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EIN JAHRESTAG
Am 23. 08. 2010 hätten die Bremer den 58. Jahrestag,
"es fehlt eine Kanone" begehen können!

Vorworte:
Deutschland nach dem 2. Weltkrieg
In Deutschland gab es keine deutschen Soldaten mehr. Wir hatten dennoch reichlich Militär in Deutschland, aus den USA, England, Frankreich und der Sowjetunion eben unsere Besatzungsarmeen. Am 23. Mai 1949 wurde in den von USA, England, Frankreich besetzten Zonen Deutschlands die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die Besatzer aus USA, England, und Frankreich, wurden, dann zu Schutzmächten umbenannt. Übrig blieb die Sowjetisch besetzte Zone, kurz SBZ genannt, auch dort mutierten die Besatzer zwar nach der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 zur Schutzmacht. Von der BRD und der sog. freien westlichen Welt wurde die DDR jedoch nicht als Staat anerkannt und weiterhin mit SBZ benannt, bis zur internationalen Anerkennung der DDR 1972/1973 lebten, nach Begriffsvorgabe des Westens, die Deutschen in der DDR unter der Besatzung der Sowjetarmee.
Inmitten der SBZ; also der späteren DDR, die sich dann der BRD später anschloss, existierte noch eine kleine Insel, mit sogenannten behelfsmässigen Deutschen (stand so auf ihren Personalausweisen), auch Westberliner genannt. Sie selbst nannten sich jedoch Berliner, genau wie ihre Brüder und Schwestern in Ostberlin sich auch Berliner nannten. Die dauraus entstehenden wirrnisse gehören in eine andere Geschichte.......

SÜDAMERIKA
Das Problem der fehlenden Kanone in der Wahrnehmung der Kolumbianer
am 22. 08. 1952:
......................"Bremen braucht eine Kanone!
Die Stadt Bremen ist zur Zeit Opfer jener ungeheuren Ratlosigkeit, die Hausfrauen befällt, wenn ihnen gerade an dem Tag Besuch angekündigt wird, an dem sie ihre Möbel aufpolieren lassen. Wie in dem Hause, wo ein solches Missgeschick passiert, hat man in Bremen alle möglichen Auswege gesucht, verschiedene Anregungen geprüft, und im Parlament hat sogar eine hitzige Sitzung stattgefunden, in der die Regierungsmitglieder sich gezwungen sahen, die Opposition zu bremsen, nur weil diese die Regierung beschuldigt hatte, nicht einmal Kanonen zu haben, um eine Ehrung zu erwidern.

Die Geschichte ist die:
Das argentinische Küstenwachschiff »Pueyrredon« wird am Montag in Bremen eintreffen, wo es eine Woche lang bleiben wird. Vor einigen Tagen schickte der Kapitän des argentinischen Schiffes den städtischen Behörden ein Kabel, in dem er ankündigte, das er den Hafen mit einer Kanonensalve begrüßen werde, sobald er Land sichte. Die Bremer Behörden dankten für die angekündigte Ehrung, aber dann fiel ihnen ein, das eine derartige Auszeichnung auch eine entsprechende Erwiderung verdiene. Und das ist in Bremen unmöglich, weil die Geschütze der Stadt im letzten Krieg zerstört wurden und noch nicht ersetzt werden konnten. Bremen ist also eine unbewehrte Stadt, unfähig, diesem herzlichen und friedlichen Belagerungszustand zu begegnen, den ihr der argentinische Zerstörer am Montag auferlegen wird. Selbstverständlich kann man diesen vom Protokoll erfundenen Scheinkrieg mit Platzpatronen und Spielzeuggewehren führen, vorausgesetzt, sie sind laut genug, um in angemessener Entfernung gehört zu werden, in diesem Fall die Entfernung zwischen Hafen und Zerstörer, sobald dieser Land gesichtet hat. So hatten es die Bremer Behörden verstanden und einen originellen Ausweg gefunden: Sie hatten die Absicht, im Hafen die Schlaginstrumente aller Orchester der Stadt und der benachbarten Gemeinden zu versammeln, um sie zum Zeitpunkt der Ehrung als Antwort auf die Kanonenschüsse des Zerstörers spielen zu lassen. Es gab aber im Bremer Parlament jemanden, der darauf hinwies, wie lächerlich dieser Ausweg sei. »Das ist zu unwirklich«, sagte einer der Parlamentarier und setzte seinen Standpunkt durch, nachdem er erklärt hatte, das alle Pauken, Trommeln und Schlagzeuge von Bremen und Umgebung nicht in der Lage sein würden, bei den Argentiniern den Eindruck zu erwecken, man erwidere ihren Gruß mit etwas, dass auch nur ein wenig lauter war als ein paar Knallfrösche. Nachdem man diese Möglichkeit verworfen hatte, herrschte eine solche Verwirrung, das man jetzt daran denkt, irgendwo eine Kanone auszuleihen, ohne bisher ganz sicher zu sein, ob nach dem Krieg noch irgendwo eine Kanone übriggeblieben ist. Das Schlimme ist, daß den Städten nicht die letzte Rettung der Hausfrauen bleibt, nämlich Türen und Fenster zu schließen und den Besuchern durch das Dienstmädchen sagen zu lassen, die Herrschaften seien nicht zuhause. Bremen kann sich nicht von der Stelle rühren. Und an dieser Stelle werden sie es am Montag finden, die hochachtungsvollen Kanonenschüsse des argentinischen Schiffes, die der Stadt eines der merkwürdigsten und zugleich unglaublichsten Probleme dieser modernen Welt bereiten, in der die Völker sich im allgemeinen mehr ums Töten als ums Essen sorgen.".................Aus Gabriel Garcia Marquez „Die Giraffe aus Baranquilla“ Jounalistische Arbeiten 1948-52 Seite 264-265 KIWI (In Kolumbianischen Zeitungen an der Atlantikküste am 22. 08. 1952 gedruckt)

Nachworte:
Die Deutschen in Ost und West waren ohne Armeen, Waffen, Panzer und Kanonen!
Historisch eine nie da gewesene Situation, einigen in der Welt erschien das als unhaltbarer Zustand. Unbewaffnete zum Frieden gezwungene Deutsche, das konnte doch nicht der Sinn der Befreiung vom Hitlerfaschismus sein, irgendwie sollte es doch möglich sein die Deutschen wenigstens in ihrer Zukunft vom dauernden Frieden zu befreien.

Propagandistisch war es gelungen:
1.
Zwei deutsche Staaten zu erzeugen, denen jedoch eines fehlte beide waren nicht souverän. Keiner der beiden Staaten unterhielt eine bewaffnete Armee.
2.
Es musste tief in die Trickkiste gegriffen werden, unterstützt von der freien Presse, der freien Welt, um den Westdeutschen einzureden mit den sog. Pariser Verträgen, seid ihr souverän, jetzt sollt ihr auch euren Anteil an der segensreichen Verbreitung und dem Schutz der Demokratie westlicher Prägung leisten.
3.
10 Jahre nach dem verheerenden 2. Weltkrieg Krieg, war es gelungen eine Wiederbewaffnung, der Deutschen national (zuerst natürlich der Westdeutschen), und dann auch der Ostdeutschen und das alles auch international durch zu setzen.

All das lief und läuft unter dem Motto: mit immer mehr Waffen, mehr Frieden schaffen!

Bundeswehr
Mit Inkrafttreten der Pariser Verträge am 5. Mai 1955 wird die Bundesrepublik Deutschland „souverän“. Das Besatzungsstatut wird aufgehoben, die Alliierte Hohe Kommission löst sich auf, aus den Hohen Kommissaren werden Botschafter. Nur wenige Tage später tritt die Bundesrepublik der WestEuropäischenUnion und der NATO bei und schafft damit die Voraussetzungen für die Aufstellung einer eigenen Armee. Sie muss allerdings auf atomare, biologische und chemische Waffen verzichten und ihre Streitkräfte der NATO unterstellen. Innerhalb von zehn Jahren ist damit aus einem besiegten Feind unter Besatzungsrecht ein militärischer Verbündeter der westlichen Demokratien geworden.

Am 7. Juni 1955 wurde in der BRD die Wehrverwaltung gegründet, am 12. November 1955 die ersten 101 Freiwilligen vereidigt. Die ersten Soldaten der Bundeswehr waren Offiziere und Unteroffiziere, die in der Hitlerwehrmacht gedient hatten. Begründung der Adenauer-Regierung „Die NATO akzeptiert keine 18 jährigen Generäle oder Offiziere“. Im Jahr 1958 stammten 12.900 Offiziere aus der Hitler-Wehrmacht.

Endlich war das leidige Saluterwiderungsproblem der Bremer Bürgerschaft gelöst es gab in Deutschland wieder Kanonen.

In der DDR wurde die Nationale Volks Armee am 1. März 1956 gegründet, auch dort wurden Offiziere der ehemaligen Hitlerarmee reaktiviert.

Nachtrag: Meiner einer, kennt nur ein Land zur Zeit,
das keine Armee unterhält, - Costa Rica.

17:11 24.08.2010
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Geschrieben von

alimente69

"Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das was wir nicht tun." Jean Baptiste Moliere
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