Peter Sloterdijk und die Chemie, Schuster bleib bei deinen Leisten

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Das 21. Jahrhundert beginnt mit dem Debakel vom 19. Dezember 2009

Ein streckenweise interessantes, wenn auch teilweise wenig fundiertes (ich sag nur CO2 vor der Verbrennung abtrennen und CO2-gereinigte Brennstoffe, es entsteht dummerweise erst bei der Verbrennung) Interview mit dem Philosophen und Kulturwissenschaftler Peter Sloterdijk, den ich persönlich eher mit Neoliberalismus, Steuersenkung und Sozialstaatsabbau in Zusammenhang gebracht habe (siehe zahlreiche Erwähnungen in den NachDenkSeiten), zum Thema Klimawandel und den Folgen von Kopenhagen.

Zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) will ich nur kurz auf die hier, wie bei der Atomenergie, entstehende Endlagerproblematik aufmerksam machen (mehr bei Greenpeace).

Dann gibt es noch einen interessanten Abschnitt zum energiepolitischen Programm der Hessen-SPD unter Ypsilanti das durch die Wortbruchkampagne ihrer Gegner gezielt verhindert wurde:

„In diesem Zusammenhang sollten wir uns an die Vorgänge in Hessen
erinnern. Nach der eklatanten Niederlage von Koch und dem großen
Wahlerfolg von Frau Ypsilanti hätte dort ein möglicherweise epochales
Experiment stattfinden können. Ich trauere noch immer ein wenig über diese
verpasste enorme Gelegenheit. Dabei fehlte gar nicht viel: Es hätte für
Frau Ypsilanti genügt, so lange stoisch ruhig zu halten, bis sie von allen
Seiten angefleht worden wäre, sich doch in Gottes Namen auch mit den
Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Kein Mensch
hätte dann dieses hysterische Gerede vom Wortbruch aufgebracht, alle
Beteiligten hätten eingesehen, dass es zum politischen Geschäft gehört, in
veränderten Lagen veränderte Ansichten zu äußern und ungeliebte Allianzen
zu schließen. In Hessen hätte unter Ypsilanti ein energiepolitischer
Versuch von weltpolitischer Relevanz abrollen können. Hermann Scheer hatte
ihr ein Papier geschrieben, das darlegte, wie man ohne politischen Putsch,
allein durch die Ausschöpfung der legalen Gestaltungsspielräume, eine
Umstellung der Energieversorgung zu 100 Prozent auf regenerative Quellen
erreichen kann – und zwar in verblüffend kurzer Zeit. Das war das
eigentliche Geheimnis der Affäre Ypsilanti. Wieso wurde dann diese Frau
durch eine beispiellose Antipathie-Kampagne aus der deutschen Politik
eliminiert? Ich denke, man muss den energiepolitischen Hintergrund des
möglichen Machtwechsels in Hessen beleuchten, um zu verstehen, warum
dieser Rufmord geschehen musste. Das Scheer-Papier brachte ganze
Industrien zum Zittern – und man denunzierte den Autor sehr folgerichtig
als „Geisterfahrer“. Man muss sich nur einmal vorstellen, was das bedeutet
hätte, wenn ein Teilstaat einer großen Industrienation in ein
Versuchslabor für die Ökowende umgewandelt worden wäre.“

Das genannte Scherr-Papier ist wohl dieses Hier (PDF), mit diesem habe ich mich noch nicht näher beschäftigt, es geht von "Optimierte Wärmenutzung für die Stromerzeugung" und "Förderung dezentraler Energieversorgung von Gemeinden und Siedlungen" über "Verbindliche Standards zur Nutzung der Sonnenenergie in Neubauten und Siedlungen" und "Senkung der Energiekosten in öffentlichen Einrichtungen" bis "Die Umstellung des Fahrzeugparks aller Landesbehörden auf erneuerbare Kraftstoffe" und "Kreditförderung für Investitionen in den Ressourcenwechsel", wäre also vielversprechend gewesen.

15:41 22.12.2009
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