Wer hat uns verraten . . . Sozialdemokraten!

Hartz4, SPD, Verrat Denn was auch immer auf Erden besteht, besteht durch Ehre und Treue. Wer heute die alte Pflicht verrät, verrät auch morgen die neue. (Adalbert Stifter,1805 - 1868).
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Hartz4 - bald auch in Frankreich und Italien?

Ich weiß, die "Agenda2010" ist DER Erfolg von Rot/Grün ... so wollen uns das zumindest die M ainstream-Journaille + die Wirtschaftsexperten mit ihren GUTachten verklickern. Ja, mag sein, dass das Thema in Deutschland keine graue Maus hinter dem noch grauerem Ofen hervorlocken mag, aber nach den letzten Meldungen werden nun auch Frankreich und Italien - beide von Sozialdemokraten regiert - auf diesen "erfolgreichen Weg" eingeschworen ?!

Beide Regierungschefs haben sowohl grosse Steuererlichterungen für Konzerne/Unternehmen (klingt nach Ramschpapier von Schröder/Fischer...) als auch das Schlagwort der "Arbeitsmarktflexibilisierung" in ihren Programmen, zu mehr "Wettbewerbsfähigkeit" ( auch so ein sinn - und hirnfreies Mantra der neoliberalen Wirtschaftsreligion...) aufgenommen. Aus meiner Sichtweise schwingt hier große ökonomische "Einfältigkeit - oder auch Hörigekeit" (ja, gegenüber wem?) mit, denn bevor man sich auf solche sozialen Kahlschläge einlässt, sollte man das deutsche Modell einer fundierten Prüfung unterziehen. Dies will ich hiermit nachliefern - obwohl auch das nix Neues ist, I know ...

Zurück zu Hart4 - und dem "Geburtstag".

Das muss doch gefeiert werden ... zumindest wenn es nach den sog. Erfindern der größten Sozialreform (ein anderer Name für Sozialabbau!) geht: der Altkanzler Schröder als auch sein früherer Arbeitsminister Müntefering übertrafen sich förmlich mit Eigenlob – was ja bekanntlich „stinkt“.

„HartzIV ist ein Gewinn für die Gesellschaft“ posaunte Schröder mit stolzer Brust im Tagesspiegel vom 16. August 2012, gut gelaunt ob der ihm wieder einmal zuteil gewordenen medialen Aufmerksamkeit, in die Welt hinaus. Den Vorwurf dass „damit Deutschland auch unsozialer geworden sei“ parierte er mit seinem Standard-Mantra: „Aber es ist nicht unsozial, wenn der Staat einfordert, dass jemand, der arbeiten kann und dem Arbeit angeboten wird, diese auch annimmt“.

Der sozialen Mindestanforderung, dass jeder Mensch von seiner Hände Arbeit auch leben könne – entgegnete er in der BILD lapidar, dass ein Mindestlohn (den ROT/GRÜN unter seiner Kanzlerschaft nie einführte um die sozialen Verwerfungen eben dieser Agenda 2010 aufzufangen) „sinnvoll“ sei. Nun – mich persönlich überrascht an Politikern, insbesondere von der Marke eines Herrn Schröder nur mehr, dass je älter er wird – seine Haare immer „bräuner“ werden. . .

Der Rest ist Champagner.

Müntefering – mittlerweile in Frührente, oder so – meinte: „Insgesamt hat es sich gelohnt“ – wobei er die Erklärung schuldig blieb, FÜR WEN ... sich diese Reform denn gelohnt habe.

Er dürfte wohl in seinem ganzen Leben noch nie mit einem HartzIV-Bezieher gesprochen haben: der Schreibtisch- sozialdemokrat, oder doch Schreibtisch-Täter“(oder beides?). Die Reformen hätten auch zu geringeren Arbeitslosenzahlen geführt, schob er nach. Ob er über die „getürkten“ Statistiken bescheid wisse, hat der Journalist des Tagesspiegel nicht gefragt. Abschließend ortete auch er einige Probleme wie z.B. bessere Löhne bei der Leiharbeit und dass viele junge Leute keine Sicherheit im Beruf mehr hätten. Ja – zum Schluss nannte auch er „die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns“, wobei auch er verschwieg, wieso die SPD diesen nicht in den Jahren als sie an der Regierung war, umsetzte.

„Warum HartzIV gelungen ist“ ...

lautete der Titel der Süddeutschen Zeitung vom 13. August. Der Journalist Guido Bohsem sieht in Herrn Schröder einen Krisen-Gewinnler.

„Je mehr die Finanz- und Euro-Krise das außerdeutsche Europa ökonomisch in Trümmern legt, um so höher steigt das Ansehen des Alt-Kanzlers. Der SPD-Mann ist gefragt als Ratgeber in der Not“ ... Weiters offenbart sein „Befund“ eine sehr undifferenzierte und eindimensionale Sichtweise, wie ich sie selten gelesen habe: „Hierzulande verbindet sich mit den Hartz-Reformen das Bild eines staatlich organisierten Sozialkahlschlags. Zu Unrecht, denn trotz vieler Fehler, Irrtümer und Mistigkeiten haben die Reformen den deutschen Arbeitsmarkt nachhaltig zu seinen Gunsten verändert.“

Leider bleibt er die Argumente für die wirtschaftlich mehr als zweifelhafte „nachhaltige Verbesserung“ schuldig, gleichwohl er später auch einschränkend anmerkt, dass der Erfolg der Reform nicht ...“so groß, wie weithin gedacht“ sei.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zehn-jahre-nach-schroeders-reform-warum-hartz-iv-gelungen-ist-1.1440740

Gibt es auch Kritik ? Ja.

Die Vorsitzende der LINKEN, Katja Kipping, nannte die Agenda 2010 den „größten Angriff auf den Sozialstaat und die Arbeitsrechte in der Nachkriegszeit“. Sie forderte einen Politikwechsel um große Veränderungen nach der Wahl in Angriff zu nehmen, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Ohne Mindestlohn und sanktionsfreie Mindestsicherung läuft mit uns nichts.“ Über dies trat sie für eine neue, unabhängige Expertenkommission, in der außer den Gewerkschaften auch Sozialverbände und Erwerbsloseninitiativen eine Stimme haben sollten, ein. „Diesmal sollte nicht ein Wirtschaftsboss die Leitung bekommen, sondern eine Person, die moralische Integrität und soziales Gewissen vereint, zum Beispiel aus der Kirche“, sagte sie.

Naja – ob angesichts des Lohndumpings in der Diakonie, die die privatwirtschaftlichen Lohnsklaverei über Leiharbeit und befristete Dienstverhältnisse in einer Form kopierte, wo jeder Christ (und deren soll es doch noch einige geben, so sagt man...) sofort ein Austrittsansuchen ausfüllen möchte, eine Lösung darstellt, möchte ich bezweifeln. Ja- der Mindestlohn ist nun Realität geworden - aber die Ausnahmen durchlöchern gerade für jene wie Langzeitarbeitslose die längst überfällige Maßnahme - mal abgesehen von der Höhe:

wieso 8,50/h angesichts der höchsten Gewinne aller Zeiten zu hoch sein sollen, ist keinem vernunftbegabten Menschen zu erklären!

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes brachte es kurz & knackig auf den Punkt, indem er meinte: Die Reformen hätten den „absoluten Tiefpunkt der bundesdeutschen Sozialpolitik“ markiert.

Schon 2004 (Spiegel, 3. Juli, 2004) kam es zur scharfen Auseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften und dem damaligen Kanzler Schröder. Herr Sommer, damaliger DGB-Chef, sprach Klartext und meinte, dass das Konzept der Regierung „keine Förderung von Arbeitslosen – sondern nur deren Abschiebung in die Armut sei“. Auch Herr Bsirske, Ver.di-Chef, nahm sich kein Blatt vor dem Mund:

„Die Regierung Schröder sei gescheitert, die Agenda2010 sei sozial ungerecht und ökonomisch schädlich“!

Er sollte nicht nur in seiner wirtschaftlichen Analyse recht behalten, sondern auch was das klägliche Scheitern der SPD-geführten Regierung betraf.

Die sog. Reformen waren der Hauptgrund für die Wahlschlappe der SPD – und es kam noch viel schlimmer. Mit dem Antritt der LINKEN, die genau jene soziale Kompetenz in ihr Politikprogramm einbrachten, das der SPD um den „Boss der Bosse“ so schnell abhanden kam, wuchs auch eine neue Partei heran, die u.a. auch viele SPD-Wähler an sich binden konnte. Bei der vorletzten BT-Wahl 2009 bekam die alte Garde einen Denkzettel, der sich gewaschen hatte und ein total überschätzter K-Kandidat, Steinbrück, erzielte 2013 ein ähnlich schwaches Ergebnis: GUT SO !

Hartz IV ist zu den Auswirkungen der Finanzmarktderegulierung ein „KLACKS“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/koalitionsausschuss-die-verdraengten-suenden-der-heuschrecken-baendiger-a-611329.html

Die Deregulierung der Finanzmärkte hat nicht direkt mit der Agenda2010 zu tun, stimmt.

Ich halte diesen gedanklichen Ausflug jedoch deswegen für wichtig, weil diese unerfreulichen Entscheidungen, die erst den Boden für die Finanzkrise aufbereiteten, die ARBEITSWEISE so wie die DENKE der SPD-Minister in einer Weise dokumentieren, an die sich diese Akteure nicht so gerne „erinnern“ ... wollen!

Wenn man einen SPD-Insider der alle Gesetze miterlebte hautnah nach diesen Gesetzen fragt, dann holt dieser Jemand, den man nicht nennen kann, tief Luft und sagt: "Was wir da gemacht haben, dagegen ist die Agenda 2010 in ihren Auswirkungen ein Klacks."

Bis auf ein paar Fachleute habe damals niemand gemerkt, was vor sich ging. "Das", sagt er, "war auch besser so."

JA – die Sozialdemokratie wollte „mitten drin“ sein bei der neuen Industrie, die aus Geld noch mehr Geld machte! ROT/GRÜN betrieb das Ende der Deutschland AG und wurde nur von den Forderungen der Union übertroffen.

Das durch die Deregulierung „befreite Kapital“ würde die Wirtschaft entfesseln und Wachstum und Arbeitsplätze schaffen, was in den Köpfen der Schröder_ianer wie ein Goldesel geklungen haben mag, den man fortwährend schröpfen könne. The City of London und New York lebten vor, wie man die alten, realen Unternehmen locker abhängen könne.

Der Siegeszug der Deregulierung begann Ende 2001 mit dem 4. Finanzmarktförderungsgesetz, das den Anlegerschutz verbessern sollte – doch das Gegenteil wurde in Gesetze gegossen:

tatsächlich wurden die Anforderungen für den Börsenhandel gelockert als auch u. a. der Derivatehandel im Immobiliengeschäft gestattet wurde. Der größte Frevel am Steuerzahler war die Befreiung der Unternehmen von Steuern auf Veräußerungsgewinne – und später die Senkung des Spitzensteuersatzes sowohl bei Topverdienern als auch den Kapitalgesellschaften.

Vom 7. Mai 2003 datiert ein Antrag von ROT/GRÜN den Finanzplatz Deutschland weiter zu fördern (Drucksache 15/930 gezeichnet von Franz Müntefering). Unnötige Belastungen für die Unternehmen der Finanzbranche sollen vermieden werden (nur ein Jahr später hatten die Führer der SPD/GRÜNEN keine Bedenken die Agenda2010 zu beschließen) und „Regulierung sei kein Selbstzweck“( ? ).

Am 6. März 2003 ließ sich Eichel, Finanzminister, in der Goethe-Universität Frankfurt feiern. Er rühmte die Finanzbranche ob ihrer Kraft als einer der größten Arbeitgeber, gleichwohl diese nur ca. 3.6 % der Erwerbstätigen beschäftigte, als auch Hedgefonds nicht mehr gegenüber herkömmlichen Investmentfonds diskriminiert werden dürften. Weiters schwärmte Eichel von den „Verbriefungen“, von deren hohen Renditen auch die privaten Anleger profitieren könnten! Nur zur Erinnerung: beim Investmentmodernisierungsgesetz (2003) muss es trotz der 2000 Beamten nur so an Sachverstand gemangelt haben, weil Herr Eichel einer Lobbyisten des Bundesverbandes Deutscher Investment Gesellschaften extra ein Büro im eigenen Ministerium einrichtete.

Damit wurden die berühmten „Heuschrecken“ in Deutschland zugelassen. Im ursprünglichen Entwurf war vorgesehen, dass die Finanzaufsicht die Hedgefonds (gerade wegen ihrer riskanten Geschäfte) überwachen sollte. Nein – daraus wurde nichts, genauso wenig wie die Manager, die „weitgehend frei von gesetzlichen Vorschriften“ agierten (so die Beamten des Finanzministeriums) keiner Kontrolle unterworfen wurden!

ROT / GRÜN war der Motor - nicht die Bremse - der Deregulierung !

Dieser „Side-Step“ sollte allen die Augen öffnen, welche „Kultur“ des Regierens unter Schröder seit 1998 herrschte. Nur bei einer Regierung, die sich freiwillig wie ein blökendes Schaf der Finanzbranche anbiedert und sich ihr ausliefert, war es – so meine feste Überzeugung – überhaupt möglich, die Agenda2010 gegen den Willen der Gewerkschaften durchzuboxen. Dass sich viele Mandatare und Funktionäre (etliche auch mit großen Bedenken) PRO HartzIV entschieden, macht diese völlige Hörigkeit nicht besser, genauso wenig wie die Lügen und Zehntelwahrheiten der alten SPD-Garde, die wie Geister von einst durch die Talk-Shows von heute turnen.

Hartz4 - die ökonomischen Auswirkungen

Ich gehe nur auf die wichtigsten volkswirtschaftlichen und arbeitsmarktspezifischen Auswirkungen ein, die Altpolitiker (wie Schröder, Müntefering und Eichel z.B.) als „Erfolg“ den Menschen verklickern wollen. Die kreativen Wortkreationen, die der deutschen Sprache keinen Impuls lieferten (wie u. a. Minijob, Ich-AG, Ein-Euro-Job, Bedarfsgemeinschaft, Aufstocker, Midijob und eben Hartz IV, die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe) lasse ich außen vor.

Ergebnis 1: hoher Niedriglohnsektor hat billige „Arbeitssklaven“ erzeugt.

https://lh3.googleusercontent.com/-5oD1w1GgPDo/VBXcM7MEINI/AAAAAAAAATo/SA5D6RlbuSc/w958-h719-no/Hartz4%2B-%2BErgebnis%2B1.jpg

Quelle: Institut für Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen, 2012. http://boeckler.de/39304_39313.htm

Die beiden Abbildungen bestätigen eine Verfestigung des Niedriglohnsektors auf hohem Niveau von aktuellen 23,1 % der Beschäftigten, der nur geringfügig kleiner war als im Rezessionsjahr 2009: d.h. eine Verbesserung der Einkommen hat nicht stattgefunden. Die Niedriglohnschwelle wurde mit 2/3 des normalen Bruttolohnes angesetzt, was ca. 9,15 Euro / Stunde entspricht. Seit 1995 rutschten 2,3 Mio. Menschen hinab, wobei davon ca. 80 % gut Ausgebildete (davon ein Achtel Uni-Absolventen!) beweisen, dass die Unterbezahlung nicht viel mit der Qualifikation der Menschen zu tun hat. Die Steigerung ist (fast) NUR auf die alten Bundesländer (+ 68 %!) zurückzuführen.

Annähernd 2,5 Mio. Menschen verdienen unter 6,- Euro – davon sind 800.000 Vollzeitbeschäftigte. Genau diese Gruppe muss durch das Aufstocken auf ein menschenwürdiges Dasein angehoben werden, wobei durch diese Subventionierung nur die Gewinne der Unternehmen „gefördert“ wurden .

Ja - der Mindestlohn schuf eine Verbesserung (die Ausnahmen sind ökonomisch nicht gerechtfertigt), worauf jeder Fünfte (also 90 % der Niedriglohnbezieher) in Deutschland Anspruch hat. 25 % der Frauen und ein Drittel aller Beschäftigten im Osten erhalten dadurch eine Einkommensverbesserung - immerhin!

Ergebnis 2: Geringere Versicherungsleistungen und Anspruchsdauer führen direkt in die Armut

https://lh3.googleusercontent.com/-VhYRwJpfzTE/VBXeapih3vI/AAAAAAAAAT4/HRguc0i8Gsk/w958-h719-no/Hartz4%2B-%2BErgebnis%2B2.jpg

Quelle: Quelle: Projekt Sozialversicherung, Wandel, Wirkung und Weiterentwicklung 2011.http://www.boeckler.de/hbs_showpicture.htm?id=38776&chunk=1

Die HartzIV-Gesetze haben den Sozialstaat nachhaltig umgebaut – und dies sehr zum Nachteil der sozila Schwächsten!

Arbeitslosen­unterstützung wird anstelle des zuvor herrschenden Versicherungsprinzip in das Gegenteil verkehrt, d.h. sie wird immer öfter nach den Grundsätzen der Sozialhilfe gewährt. Erhielten Anfang der 1990er-Jahre noch über 80 % aller Erwerbslosen Leistungen vom Arbeitsamt, die weitgehend Versicherungscharakter hatten und deren Höhe vom früheren Verdienst abhing, so gilt dies heute nur noch für 35 % der Arbeitslosen.

So ist beim Arbeitslosengeld II eine strenge Bedürftigkeitsprüfung vorgeschaltet, wie es sie zuvor nur bei der Sozialhilfe gab. Die Arbeitslosenversicherung bietet keine umfassende Absicherung der Lebensrisiken der Mittelschicht mehr. Die dafür verantwortlichen Sozialreformen seien mit "der angespannten Finanzsituation" begründet worden. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass die Einnahmeschwäche des Versicherungssystems ebenfalls von der Politik herbeigeführt wurde, die "die Erosion der Einnahmebasis der Sozialversicherungen durch Niedriglöhne und nicht-sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bewusst in Kauf nahm und sogar förderte" (Böckler Impuls 3/2011).

In Deutschland sind 70% der Menschen ohne Job in der Armutsfalle – im Eu-Schnitt sind es nur 45 %.

Zum einen liegt es daran dass viele Menschen nicht die Voraussetzungen für Arbeitslosengeld I er-füllen, was in a-typischer Beschäftigung oft nicht gelingt. Zum Zweiten fällt die Höhe des ALGI im internationalen Vergleich niedrig aus: so macht das Arbeitslosengeld nur etwa 60 % des letzten Nettolohnes aus – in Dänemark hingegen 83 %, in der Schweiz 82% und in den Niederlanden sind es noch immer 76 %!

Der wichtigste Grund, der direkt in die Armut führt, liegt in der kurzen Anspruchsdauer: so erhält etwa ein 40-Jähriger, der seit seinem 18. Lebensjahr durchgängig gearbeitet hat, nur maximal 52 Wochen Arbeitslosengeld. In den Niederlanden sind es hingegen 96 Wochen, in Frankreich oder Norwegen 104 und in Dänemark 208 Wochen. Nach der Abschaffung der Arbeits-losenhilfe 2004 sind viele auf ALG II angewiesen.

Der Weg in die Armut ist vorgegeben.

Die Lösung für beide Probleme liegt darin, das ALG wieder an die Versicherungsleistungen zu knüpfen (was dem Ursprungsgedanken der sozialen Absicherung entspricht) als auch die Anspruchsdauer zu erhöhen. So könnte man niedrige Arbeitslosigkeit UND eine bessere Armutsprävention gleichzeitig erreichen.

Ergebnis 3: Dir Reformen sind wirkungslos – die Hypothesen waren falsch.

https://lh3.googleusercontent.com/-pShf9HKm2UE/VBXfs1SUymI/AAAAAAAAAUI/xdkJTdDzGqk/w958-h719-no/Harrtz4%2B-%2BErgebnis%2B3.jpg

Quelle: http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/35238_35249.htm

http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/21574_21581.htm

Hinter den Hartz IV-Gesetzen stand die stereotype Vorstellung der „Armutsfalle“, d.h. Arbeitslose würden weniger schnell einen Job suchen und damit ihren Leistungsbezug unnötig verlängern.

Diese Hypothese wird durch die empirische Untersuchung des IAB (Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Universität Leipzig) nicht bestätigt: nach der Logik der ursprünglichen Annahme wären Arbeitslose vor der Reform länger als nach dieser in der Arbeitslosenleistung verharrt und die Politik der Kürzung der Transferleistungen verbunden mit Verschärfung der Zumutsbarkeitsbestim-mungen hätte die Verweildauer und somit die Kosten der Arbeitslosenunterstützung senken müssen.

VOR der Reform betrug die Arbeitslosigkeit im Mittel 12 Monate – DANACH 13 Monate. . .

Keine Systemfrage - LOHNDUMPING (mit)entscheidend!

Die zuvor durch das IAB festgestellte Fehldiagnose der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, die zu Hartz-IV führten, werden auch durch den Vergleich des Wachstums mit der Arbeitslosigkeit zwischen 2001-05 von Deutschland, Schweden und Großbritannien bestätigt. Großbritannien eignet sich aufgrund der verheerenden Wirtschaftsentwicklung seit der Krise 2008 wenig für einen Vergleich, also beschränke ich mich auf Schweden.

Der kausale Zusammenhang, dass Wachstum die Arbeitslosigkeit senkt, ist unbestritten.

Ergo dessen war die hohe Arbeitslosigkeit (mal abgesehen von dem politischen Harakiri in einem Wahljahr die Sozialhilfe mit der Arbeitslosenunterstützung zusammen zu legen) auf die Wachstumsschwäche Deutschlands 2001-05 zurückzuführen – und NICHT auf die Hypothese der Armutsfalle.

So führte 2006 ein Wachstumsschub von 3,6 % in Deutschland zu einer starken Abnahme der Arbeits-losigkeit. Der Sachverständigenrat schätzte nur 1,0 % Zuwachs... Die „Wirtschaftsweisen“, die den HartzIV-Erfolg mit Gewalt herbeireden, verschweigen (ein Schelm, wer an „gekaufte Meinungsmache“ denkt) diesen elementaren Zusammenhang.

Eine Zuordnung der Reduzierung der Arbeitslosigkeit auf die „Jahrhundertreform – Agenda 2010“ ist ökonomisch auszuschließen, zumal eine schnellere Vermittlung keine zusätzliche Arbeit schafft ... schon gar nicht in einer Rezession. Angesichts eines Verhältnisses von Arbeitslosen zu offenen Stellen von ca. 8 : 1 (je nach Jahr) hilft eine raschere Vermittlung zwar jenen, die eine Arbeit fanden - aber neue Jobs werden dadurch sicher nicht erzeugt!

Und - es gibt doch ein Beschäftungswunder?

Stimmt ... aber nur statistisch: korrigiert man die Arbeislosenzahlen um Krankenstände, Arbeitslose in Umschulung als auch um die "Aufstocker" - dann landet man so um 5,5- 6 Mio Arbeitslose . . . ca. das Doppelte der amtlichen schöngerechneten Statistik für die politische Propaganda.

Und ganz offen gesagt: was ist das für eine Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, wo noch NIE soviele Menschen einen Job haben, von dem sie nicht leben können?!

Fazit: die Therapie konnte nicht wirken – weil die Diagnose falsch war !

P.S.

Ich kann beim besten Willen keinen Erfolg in der Agenda2010 sehen – im Gegenteil! Eine „Empfehlung“ dieser zutiefst Anti-sozialen Politik auf EU-Ebene (was glaubt die Politik denn, was "passiert" ... wenn Frankreich + Italien diesem Verarmungskonzept-Hartz4 folgen?) ist neben der Unfähigkeit die Finanzkrise gelöst zu haben, ein IRRWEG! Dass Merkel diesen "Erfolg" auch noch für sich beansprucht, zeigt die "fokussierte UN-intelligenz" (sobezeichnete der Wiener Landeshauptmann, Häupl, die Wahlversprechen - die insbesondere auch er selbst in den Äther schießt) auf.

Die Lobhudelei der SPD ... oder gar der offenkundige "Stolz" der Schröder-Fraktion... hält einer ökönomischen Prüfung nicht stand - und bleibt was es imme wahr: billigste Propaganda!

23:19 14.09.2014
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Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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