Was versteht S.Gabriel wirklich ... vom Geld?

Geld, Macht, Banken „Wir sollten niemals aus den Augen verlieren, dass der Weg zur Tyrannei mit der Zerstörung der Wahrheit beginnt.“ (Bill Clinton)
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Es wird mir wohl nicht gelingen den Bogen von Clinton zu Gabriel zu spannen, aber vielleicht schafft dies ein Mitglied der FC?

Ob Clinton seinem eigenen Spruch gerecht wurde/wird, das kann jeder für sich selbst ausmachen, der seinen Lebenslauf etwas genauer kennt. Auf ihn trifft das Zitat – wo viel Licht, ist auch viel Schatten – sicher zu, zumal in seiner Laufbahn als aktiver Politiker, wie auch als passiver Spendensammler und sauteurer Redner, der ungefähr das 10-15 fache eines Peer Steinbrück für einen kurzen Auftritt verlangt, viele gute Maßnahmen für die „Working Poor“ durch Skandale und Skandälchen abgelöst wurden.

Mit der Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes 1999, öffnete er alle Schleusenteure wüstenweit - um die Deregulierung des Finanzsektors voranzutreiben. Viele ExpertInnen sind sich einig, dass genau darin eine der Ursachen der Finanzkrise 2008 ff. lag/liegt.

Und – Sigmar Gabriel?

Gut – nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Nachdem die meisten in Deutschland seinen Werdegang kennen dürften, hier nur das Wichtigste zusammengerafft:

- 1959 in Goslar geboren, schloss er nach Besuch der Realschule in Goslar sein Studium der Germanistik, Politik und Soziologie (die Wirtschaftsstudierenden betrachteten dies nicht nur in Wien als die sog. „Orchideenfächer“...) 1987 in Göttingen ab und erwarb die Lehrberechtigung für die Sekundarstufe II an Gymnasien,

- er trat 1977, als 18jähriger Schüler, in die SPD ein und hatte dann viele Funktionen – vom Mitglied des Jugendverbandes Goslar (1976 – 1989) bis hin zu seiner Tätigkeit im Land Niedersachsen von 1987 – 2005

- danach Ministerpräsident nach Schröder von 1998-2003, wo er gegen Wulff verlor und der SPD eine Schlappe von – 14,5%punken bescherte, was kein Grund war, das er nicht nach oben „flog“ und dann als Umweltminister von 2005 – 09 tätig war;

- seit 2009 ist er SPD-Vorsitzender und Wirtschaftsminister (...) seit 2013 waren seine letzten Stationen; derzeit ist er damit beschäftigt, sich (wer sonst?) in Stellung für den BK-Kandidaten für 2017 zu bringen.

Das reicht aber nun wirklich.

Und - seine Wirtschaftskompetenz?

Jo . . . da gibts aus meiner Sicht nicht wirklich viel zu berichten. Schon klar, dass dies die SPD_Sympathisanten, als auch Studienkolleg_innen der Soziologie + sonstiger "Orchideenfächer" anders sehen.

Ich greife 4 wesentliche Bereiche heraus:

- Hartz4: nun, jeder weiß, dass es in der Geschichte immer so war, dass die (ANTI-)Sozialdemokratie genau jene sozialen Schweinereien umsetzte - die einer konservativen Regierung nie gelungen wären, weil dann die Gewerkschaften dagegen hätten demonstrieren müssen;

es widerstetzten sich wenige (es waren nur Herr Schreiner und Frau Engelen-Käfer, so weit ich mich erinnere) diesem sozialen Verelendungsprogramm - womit schon alles über das soziale Verständnis der SPD - und auch von Gabriel - gesagt ist;

- Mindestlohn: nun, ich will ihm (nicht alleine)ankreiden, dass er unter Schröder dafür nicht eintrat: Rückgrat ist auch bei PolitikerInnen anderer Couleur keine so häufig anzutreffende Charaktereigenschaft - aber sich dafür feiern zu lassen, was man fast 10 Jahre zuvor hätte locker umsetzen können, macht keinen schlanken Fuß;

- TTIP - Befürworter: ach ja, wir alle - ich meine jene, die sich abseits des Mainstream über TTIP, TiSA und CETA informieren - wissen schon lange, dass das einfältige Wachstums- und Beschäftigungsgeschwätz der Merkel-Regierung (Gabriel als Frontmann vorne mit weg) nicht mal einer quergelesenen Analyse der diese Sichtweise bestätigenden Studien standhält: trotzdem ist auch Gabriel auf diesen "Zug ins ökonomische Nirgendwo" pr-rampensaumäßig aufgesprungen und solange darauf geritten, bis er merkte, dass er nur mehr Hohn & Spott erntete;

dass er nach wie vor, nun auch CETA, entgegen dem Beschluss des eigenen Parteivorstandes, befürwortet, lässt zum Einen auf wenig Skrupel (was niemanden wirklich wundert) und zum Anderen auf ökonomische und politische Kurzsichtigkeit - auch keine Seltenheit auf Minister- und BK-Ebene - schließen:

beides legt in Bezug auf TTIP kein Zeugnis brüllender ökonomischer Kompetenz und/oder eines derartigen Hausverstandes ab, nein.

Was versteht er nun vom Geld?

Da habe ich nun wirklich keine Lust mehr, hier weiter seine Kommentare + Anmerkungen medial zu analysieren - schade um die Zeit:

nein, es ist keine harte Einschätzung, sondern ein für mich klares Urteil, das aufgrund seiner auf Twitter geäußerten Ansicht vom 27. Juli 2012 beruht.

Quelle: sein Statement auf Twitter, siehe Grafik.

https://lh5.googleusercontent.com/-1CL8flqIq2A/VlC1FiwfusI/AAAAAAAABYc/JS8uNwr4xpE/w958-h719-no/2015%2B-%2B11%2B-%2BSiegmar%2B%2BG%2Ba%2Bb%2Br%2Bi%2Be%2Bl.jpg#

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"Alle haben an Ansehen und Vertrauen verloren: Der Amtsinhaber, das Amt selbst sowie die Medien."

( Annegret Kramp-Karrenbauer, 1962, saarländ. Ministerpräsidentin, SPD )

21:00 21.11.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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