RE: Alle wollen Zäune, jetzt auch gegen Schweine | 16.01.2020 | 09:24

Was mich massiv stört, ist, dass wegen der Massentierhaltung und des Schweinefleischexports die Wildschweine in den Wäldern Brandenburgs fast alle abgeschossen werden. So hat sich die Abschussquote Jahr 2017/18 in DE um 42 % auf 860000 Stück Schwarzwild erhöht. Ich sehe heute nur noch mal ganz vereinzelte Wildschweine, versteckt, in der Schorfheide z.B., einem grossen Waldgebiet nördlich von Berlin.

RE: Käufer, vereinigt euch | 09.01.2020 | 12:32

Also aus Sicht der Politischen Ökonomie von K. Marx wäre das Auto in meinen Augen einerseits Produktionsmittel, soweit es für den Transport von Waren gebraucht wird, andererseit Konsummittel, soweit es für den privaten Gebrauch Lohnabhänger benutzt wird. Für die Einhaltung der Pariser Klimaziele ist es unbedingt notwendig, in beiden Bereichen (Auto-Transport und individueller Autoverkehr) die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, wozu es zahlreiche Alternativen und Möglichkeiten gibt.

RE: Käufer, vereinigt euch | 09.01.2020 | 11:33

"das Auto ist kein Konsumprodukt, sondern vor allem ein Gebrauchsgegenstand, der Konsum steigt im Westen seit Jahrzehnten kaum weiter an und ein Verzicht auf das Auto wäre wenig klimarelevant."

Ich weiss nicht, ob Sie sich mit der Kritik der Politischen Ökonomie von K. Marx näher beschäftigt haben?

Das ist aber auch irrelevant, um das zu überprüfen, was sie behaupten, dass nämlich ein Verzicht auf das Auto wenig klimarelevant wäre. Tatsächlich entstehen durch Autoabgase in Deutschland (PKW u. LKW) ca. 1/5 aller CO2-Emissionen.

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/klimaschutz-wie-gross-ist-der-co2-anteil-des-verkehrs,Rc7yF09

D.h. um die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten, müssen die Deutschen privat sowie der Güterverkehr im Verkehrsbereich Änderungen vornehmen. Sie können das selbst anhand des sog. ökologischen Fussabdrucks überprüfen, wieviel Tonnen bzw. Prozen an CO2 Einzelpersonen einsparen, wenn sie statt eines Autos ein Fahrrad oder den ÖPNV bzw. den Fernverkehr der Bahn nutzen.

Dass es sich beim Auto ausserdem um mehr als nur einen vernünftigen Gebrauchsgegenstand für viele Menschen handelt, beweist eigentlich jede Autowerbung und jeder Spaziergang als Fussgänger durch eine Stadt. Es braucht keine der vielen Studien und Marktforschungsanalysen, um das Augenscheinliche statistisch zu belegen.

RE: Das böse Molekül | 08.01.2020 | 10:12

Sorry, ich wollte natürlich einen Link zum angeführten Kohlenstoffzyklus kopieren und nicht zum CO2. https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffzyklus .

RE: Das böse Molekül | 08.01.2020 | 10:05

Wie "böse" oder "teuer" ist eigentlich CO2? :-) . Auf einen solchen Titel kommt man , wenn man wie im Artikel Kohlenstoff ausschliesslich als Treibhausgas und speziell den wachsenden anthropogenen Anteil seit der Industrialisierung in der Athmosphäre betrachtet.

Absolut notwendig erscheint mir, Kohlenstoff auch als Bestandteil eines globalen Kohlenstoffzyklus zu verstehen, in den eben der Mensch durch die Industrialisierung so eingreift, dass dieser aus dem Gleichgewicht geriet. D.h. Kohlenstoff ist neben der Atmosphäre Bestandteil in Gesteinsschichten (u.a. fossile Energieträger, dem Boden (Permafrost), dem Wasser und Eis und in der Biosphäre. Für den Klimawandel muss man die gesamten Systeme betrachten, auch die sogenannten verstärkenden Prozesse (Sättigung der Meere mit Kohlenstoff, Auftauen von Permafrost etc.).

https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid

"Zerstörerisch" wirkt die Menschheit, solange sie für die Lufttemperatur wichtige Systeme des Kohlenstoffzyklus aus dem Gleichgewicht bringt.

RE: Käufer, vereinigt euch | 07.01.2020 | 18:28

Danke für die Antwort. Sie enthält zahlreiche interessante Punkte, auf die es mir schwer fällt, nur knapp und kurz, im Rahmen eines Kommentars zu antworten.

"C02 nun ist Grundbedingung der Produktion überhaupt. Ohne CO2 keine Waren, also kein Mehrwert – das stimmt nicht absolut, aber schon sehr weitgehend."

Unter Produktion verstehe ich jetzt mal (ohne Rekurs auf Marx) Industrie, Dienstleistungen, Forschung und Wissenschaft, Agrarbetriebe, die alle Waren (auch geistige) herstellen und dafür Energie verbrauchen. Kommt diese weitgehend aus regenerativen Energien oder Atomkraft wird doch dementsprechend weniger CO2 emittiert. Da z.B. die Schweiz deutlich mehr Wasserkraft wie DE plus noch Atomstrom im Energiemix hat, sind in der Schweiz oder Schweden die pro Kopf Emission von CO2 um die Hälfte (!) weniger als in Deutschland.

"Sie haben natürlich recht, eine kapitalistische Warenproduktion mit Netto-Null-Emission ist machbar. Aber wann? "

Bis 2050 müssen die aus technischer Sicht machbaren Konzepte zur CO2-Reduktion, umgesetzt sein, um das Paris Abkommen einzuhalten. Die Einsparmengen werden jedoch immer grösser und die Zielerreichung unwahrscheinlicher, wenn Regierungen die Zeitpläne nach hinten schieben.

"GEFORDERT WIRD SIE SEIT VIERIG JAHREN! UND WIR HABEN IMMER NOCH EINEN HERRN SCHEUER IM KABINETT, der von Herrn Söder sogar besonders gelobt wird und der sich wie selbstverständlich einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn verweigern darf, .........Das sind doch keine Zufälle."

In Deutschland spielt die Autolobby bekanntlich eine besondere Rolle und man kann das nicht mehr rational verstehen. In der ganzen EU gibt es ansonsten feste Tempobegrenzungen auf Autobahnen. Ich persönlich plädiere für kostenlosen ÖPNV mit guten Taktzeiten und einem Bahnnetz wie in der CH.

"Die Netto-Null-Emission ist machbar, aber nicht durch den Staat des Kapitals, den wir haben. Jedenfalls nicht schnell genug."

Ich denke nicht, dass DE eine andere Verfassung dafür braucht, aber andere politische Mehrheiten in den Parlamenten, wobei die jetzige Regierung immerhin durch die aktive Klimaschutzbewegung unter Druck geriet. Es lohnt sich auch, sich konkret mit dem Green Deal Plan der EU zu befassen. In meinen Augen spricht gerade der Zeitdruck besonders stark dafür, die kapitalistischen Staaten zu nutzen, um die für den Klimaschutz notwendigen Änderungen voranzubringen, statt zuerst ein anderes System schaffen zu wollen, für das ich in DE und der EU aktuell noch viel weniger politische Konstellationen sehe.

"Sehen Sie HEUTE irgendeine von den westlichen Staaten ausgehende Initiative, die als Beginn einer anderen Politik als derjenigen der letzten vierzig Jahre ausgelegt werden könnte? Ich nicht."

Ich denke, mit dem Kyoto-Protokoll (1997) und dem Pariser Abkommen (2015) ist das Problem schon mal bei allen Industriestaaten Bestandteil der Staatsbürokratie und Teil der Staatsgeschäfte auf allen Ebenen geworden. (Ausnahme: Trump). Entscheidend werden die weitere Entwicklung in den USA, China (37 % Anteil), Indien, der EU sein.

Auch wenn z.B. der Emissionshandel (Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz: 2011) in der EU perfekt unterlaufen wurde, weil die Zertifikate anfänglich viel zu billig waren, alle grösseren Firmen müssen sich damit beschäftigen, sobald die Zertifikatspreise eine wirksame Grösse erreichen und die Umstellungen hin zu regenerativem Strom bzw. Mix in der Industrie kommt in Gang.

RE: Käufer, vereinigt euch | 07.01.2020 | 01:33

Wenn man mit der zitierten Grundriss-Stelle, wo auf die Schrankenlosigkeit des Kapitals in seiner Bewegung im Unterschied zum begrenzten Mehrwert hingewiesen wird, die systembedingte Unmöglichkeit einer Begrenzung der Erderwärmung theoretisch begründet, wie erklärt man all die Systemverträglichkeit vergleichbarer Schranken, welche das Kapital im Laufe seiner Geschichte akzeptieren musste, wie alle Umwelt und Produktvorschriften, welche uns davor schützen, dass wir an Wasser, Waren, Strahlung, Luftverschmutzung erkranken oder an UV-Strahlung (Ozon). Wo liegt bei CO2-Emissionen der Unterschied zu all den anderen gesetzlich regulierten Gefahrenstoffen, ausser dass die Katastrophen erst mit deutlicher und vermittelter Verzögerung eintreten, die fossile Energie lange Zeit unersetzbar schien technologisch und dass die grossen Industrieländer den überwiegenden Anteil an der Erwärmung und CO2-Emission tragen? So wie sauberes Leitungstrinkwasser heute überall als Standard gilt, kann auch der präventive Klimaschutz mit Netto-Null-Emission möglich gemacht werden, denke ich.

RE: Käufer, vereinigt euch | 06.01.2020 | 23:08

Es sollte nur nicht sein, dass die Gesellschaft die Stukuturänderungen bezahlt und anschliessend wenige die Dividenden kassieren.

Sorry für den Schreibfehler: Soll "Strukturänderungen" heissen.

RE: Käufer, vereinigt euch | 06.01.2020 | 22:47

Mit dem Hinweis auf staatliche Konzepte (Gesetze) wollte ich verdeutlichen, dass allein Appelle, Verbraucherinfos, -aufklärung etc. für freiwillige Konsumänderungen nicht viel bringen für eine CO2-Emissionsreduktion, ohne jetzt solche Konzepte für die einzelnen Sektoren auszuführen, in denen Veränderungen notwendig sind.

Ob es dem Kapitalismus als System gelingt, die Erderwärmung auf einer bestimmten Höhe zu begrenzen oder nicht, wird man jetzt nicht theoretisch ableiten können, IMHO. Weil das Kapital die Arbeitskräfte einer Gesellschaft braucht, sorgt diese über den Staat und entsprechende Gesetze für den Erhalt auf einem bestimmten Niveau, wozu Gesundheit, Ausbildung, Kinder, Schutz vor Umweltkatastrophen gehören (und eben auch Umwelt- und Klimaschutz), sprich zuviel Katastrophen schaden dem Gesamtkapital. Ausserdem: Der Stand der Technik und Forschung bewältigt eine Energiewende und die ökonomischen Ressourcen sind dafür ausreichend vorhanden. Es sollte nur nicht sein, dass die Gesellschaft die Stukuturänderungen bezahlt und anschliessend wenige die Dividenden kassieren.

RE: Käufer, vereinigt euch | 06.01.2020 | 20:03

Wenn ich meine Eltern oder Grosseltern mit den Enkeln oder Urenkeln vergleiche, da liegen Welten beim Konsum dazwischen. Meine Eltern kauften einmal im Leben bei der Heirat Möbel. Die standen bis zum Tod in der Wohnung. Ähnlich verhielt es sich bei Geschirr und Bettwäsche, was man früher wie auch die Möbel oft noch vererbte. Man trug Schuhe, wo man die Absätze und ganze Sohlen erneuern konnte. Die Windjacken, der Wintermantel, ein Pullover hielten fast ein ganzes Leben. Die Kartoffeln und Äpfel , welcher der nächste Bauer anlieferte, lagerte man im Keller über den Winter ein. Im Vergleich dazu die Enkel: Wechselnde Klamotten je nach Mode, Fashion-Style, jährlich usf, Reparatur teurer als Neukauf und regelmässiger Ersatz der Haushaltsgeräte, Möbel, Kleider, Freizeitgeräte, Verkehrsfahrzeuge. Man kennt es, ich brauche es nicht einzeln aufzuzählen, das Internet bringt die Trends und Shops in die hintersten Winkel der Erde. Woran liegt eine solche Entwicklung? Und das trotz begleitender marxistischer Waren- und Konsumkritik. ;-) .

Ich erkläre mir das mit der politischen Ökonomie:

* Für den Hersteller der Produkte und Verkäufer sind die Produkte, ihr Gebrauchswert, ihr Nutzen in erster Linie deswegen relevant, weil sie Träger eines Tauschwertes sind und den Profit realisieren helfen.

* Heute kann man fast alle Waren im Überfluss herstellen. Da die Waren allein zur Verwertung des Kapitals dienen, müssen sie schnell zirkulieren und schnell wieder ersetzt werden. Auch das Recycling unterliegt den Gesetzen der Kapitalverwertung! Je mehr Recycling, um so besser für die Kapitalverwertung, umso mehr Anlageprodukte für das Finanzkapital. (Die Grünen fordern in der EU ein Label für grüne Finanzprodukte.). Die automatisierte Massenherstellung ist oft billiger, weniger zeitaufwendig, wie die Handwerker-Reparatur der Ware.

* Deswegen erhalten die Gebrauchswerte glitzernde Oberflächen, Verpackungen, Werbebotschaften, Versprechungen mit (Markt-/Konsumforschung). Dieser Wertanteil beträgt oft 1/3 bis 3/4 des tatsächlichen Verkaufspreises. Weniger anziehende Oberflächen trotz hohem Gebrauchswertes, z.B. bei Gemüse, Obst etc,, werden weggeworfen.

* Die Herstellerkonzerne sind unvergleichlich mächtiger wie der Konsument. Der Käufer tritt auf dem Markt als Vereinzelter dem Handel sowie dem Hersteller gegenüber. (Anders die Lohnabhängigen, die sich gewerkschaftlich organisieren können.). Die mächtigen Hersteller und wenige, starke Discounter im Handel bestimmen die Werbung, mit der sie neue, künstliche Bedürfnisse schaffen, wogegen Käuferstreiks meistens Papiertiger bleiben.

* Auf dem Markt erlebt der Konsument seine scheinbare Freiheit als Käufer in einem glitzernden Warenparadies, während die Arbeit oft Mühe, Stress, Unterordnung bedeutet. Die Waren sprechen seine sinnliche Wahrnehmung an.

* Diese Konsumformen breiten sich auf der Welt weiter aus (globales Wachstum).

Insofern teile ich die Hoffnung eher nicht, hauptsächlich über den individuellen, privaten Konsumverzicht als Teil einer Bewegung wie "Käufer, vereinigt Euch" den Klimawandel zu stoppen und bleibe lieber noch bei: "Arbeiter, vereinigt Euch" ;-) .

Es braucht IMHO in erster Linie staatliche Konzepte für den Energiewandel und die gesetzliche Steuerung des Verkehrs und Teilen des Konsums, um eine Emission auf Netto-Null, wie in Paris vereinbart, zu erreichen, sozial gerecht ausgewogen. (siehe Forderungen von Piketty.)