"Stahlhelm" absetzen und nachdenken!

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Als Hans-Dieter Flick, Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, bei der Pressekonferenz zum Spiel gegen Portugal nur der „Stahlhelm“ und „groß machen“ als Mittel, um scharf geschossene Freistöße abzuwehren einfiel, wurde deutlich, dass es bis zur Überwindung gewisser nationaler Chauvinismen mit Bezug auf die Wehrmacht und den Nationalsozialismus noch einige Zeit dauert.

Fielen bei den vergangenen internationalen Fußballturnieren eher die Medien ( „EM-Krieg gegen uns“ / Bild im Juni 2008) und Anhänger des deutschen Nationalteams mit Kriegsrhetorik auf, so war es diesmal der Co-Trainer der Mannschaft.

„Stahlhelm und groß machen“: Die Wortwahl Flicks ist in vielerlei Hinsicht problematisch.

„Stahlhelm“, ein Germanismus der weltweit verstanden wird. Genau wie „Blitzkrieg“ ist auch der „Stahlhelm“ ein sprachliches Symbol für das Dritte Reich und die Wehrmacht. Es strahlt eine besondere Aggressivität aus und suggeriert eine gewisse Überlegenheit. Scheint doch besonders der „Stahlhelm“ ein Garant für den Erfolg zu sein um gegen Portugal zu siegen.

Insbesondere bei einem Turnier in Polen und in der Ukraine und für die dortigen Opfer des Nationalsozialismus führen solche Worte aus dem Mund eines deutschen Amtsträgers zu Verwirrung.

Es bleibt abzuwarten wie die Medien damit umgehen. Auch wenn die aktuelle Wortwahl in den Medien („Fettnäpfchen“ , „...sorgt für Wirbel“, etc.) die Aussage herunterspielt aber noch moderat ist. Der Diskurs in den polnischen Medien wird zeigen, ob die deutschen Medien dem aggressiv oder mit deutscher Selbstgefälligkeit antworten.

15:19 08.06.2012
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Geschrieben von

przeja

ist freiberuflicher Musiker und Instrumentalpädagoge.
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