Vollgeld: Schulmeisters irre Ahnungslosigkeit

Vollgeld,Schuldgeldsystem Je dürftiger die Fakten, desto stärker die Deutungsbereitschaft. (Peter Cerwenka, Univ.-Prof. a.D. Dr., Technische Universität Wien)
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Dies ist meine Replik auf den Kommentar von Stephan Schulmeister, österr. Ökonom, mit dem Titel: Eine Fehldiagnose (das Vollgeld tauge nicht als Lösung). Hier der Link: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/eine-fehldiagnose

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Die verheerende Bankenkrise der Menschheit 2007-08 ff. war das größte Desaster der Wirtschaftswissenschaften - egal welcher Denkrichtung und Provenienz.

Es gibt zwar einige Ökonomen, die die Krise kommen sahen (wie zB. Steve Keen, Michael Hudson, der mit "DER SEKTOR" wohl das beste Buch über die Krise schrieb, oder Max Otte) - darunter ist aber keiner aus Österreich! Die billigen Ausreden, wie zB. - es war ein Tsunami ... niemand konnte das wissen ... wir waren alle total überrascht usw. - klingen noch heute in den Ohren:

das war so armselig wie jämmerlich!

Fehlt den Ökonomen für diese Krise das theoretische Modell?

wurde Peter Bofinger (VWL-Professor in Würzburg und Mitglied des Sachverständigenrates seit mehr als 1o Jahren) von der FAZ vom 16. Mai 2009, gefragt - und er antwortete entwaffnend und ehrlich: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/wirtschaftsweiser-peter-bofinger-grosse-staaten-haben-breite-schultern-1799868-p2.html

"Wir haben sehr ausdifferenzierte makroökonomische Modelle, sie haben nur einen Nachteil: Es gibt k e i n e n F i n a n z s e k t o r .

Das finde ich bemerkenswert, insbesondere in der Europäischen Zentralbank: Auch deren sehr kompliziertes Modell kennt keinen Finanzsektor.

Man nimmt an: Jeder Mensch hat alle Informationen, die er braucht, es gibt keine Unsicherheit. Dann ist Geld irrelevant, und den Finanzsektor kann man wegingorieren, weil er p e r f e k t r a t i o n a l ... arbeitet".

Anmerkung: selbst heute, 10 Jahre nach der Krise, hat sich in der Volkswirtschaftslehre nichts geändert: der Finanzsektor wird in allen VWL-Büchern der Gurus - egal ob Paul Krugman (Nobelpreisträger), Olivier Blanchard (ex-Chefökonom des IWF) oder Mankiw (VWL-Guru in Harvard) - als "neutral" eingestuft. Zwar wird in einigen deutschen die Buchgeldschöpfung am Rande erwähnt, aber ein Zusammenhang zur Realwirtschaft wird nach wie vor nicht mal angedacht . . .

GB: erschütternder Offenbarungseid der Experten.

Auf die Frage der Queen an die British Society: How could this happen? erstaunte die Antwort wohl die ganze Nation: "In summary, Your Majesty," they conclude, "the failure to foresee the timing, extent and severity of the crisis and to head it off, while it had many causes, was principally a failure of the collective imagination of many bright people, both in this country and internationally, to understand the risks to the s y s t e m . . . a s a w h o l e." https://www.theguardian.com/uk/2009/jul/26/monarchy-credit-crunch

Trotz dieser flächendeckenden Inkompetenz der Wirtschaftsforscher - egal ob an Universitäten oder Instituten - wird weiter fortgewurschtelt und gelehrt, wie bisher: so als ob es die Finanzkrise 2007 ff nie gegeben hätte.

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Schulmeister: grosse Ahnungslosigkeit des Geldsystems.

Schon 2011, anlässlich einer Debatte im Burgkino zur US-Doku "Inside-Job" (Oscar für Documentary & Features 2009) hat Schulmeister seine erschreckende Unkenntnis des Schuldgeldsystems offenbart - siehe ab. 1:03:00.

https://www.youtube.com/watch?v=qB9seP4Zxzg

Auf die Frage: woher kommt das Geld (besser gesagt: die Geldmenge) für den Zins? verlor er sich in banalen Erklärungen über das BIP in China ... bis hin zum technischen Fortschritt, der Produktivität . . . usw.

Nun - weder wird durch Produktivität/Wachstum Geld generiert - noch können Unternehmen und/oder Haushalte Geld erzeugen!

Unser Geld wird ausschliesslich im 2-stufigen Bankensektor erzeugt:

- Zentral - und

- private Geschäftsbanken !

Ab Minute 1:12:40 ca. erkläre ich, wie das Geldsystem mit der Produktivität und den MFIs (Monetäre Finanzinstitute = Bankensektor) zusammenhängt.

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Kurz zu den kruden, haarsträubenden Thesen Schulmeisters:

A . ) Ursache ist n i c h t gleich Wirkung:

schon hier scheitert er kläglich, wenn er ganz zu Beginn meint:

" Nicht das K r e d i t g e l d s y s t e m an sich ... stellt ein Fundamentalproblem dar, sondern die Art der Verwendung von Geld".

Er blendet mit einer ahnungslosen Nonchalence aus, dass

- sich alle Sektoren (der Staat, die Realwirtschaft und die Haushalte) N U R bei privaten Banken verschulden MÜSSEN, weil es ihnen gesetzlich untersagt ist, bei der Zentralbank Konten zu haben;

- 96% der Geldmenge im Euroraum zB. daher "p r i v a t i s i e r t" ist (Banknotenumlauf von 1.148 Mrd. per März 2018 - aggregierte Geldmenge der Eurobanken 26.293 Mrd. Euro - Quelle: Mai - Bundesbankbericht),

- allein der Z i n s einen irren Umverteilungsturbo von UNTEN NACH OBEN darstellt und damit immens zur Ungleichheit beim Einkommen als auch beim Vermögen beiträgt (s. Bundesbank , Mai 2018: Bilanzsumme der Eurobanken von 26.293 Mrd. - davon angenommene 3 % = Zinsen = 786 Mrd., die an die Banken fliessen, je Jahr!)

- jede Bilanz ausgeglichen ist, d.h. alle Schulden dieser Welt (ca. 237.000 Mrd. per Mai 2018 - sie stiegen um 70.000 Mrd. in etwas mehr als 10 Jahren) , eines Staates, entsprechen dem Gesamtvermögen.

Ergo dessen stiegen auch die weltweiten Vermögen um 70 Bill Dollar ... und daher auch die Umverteilung durch den Zins - anders gesagt: das zinsbasierte Schuldgeldsystem sorgt dafür, dass die REICHEN IMMER REICHER WERDEN MÜSSEN - und DIE ARMEN WEITER VERARMEN !

https://www.godmode-trader.de/artikel/237-000-milliarden-die-welt-ertrinkt-in-schulden,6045754

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B . ) Dass Schulmeister, als "anerkannter Wirtschaftsforscher", nicht mal die gesetzliche Basis der Gelderzeugung hinterfragt, ist eines Wissenschafters nicht würdig, zumal

2.a.) nur Bargeld + Zentralbankbuchgeld das e i n z i g e gesetzliche Zahlungsmittel sind - und

2.b.) das GELD AUS DEM NICHTS (das erfundene Buchgeld der privaten Geschäftsbanken) k e i n e gesetzliche Basis hat! Im österreichischen Bankwesengesetz findet man nicht mal die Begriffe Buch- Giralgeld und Buchgeldschöpfung. Buchgeld stellt bestenfalls einen Anspruch auf das gesetzliche Zahlungsmittel dar - Bargeld!

Anders gesagt: Schulmeister propagiert in seinen kühnen, spekulativen Behauptungen privates - g e s e t z l o s e s - Geld ?!

Solche Ansichten sind mit "naiv" wohlwollend umschrieben, offen gesagt.

C . ) Sein Bezug auf die 1950er und 60er Jahre hinkt gewaltig, denn gerade gegen Ende der 1960er und 70er Jahre explodierte, durch die IT-Technologie angetrieben, die G e l d e r z e u g u n g der privaten Banken, wie folgende Grafik im Vergleich zum Bargeld eindeutig darstellt:

https://www.flickr.com/photos/140576195@N07/32480327212/in/dateposted-public/

Selbstredend muss es daher zuallererst

- eine Gelderzeugung (Buchgeldschöpfung) geben,

- b e v o r man das Buchgeld (und nur darum geht es bei spekulativer Verwendung!) ausgeben kann: for what ever. . .

Hätte es seit den 1970er Jahren schon Vollgeld gegeben, dann wäre eine solch irre Expansion der Geldmenge nicht möglich gewesen und wir hätten uns auch ca. 200 Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte erspart.

D . ) Zitat: "Das aber heißt: Nicht das Geldsystem an sich hat in die Krise geführt ( ? ), sondern die Entfesselung der Finanzmärkte."

Wieder vertauscht er Ursache mit Wirkung - kurz zusammengefasst:

- die Immo-krise (Subprimes) der USA 2007 ff. hat als Ursache eine völlig u n k o n t r o l l i e r t e Kreditvergabe der US-Banken an nicht kreditwürdige Kunden, die erst nachdem sie den Kredit erhielten, das Geld für Immobilien ausgeben konnten.

- Dasselbe gilt für die Verbriefungen, weil man erst n a c h ( ! ) Kreditvergabe als Bank diese Kredite bündeln und als Paket weiterverkaufen kann.

Ursache - kommt immer VOR der Wirkung.

Das Auto muss auch erst erzeugt werden - bevor man fahren kann...

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Bizarr sind auch seine 3 spekulativen Behauptungen, dass Vollgeld die Lage aus mehreren Gründen verschlimmern würde:

1.) Geldmengenpolitik kann weder die Inflation noch die reale Nachfrage steuern.

Dies trifft auf unser d e r z e i t i g e s Geldsystem zu, wo die Zentralbanken k e i n e n Einfluss auf die Kreditvergabe der privaten Banken und damit die Geldmenge haben! Die expansive Kreditvergabe durch "Geld aus dem Nichts" (das Buchgeld war zuvor nicht vorhanden, es entsteht immer erst durch Kreditvergabe) kann weder durch den Leitzins noch die Mindestreserve gesteuert werden.

Gerade dies aber ist bei Vollgeld nicht der Fall, weil sich alle privaten Banken, das Geld v o r Kreditvergabe von der Zentralbank gegen Sicherheiten (wie beim Bargeld auch) beschaffen müssen. Sohin ist eine total-unkontrollierte Geldausweitung nicht mehr möglich.

Hyman Minsky, der meist zitierte Ökonom nach der Krise 2008 meinte dazu : "A money-lender must have money"!

Der Hinweis auf die Quantitätstheorie hat per se nichts mit der Gelderzeugung durch den Staat (statt privater Banken) zu tun.

Da liegt Schulmeister komplett daneben.

2 . ) Auch in einem Vollgeldsystem boomt die Finanzspekulation. Schulmeister nennt hier 2 Gründe:

2.a.) "Die Menge an Finanztransaktionen ist unabhängig von der Geldmenge: Wäre Letztere konstant oder würde sinken, so kann immer das Tempo des Trading gesteigert werden. Genau das ermöglicht die computergesteuerte Spekulation, etwa der Hochfrequenzhandel."

Die Lösung beim Vollgeld ist ganz einfach:

es gibt k e i n Geld für Spekulationen, welcher Art auch immer - und das Tempo des Tradings kann man locker durch eine Tobin Tax, Finanztransaktionsteuer, stark einschränken.

2.b.) Es würden nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen und Haushalte spekulieren ... so nimmt der Unternehmenssektor schon seit etwa 15 Jahren netto keine Kredite mehr auf, sondern bildet Finanzkapital ... auch die Haushalte versuchen, ihr Geld „arbeiten“ zu lassen.

Dass viele Unternehmen in "Geld schwimmen" ist korrekt - sie brauchen kaum mehr Kredite, um ihre Investitionen zu finanzieren. Dass sie eigene Aktien aufkaufen, sich an anderen Unternehmen beteiligen - kann niemand verbieten, das gehört zu einer funktionierenden Wirtschaft.

Spekulationen hingegen - egal ob auf Reis, Kakao, Kupfer oder seltene Erden - können sie jedoch nur über Banken tätigen. Dem kann leicht ein Riegel vorgeschoben werden, indem man zB. Hedging nur zulässt, wenn sie auf einem realen Grundgeschäft/Güteraustausch basieren.

Und Day-Tradings dezimiert man locker mit einer FTS (Finanztransaktionssteuer) auf ein Mindestmass, als auch die 100%ige Unterlegung der Spekulationssumme mit Eigenkapital sehr schnell zum totalen Versiegen von nutzlosem Trading führt.

Beides hat nichts mit Vollgeld zu tun.

3 . ) Vollgeld beeinträchtigt die Kreditversorgung der Realwirtschaft.

Zu den Ansichten, wie zB ... "Realinvestitionen werden (auch) durch Bankkredite finanziert. So nimmt der Unternehmenssektor schon seit etwa 15 Jahren netto keine Kredite mehr auf" ... "bekämpft man Finanzspekulation dadurch, dass man den Banken die Fähigkeit nimmt, Kreditgeld zu schöpfen, dann schüttet man das Kind mit dem Bade aus" ... "Im herrschenden Geldsystem werden Kredite dort geschaffen, wo man sie braucht, also auf dezentraler Ebene, im Vollgeldsystem aber ausschließlich von der Notenbank, also auf höchster Stelle" ... usw., sei festgehalten:

Ja, wie erwähnt, schwimmen viele Unternehmen in Geld und brauchen daher keine Kredite für ihre Investitionen - egal ob bei Vollgeld oder im derzeitigen Schuldgeldsystem.

Schulmeister meint korrekt, dass Vollgeld ... "den Banken die Fähigkeit nehme, Kredite zu s c h ö p f e n" . . . also jederzeit Geld frei und ohne gesetzliche Basis (!) zu erfinden und zu verteilen.

Vollgeld - und das ist ja der wahre Sinn - zwingt die privaten Banken, sich das Geld, das sie als Kredit weiterreichen, z u v o r bei der Zentralbank zu besorgen : das ist korrekt.

Genau damit wird garantiert, dass die Banken nur Geld weiterleihen, das sie auch in ihren Büchern als Vermögen ausgewiesen haben - und nicht erst gleichzeitig mit der Kreditanfrage durch Eintippen von Zahlen in ihre Computer, selbst erzeugen!

Eine Kreditklemme ist auch nicht auszumachen, weil die Notenbanken jederzeit über ihre Filialen vor Ort in grösseren Städten die Geschäfte mit Banken abwickeln können. Dies würde sogar der Freisetzung vieler Beschäftigter im Bankenbereich entgegen wirken und Arbeitslosigkeit verhindern.

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Eigentümliche Ansichten übers Sparen - Investieren.

Einige Zitate sind sehr seltsam und lassen den Schluss zu, dass Schulmeister den Kredit als volkswirtschaftliches Element - also die Verschuldung aller Sektoren - nicht verstanden hat, wenn er zB. meint:

- . . . "die gesamtwirtschaftliche Dynamik wird vom Verhältnis zwischen Spar- und Investitionsplänen bestimmt".

Wenn man unser Geldsystem verstanden hat, dann ist sonnenklar: es braucht kein vwl. Sparen um zu Investieren, weil die Unternehmen jederzeit ihre Investitionen über Bankkredite finanzieren können - und die Banken das Geld für die Kredite AUS DEM NICHTS ERZEUGEN, ergo dessen benötigen auch sie keine Spareinlagen dafür! Alle, die wissen wie man einen Kredit / dessen Tilgung / und den Zinserlös vonseiten einer Bank verbucht - ist dies sonnenklar.

- ..."Vollgeld würde auch die Gesamtnachfrage dämpfen"?!

Das ist ein Trugschluss, weil Kredite durch das Vollgeld ja nicht "aussterben" - sondern nur die Gelderzeugung der Banken durch die Beschaffung des Geldes von der Zentralbank ersetzt wird - und es damit zB. NIE MEHR BANKRUNS geben kann! Die vwl. Nachfrage wird dadurch nicht beeinträchtigt - wie denn?

- . . . "Die wichtigste Funktion der Banken besteht darin, das Sparen der Haushalte via Kreditvergabe in Realkapital und Arbeitsplätze zu verwandeln".

Hier wird nochmals klar, dass Schulmeister das Schuldgeldsystem nicht verstanden hat, und daher falsche Schlüsse zieht, denn die Spareinlagen betragen nur ca. 4-8% der Geldmenge, d.h. der Grossteil der Investitionen wird durch die Buchgeldschöpfung der Banken "finanziert" - wofür es k e i n e r Spareinlagen bedarf! Bei Vollgeld wird, wie bereits erklärt, k e i n Geld für Spekulation bereit gestellt, d.h. alles Geld fliesst in reale Investitionen.

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Exkurs: Sparen = Investieren?

Dass diese Gleichung in der Realität nicht hält, ist leicht nachzuweisen:

Östereich 2017: BIP = 369 Mrd. / Bruttoanlageinvestitionen 23,5% = 87 Mrd.

http://wko.at/statistik/eu/europa-investitionsquoten.pdf

Netto verfügbares Einkommen = 204 Mrd. / Sparquote 6,4 % = 13,1 Mrd.

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/volkswirtschaftliche_gesamtrechnungen/nichtfinanzielle_sektorkonten/jahresdaten/index.html

Sparen, 13,1 Mrd. = Investitionen, 87 Mrd. - die Gleichung stimmt nicht.

Die Differenz lässt sich leicht erklären und liegt darin,

- dass zum Einen die Kredite als Schulden n i c h t im verfügbaren Einkommen enthalten sind: Kredite sind k e i n Einkommen (sonst müssten sie ja der Einkommenssteuer unterliegen) - sondern eine Einnahme und beides ist ja nicht dasselbe! Die Kreditfinanzierung der Investitionen ist daher nicht in den 204 Mrd. des verfügb. Einkommens enthalten,

- und zum Anderen werden viele Investitionen aus den bisher vorhandenen Liquiden Mitteln (Bargeld und Bankguthaben, dem CashFlow) finanziert. Die liquiden Mittel sieht man in der Bilanz - auch sie sind k e i n Einkommen!

Eine vwl. falsche und die Fakten ausblendende Sichtweise und Argumentation, die auf der Gleichung - Sparen = Investieren - beruht, blendet den Kredit und damit unser Geldsystem völlig aus - und ist daher nicht geignet, die elementaren monetären und realökonomischen Zusammenhänge korrekt und realistisch abzubilden oder zu erklären.

Dies erklärt auch, dass die Ökonomenzunft (noch immer?) nicht unser Geldsystem und den Kredit per se verstanden hat - und nach wie vor den Finanzsektor als "neutral" ansieht, wie Bofinger in seinem Interview mit der FAZ bereits 2009 konstatierte.

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Zitat: "Will die Notenbank die Zwischenschritte vermeiden und den Banken direkt Kreditmittel zukommen lassen, dann müsste etwa die EZB entscheiden, welche einzelne Bank im Euroraum einen berechtigten Kreditbedarf hat. Die Erstellung der Fünfjahrespläne der Sowjetunion war im Vergleich dazu eine einfache Aufgabe" . . .

Nun driftet Schulmeister wirklich ins abenteuerliche Obskurantentum ab - denn die grösste Finanzkrise der Menschheit haben P r i v a t b a n k e n durch eine völlig u n k o n t r o l l i e r t e und g e s e t z l o s e Buchgeldschöpfung verursacht - nicht Russland!

Schon vergessen ... ?

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Prof. Bofinger, VWL Prof in Würzburg und Mitglied des Sachverständigenrates, antwortete in seinem Mail an den Kreditopferverband Wien, am 23. Mai 2016, wie folgt:

"Mit der R e a l i t ä t ... hat dieses realwirtschaftliche Modell g(Anmerkung: Modelle der Wirtschaftswissenschaften) genauso wenig gemeinsam wie das geozentrische Weltbild mit dem heliozentrischen.

Und natürlich ist dieses falsche Weltbild eine entscheidende Erklärung dafür, dass die Ökonomen n i c h t . . . in der Lage waren die Finanzkrise zu prognostizieren, da diese w e s e n t l i c h durch das eigenständige K r e d i t s c h ö p f u n g s potential der B a n k e n ... verursacht wurde. "

Und weiter:

"Was die Lehre betrifft, ist in der Tat eine Neuorientierung dringend erforderlich. Ich verweise dazu auf mein Lehrbuch „Grundzüge der Volkswirtschaftslehre“ (4. Auflage). Hier werden beide Weltbilder ausführlich beschrieben. Zudem wird die Finanzkrise entsprechend erklärt."

https://www.kreditopferhilfe.net/docs/Stellungnahmen_zu_den_Irrlehren_der_Wirtschaftswissenschaften/Stellungnahme_Peter_Bofinger.pdf

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Fazit:

Bofinger hat als einziger, ernstzunehmender Ökonom, die alten, ua. durch die Bank of England in ihrem Quarterly-Bullettin 1-2014 FALSIFIZIERTEN THESEN der Gelderzeugung, in seinem Buch korrigiert!

Schulmeister hingegen, erzählt uns allen Ernstes immer noch, dass die "Erde eine Scheibe sei" ... ;-)

01:56 31.05.2018
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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