Arbeit ein knappes Gut: Warum nicht Einkommen und Arbeit entkoppeln?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Mein Blogbeitrag "Zwangsarbeit für Arbeitslose" hat eine ziemlich große Diskussion verursacht. Größtenteils ging es aber gar nicht um den Beitrag, sondern um Streitigkeiten und Anschuldigungen verschiedener Community-Mitglieder, dass es dazu kommen muss ist schade und diese Diskussion scheint mir auch nichts zielführend.

Die anderen Kommentare stimmten mit meiner Einschätzung überein, dass die Vorschläge des Wirtschaftsweisen Franz nicht sinnvoll seien, oder vertraten die Meinung die Stellung des Hartz IV-Antrages sei Freiwillig, es liefe also nicht auf den Begriff der Zwangsarbeit hinaus, den ich ob der Assoziationen zum NS-Regime unglücklich gewählt habe. Die Gegner dieser Position, ich inbegriffen, bezweifelten die Freiwilligkeit der Antragsstellung, da man ja ohne Einkommen auf das Arbeitslosengeld angewiesen sei. Wieder andere wiesen auf die Wiedersprüchlichkeit des Vorschlags des Wirtschaftsweisen hin: Nämlich, dass man ALG II beantragt weil man keine Arbeit findet und kaum ist der Antrag durch bekommt man Arbeit.

Ich musste einsehen, dass mein unqualifizierter subjektiver Beitrag ohne Begründung der von mir vertretenen Meinung, keine für diese Community angemessene Art der Beschäftigung mit diesem Thema ist. Deshalb versuche ich mich jetzt mit diesem Beitrag etwas qualifizierter aber immer noch subjektiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Problematisch ist die Abwertung der Arbeit, die mit Hartz IV schon angefangen hat und durch diesen Vorschlag noch verstärkt werden würde. Schon jetzt wurde der Niedriglohnsektor sehr stark ausgedehnt, wodurch immer mehr Arbeitnehmer mit ALG II aufstocken müssen. Dadurch spart der Arbeitgeber, aber für den Staat entstehen Kosten. Das selbe gilt für Ein-Euro-Jobs. Dem wäre durch einen Mindestlohn beizukommen, den aber will die Regierung partout nicht.

Problematisch finde ich auch den Gedanken der hinter Hartz IV steckt: Nämlich, dass Arbeitslose nicht Arbeiten wollen und durch Anreize, also Fördern und Fordern, dazu gebracht werden müssen zu Arbeiten. Es gibt sicher solche und solche, aber ich bin mir sicher, die meisten wollen Arbeiten. Die Idee scheint ja zu sein man muss den Arbeitslosen nur den Hahn zudrehen, irgendwann gehen die schon Arbeiten. Sie sind aber arbeitslos weil sie keinen Job finden, da kann man Hartz IV auf 50€ reduzieren, Arbeit entsteht dadurch nicht.

Es gibt einfach in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr genug Arbeit, dass jeder 40 Wochenstunden arbeiten kann. Es geht um Verteilungsgerechtigkeit, nicht nur bei der Verteilung von Vermögen oder Einkommen, auch bei der Verteilung von Arbeit. Es besteht bei beidem ein Ungleichgewicht. Manche machen Überstunden und gehen daran psychisch kaputt, andere haben keine Arbeit und gehen daran kaputt. Die Wochenarbeitszeit zu reduzieren wäre eine sinnvolle Maßnahme.

Eine andere Möglichkeit druck aus dem Arbeitsmarkt zu nehmen wäre das bedingungslose Grundeinkommen. Da die Vollbeschäftigung nicht erreichbar ist, muss aufgehört werden die Arbeit als existenzielles Gut anzusehen. Dass es weniger Arbeit gibt, kann man ja durchaus positiv sehen, nur solange das Einkommen an die Arbeit gekoppelt ist braucht jeder Arbeit. Das Überleben von einem Gut abhängig zu machen, von dem es nicht genug für jeden gibt, ist verrückt. Also muss das Einkommen von der Arbeit entkoppelt werden und ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden.

Ich hoffe das kann Grundlage für eine sachliche Diskussion sein. Also widersprecht mir, streitet euch, aber bleibt bitte sachlich.

18:11 08.01.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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