in Island Notiz. Dass dies der Chef des WIFO, Dr. Aiginger, nicht zur Kenntnis nehmen will - davon gehe ich aus. Dies vor allem deshalb, weil er bei einer Tagung der Nationalbank (In the Aftermath of the Crises) im Jahr 2009, auf meine Frage: Wie man überhaupt über die größte Finanzkrise aller Zeiten debattieren könne, o h n e das Schuldgeldsystem anzusprechen? lapidar meinte:

"I don`t want to discuss this"!

Ich habe auch noch nie erlebt, dass das IHS zur Gelderzeugung Stellung bezog. Nein - da kommt sicher nix mehr.

http://www.wifo.ac.at/jart/prj3/wifo/main.jart?rel=de&reserve-mode=active&content-id=1243586781429&search=island

https://www.ihs.ac.at/index.php?id=376&L=2&tx_kesearch_pi1%5Bsword%5D=island&tx_kesearch_pi1%5Bpage%5D=1&tx_kesearch_pi1%5BresetFilters%5D=0&tx_kesearch_pi1%5BsortByField%5D=&tx_kesearch_pi1%5BsortByDir%5D=asc

* Mises-Institut-Deutschland – 8.4. „Island „liebäugelt“ mit Vollgeld“.

http://www.misesde.org/?p=9815

Fast hätte ich es vergessen – deswegen schnell nachgeholt. Ich werde später auf die Kritik am Vorschlag Islands eingehen, deshalb vorweg nur ein paar Anmerkungen zum Punkt - Geldproduktion:

Die Behauptung, souveränes Geld würde die Blasenbildung und Fehlallokation nicht verhindern, zeigt, dass die Mises-Jünger den Vorschlag Islands nicht zu Ende gedacht haben. Es gibt k e i n Geld für spekulative Zwecke, sondern das Geld kommt über den Staat selbst (er kann sich deshalb auch nicht mehr verschulden!) und als Investition z.B. über die Unternehmen in den Wirtschaftskreislauf:

die Banken fungieren nur mehr als „Vertriebsstellen“, ähnlich einer Aldi oder Tengelmann-Filiale. . .

Wieso man ein Geldsystem, dass zu 100 Finanzkrisen in 40 Jahren führte (IWF), verteidigt, finde ich weder logisch und noch weniger schlüssig – aber bezeichnend.

Zitat: „Der Staat wird, wenn er das Vollgeld durch den Kauf von Gütern ausweitet, zum Eigentümer der Güter. Doch welche Güter soll er kaufen? Äpfel, Autos oder Häuser?“ Solche Argumente sind mit naiv wohlwollend umschrieben, zumal auch heute der Staat bei Eigeninvestitionen Eigentümer wird – und bei Unternehmern ändert sich auch an deren Eigentumstitel nichts, sondern es wird nur den Banken ihr „Geld-aus-dem-Nichs-Monopol“ entrissen.

* Allerletzter Versuch – Bundesbank + Nationalbank (ÖNB):

Wieder NULL Ergebnis - ich glaube es nicht!

Bei der Bundesbank wundert mich dies sehr, weil gerade Dr. Jens Weidmann in seiner Rede vor ca. 2 Jahren genau das "Geld aus dem Nichts" der Zentralbanken explizit erklärte. Hätte mir wirklich ein klares Statement von ihm erwartet - aber vielleicht wird er noch dazu motiviert. Mal gucken.

http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2012/2012_09_18_weidmann_begruessungsrede.html

Bei der ÖNB gibt es zwar unter „Island+Geldreform+2015“ ca. 710 Treffer, Kommentare zur Geldrevolution Islands konnte ich in den ersten 10 Seiten aber nicht entdecken. Nun, der Governor, also der Boss, Dr. Nowotny, schreibt noch immer, dass die Banken "nur das Geld der Sparer als Kredit in die Wirtschaft weiterreichen würden"...

Damit offenbart er nicht nur seine erschreckende Unkenntnis im Rechnungswesen, sondern stellt sich auch diametral zu den Erkenntnissen sowohl der BANK of ENGLAND als auch der BUNDESBANK!

"Off the record" - er lag auch bei der Einschätzung der Bankschuldenkrise (wird Europa nicht treffen) und der Tiefe der Rezession 2009 um Mount_Evereste ... daneben, m al davon abgesehen dass die ÖNB beim Kriminalfall - Hypo eine neuen Begriff - "Not distressed" - erfand. Damit müsste sie in das Guiness Buch der Rekorde aufgenommen werden - der Antrag soll in den kommenden Wochen gestellt werden...

Nein, da kommt nix mehr. Es wird verbissen um die eigene - längst en detail widerlegte - Position gerungen, denn es gilt: Was nicht sein darf - nicht ist. Basta. Oder so - halt. Durchwurschteln bis zum letzten Arbeitstag - "Banking a la Austria".

https://www.bundesbank.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Servicesuche_Formular.html?resourceId=42&input_=222&pageLocale=de&templateQueryString=island&sortString=-score&sortString.HASH=c15e15dcdea1d5cccc51&searchArchive=0&searchArchive.HASH=1c212ea4a61402b780e4&searchIssued=0&searchIssued.HASH=a21b787bb2961457d866&submit=Suchen

Die 4. Gewalt – HALLO . . . ist da jemand?

Leo Tolstoy stellte vor mehr als einem Jahrhundert fest: "Money is a new form of slavery, and distinguishable from the old simply by the fact that it is impersonal, there is no human relation between master and slave.

Ja, irgendwie tut man sich (etwas) schwer, den sog. Leitmedien - ob mit oder ohne Qualitätsanspruch ist völlig egal - einen Vorwurf daraus zu stricken, wieso sie nicht über die isländische Revolution berichteten, wenn dies weder die „Gurus“ der Ökonomengilde noch die Zentralbanken tun.

Andererseits stelle nicht nur ich mir die Frage, was die Damen/Herren in den "Herausgeber- + Chef-und-darunter-Redaktionsstuben" überhaupt von ökonomischen Zusammenhängen verstehen, wenn sie (Ausnahmen bestätigen die Regel) nicht mal ansatzweise die Geld aus dem Nichts = Buchgeldschöpfung der Privat-Banken verstanden haben.

Nachdem eine größere Diskrepanz zwischen der eigenen, überdimensionalen Eitelkeit der "wirtschaftsverstehenden" Journalistinnen und dem WAS IST - also den makroökonomischen Tatsachen - besteht, wäre es, insofern man am Anspruch: WIR sind die 4. Gewalt, festhalten will, überfällig, sich einfach mal selbst schlau . . . zu machen, einige Kurse zu belegen . . . um so das rudimentäre Wissen etwas aufzufrischen.

Ungern aber bestimmt - verweise ich auf das

Zitat von Brecht!

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Dazu ein Beispiel vom 22. April: Gabriel`s Vorschlag von „Infrastrukturfonds“.

Der Staat hat kein Geld, um in seinen vwl. Kapitalstock, also in sein Volksvermögen zu investieren um so seine Substanz zu erhalten und so taucht die nicht ganz neue Idee auf, doch Banken und Versicherungen an solchen Großinvestitionen in die eigenen Infrastruktur zu beteiligen. Bürger sollen nicht ausgeschlossen werden und können ihr Erspartes abliefern: sie erhalten dafür einen minimalen Steuerobulus.

Nun – geldsystemisch betrachtet ist die Sache simpel:

- der Staat kann Geld in unserem Geldsystem nur durch höhere Steuern und/oder neue Schulden aufbringen und zahlt im letzteren Fall Zinsen an die Banken;

- die Banken erfinden eine neue Buchungszeile aus Luft und stellen die Mrd. Euro locker und jederzeit, o h n e sich (netto) zu verschulden, zur Verfügung. Dafür wollen sie natürlich eine Rendite = den Zins(eszins).

Wenn der Staat selbst seine „souveränen Buchungszeilen = Geld“ erzeugt, braucht er

1.) sich nicht bei Banken verschulden

2.) dafür keine Zinsen zahlen und

3.) auch nicht die BürgerInnen mit höheren Steuern abzocken und quälen.

Und - nicht zu vergessen: für die Realwirtschaft ist es völlig egal, wer die Buchungszeilen für ihre Aufträge erzeugt.

Klingt einfach – ist es auch!

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Zurück zu Island und der angekündigten Revolution.


Olafur Ragnar Grimsson:

ein Präsident mit Format und Charakter.

Der isländische Präsident ist in vieler Hinsicht eine echte Ausnahmeerscheinung. Gäbe es nur mehr Vollblutpolitiker von seinem Format und seinem Charakter!

Er studierte in Manchester und zog 1978 für die linke „“People`s Alliance“ in das Parlament ein und war von 1988-1991 Finanzminister. 1996 wurde er Präsident und 2012 bestätigten ihn die Menschen in diesem Amt zum fünften Mal - ein einsamer Rekord in den westlichen Demokratien. Er spricht immer Klartext und hat durch seine Vetos 2010 und 2011 eine Entschädigung für holländische und britische Investoren in der größten Krise Islands verhindert.

Damit bewahrte er die Isländerinnen vor jahrzehntelanger Schuldknechtschaft und er tat damit das genaue Gegenteil dessen, was die irische Regierung ihrem Volk aufhalste. Er schmettert die internationale Kritik am Vorgehen Islands locker ab und ist ein ruheloser Kämpfer in Klimafragen.

Das Interview mit FOX NEWS anlässlich des Treffens der Weltelite in Davos 2013, ist für mich ein Highlight für klare Worte, einer Vision und Mut das Richtige entgegen allen Ratschlägen der EU, des IWF und der USA, zu tun. Ich führe ein paar sinngemäße Zitate daraus an:

https://www.youtube.com/watch?v=e9OP1V43vbc

Min 1.08: ... „In unserem Fall haben wir uns entschieden, die Banken pleite gehen zu lassen. Sie waren Privatbanken – und wie ich schon öfters sagte – habe ich nie verstanden, aus welchem Grund Banken als die heiligen Kühe der Wirtschaft angesehen werden. Während es als normal angesehen wird, dass wir andere Unternehmen bankrott gehen zu lassen, kommen alle plötzlich gelaufen, sobald eine Bank in Schwierigkeiten ist und rufen: Nein, nein, nein das darf nicht passieren".

Min. 2:20: ...“Wir wandten uns mit unserer Politik gegen die `orthodoxe Sicht, die in den USA und Europa vorherrscht` ... und jetzt, 4 Jahre später, erholt sich Island in bemerkenswerter Weise".

Min 2:46: „ Wenn die privaten Banken pleite gehen, wieso sollten normale Menschen – Steuerzahler, Lehrer, Krankenschwestern, Arbeiter – den Preis dafür zahlen und die Last tragen?“

Min 4:06: ... „Wenn eine Demokratie mit einer solch tiefen Finanzkrise fertig werden muss, müssen sie einen politischen Prozess einleiten, der den Menschen klar macht, welche Last sie tragen und welche Opfer sie zu bringen haben . . . dies kann nur auf demokratische Weise geschehen. Wir verstießen nicht nur gegen die traditionelle Auffassung vom Wohlfahrtsstaat, der Finanzpolitik und der Besteuerung, sondern wir führten auch Devisenkontrollen ein und werteten unsere Währung ab“.

Ich weiß nicht, an was/wen Sie gerade denken, aber ich . . .

Verrat auf Nummer sicher ...

war der Titel eines Kommentars von Harald Schumann in derZEIT vom 16. Feber 2010.

Darin enthüllte er, welche entscheidende Rolle die Enthüllungsplattform von Julian Asange beim Aufdecken der Korruption und der strafrechtlichen Handlungen der Banker hatte.

Ingolfur Sigfusson, Fersehredakteur, bekommt leuchtende Augen wenn er über dieses Wochenende im Juli 2009 erzählt. Mitten in der Nacht erhielt er eine Mail von einem Freund, die es in sich hatte: Dokumente seien Im Internet aufgetaucht, die Islands Bankenhorror in ein ganz anderes Licht rücken würden.

Die Kaupthing-Bank, eine der drei großen Finanzinstitute, sei nach diesen Informationen von ihren Eigentümern selbst mit unbesicherten Krediten in Milliardenhöhe ... ausgeraubt worden. Ein Skandal von ungeheuerlichem Ausmaß tat sich auf!

Den Bericht darüber durften die Redakteure nicht senden, weil die Bankenaufsicht einschritt. Das Verbot, fadenscheinig begründet mit der Anonymität der Täter (eine 1 : 1 Auflage erleben wir derzeit in Österreich im Hypo-Bank-Untersuchungsausschuss), hielt zwar – aber es war zu spät, da die Journalisten die Zuseher auf die Quellen verwiesen.

Die Quelle war jene von Wikileaks.Org.

Wie kam es zur größten Krise – ever?

Die Gründe lesen sich wie eine Kopie der österreichischen „systemrelevanten Bank“ Hypo-Kärnten, was die großflächige Korruption, die Unfähigkeit und Inkompetenz der PolitikerInnen betrifft.

- Innerhalb von Tagen brach 2008 das Bankensystem zusammen. Die Ursachen lagen u.a. in einer expansiven Deregulierung ohne jegliche Aufsicht verbunden mit einer unter korrupten, zweifelhaften Bedingungen durchgeführten Privatisierung im russischen Stil. Zwei der drei größten Banken wurden quasi an gute „Freunde“ verkauft, die über wenig Geld-Expertise verfügten.

- Ähnlich den irischen Banken wuchsen die isländischen Banken viel zu rasch – anders gesagt: sie vergaben viele Kredite ohne die notwendigen Sicherheiten, andererseits zogen sie mit weit überhöhten Zinsen Sparer aus europäischen Ländern massenweise an, insbes. aus Holland und Großbritannien. Das aberwitzige Verhältnis von 9:1 zwischen der Bilanzsumme der Banken und dem BIP (die anderen skandinavischen Staaten als auch Deutschland und Österreich haben ein solches von um ca. 3:1) wird nur noch von Irland, das ebenso eine gigantische Immobilienblase aufbaute, erreicht.

Sorry, Luxemburg, als Hort der Nullsteuern für Konzerne ein Hafen für die Finanzundustrie, hat ein Verhältnis jenseits von 20 : 1!

- Während die irländische Regierung den Banken half (und damit mehr als eine Generation in die Schuldsklaverei trieb), zog die isländische Regierung die Reißleine und ließ die Banken pleite gehen. Das Problem war viel zu groß. Wäre es kleiner gewesen, so hätte auch die isländische Regierung die Banken auf Kosten der BürgerInnen „gerettet“, meinen die Kritiker.

https://lh3.googleusercontent.com/-yGyNcO-ezRk/VTbSTm7hHOI/AAAAAAAAA18/ZUY52a88LbU/w958-h719-no/2015%2B-%2B4%2B-%2BISLAND%2B-%2BBank%2BAssets%2B1990%2B-%2B2011.jpg

- Der 2.400 Seiten umfassende Bericht der Sonderermittlungskommission stellte klare Gesetzesverstöße fest. Sowohl die 3 Zentralbankpräsidenten als auch der Direktor der Finanzaufsicht und 3 ehemalige Minister haben ihre Aufsichtspflichten nicht wahrgenommen – höflich formuliert. Dass sie auch keine Reue zeigten, ist bei Korruption auf höchster Ebene keine Seltenheit.

- Das neue Post-Crash-Management hat bei mehr als 200 Personen Insiderhandel, Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Untreue festgestellt – es wurden u.a. zwei Vorstandsvorsitzende der größten Banken und mehrere Manager der mittleren Ebene zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

- Nach der Privatisierung 2003 spendeten die neuen Eigentümer riesige Beträge an die Parteien, was in Summe einem gigantischen "Körberlgeld" von ca. 8 Mio. $ je Bürger entsprach (2006). Mit Korruption hat dies sicher nichts zu tun, nee. Die Bankschulden von 10 der 63 Abgeordneten waren größer als 9 Mio US-$ . . .

- 2011 bestätigte der Oberste Gerichtshof die Notstandsgesetze von 2008, dass inländische Sparer einen Vorrang vor ausländischen Einlegern haben. Dies ermöglichte eine teilweise Kompensation der Gläubiger aus Holland und England. Trotz der hohen Abschreibungen sind die NPL (Non-Performing-Loans) auf einem sehr hohen Niveau und machen fast 25% des Vermögens (der Kreditforderungen) aus - anders gesagt:

jeder 4. Kredit ist als unsicher und zweifelhaft einzstufen!

Die isländischen Banken sind noch nicht gerettet und haben noch eine lange Durststrecke vor sich.

Selbst die Banken in Irland, Griechenland und Portugal stehen, trotz eines Anstiegs von zweifelhaften Krediten, besser als Island dar - so man den offizielen Daten Glauben schenken will.

https://lh5.googleusercontent.com/-0BpYK0_pazw/VTbSd24JRTI/AAAAAAAAA2M/rm2efy9d-T4/w958-h719-no/2015%2B-%2B4%2B-%2BISLAND%2B-%2BN%2BP%2BL%2B-%2BGR%2C%2BPT%2B%2C%2BIT.jpg

Die Krise hat bei den Menschen tiefe Spuren hinterlassen: mehr als zwei Drittel halten ihre Regierung für korrupt!

Korruption und Vetternwirtschaft sind eine Bedrohung für die Demokratie und gefährden den sozialen Zusammenhalt immens. Das verspielte Vertrauen ist schwer wieder aufzubauen, wenn es zuvor auf “kriminelle“ Weise mit Füßen getreten wurde. Das Vertrauen der Menschen in ihre Staatsorgane, in die Demokratie und die gegenseitige Solidarität, das sind die tragenden Säulen jedes Landes.

Das einzig systemrelevante auf diesem Planeten

- sind WIR MENSCHEN!

Die Grafik im Economist vom 7. April ...

https://lh5.googleusercontent.com/-OyQBkXvG1Tc/VTl62kmdd9I/AAAAAAAAA4M/Mfc1fcwC64k/w958-h719-no/2015%2B-%2B4%2B-%2BISLAND%2B-%2BGeldmenge%2B-%2BBIP.jpg

verdeutlicht, wie sich das Fiasko in Island zu entwickeln begann. Das Geldangebot (die Geldmenge, also das von den Banken per Kredit aus Luft geschaffene Geld), stieg schon in den Jahren 2003- 2006 um das Doppelte im Vergleich zu den Vorjahren an und explodierte förmlich ab 2007, wo diese um das 4-fache wuchs - pro Jahr!

90% Steigerung des Geldvolumens im Gegensatz zu einer 12,5%igen Erhöhung der Wirtschaftsleistung – das kann nie gut gehen. Hinzu kam, dass die drei größten Banken mit irr hohen Zinsen (bis zu 18%) ausländische Anleger anlockten und sich so der Bankensektor noch weiter exponentiell aufblähte - bis eben die Blase platzte.

Dieser immense Geldzufluss führte zu einer großen Überbewertung der isländischen Krone.

Island - DAS Vorbild:

es rettete seine Bürger und nicht die Banken!

Wenn mich Teilnehmer bei Veranstaltungen fragen, was man seit dem Ausbruch der Krise 2007-08 hätte besser machen können, dann nenne ich immer Island als „Blaupause", das mit seiner Wirtschaftspolitik einfach das Richtige tat und damit rasch Erfolg hatte:

- Die Wirtschaft brach 2008-2010 um fast 10 % ein, das Doppelte der Rezession in Deutschland von 2009 (ca 5.0%). Sie erholte sich aber sehr rasch, obwohl das Niveau vor 2007 noch nicht erreicht wurde. Zwischen 2011-14 pendelte sich das Wachstum- real - um die 3% ein: beachtlich.

- Die Arbeitslosigkeit verdoppelte sich auf über 10% - und sank wieder um die Hälfte und liegt nun unter 5 Prozent. Die Staatsverschuldung explodierte auf 100% und sinkt auch seit einige Jahren wieder während dem jene der Eurozone seit 2008 um 50% zunahm - und weiter ansteigt.

https://lh5.googleusercontent.com/-bHAKLnavcDs/VTlrlUMB7lI/AAAAAAAAA34/_jFWk85fpzA/w958-h719-no/2015%2B-%2B4%2B-%2BISLAND%2B-%2BArbeitslosenratre%2B-%2BStaatsschulden.jpg

- Island ließ die großen Banken pleite gehen. Es wurden keine Bad-Banks – sondern „Good Banks“ gegründet, in dieman ausschließlich das solide Inlandsgeschäft als auch alle Spareinlagen der Bevölkerung übernahm und die später verstaatlicht wurden. Sie waren zur Gänze für das Kerngeschäft der heimischen Wirtschaft zuständig, die sich deshalb rasch erholen konnte. Alle fragwürdigen Finanzprodukte, das Auslandsgeschäft und der aufgetürmte Schuldenberg, blieb in den alten Banken - die schnell kollabierten.

An die korrupten und unfähigen Banker wurden keine Boni überwiesen – sondern Haftbefehle ausgestellt!

- Indem man die Banken in die Pleite schickte, wurden die „Gierigen“ bestraft. Es traf also jene Renditejäger, die 2-stellige Zinsen für normal hielten. Sie lernten die Marktwirtschaft wie aus dem Lehrbuch der Handelsschule kennen, wo es heißt: h o h e Rendite = h o h e s Risiko!

- "Tax the rich": Island ging auch bei der Steuerpolitik neue Wege. Man achtete sehr darauf, dass die Normalverdiener keine sozialen Einbußen erleiden mussten und besteuerte die Vermögenden. Damit stabilisierte man die Binnenkonjunktur, was einen noch grösseren Einbruch der Wirtschaft abfederte.

- Entgegen allen „orhtodoxen, klassischen Rezepten“ führte man Kapitalkontrollen ein, die nach wir vor gelten. Damit verhinderte man einen Geldabfluss, wie in Griechenland seit Jahren in Mrd.-Euro-Dimensionen erlebt ohne etwas dagegen zu tun. Das Geld blieb im Land und floss über Investitionen in die eigene Wirtschaft - statt auf Schweizer Konten gebunkert zu werden.

- Die weit überhöhte isländische Krone wurde um ca. 50% abgewertet, was zu einer raschen Erholung und Stabilisierung der Exporte führte. Gemeinsam mit der Binnennachfrage, die man über das abgesicherte Lohnniveau nicht einbrechen ließ, garantierte dies eine schnelle Rückkehr zum Wachstum.

- 2012 gab es dickes Lob vonseiten des IWF ob des „überraschenden“ Erfolges undman meinte, Island sei ein Vorbild für andere Staaten.

Es ist gelungen, nicht die Steuerzahler für die Verluste der Banken in Haftung zu nehmen. Damit konnte man sowohl den Wohlfahrtsstaat erhalten als auch eine Massenarbeitslosigkeit ab wenden. Wieso der IWF nicht sofort die gleichen Maßnahmen für die südeuropäischen Staaten der Troika vorschlug und auf deren Umsetzung pochte - bleibt ein Rätsel.

Von einer solchen Entwicklung können die Länder der Eurozone zur träumen. Ein Staat, der nicht seine Banken, sondern seine Bürger rettet, macht alles richtig.

Island hat den Europäern eine Lektion erteilt!


Beginnt in Island eine monetäre Revolution?

„99 % der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es auch nicht, die Ökonomie sieht es auch nicht, sie erklärt es sogar als nicht existent ... Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine ökologische Wende möglich.“ (emer. Univ. Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger, St. Gallen)

Dr. Binswanger erläuterte in der Wiener Zeitung vom 21. Feber 2014 die elementaren Zusammenhänge der Geldschöpfung der Geschäftsbanken wie folgt:

Warum wird das Übel nicht an der Wurzel gepackt?

Wer oder was verhindert eine tiefgreifende Reform?

Mit einer Geldschöpfung aus dem Nichts kann man - dies liegt auf der Hand - sehr viel Geld verdienen. Daher übersieht man gerne die Krisen, die damit verbunden sind. Wenn diese eintreten, gibt man allen möglichen Ursachen die Schuld. Nur nicht der Ursache, mit der man sie in doppeltem Sinne des Wortes "verdient" hat.“

Ja, es geht nur um das Verdienen und den maximalen Profit und wenn man mit selbst erschaffenen Buchungszeilen in einem Computer ganze Länder und Mrd. Menschen unter die Schuld- und Zinsknechtschaft unterjochen kann – dann wird man diese exzessive Macht auch ausnützen.

http://www.wienerzeitung.at/beilagen/extra/?em_cnt=610098

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Exkurs:

1.) Wie funktioniert unser 100%iges Schuldgeldsystem ?

Das Wichtigste – kurz zusammengefasst:

https://lh5.googleusercontent.com/-ZCiuPtztq1M/VT4fVA9QbjI/AAAAAAAAA4o/kbmRCGDmrT8/w958-h719-no/2015%2B-%2Bvwl%2B%2BWirtschaftssektoren%2B-%2Bbunt.jpg

Der Sektor Ausland spielt bei dieser Betrachtung keine Rolle, weil der italienische Importeur im Inland sein Geld auftreiben muss – und der deutsche Exporteur sich ebenfalls im Inland per Kredit seine Investitionen finanziert. Es geht nur um die Frage, wie in einem Land das Geld erzeugt wird:

- Banken (finanzielle Unternehmen) erzeugen für Nichtbanken (Staat / private Haushalte / nichtfinanzielle Unternehmen) das „Geld aus dem Nichts“,

- Konsumenten können kein Geld drucken, ergo dessen entspricht die Behauptung - Banken würden nur das Geld der Sparer als Kredit weitergeben - nicht den Tatsachen!

- das Geld wird n u r als Kredit erzeugt, d.h. alles Geld = Schuld (oder haben Sie schon mal von einer Bank Geld geschenkt bekommen?),

- den Schulden steht immer ein gleich hohes Vermögen gegenüber: die Bilanz ist immer ausgeglichen, d.h. es gilt:

m e i n Vermögenszuwachs = d e i n e Schuldenzunahme.

- werden alle Kredite einer Volkswirtschaft zurückbezahlt, gibt es kein Geld mehr (nicht nur VolkswirtInnen „scheitern“ spätestens hier, obwohl es nur eine Stornobuchung ist)

- für das Geld aus Luft werden Zinsen verrechnet, das Geld dafür stammt wieder aus einem Kredit (in keinem Kreditvertrag wird vereinbart, dass die Banken auch die Zinsen mit dem Kreditbetrag an die Kreditnehmer mit-überwiesen),

- der Staat hat die Buchgeldschöpfung an private Banken „delegiert“ und diese beruht auf keiner gesetzlichen Grundlage - w i e s o?

Unser Geldsystem ist daher ein nicht nachhaltiges Pyramidenspiel (Ponzi-Scheme)!

In unserem 2-stufigen Banksystem versorgt die Zentralbank (ZB, EZB) die Geschäftsbanken (GB) mit dem echten Geld = Münzen/Scheine und nur diese sind das gesetzliche Zahlungsmittel! (Anmerkung: seit der Krise kaufen die ZB weltweit Anleihen auf und bezahlen natürlich nicht mit Mrd. an Münzen und Geldscheinen, sondern mit Zentralbank-Buchgeld, das dann auch ein gesetzes-konformes Zahlungsmittel ist. Dies ist aber eine Ausnahme und war bis 2008 nicht die Regel).

Sebastian Kunze hat die gesetzlichen Zusammenhänge in seinem Artikel klar herausgearbeitet. https://www.freitag.de/autoren/sebastian-kunze/geld-und-gesetz

Die GB erzeugen dann das Buchgeld per Kredit auf Konten im Computer – es war vor dem abgeschlossenen Kreditvertrag n i c h t vorhanden. Anders gedacht:

sie können ja auch nicht zum Friseur gehen und sich eine Ballfrisur „auf Vorrat“ bestellen – genauso wenig kann eine Bank Buchungszeilen auf Vorrat in ihrem System „anlegen/verbuchen“ = Geld aus dem Nichts!

Der Zins, den die Banken dafür „kassieren“, wirkt als perfider Umverteilungsturbo, was sich über Jahrzehnte in der systemimmanenten Ungleichheit niederschlägt. Siehe hierzu meinen Kommentar. http://www.agenda2020.at/a20_joomla25/index.php?option=com_content&view=article&id=286:wie-der-zins-eszins-als-perfider-umverteilungsturbo-wirkt-eine-a

2.) Fractional Reserve System - Mindestreserve-System:

Das Mindestreservensystem sollte ein Instrument der Steuerung/Kontrolle der Geldmengenexpansion (also der Kreditvergabe durch die Buchgeldschöpfung) sein.

Leider hat es total versagt und dass die Zentralbanken überhaupt die Geldmenge kontrollieren können, ist mehr ein Märchen denn die ökonomische Tatsache. Das Prinzip beruht darauf, dass von jedem Kredit ein gewisser Prozentsatz bei der ZB zu hinterlegen ist und dieser wird dann mit dem Leitzins der ZB (derzeit 0,05 %) verzinst. Die EZB hat die Mindestreserve vor zwei Jahren von zwei auf einen Prozent gesenkt, was einer Verdoppelung des Kredithebels gleich kommt. In den USA ist die Mindestreserve null und in China beträgt sie um die 20%.

Neben der Mindestreserve wird auch immer wieder der Leitzins als Steuerungselement der ZB genannt. Betrachtet man die Entwicklung seit dem Beginn der Eurozone bis heute, so ist auch hier kein Zusammenhang festzustellen, denn dieser stieg und die Geldmenge stieg ebenso – und er sank und die Geldmenge stieg weiter.

Exkurs – Ende.

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Worin besteht nun die REVOLUTION die Island umsetzen will?

Wie den zahlreichen Medienkommentaren auszugsweise zu entnehmen ist, liegt der Kern darin, den Banken die schier unbegrenzte Möglichkeit – die auf keiner gesetzlichen Grundlage steht – zu nehmen, das Geld als Buchungszeile zu erfinden.

Im Vorwort stellte Herr Mervyn King (Governor der Bank von England 2003-2013) klar:

„Die Form der Organisation der Banken, wie wir sie heute haben, ist das Schlimmste“!

(siehe das volle Zitat am Anfang meines Kommentars).

Ich kenne niemanden, der dies so deutlich ausspricht und man möchte meinen, dass seit dem Ausbruch der größten Finanzkrise der Menschheit die in Verantwortung und Verpflichtung gegenüber dem Volk stehenden Eliten, sofort an einer Verändern des Geldsystems arbeiten würden? Leider ist dem nicht so – ganz im Gegenteil, wie wir alle wissen.

Frosti Sigurjónsson, der diesen Befund im Auftrag des Premierministers erstellte, sieht auch die Buchgeldschöpfung aus dem Nichts der Banken, als die Hauptursache aller Verwerfungen an. Der Beweis ist leicht zu erbringen, denn seit 1970 gab es 147 Finanzkrisen in 114 Ländern, was immer zu einer expansiven Verschuldung aller Sektoren und zur starken Beeinträchtigung der Wirtschaftsleistung sowie steigender Arbeitslosigkeit und Armut führte.

Island musste nach dem Zusammenbruch der Banken 2008 einen schweren Weg der Bereinigung und rechtlichen Aufarbeitung gehen und steht nach 7 Jahren ungleich besser da, als jene Länder – allen voran die Eurozone – die nach altbackenen, orthodoxen Rezepten versuchten der Krise Herr zu werden. Dass dies nicht zum Erfolg führte - ist allen klar; man braucht sich nur die Ergebnisse des Austerity_Programms der Troika in ganz Südeuropa ansehen!

Die REVOLUTION die dem Vorschlag innewohnt, liegt darin, direkt das Problem an der Quelle zu packen und den Banken einfach das Geld wegzunehmen. Dass dies alles nicht neu ist, wundert nur jene, die sich noch nie mit der Frage; wer darf in einem Land das Geld erzeugen? beschäftigt haben. Darunter befinden sich, auch keine Überraschung, überwiegend PolitikerInnen, MedienvertreterInnen und nicht zu vergessen die ÖkonomInnen.

Der Befund Islands ist daher als professionelle „Blaupause“ anzusehen und kann für viele Nationen als Grundlage dienen, ihren Bankensektor ebenfalls zu reformieren!

20:41 20.04.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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