UN-f*** the World - Economy for the 99 %!

Geld, Ungleichheit, Macht 1 % der Menschen verfügt über mehr Vermögen als der Rest. Vermögenssteuern und das Austrocknen der Steueroasen sind nur Placebos - die Ursache liegt im Schuldgeldsystem
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Occupy-Wallstreet (OWS): „Unfuck the World“ / “We are the 99%”

Es dürften nicht viele wissen, dass OWS von der US-Administration als „Terrororganisation“ eingestuft und vom FBI und CIA überwacht wurde. Das mit großer Gewalt gegen die friedlichen Demonstranten vorgegangen wurde - die Message: Bewegt euch ja nicht! war körperlich zu spüren - dürfte zum Einen darin liegen, dass OWS in kürzester Zeit eine weltweite Medienpräsenz erreichte und sich die Organisation (sie wurde von Jo Stiglitz, Paul Krugman, Naomi Klein, Slavoj Zizek , Noam Chomsky, sowie Michael Moore u.a.m. unterstützt) andererseits rasch in vielen Dependancen ausbreitete.

Zeitgleich mit dem arabischen Frühling prangerten sie in ihren Meetings im Zuccotti-Park in New York im Sommer 2011 u.a. die Wallstreet Zockerbuden als auch die sich seit Dekaden abzeichnende Ungleichheit und Spreizung der Gesellschaft an. OWS etablierte sich als DIE stärkste und kritischste Organisation, die das „Finanzkartell“ vehement und sachlich korrekt an den Marterpfahl nagelte.

Als Co-Autor des Bestsellers „Das Ende des Geldes“ (März 2011) erhielt ich im November 2011 neben anderen kritischen Stimmen - auch Konstantin Wecker, der unermüdliche Mahner und Friedensaktivist war mit dabei - eine Einladung, in München am Odeonsplatz übers Geld zu reden. Dieser folgte ich sehr gerne.

Der Vorwurf, dass es OWS nicht gelang, eine eigene Programmatik und eine strategische, politische Stossrichtung zu entwickeln und sich zu einer nachhaltigen, politischen Bewegung etabliert zu haben, mag irgendwo seine Berechtigung haben.

Andererseits war, wahrscheinlich, der soziale Druck in den USA, trotz 48 Mio. "Food-Stamp-BezieherInnen", dem Wegbrechen des Mittelstandes und der wallstreet-hörigen US-Regierung usw., noch nicht groß genug.

Podemos hingegen gelang es in Spanien innerhalb kürzester Zeit das dahinsiechende 2-Parteien-System zu sprengen! Allerdings ist die Dynamik und Härte der sozialen Spaltung, verursacht durch die völlig fehlgeleitete Spardoktrin der EU-Troika, die zu einer hohen allgemeine und irren Jugendarbeitslosigkeit (Stichwort: „Lost Generation“) führte, eine ungleich höhere, als jene in den USA.

However ... OWS hat in seinen Zirkeln den zerstörerischen Finanzkapitalismus sachlich debattiert und das Geldsystem in seinen systemimmanenten Auswüchsen verstanden, wie einige Plakate offenbaren, wie z.B

https://lh5.googleusercontent.com/-HpHrJEqZDZg/Vp-9GQj50uI/AAAAAAAABds/fN4UR-oV3XY/w958-h719-no/2016%2B-%2B1%2B%2B-%2BOccupy%2BWallstreet%2B2011.jpg

A MUST: David Graeber,

der OWS-Frontman, schrieb 2013 den Bestseller: „Schulden – die ersten 5000 Jahre“. Ein Buch, das man unbedingt in die ewige Leseliste aller Studierenden der Nationalökonomie aufnehmen muss!

Daran ändert die unsachliche und abwertende Kritk einer gewissen Ulrike Hermann nichts - aber dazu werde ich in einem anderen Blog genau eingehen.

(2011) Tatort - Harvard: "WALK OUT"

Ja, ich habe nach der grössten Finanzkrise der Menschheit 2007 bis . . . . ? mit sozialen Umbrüchen und Aufständen gerechnet, jedoch nicht mit einer "Revolution" der Studierenden in der Elite-Schmiede des Corporate-Finance.

JA, in Berkeley, wo ich auch studierte - aber in Harvard ... ?

Dennoch: es ist wahr !

In einem offenen Brief vom 2. November 2011 der "Class - Economics 10“ drückten die StudentInnen Ihren Unmut ob des tief verwurzelten, tendenziösen Einführungskurses in die Nationalökonomie des Herrn GREG MANKIW (dessen Bücher der Makroökonomie zur Standardliteratur an vielen Universitäten gehören)aus. Sie kritisierten die "voreingenommenen Theorien" im Unterricht, die nicht nur die Universiät sondern auch die Gesellschaft als Ganzes beeinflussen.

http://harvardpolitics.com/harvard/an-open-letter-to-greg-mankiw/

“As Harvard undergraduates, we enrolled in Economics 10 hoping to gain a broad and introductory foundation of economic theory that would assist us in our various intellectual pursuits and diverse disciplines, which range from Economics, to Government, to Environmental Sciences and Public Policy, and beyond. Instead, we found a course that espouses a specific—and limited—view of economics that we believe perpetuates problematic and inefficient systems of economic inequality in our society today”.

(Als Harvard-Studenten der Klasse „Economics 10“ hofften wir, breite und einleitenden Grundzüge der ökonomischen Theorie zu gewinnen, die uns in unserem intellektuellen Wissensdrang und unserer verschiedenen Disziplinen - von Wirtschaft über öffentliche Verwaltung bis hin zu den Umweltwissenschaften und der Politik, als auch darüber hinaus - weiterhelfen würden. Stattdessen fanden wir einen Kurs, der für eine bestimmte und begrenzte Sicht auf die Ökonomie eintritt, von der wir glauben, dass sie problematische und ineffiziente Systeme der ökonomischen Ungleichheit in unserer heutigen Gesellschaft verewigt.)

Und weiter ...

A legitimate academic study of economics must include a critical discussion of both the benefits and flaws of different economic simplifying models. As your class does not include primary sources and rarely features articles from academic journals, we have very little access to alternative approaches to economics. There is no justification for presenting Adam Smith’s economic theories as more fundamental or basic than, for example, Keynesian theory”.
(Ein legitimes akademisches Studium der Wirtschaftswissenschaften muss eine kritische Diskussion der Vorteile und Schwächen der verschiedenen ökonomischen Modelle inkludieren. Da Ihre Klasse keine Primärquellen und selten Artikel aus Fachzeitschriften beinhaltet, haben wir kaum Zugang zu alternativen Ansätzen zur Ökonomie. Es gibt keine Rechtfertigung für die Präsentation von Adam Smiths ökonomischen Theorien als fundamentaler oder grundlegender als zum Beispiel die Theorie von Keynes.)

... zur Aktion:

We are walking out today to join a Boston-wide march protesting the corporatization of higher education as part of the global Occupy movement. Since the biased nature of Economics 10 contributes to and symbolizes the increasing economic inequality in America, we are walking out of your class today both to protest your inadequate discussion of basic economic theory and to lend our support to a movement that is changing American discourse on economic injustice. Professor Mankiw, we ask that you take our concerns and our walk-out seriously”. Sincerely, Concerned students of Economics 10
(Wir streiken heute um an einem Marsch in Boston teilzunehmen, der als Teil der globalen Occupy-Bewegung gegen die Ökonomisierung (Korporatisierung) der höheren Bildung protestiert. Da der tendenziöse Charakter von „Economics 10“ zur wachsenden wirtschaftlichen Ungleichheit in Amerika beiträgt und diese symbolisiert, bestreiken wir Ihre heutige Vorlesung um einerseits gegen Ihre unzureichende Diskussion der Grundlagen der ökonomischen Theorie zu protestieren und um andererseits eine Bewegung, die den Diskurs über die ökonomische Ungleichheit verändern will, zu unterstützen. Wir bitten Sie, Professor Mankiw, unsere Sorge und unseren Protest ernst zu nehmen. Mit freundlichen Grüßen, besorgte Studierende der Klasse „Economics 10“ !)

„Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein."

(Kurt Tucholsky, "Die Verteidigung des Vaterlandes", in "Die Weltbühne", 6. Oktober 1921)

- - -

OXFAM: „An Economy for THE 1 Percent“

https://www.oxfam.de/system/files/bp210-economy-one-percent-tax-havens-180116-en.pdf

Es ist mittlerweile Tradition, dass vor dem „World Economic Forum“ der Eliten in Davos, die seit Jahrzehnten steigende Ungleichheit der Vermögensverteilung der Welt thematisiert wird. Fleißig und artig berichten alle Medien darüber.

Auch haben die meisten brav das Buch Thomas Piketty´s: Capital in the 21st Century, gelesen. Er schreibt aber nicht übers "Kapital" - sondern über die andere Seite der Bilanz. Abhilfe schafft das Buch: "Die Schulden des 21. Jahrhunderts" von Daniel Stelter, einem ex-BCG(Boston-Consulting-Group)Manager von internationalem Niveau.

Eine Bilanz hat ja immer 2 Seiten . . .

Die globale Ungleichheit stößt in schier unfassbare Extreme vor, berichtet OXFAM und bezieht sich auf die Studie der Credit Suisse und ihrem „World Wealth Report“.

https://www.worldwealthreport.com/download

- Demzufolge hat das reichste ein Prozent mehr an Vermögenden angehäuft – als der Rest der 99% aller auf diesem Planeten lebenden Menschen!

- Macht und unerträgliche Privilegien (ich sage dazu: „Oganisierte Korruption“) begünstigen eine sich fortsetzende Spreizung der Vermögen w e l t w e i t.

- Ein fein gesponnenes Netz von Steueroasen ermöglicht es den Reichen zusätzlich 7.600 Mrd. US-$ einer gerechten Besteuerung zu entziehen.

Ohne die rasche Beseitigung dieser rapiden und sich verstärkenden Ungleichheit des erwirtschafteten Wohlstandes, ist der Kampf gegen die auf der anderen Seite sich verschärfenden Armut nicht zu gewinnen.

Trotz der so professionell von allen Eliten „gemanagten Krise“ seit 2007 (wobei die PolitikerInnen sich nur als unmündige und unwissende Handlanger der Geldeliten profilierten) hat die Ungleichheit massiv zugenommen:

• 2010 verfügten 366 Milliardäre über soviel Reichtum, wie die Hälfte der Menschheit; 2015 brauchte es dazu nur mehr 62 Personen und ihr Vermögen stieg um sagenhafte 44% auf ca. 1.760 Mrd. US-$ an;

• im selben Zeitraum fiel der Reichtum der unteren Hälfte um mehr als 1000 Mrd. $, was einer Abnahme um 41% entspricht;

• fast die Hälfte des Einkommenszuwachses zwischen 1988 – 2011 entfiel auf die obersten 10 % der Spitzenverdiener.

https://lh3.googleusercontent.com/-gji_zUFIIHI/Vp_WuzwjSKI/AAAAAAAABeY/agC4ia6W64Y/w958-h719-no/2016%2B-%2B1%2B%2B-%2BOXFAM%2B-%2BUNGLEICHHEIT%2B-%2Bweltweit.jpg

Kritik:

- Diese fatale Entwicklung, die nur den obersten 1 – 10% der Superreichen dient, als „Politik des Neides“ zu diffamieren, lässt tief blicken.

- Ebenso greift das Argument, dass die extreme Armut zwischen 1990 – 2010 stark gesunken sei, zu kurz, denn bei einer umfangreicheren Beteiligung der Ärmsten am Wohlstandszuwachs, wären zusätzliche 700 Mio. Menschen ihrer furchtbaren Situation entkommen.

FAZ – geht`s noch bizarrer?

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/ungleichheit-auf-der-welt-sind-die-reichsten-wirklich-so-reich-14022923.html

Der Volkswirt der FAZ, Philip Plickert, zitiert einige Quellen, die sich an der Methode der Studie der Credit Suisse, abarbeiten: „Das zentrale Maß für die Vergleiche ist dabei das Nettovermögen eines Menschen. Vom Geld-, Wertpapier-, Unternehmensvermögen sowie Immobilienbesitz werden mögliche Schulden abgezogen.“

Daraus ergäben sich „absurde Vergleiche“, wie z.B.:

- weil die untersten 30% der Welt kein Vermögen, sondern Netto-Schulden (die Schulden sind größer als das Vermögen) haben, sei jemand der Null Vermögen habe eben als „reicher“ als diese Gruppe ausgewiesen,

- die meisten Netto-Schulden gibt es in den reichen Industrieländern, erklärt Anthony Shorrocks, einer der Credit-Suisse-Analysten, was auf „funktionierende Kreditmärkte“ zurückzuführen sei;

. . . so werde ein US-Uni-Absolvent, der mit einem Rucksack an Schulden ins Berufsleben startet, ärmer als ein asiatischer Reisbauer dokumentiert, der schuldenfrei sei,

. . . und die „Clintons“, die nach ihrer Präsidentschaft über Mio-Schulden wegen der Prozesskosten wieder ins normale Leben zurückkehrten, seien auch als „arm“ nach dieser Methode einzustufen, usw.

- Weiters stößt er sich am Befund der Studie, wo das ärmste Dezil der Welt nicht in China – sondern in Indien lebt;

. . . auch dass („erstaunlicherweise“) danach schon die USA kämen, wo - angeblich? - 7,5% der Ärmsten beheimatet seien (z.B. total überschuldete Hausbesitzer) ist zu bemängeln,

. . . genauso wie das Ergebnis, wonach erst an 3. und 4. Stelle Bangladesh und Pakistan kämen?!

Die FAZ wäre nicht die FAZ, würde sie (hier eben der „Volkswirt“ Philip Plickert) nicht völlig unreflektiert pauschale Verunglimpfungen wie „schwachsinniger Bericht“ (Ryan Bourne, London Institute of Economic Affairs) abschreiben. Einfach so. Halt.

Klargestellt:

Ich kann an der Studie nichts „Schwachsinniges“ feststellen, zumal die Methode der Ermittlung des Nettovermögens (Vermögen minus Schulden) seit Jahrhunderten DAS Prinzip der BILANZIERUNG (doppelte Buchhaltung) ist!

Bekannterweise kann für AbsolventInnen der 2. Klasse Handelsschule/Berufsschule das Wissen um die doppelte Ermittlung des „Erfolges/Gewinnes“ vorausgesetzt werden:

  1. direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung (Umsätze m i n u s Aufwendungen)
  2. i n d i r e k t durch einen Vermögensvergleich am 1.1. einer Periode und am 31.12. Und dieser Saldo entspricht dem NETTOVERMÖGEN, das sich aus der Differenz des Vermögens abzüglich der Schulden ergibt.

Anders gesagt:

Kritik, die nicht mal auf dem Wissen der Mindeststandards der Bilanzierung basiert, hat die Qualität von ökonomischen Obskurantentum.

Natürlich ist ein chinesischer Reisbauer o h n e Schulden „reicher“ – als ein amerikanischer College-Absolvent, der mit 50.000,- Dollar Schulden in sein Berufsleben startet!

- - -

Hier der Link zum 2. Teil:

https://www.freitag.de/autoren/pregetterotmar/2-un-f-why-are-the-rich-getting-richer

21:12 20.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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