Protagoras

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RE: Griff nach der Ordonnanz-Pistole | 13.02.2011 | 18:16

Als Offizier der Schweizer Armee ist es meine Pflicht die Leserschaft zu informieren, dass sich der Autor in obigem Artikel glatter inhaltlicher Lügen und effekthascherischer Verzerrungen der Faktenlage bedient.

Zuerst einmal eine Richtigstellung: In über 90% der Schweiz Haushalte sind 0, 1 oder 2 Waffen. Zu behaupten, dass schnell mal „ein halbes Dutzend“ Waffen zusammenkommen ist schlicht falsch. Leider ist das nicht die einzige Unzulänglichkeit:
Obwohl vergangene Szenarien wie der Kalte Krieg erwähnt werden, wird kein Wort wird auf aktuelle Bedrohungslagen im Rahmen der asymmetrischen Kriegsführung, Pilzgegner und Nadelstich-Strategien gelegt, die durch eine bewehrte Milizarmee deutlich besser zu begegnen wäre als mit einer de-facto Berufsarmee wie in Deutschland.

Völlig ausser Acht gelassen wird, dass mit der Initiative in der Kausalkette eines Suizides mit Schusswaffen nicht die Beweggründe (z.B. Depressionen) bekämpft wird, sondern Symptome behandelt werden. Die Initiative tut nichts gegen die Ursachen von Suiziden oder erweiterten Suiziden. Oder in anderen Worten, damit sie es auch verstehen: Es war die Schuld von Menschen, dass im 2. WK Millionen von Menschen eliminiert wurden, nicht die der Waffen. Ein Mensch mit der Absicht zu töten ist äusserst kreativ in seiner Mittelwahl: Ist es keine Schusswaffe, dann nimmt er eben Gas. Gas zu verbieten würde nicht helfen den Menschen in seiner Grundhaltung zu ändern, oder? Die Welt ist komplex und einfach die Verbotskeule zu schwingen ist den Anforderungen der Realität gegenüber völlig ungenügend, ja sogar destruktiv. Wie Sie aus Ihrer Geschichte auch wissen sollten, ist es immer einfach, Freiheiten zu nehmen, aber fast unmöglich, sie wiederzuerlangen.

Auch die Umsetzung der Initiative, wenn Sie zustande gekommen wäre, wird nicht erwähnt. Wie das Initiativekomitee in einer Anfrage von mir erklärte, wäre eine faktische Enteignung des Grossteils aller privaten Waffenbesitzer unvermeidlich. Die illegalen und unregistrierten Waffen, die in der Initiative nicht erwähnt sind, natürlich ausgenommen (!).

Aber dieses wie andere Argumente der Gegner, der Mehrheit der Schweizer, trifft beim Autoren auf taube Ohren. Er verniedlicht den Nachbarn im Süden in beleidigender Weise. Der Artikel strotzt vor Überheblichkeit unserer Meinungsvielfalt gegenüber. Es steht der Zeitschrift Freitag, die ich ansonsten schätze, nicht an, solche mangelhaften und boulevardesken Artikel zu publizieren.