RE: Einmischen, eingreifen – wer darf was? | 22.09.2018 | 14:36

Naja, Bahr hat ja schon auf seine Art die "Normalität der Brutalität" BESCHRIEBEN und nicht angeklagt. Mir scheint, dass dies heute fast das Optimum an aufklärerischen Möglichkeiten ist.

Danach kommt das eigenverantwortliche Denken - dies in konkrete Handlungen umzusetzen bleibt eine einfach zu erfüllende Aufgabe, die jedoch mit Machtverlust/Machtverschiebung verbunden ist und dazu scheint mir NIEMAND (der Mächtigen) bereit und die von ihnen geschaffenen Strukturen erfordern auch die Selbstermächtigung ALLER ... eine "Selbstermächtigung" ohne Machtmißbrauch (wie es Snowden tat)

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 22.09.2018 | 14:04

Wer das - heute subtile und moralisch raffiniert instrumentalisierte - "Teile - und herrsche - Prinzip" nicht in seinen viefältig benutzbar-wirkungsvollen Spielarten begreift/analysiert und sich ihm radikal verweigert - ist sein treuer Diener (sei es aus der gewohnt besten Absicht heraus, die jedoch den Erfordernissen der Gegenwart und zukünftiger evolutionärer Entwicklungensmöglichkeiten des Lebens auf der Erde nicht human hilfreich ist) ...

Heute besteht die Chance die verkrusten Muster zu gestalten - jedoch nicht unter Verwendung derer selbst. Da ist wirklich Kreativität einer enormen Dimension gefragt - die gegenwärtig untragbaren Verhältnisse werden sie (evolutionär) sowieso in erträgliche bzw. das endgültige Ende gestalten und das ist NICHT Ideologie gefragt, sondern das Besinnen auf die Basis des Lebens - was zum Glück immer mehr Menschen erfühlen und wollen, aber experimentell verunsichert und zweifelnd danach suchen. M.M. nach was das sozialistische Experiment eine verspielte Chance - aber die richtige Richtung, die trotz ihrer Verfehmung und tatkräftigen Zerstörung aller "traditionellen Krusten-Vertreter" auch schon das Neue in sich geboren hat ... ja und genau das gilt es als Lichtgestalt zu hegen und zu pflegen - selbst wenn es fremd schwach oder gefährlich erscheinen mag ... es birgt die Hoffnung der Zukunft in sich, die sich jedoch jeder Massenbewegung durch Aktionismus verweigert, sondern Ruhe und Geduld zur Kräftigung braucht und weiß: "Genies treten nicht in Rudeln auf" (H. Müller) ...

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 21.09.2018 | 14:19

"Man ist beinahe versucht zu sagen, es sei der Geist, der dahinter wirksam ist :)"

NATÜRLICH IST das so - ich weiß nicht wieviel % der Kommunikation durch Worte vermittelt werden - jedenfalls ist der Anteil der nonverbalen Kommunikation unschlagbar und dominierend höher.

Klar ist auch: der Ton macht die Musik - die Stimme, die Mimik und der Kontext - oft auch mal die getroffene Wortwahl (Peter Handke fand das Wort "Glück" schrecklich - für seine Haltung gab es dafür das bessere Wort "Freude" - schon wegen der zwei Silben erklärte er auch dazu)

Und natürlich kann ich das gleiche Lied von unterschiedlichen Interpreten auch ganz unterschiedlich empfinden: von unerträglich bis tief berührend.

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 21.09.2018 | 14:04

Mir ist grad zum Thema noch eingefallen, dass ich ja nicht mal mehr (politisch völlig korrekt und unangreifbar) einen Menschen als Mann oder Frau bennennen darf - denn ich weiß ja gar nicht wie der sich selbst definiert/bezeichnet und ob ich nicht voll kränke in seiner Idendität und Würde.

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 21.09.2018 | 13:05

Hmm, Psycholgen sagen, manchmal ist der Hammer wirklich ein Hammer - oder eine Rose ist eine Rose ist eine Rose

Als jugendliches Kind wollte ich immer "Zigeuner" werden - mit einem Pferdewagen durch die Gegend fahren und musizieren - ich habe mit dem Begriff niemals etwas anderes verbunden - das kam dann von anderen - von außen und hatte mit mir nichts zu tun - und meinte nicht einfach "ich möchte ein Mensch sein" - sondern differenzieren - na klar, auch Soldaten und Beamte sind ja Menschen und bei allem Respekt: ich wollte "sowas" nicht sein - diese "Spezialisierung/Konkretisierung" ... und dass ich keine "dumme Kuh" war, war mir klar und hatte nur mit dem Sender dieses Begriffes an mich zu tun - nix mit mir - genauso wie abwertend benutzte Bezeichnungen für Ausgrenzungen und Diskriminierung - doch es ist etwas anderes für mich, als eine Konkretisierung - es gibt nun mal Bayern und Berliner - obwohl es ja egal ist , will man ja vom Allgemeinen zum Konkreten kommen - obwohl ja "Mensch" oder "Lebewesen" reichen würden - oder doch nicht???

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 21.09.2018 | 12:52

Ich glaube weniger, dass die Beschäftigung mit dem gleichen Sachverhalt zu gleichen Standpunkten führt - aber wenn - dann WOW.

Es würde mir sogar emotional gut passen, wenn sich Humanisten unter einem linken Label versammeln würden/könnten - beides paßt für mich gut zusammen, doch DARUM geht es gerade nicht, sondern um den kleinsten gemeinsamen Nenner für humanistisches Handeln - auf tolerante und individuelle Art Verantwortung dafür übernehmender Menschen.

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 21.09.2018 | 11:36

WOW, lieber Lethe - wie machen Sie es nur, dass Sie meine Gedanken und Gefühle so wunderbar ergänzen und in Worte fassen - ein Seelenverwandter ?

PS: zu der "Schadensfrage" ... wenn etwas taktisch Unkluges die Sache gefährdet oder behindert oder ihren möglichen Erfolg aus der "besten Absicht" sehr fraglich macht - dann ist das bösartig gesagt eine reine Solonummer der Protagonisten (egal!! wie gutwillig die Worte gewählt sind = sie sind in der Welt und tun ihre Wirkung - denen viele wohl gern hoffnungsvoll "folgen" (Fan-Kultur?) - ich jedoch möchte nicht dazu gehören, weil ich schon langelange "aufgestanden" bin und nicht darauf gewartet habe, dass Sahra nun ENDLICH auch mal aufstehen will ... ich stehe schon und bewege mich - natürlich ganz individuell und völlig machtlos über diese private Individualität hinaus ..

naja, vielleicht habe ich einfach viel zu lange warten müssen - auf ein mögliches Zeichen der Ermächtigung - oder mußte die AfD erst in relativ kurzer Zeit praktisch vorführen WIE es gehen kann Massen zu mobilisieren - dass es AUCH intellektuell peinlich wird (saugefährlich ist es sowieso!!!!) - weil das "Volk" den politisch Angeboten einfach nicht trauen und folgen will ... hätten SIE (die Parteienvertreter) sich ein anderes "Wählervolk" doch in ihrer Bundestagesblase wählen sollen und ihm dann nicht "erklären" müssen, was von ihnen gewünscht wird , damit ihre Posten erhalten bleiben - eh, das dumme Volk aber auch - einfach nicht an Parteidisziplin gewöhnt - sind kritisch und denken selbst ... und für eine "Sammelbewegung" sind sie einfach nicht links genug - nach den ganzen faulen Kompromissen der linken Parteien, die nur den Rechtsruck und Sozialabbau befördert haben ... und keine Änderung in Sicht ... naja, nun vielleicht ein "linke Sammelbewegung" - nachdem der Begriff links verbrannt ist und nur noch wie ein Widerschein von einst zum Strahlen gebracht werden soll ... einfach nicht klug aus meiner Sicht - die Enttäuschung über die reale linke Politik ist zu groß ... HUMANISMUS wäre eine Möglichkeit gewesen und hätte bestimmt nicht geschadet ...

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 21.09.2018 | 10:52

Lieber iDog, leider ist eine ausführliche Antwort im technischen Nirwana verschwunden.

Die Begriffe/Worte/Sprache unterliegen einer sich fortschreibenden Wandlung - ganz besonders im asoziativem Bereich - also auch bei rechts/links über einen faktischen Richtungshinweis hinaus. Viele Begriffe sind aus rassistischen Interpretationsmöglichkeiten verpönt und verschwunden - wurden jedoch jahrzehnte lang im allgemeinen Sprachgebrauch der Zeit auch von absolut nicht rassistisch Denkenden wertfrei als Bezeichnung benutzt/mißbraucht ... besonders wenn es sich um die Bezeichnung von Menschengruppen gehandelt hat ... ich nenne dies mal Evolution der Sprache als gesellschaftlicher Spiegel = die mehrfache Deutungungsmöglichkeit von "Neger", "Zigeuner" u.s.w - sie sind einstmals selbst in der Kunst und Literatur populär verwendet worden (Zigeunerbaron u.ä.) ...

Genauso sehe ich die Begriffe links/rechts für politisch-ideologische Wertepositionierung als überholt weil mehrdeutig mißbrauchbar an. D.h. jedoch NICHT, das das traditionell progressive LINKS an sachlicher Bedeutung verloren hätte - aber es ist mißbraucht - ob durch historische Umdeutungen oder "Agenten unter falscher Flagge" ... der Streit um die Begrifflichkeiten lenkt vom Inhalt ab ... und um DEN geht es doch wohl???

Mir fällt kein besseres Wort als Humanismus ein - aber vielleicht ist es heute mit einem "ismus-Wort" nicht mehr getan - es braucht in einer komplizierten Welt, vielleicht auch eine differnzierte Begriffsbestimmung, die vieleicht aus einer Wortgruppe bestehen muß, die Mißverständnisse auschließt?

Auch "LIEBE" ist so ein strapazierter, mißbrauchter Begriff, den man kaum noch auszusprechen mag - wegen massenhaften Mißbrauch - ohne wirklich die tiefe Substanz des echten Gefühls vermitteln zu können.

Ich hoffe Du verstehst, was ich meine.

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 20.09.2018 | 14:19

Also ich bin voll auf Seite von @Lethe.

Humanismus kann es überall geben - ganz privat gelebt, national und als globales Menschheitsanliegen (MUSS natürlich nicht) - selbst von Naturvölkern ohne jedes Wissen über Parteien/Parlamente/Ideologien und theoretische Schriften der sogenannten "Zivilisation", welche wir in allen Facetten erleben dürfen.

Die "bösen nationalistischen Indianer" hätten sich wirklich nicht nur um Einklang und Harmonie mit ihrer Umwelt bemühen müssen - den globalen Expansionsbetrebungen der "fortschrittlichen Welt" standen sie einfach im Wege - die wollten doch nur ihr Bestes: Klassenkampf für die Ziele der "einfachen fleißigen Arbeiter und Bauern" aus Europa - echt ganz doll dumm und gemein diese Indianer und alle, die einfach nur ideologie- und religionsfrei ein gutes Leben leben wollen ...

RE: Sie machen sich nicht ehrlich | 20.09.2018 | 14:00

Warum fantasierst du einen "rechten" Humanismus? Na klar ist das ein Oxymoron.

Ist HEUTE wirklich noch die richtige Zeit, ohne Mißbrauch und Verwirrungsmöglichkeiten von rechts und links zu denken und zu sprechen? Ich habe Humanismus immer anders verstanden - oder kennst du rechtes bzw. linkes Tier- oder Pflanzenleben? Wird es nicht Zeit sich dem LEBEN in seiner Gesamtheit zu widmen und nicht die elastisch beugsamen Ideologien als Monstranz vor sich her zu tragen?