Tony Blair: "Money makes the world go `round"

Macht, Geld, Politik "Der höhere Mensch sieht nur auf den inneren Wert, der gewöhnliche nur auf das Ansehen." Aus China
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Über "Wert", vor allem wenn er in Geld bemessen wird, lässt sich trefflich manche Nacht über durchstreiten. Aber das ist mir, außer es geht Hand in Hand mit einem wunderbaren Abend mit Freunden + und steirischem Welschriesling + Bachsaibling mit Petersilerdäpfel und einem Kriecherlschnaps als Digestif, nicht so wichtig.

Für alle, die solche Nächte strategisch planen (es kommen auch wieder Regentage) hier noch ein paar Aphorismen rund um den „Wert“.

Was Menschen und Dinge wert sind, kann man erst beurteilen, wenn sie alt geworden.

(Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Um fremden Wert willig und frei anzuerkennen,

muß man eigenen haben. (Arthur Schopenhauer)

Ein jeder ist so viel wert, wie die Dinge wert sind, um die es ihm ernst ist. (Marc Aurel)

Erst unser Herz gibt den Fügungen des Schicksals ihren Wert. Wirklich gewandt sein, heißt den Preis der Dinge kennen. (François VI. Duc de La Rochefoucauld)

Willst du dich deines Wertes erfreuen,
so mußt der Welt du Wert verleihen. (Goethe)

Zur Sache: Tony Blair „kassiert“ für 20 Minuten 330.000,- Pfund und „verdient“ damit in 1 Minute . . . mehr, als der Mindestlohn in GB für ein ganzes Jahr ausmacht. Korrektur:

Nein, er hat es nicht verdient – sondern „gekriegt“!

Diesem Honorar gingen Verhandlungen voraus, wobei vonseiten der „Welt-Hunger-Konferenz“ – ja, solche sky-gerockten Redegelder (das Schweigen kostet wie viel?) werden auch bezahlt – eingewandt wurde, dass Mr. Blair nicht so viel wie Bill Clinton (der 327.000,- 1 Jahr zuvor einstrich) „wert“ sei.

Die Einsicht - Blair ist nicht Clinton – haut unsereinen auch nicht so aus den Socken, denn wenn man beide in ihrem historischen „Wert“ einschätzt, gibt es x-Analogien, was beide wirklich für ihr Volk „geleistet“ haben - und "wert" sind. Aber das ist eine andere Geschichte...

Blair, der sich seine Brötchen u.a. im arabischen Raum verdient (eine Anführung seiner zahlreichen Jobs erspare ich mir und Ihnen), mag seinen „Wert“ natürlich komplett anders „be_werte_en“, als ich das tue.

Aber mit Verlaub: 330.000,- Pfund für läppische 20 Minuten also fast eine Mio / Stunde , ist schon etwas happig. Das macht wie viele Big-Macs? Sry. keine passende Recheneinheit – mehr.

Rechnet man es auf ein Jahreshonorar hoch – ich weiß, ein völlig unzulässiger Vergleich, denn wer will Mr. Blair schon mal 8 Stunden am Tag ein ganzes Jahr lang reden hören oder, weil eingeladen , zuhören? – schlägt er Mr. Blankfein (Boss von Goldman Sachs), der erst kürzlich in den Club der Milliardäre beim Einkommen (!) aufstieg, um Lichtjahre.

Mann o Mann, da oben ist die Luft aber auch wirklich verdammt dünn geworden ...


Die Kritik, Blair sei nicht Clinton, wollte also „diplomatisch-wertmäßig“ umschifft werden.

Und was liegt da naheliegender als eine Foundation zu gründen (Cherie Blair Foundation). Man nennt diese „Donations“ natürlich nicht Honorar, sondern „Gebühr“ - besser noch: Spende! Und so werden aus dem ursprünglichen Betrag 250.000,- + nicht zu vergessen 80.000,- für „Aufwendungen“.

Die Aufwendungen wollen auch ausgegeben werden und reichen locker aus, um einen fliegenden Teppich zum standesgemäßen Flug zu mieten – inklusive der Entourage, schon klar.

Tony Blair, der Millionär und LUX-Leak.

Nun bitte aber keine Neiddebatte! Nein, nein – liegt überhaupt nicht in meinem Sinne, wenn man schon über den „Wert“ reden, dann dienen dies Informationen nur als statistisches Beiwerk, mehr nicht.

Er soll so um die 100 Mio Pfund Vermögen angehäuft – pardon „verdient“ – haben. Glaubt man seinen eigenen Angaben, ist es nur ein Fünftel davon. Ob das zur Mindestrente reicht? Wieder falsch - er hat auch eine tolle Pension aus seiner Zeit als Regierungschef zu erwarten.

Dann.

Später.

Der Hund liegt - wie eh immer – im Detail:

Einer von Mr. Blair errichteten Managementfirma gelang es, seine Einkommenssteuerleistung zu halbieren – sie sank bei einem Umsatz von 14 Mio Pfund auf bescheidene 300.000,- . . . für Körperschaftssteuer.

http://www.globalresearch.ca/is-a-20-minute-tony-blair-speech-worth-330000-to-world-hunger-conference/5464342

P.S.

Leider ist mir nicht bekannt, ob diese tolle Firma Tony Blairs, auch andere, wahre und hart arbeitende LeistungsträgerInnen dieser Welt (wie z.B. „The Clintons“, Steinbrück und bei uns Gusenbauer) vermarktet.

Letzterer baut sich gerade einen Ruf als Diktatoren-Berater auf – die deutsche Presse berichtete eingehend darüber. Er ist sicher dafür sehr qualifiziert, denn was macht schon den „Wert“ eines Ex-Kanzlers mehr aus, als sich vom Russischen-Boden-Küssenden-Jungsozialisten (jeder macht mal Fehler, ich bitte Sie), zum Hedgefondmanager, bis hin zum Internationalen Berater der auch bei er Hypo-Kärnten sein Know-How zur Verfügung stellte, zu entwickeln.

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Gegen Korruption gibt es nur ein Mittel: Geld, viel Geld.

(Wolfgang Mocker, 1954 - 2009, deutscher Journalist und Autor)

21:42 24.07.2015
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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