Was fürs Auge

Design Hohe Informationsdichte, Landschafts-, Weg- und Ortsbeschreibungen, Werbung, Grafik und ikonografische Details – wer schreibt die Designgeschichte des Tourenbuchs?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Eingebetteter Medieninhalt

Kunsthistoriker*innen fahren auch Fahrrad, ist zu vermuten. Historische Touren- und Handbücher für Radfahrer bieten auf den ersten Blick trockene Information: Tabellen (z.B. die Tourenbücher von Estland und Sachsen), Kilometerangaben, Elementares für die Wanderfahrt, wie Hotels, Gasthäuser, Abbiegehinweise – oder: Wohnorte von Bundesgenossen.

Ausführliche Landschafts- und Ortsbeschreibungen gibt es auch, teils mit beeindruckenden Ansichten. Zu empfehlen sind hier die Reihen "Rad-Rundfahrten in Deutschland" (ein paar gibts digitalisiert) und die "Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg" (nur analog).

Nicht nur fürs Auge bieten die Anzeigenteile am Ende vieler Tourenbücher Input. Das Tourenbuch für Estland beeindruckt mit dem dicksten mir bekannten Anzeigenteil überhaupt und zeugt vom wirtschaftlichen Schwergewicht des Baltikums bzw. des deutschen Bürgertums im Baltikum (oder Riga!?) und der Nähe zu St. Petersburg. Die Bierb. dürften Bierbars gewesen sein. Vielleicht ist noch eine erhalten geblieben? Hinfahren und ein Glas ordern!

Werbung war wichtig ...

Den größten Aufwand steckte die Fahrradwirtschaft (Fabriken, Textil, Gastronomie, Pokale, Krüge, Abzeichen, ...) in ihre Anzeigen in den alljährlichen Festbücher der Bundestage des Deutschen Radfahrer-Bundes und der Kongresse der Allgemeinen Radfahrer-Union. Ein Vergleich der jeweiligen Anzeigen in den Tourenbüchern, in Radfahrer-Karten und in den Radfahrerfestschriften wäre vermutlich mal eine lohnende Aufgabe. Werbung war wichtig. Und erzählt heute viel über regionale Wirtschaftsgeschichte.

Hier erstmal ein schönes vielsagendes Beispiel:

Eingebetteter Medieninhalt

Ohne Werbung, aber mit einzigartig reduziertem Kartendesign fasziniert die Festschrift zum Kongress d. Allgemeinen Radfahrer Union D. T. C. vom 27. Juli bis 2. August 1911 in Neustadt a. H. : radtouristischer Wegweiser.

Der ikonische Radler von 1897 aus dem Band Auf dem Rade taucht im Wegweiser durch die Neumark und das Gebiet des Gau 26 (Frankfurt a. Oder) des Deutschen Radfahrer-Bundes 1899 wieder auf. Warum?

Eingebetteter Medieninhalt

... und Satire.

Viel Spaß mit den Alben O diese Radler! und Das Narrenrad.

Eingebetteter Medieninhalt

08:48 08.08.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Radfahrerwissen

Jens Bemme || Veloimker: Tourenbuch- und Fernwehforschung – alte und neue Gemeinschaften. - CC BY 3.0 de -
Radfahrerwissen

Kommentare