Zins(eszins): DER perfide Umverteilungsturbo

Geldsystem, Zins. „There are two ways to conquer and enslave a nation: One is by sword, the other is by debt” (Adam Smith, 1723 - 1790)
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Manchmal wird man wirklich müde, denn nicht nur ich frage mich, wieso man den selbsternannten Eliten und der Heerschar von JournalistInnen noch immer zig-mal en detail erklären muss, wieso unser 100%iges Schuldgeldsystem ein Pyramidenspiel (Ponzi-Scheme) ist, wenn Aussagen, wie jene von Adam Smith, fast drei Jahrhunderte alt sind!

Über Eroberungen mit Schwert und Degen, Panzern und sonstigem Kriegszeug, gibt es zig-tausend Bücher und Dokumentationen, die man sich reinziehen kann – in kalten und unfreundlichen Novembertagen, wenn man will. Über die Versklavung ganzer Völker durch Schulden - wie z.B. durch „Geld aus dem Nichts“ von internationalen Institutionen wie dem IWF, egal ob für Chile, Argentinien oder die Ukraine (das Land wird überdies auch noch durch Kredite der EU „gerettet“) - liest/hört man in den deutschsprachigen Medien so gut wie nichts.

Ausnahmen bestätigen die Regel – und David Graeber hat bereits vor einem halben Jahr im „The Guardian“ die Korrektur der jahrhunderte alten Lüge über die Geldschöpfung durch die Bank of England, präzise analysiert und kommentiert:

Three economists from the Bank's Monetary Analysis Directorate stated outright that most common assumptions of how banking works are simply wrong…,and that the kind of populist, heterodox positions more ordinarily associated with groups such as Occupy Wall Street are c o r r e c t.

In doing so, they have effectively thrown the entire theoretical basis for AUSTERITY out of the window”!

http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/mar/18/truth-money-iou-bank-of-england-austerity?CMP=fb_gu

Es ist völlig irre, dass die EZB 1000 Mrd. Euro an Buchgeld im Computer frei erfindet – und in Südeuropa den Menschen die Löhne und Renten um 15-20% gekürzt werden, eine Massen- und Jugendarbeitslosigkeit ungeahnten Ausmaßes dadurch k ü n s t l i c h und völlig bewusst erzeugt wird und sich eine Armut ausbreitet, wie man sie in Friedenszeiten noch nie erlebte!

Und alles nur, wegen der Ignoranz der Politik und der Medien, eine demokratische Debatte darüber einzuleiten – w e r in einem Land, das Geld (d.h. Buchungszeilen) erzeugen darf?!


Geo-Politik: 100e Mrd. als „Geld aus dem Nichts“ - besichert durch Realvermögen.

Also - nun mal Klartext:

- der Internationale Währungsfonds (IWF) erfindet rasch eine Buchungszeile von 17 Mrd. Dollar ..., (haben Sie eine Mail erhalten, dass Sie Ihre Spareinlagen beim IWF abliefern sollen?)

- schlüpft dann massenmedial in die Rolle des „großen Helfers der Völker“, um Demokratie und was weiß ich nicht alles zu „sichern/retten“...

- das zuvor nicht vorhandene, virtuelle Papiergeld wird nun durch reales Vermögen (am besten Ressourcen wie Öl, Erdgas usw.) „besichert“ - besser gesagt: das Tafelsilber jedes Landes wird an Zettelbanken verpfändet...

- und für dieses edle und so furchtbar menschenfreundliche Geschäft wird oben drauf noch ein ordentlicher Zins(eszins) dem Schuldnerland aufgehalst.

Bei Argentinien waren es bis ca. 2001 so um die 10-15% Zinsen, (was einer Verdoppelung der Staatschuld in nur 6-8 Jahren entspricht) bevor sich die Menschen auflehnten und den IWF samt ihren Beratern aus dem Land vertrieben.

Das Ergebnis neoliberaler Politik ist immer dasselbe:

- fast alle Unternehmen/Banken und die Ressourcen sind „privatisiert“ oder gegen Buchungszeilen aus Luft verpfändet,

- die Arbeitslosigkeit ist irre gestiegen, ebenso wie die die Armut,

- die sozialen Sicherungssysteme (in viele Ländern wie Chile z.B. noch ein kaum gewachsenes Pflänzchen) wurden demoliert – kurz gesagt: das menschliche und soziale Elend ist immens, dafür aber hat sich das Vermögen (Landbesitz, Unternehmensanteile usw.) der reichsten Bevölkerungsschichte locker verdoppelt.

Und in ganz Südeuropa wird diese „Agenda“ wiederum 1 : 1 umgesetzt – und n i e m a n d ... hats gemerkt?!

Wie funktioniert nun unser Schuldgeldsystem:

Dass die Auswirkungen des 100%igen Schuldgeldsystems immens sind und alle Lebensbereiche und Wirtschaftssektoren massiv beeinflussen, ist jedem klar, der es verstanden hat. Diese elementaren Zusammenhänge werde ich im 3. Teil (Geld aus dem Nichts) detailliert erklären und belegen. Deshalb vorweg nur ein „Sreenshot“:

* Es gibt 3 (5) Wirtschaftsektoren:

- die Außenwirtschaft (Exporte/Importe, Tourismusströme, Kapitaltransfers etc.)

- den Staat (er hebt Geld über Steuern ein – und verteilt es als Transfers wieder um)

- die Privatwirtschaft, die man wiederum in

- Banken - (Bk), Zentral- und Geschäftsbanken (ZB / GB),

- Nicht-Banken (NBk), vom Bäcker über den Frisör bis hin zu VW, Aldi usw.

- und Haushalte/Konsumenten unterteilt.

** 100%iges Schuld-Geldsystem:

- Banken erschaffen für Nichtbanken (Haushalte/Staat/Unternehmen) das „Geld aus dem Nichts“,

- Banken erzeugen Geld NUR als Kredit/Schuld - d.h. a l l e s Geld = Schuld (oder haben Sie schon mal von einer Bank Geld geschenkt bekommen?),

- werden a l l e Kredite einer Volkswirtschaft getilgt – so gibt es kein Geld (viele VolkswirtInnen „scheitern“ spätestens hier - obwohl es nur eine Stornobuchung ist)

- Für das Geld aus dem Nichts werden Zins(eszinsen) verrechnet.

Der Staat erzeugt kein Geld – er hat das Geld-druckmonopol an private Banken „delegiert“: w i e s o?

Und wie kommt das Geld (die Geldmenge) für den Zins in die Wirtschaft?

Um diese, vor allem für die ÖkonomInnen/PolitikerInnen, nicht ganz einfache Frage zu beantworten, machen wir ein paar Beispiele:

1.) Kreditvertrag: fast alle Menschen haben einen in ihrem Leben ausgehandelt und viele Leute wissen ganz genau, was man unter „Schuldknechtschaft“ versteht...

Nehmen wir an, Sie nehmen einen Kredit von 100.000,- Euro auf, um sich ein kleines Apartment zu kaufen. Nachdem sie knapp bei Kassa sind und auf steigende Einkommen in den kommenden Jahren hoffen, haben sie eine Endfälligkeit der Tilgung + der Zinsen nach ca. 15 Jahren bei einem Zinssatz von 5% vereinbart: d.h. nach 15 Jahren sind inkl. Zinsen ca. 200.000,- Euro fällig. Die Differenz auf die ursprüngliche Investition von 100.000,- ist der Zinseszins.

Nun stellt sich die Frage: woher nehmen Sie das Geld für den Zins?

N e i n, Konsumenten/Haushalte können weder Geld erzeugen . . . noch haben sie das Geld für den Zins von der Bank gutgeschrieben erhalten. Er wurde Ihnen auch nicht, als zusätzliche Überweisung zum vertraglich fixierten Kreditbetrag, vonseiten der Bank zugestanden! Nachdem dies Tatsache auf a l l e Kredite zutrifft (Konsumenten- wie Unternehmenskredite als auch für die Staatsverschuldung, die ja wiederum - über den Kapitalmarkt - n u r von Banken als Kredit bedient wird) ist der Zins - o r i g i n ä r - nicht in der zirkulierenden Geldmenge enthalten.

Fazit: Die Geldmenge für den Zins(eszins) wird auf volkswirtschaftlicher Ebene i m m e r durch einen neuen Kredit (z.B. indem sich der Staat verschuldet und damit höhere Löhne an seine Beamten bezahlt, die damit ihre Zinsen bedienen – dasselbe gilt auch für die Unternehmen) erzeugt.

Unser Schuldgeldsystem ist daher ein Pyramidenspiel (Ponzi-Scheme)!

2.) Ein Blick in das Rechnungswesen einer Bank bringt Licht ins Dunkel:

Ich weiß, die Niederungen der Finanzbuchhaltung sind nicht jeder Frau(Mann)`s Sache, (ÖkonomInnen blenden sich hier aus – und die Journaille lässt sich nicht in diese Untiefen hinab, genauso wie die Politik...) aber um sicher zu gehen, ist eine solche Überprüfung unerlässlich.

Aus Bankensicht ist festzuhalten (Nichtbanken buchen gegengleich):

2.a.) Kreditvergabe:

- Forderung (Kunde X) 100,- / Schulden (Kunde X) 100,-

(die Bank schuldet dem Kunden X den versprochenen Kreditbetrag = Schuldenseite = Passivseite – bei Nichtbanken entspricht dies natürlich einem „Bankguthaben“ (Aktivseite), von dem diese Geld abheben und überweisen können).

2.b.) Zinsverbuchung:

- Forderung (Kunde X) ...5,- / Zinserlös der Bank ... 5,-

Wichtig: allein diese Buchung des im Nachhinein verbuchten Zinses beweist, dass der Kunde X das Geld = die Geldmenge für die Bezahlung des Zins(eszines) n i c h t von der Bank erhalten hat (die 5,- Euro wurden dem Kunden X nicht auf das Konto - Schulden Kunde X gutgeschrieben!).

2.c.) Und wie sieht dies bei einer antizipativen Verzinsung aus? Bei einer Bezahlung der Zinsen im Voraus (antizipativ), zeigt sich folgendes Bild:

- Forderung (Kunde X) 100,- / Schulden (Kunde X) 95,-

/ Zinserlös der Bank ........5,-

Hier wird es noch klarer, dass der Kunde X den Geldbetrag für den Zins(eszins) n i c h t erhält oder auf sein Konto gutgeschrieben wird.

3.) Tilgung des Kredites in bar:

- Kassa GB 105,- / Forderung (Kunde X) 105,-

antizipativ:

- Kassa Gb 100,- / Forderung (Kunde X) 100,-

(der Kunde X hat 100,- als Kreditsumme erhalten – und zahlt 105,- an die Bank zurück // antizipativ: 100,- / 100,-).

In allen Fällen hat der Kunde nur die vertraglich vereinbarte Kreditsumme erhalten – und zahlt um die Zins(eszinsen) mehr zurück.

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Q. E .D.

+ kein Kreditnehmer erhält das Geld (die Geldmenge) für den vereinbarten Zins(eszins)

++ n u r von der Passivseite der Banken (= Guthabensseite der Nichtbanken), gelangt das Geld in die Wirtschaft.

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Der Zins ist ein subtiles Umverteilungsinstrument!

Alle die über Grundkenntnisse der Finanzbuchhaltung verfügen, wissen, dass der Zins originär n i c h t in der Geldmenge enthalten ist und daher das Geld für den Zins ausschließlich als Kredit auf volkswirtschaftlicher Ebene erzeugt werden kann: damit ist klar, dass unser Schuldgeldsystem n i e nachhaltig sein kann und es alle 40-80 Jahre zu einem Crash führen muss.

Helmut Creutz hat diese Umverteilungswirkung in einer Grafik dargestellt:

https://lh3.googleusercontent.com/-Fc6m2Ob7ieg/VGlOZDLPYgI/AAAAAAAAAgk/bUCT8qgHUjQ/w958-h719-no/G%2Be%2Bl%2Bd%2B-%2BZins%2B-%2BDezile%2B-%2BCreutz.jpg

Die Einteilung der Haushalte in Zehntel (Dezile) zeigt die Umverteilung von unten nach oben deutlich auf:

- das 9. und 10. Zehntel der Reichen sind die Zinsempfänger - und alle anderen 80% der Menschen sind Zinszahler!

An diesem Umverteilungseffekt über den Zins(eszins) ändern Vermögenssteuern gar nichts – sie sind nur ein „Placebo“ für all jene, die das Zinssystem nicht durchschaut haben. Dass bei allen Zinsen (Libor, Euribor usw.) die Banken derzeit wegen ihres Betruges Mrd.-Strafen in Gerichtsvergleichen aushandeln, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Machen wir eine simple Probe dazu:

- in Österreich gibt es ca. 3,6 Mio. Haushalte

- das HH-Netto-Einkommen liegt bei 22.000,- Euro p. a.

- die Bankbilanzsumme aller österreichischen Banken beträgt ca. 1000 Mrd. Euro

- dies ergibt insgesamt bei ca. 4 % Zinsen 40 Mrd. an Zinseinnahmen für die Banken

- alle Haushalte zahlen über die Produktpreise ca. 11.000,- Euro, p.a., an „versteckten“ Zinsen (nachdem von der Miete, über jede Semmel bis hin zum Urlaub und dem Kauf von Autos i m m e r der Konsument über die Preise auch die Kreditzinsen aller Unternehmen bezahlt, kann man ihm auch alle Zinseinnahmen der Banken als Zinskosten zurechnen)

- dies bedeutet, dass jeder Haushalt 11.000,- Euro an Zinseinnahmen braucht, um eine ausgeglichene Zinsbilanz zu haben;

- bei einem Geldvermögen von ca. 440.000,- Euro (Annahme: 2,5 % Guthabenszinsen nach Steuern) hat der Haushalt eine ausgeglichene Zinsbilanz.

Frage:

Wie viele Haushalte verfügen nun über ein Vermögen von 440.000,- Euro? Mit großer Sicherheit fallen 80-90% der Familien nicht darunter. Der unfassbare Umverteilungseffekt des Zins(eszinses) ist damit nochmals bestätigt.

Ungleichheit: why are the rich getting ... richer?

https://www.youtube.com/watch?v=ZzCegQVljdY

www.positivemoney.org ist eine britische Nichtregierungsorganisation, die auf klare Weise in kurzen Videos auch komplexere Zusammenhänge für alle leicht verständlich zu vermitteln versteht: ich kann die zahlreichen, aufklärenden Beiträge nur weiterempfehlen, wie diesen über die „Sogwirkung“ des Zinses von unten nach oben - zu den wenigen Reichen. Da selbsterklärend, ist jeder Kommentar überflüssig!

https://lh4.googleusercontent.com/-VCLT-MKgL-Y/VGtTLqU0w3I/AAAAAAAAAhQ/0Lx5k77PVdE/w958-h719-no/G%2Be%2Bl%2Bd%2B-%2BZins%2B-%2BPositive-Money%2B-%2BTrickle%2BDown.jpg

Es war David Stockman, der die „Trickle-Down-Theorie“ für angebotsorientierte Wirtschaftspolitik (also Neoklassik usw.) erfand. Er lieferte damit eine Begründung für die Ungleichheit: der Wohlstand der Reichen sei deshalb notwendig..., weil nur diese investieren und mit Innovationen für Wachstum sorgen und später dann, so quasi automatisch..., der Wohlstand auch auf den Mittelstand und danach – irgendwann halt - auf die niedrigeren Einkommen „durchsickere“. Wie Krugman und Stieglitz korrekt anmerkten, warte man über Jahrzehnte schon darauf, dass dies auch passiere?!

Der deutsche Begriff „Pferdeäpfeltheorie“ ist kantiger und trifft nach John Kenneth Galbraith den Punkt haarscharf: „Gibt man einem Pferd genug Hafer, so können sich später auch die Spatzen von dem ernähren, was auf der Strasse von den Pferden übrig blieb“ (sinngem. zitiert).

„Hier in Frankreich herrscht gegenwärtig die größte Ruhe. Nur ein leiser, monotoner Tropfenhall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen. Man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal klirrt etwas wie ein Messer, das gewetzt wird“. (Heinrich Heine, 1842)

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P.S. Das sind die Tatsachen – und diese können durch „Verschwörungspraktiker“ oder sonst wem, nicht verdreht werden, denn dann kann man auch gleich fragen: was ist größer – 1 oder 10!

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Nachdem beim Thema Zins viel mit hanebüchenen Totschlagargumenten, religiös-verbrämten Unterstellungen als auch ökonomisch unfundierten Behauptungen auf den Tisch geklopft wird, mal mit sehr wenig – manchmal mit etwas mehr Sachverstand, gehe ich auf ein paar „Kritiker der Kritiker des Zins- Geldsystems“ ein.

Die meisten Kommentare kratzen nicht mal an der Oberfläche (niemand untermauert die vorgebrachten Thesen mit einer klaren Dokumentation der Schuldgeldschöpfung und des Zinses anhand der Rechnungslegung oder geht auf die einzelnen Wirtschaftssektoren und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen auf der volkswirtschaftlichen Ebene ein) und die elementaren Fragestellungen werden zumeist ausgeblendet - und daher auch nicht beantwortet.

Aber, lesen Sie sich einfach mal so quer durch, viele Argumente, Einwände usw. klingen albern und obskur, etliche sind ein Offenbarungseid der eigenen Unkenntnis . . .wenn man selbst das Geldsystem betriebs- und volkswirtschaftlich im Detail verstanden hat.

Viel Spaß dabei.

- - - - -

* Stephan Schulmeister (Wirtschaftsforscher) - INSIDE JOB, Burgkino – Wien, 2011:

https://www.youtube.com/watch?v=qB9seP4Zxzg

- ab 1 : 02 Min 30 – Frage eines Kinogastes: ich bekomme von der Bank 100.000,- Euro um mir ein Haus zu bauen – zahle aber 110.000,- Euro zurück: woher kommt das Geld für diese Differenz?

- Antwort Schulmeisters: ... er versucht es über die Rendite von 8 % eines an einen Unternehmens gegebenen Kredites zu erklären ... dann kommt er zum BIP über China ... usw.

- ab 1 : 12 : 44 erkläre ich Schulmeister den Zusammenhang zwischen Produktivität (Wachstum) – Vorratsänderung – und der Geldschöpfung.

** NDS/Nachdenkseiten – Seiten o h n e Nach_zu_denken? (Jens Berger, 23.8.2011)

http://www.nachdenkseiten.de/?p=10530

Ich lasse mal seine unsachlichen Hinweise auf einen ...„religiösen, völkischen, ja antisemitischen Grundton“ ... der Zinskritiker beiseite: sie zeugen von einem unqualifizierten, unsachlichen Zugang.

- Die Ansicht ...“Wer den Zins verbieten will und den Menschen somit die Möglichkeit auf einen Kredit nehmen will, nimmt ihnen auch die Möglichkeit, Investitionen, die ihnen sinnvoll erscheinen, zeitlich vorzuziehen“ ... geht meilenweit an der Realität vorbei, zumal im Islamischen Bankwesen z.B. ein striktes Zinsverbot herrscht und trotzdem stark in die Wirtschaft investiert wird.

Es geht auch nicht darum...“den Menschen die Möglichkeit auf einen Kredit zu nehmen“ ... Eine Geldschöpfung o h n e Zins (privat oder staatlich) scheint nicht im Denkhorizont Bergers auf.

- Im Absatz „Irrtümer der Zinskritiker“ offenbart der Autor mit dem Kommentar ...„Die Geldmenge, die zur Bedienung der Zinsen benötigt wird, muss nicht geschöpft werden – sie ist vielmehr bereits vorhanden.“ ( ? ) ... erschreckende Unkenntnis der buchungstechnischen, monetären und realökonomischen Tatsachen auf Mikro- und Makroebene - o h n e überhaupt zu erklären, wieso und in welchem Wirtschaftssektor z.B. ...“die Geldmenge bereits vorhanden sei ... und nicht geschöpft werden müsse“?

Da kommen mir große Zweifel auf, ob der Autor jemals einen Kreditvertrag gelesen hat?

- Weiter ... „Ein Teil der Zinseinahmen fließt zum Beispiel in die Löhne und Gehälter der Bankmitarbeiter, ein Teil landet auf den Sparbüchern der Sparer, die der Bank ihr Eigenkapital zur Verfügung stellen, ein weiterer Teil fließt als Steuern an den Staat und die Gewinne werden entweder als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet oder reinvestiert.“ ...

Ja, korrekt. BUT - that`s not the point!

Bevor die Zinseinnahmen an die Banken gehen - ist ja die entscheidende Frage zu stellen: w o h e r haben denn die anderen Wirtschaftssektoren (Haushalte / Unternehmen und der Staat) die Geldmenge für die Bezahlung des Zinses an die Banken erhalten?

Vertraglich wurde dies n i c h t fixiert...und dass die Banken, so mir nix ... dir nix ... den Konsumenten/Unternehmen mal zu Weihnachten den Zins, den sie dann als Einnahme verbuchen..., überweisen (dann hätten die Banken ja per Saldo gar keinen Zinserlös...), hat mit den Tatsachen nichts zu tun.

- Und dann: ... “So wird beispielsweise die Umverteilung von unten nach oben und die damit verbundene Vermögenskonzentration von den Zinskritikern ursächlich dem Zins zugeschrieben. Eine kausale Erklärung für diese korrekt beobachtete Entwicklung liefern die Zinskritiker jedoch nicht.“ ... Ein kleiner Tipp: sich selber schlau machen - oder nachlesen; siehe diesen Artikel.

- Und . . . “Empirisch lässt sich der Zusammenhang von Zins und Vermögenskonzentration jedoch relativ einfach widerlegen, wenn man sich die Periode von 1945 bis 1980 anschaut.“ ... weiter: „Am Geld- und Zinssystem hat sich jedoch seit Beginn der neoliberalen Ära ebenfalls relativ wenig verändert. Der Zins war immer da“, ...

Ja, stimmt: das Schuldgeldsystem und der Zins waren immer da – eben, deswegen und überhaupt!

Nur der bloße Hinweis auf ...die „neoliberale Politik“ und die Senkung des Spitzensteuersatzes für Konzerne (auf die Mehrheit der Konsumenten trifft dies ja nicht zu) ... wurde doch nicht der Zins als die Hauptursache der Umverteilung widerlegt – schon gar nicht e m p i r i s c h. . .

D a s ... sollen stichhaltige Argumente sein?

Gerne gebe ich dem Autor einen Tipp: er solle sich rasch betriebs- und volkswirtschaftliche Grundkenntnisse aneignen, denn solche Behauptungen machen keinen schlanken Fuß, nee.

** NDS/Zinseszinssystem – Geldsystem: Herr Müller, 2011: https://www.youtube.com/watch?v=ZKLCbk0wPB4

- Min. 46. Die Frage, ob – und wie viel Zinsen in allen Produkten enthalten sind (eigentlich eine 1er Frage für alle, die irgendwann mal auch Kostenrechnung in einem Betrieb lernten) wird gar nicht beantwortet. (siehe hierzu mein Beispiel der Haushalte in Österreich).

- „Ich kann mir eine Ökonomie ohne Zins nicht vorstellen“ usw. ist eine klare Aussage – wie alles was danach kommt nicht wirklich zur Aufklärung beiträgt. Leider.

Da ich Oberflächlichkeiten nie kommentiere – lasse ich es auch dieses Mal.

*** Das Zinssystem ist Schuld – Mythos der Krise“ – Attac. http://www.social-innovation.org/?p=3060

Da ich vieles – vor allem aber die elementaren Zusammenhänge zwischen der Geldschöpfung der Banken, dem 100%ige Schuldgeldsystem und dem Zins(eszins), DEM Umverteilungsturbo des erwirtschafteten Wohlstandes der Menschen, den daraus resultierenden immer stärker steigenden Schulden (es gibt eben auf Makroebene n i e eine Tilgung, sondern immer nur eine Umschuldung!) und den gegengleich explodierenden Vermögen – an diesem Artikel vermisse, erspare ich mir meinen Kommentar.

Dass Attac die ursächlichen Zusammenhänge der Finanzkrise oder gar unseres Geldsystem und des Zinses ... verstanden hat, möchte ich stark bezweifeln.

Anmerkung:

Ob sich seit der Klarstellung der Bank of England die Ansichten der o.a. Personen änderten, kann ich nicht sagen. In Österreich konnte ich nichts dergleichen bemerken: die ÖkonomInnen machen weiter in ihren verlorenen und längst überholten mathematischen Gleichungsmodellen wie bisher. Aber vielleicht kommt die Erleuchtung ja noch.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

- - - - -

Dabei ist alles doch SOOO einfach, nicht wahr ;-)

Pelzig frägt ... Pispers antwortet.

Beide haben es „geschnallt“, NO DOUBT ABOUT THAT!

https://www.youtube.com/watch?v=TAP6HhANEbM

23:23 18.11.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Pregetter Otmar

Prom. Ökonom, Uni-Lektor, Buchautor. Mein Credo: gute Recherche + griffige Kritik = Lesenswert.
Pregetter Otmar

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