Wer soll das alles lesen?

Presseschau Alte Zeitungen sind gute Quellen – im Idealfall: digitalisiert, mit Open Access, Volltexterkennung und umfangreicher Suche. Fragen finden sich dann schon. Und LeserInnen?
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Auch Frauen fuhren 1897 in manchen deutschen Radfahrer-Vereinen mit. So steht es geschrieben. Eine Momentaufnahme.

Nur ein leicht 'emanzipierter' Schnappschuss? Regionale Vergleiche der Entwicklungen wären aufschlussreicher. Potentielle Quellen: regionale Jahr- und Handbücher mit Vereinsadressen, Vorständen und anderen Angaben, die von den Radfahrerbünden für Bundesmitglieder herausgegeben wurden sowie die Festschriften der alljährlichen Bundestage und Kongresse – und: Radfahrer-Zeitungen. Es gab einige:

Die Norddeutsche Radsport-Zeitung für den Gau 27 (Stettin) wurde 2017 in der UB Greifswald digitalisiert. Sie erschien nur kurz ab Sommer 1900 bis Ende 1901.

Von der Deutschen Radler-Post (später: Lausitzer Radler-Post) aus Pulsnitz sind noch ein paar Jahrgänge in Bibliotheken und in Privatbesitz erhalten, auch von der Deutsche Radfahrer-Bund, die "Fachzeitschrift für die Interessen des Radfahrers; offizielles und eigenes Organ des Deutschen Radfahrer-Bundes", sowie der Süddeutsche Radfahrer, die Rad-Union, der Radtourist, ab 1898: Draisena. Erstes und ältestes Sportblatt der radfahrenden Damen, Die Radlerin, Radlerin und Radler. Die Zeit war reif 1897/98.

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Radfahrerzeitungen gab es noch einige mehr. Und hinzu kommen noch die Lokalzeitungen.

Dass viel Arbeitersport in der Leipziger Volkzeitung steckt (mindestens in den Inseraten), haben wir hier angedeutet. Ich vermute, dass der "Vorwärts" für Gegenden außerhalb Berlins vor allem "erste Indizien" liefert, denen man in anderen Zeitungen nachspüren kann – Berliner Radfahrerinnengeschichte aber umso mehr. Beim Arbeiter-Radfahrer-Bund "Freiheit" hat das so funktioniert. Mit digiPress bietet die Bayerischen Staatsbibliothek ein Zeitungsportal, mit dem alle möglichen Lieblingsbegriffe getestet, recherchiert und dann irgendwo verknüpft werden können.

Aber, wer kann will das alles lesen?

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Stiegen Stettinerinnen, Berlinerinnen und Münchnerinnen "gleichzeitig" aufs Fahrrad? Wo fuhren sie hierzulande zuerst (und regelmäßig, im Alltag)? Und wo öffneten sich die ersten Radfahrer-Vereine? Oder blieben Radfahrerinnen anfangs unter sich (oder fuhren mit einem/ihren Mann)? TrendsetterInnen treten ja zuerst meist einzeln auf. Waren Arbeiterinnen gegenüber Arbeitern schneller – in Bezug auf die alltäglich Fahrradnutzung? Vielleicht nicht schneller als die Männer, aber weniger "langsam" als die bürgerlichen "Damen"? Wenn dazu noch jemand "vor Ort" die jeweilige Entwicklung der Einkommen, der Fahrradpreise und (individueller, wie familiärer) Mobilitätsbedürfnisse und der anderen "Alltagsfreiheiten" ins Verhältnis setzte ...

Ideen und längst veröffentliche Forschungsergebnisse sind hier sehr willkommen!

07:45 06.08.2017
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Geschrieben von

Radfahrerwissen

Jens Bemme || Veloimker: Tourenbuch- und Fernwehforschung – alte und neue Gemeinschaften. - CC BY 3.0 de -
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