Die Ideen der Linken sind vorallem langweilig

Ideologiekritik Die kritischen Gedanken des kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávila (1919-1994) über Demokratie und Linke und Reaktion erzeugen in mir ein ganz neues Lustgefühl.
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Ich habe Nicolás Gómez Dávila erst neu entdeckt. Ihn zu lesen macht viel Spaß. Ich will es aber gleich sagen: realpolitisch stehe ich der Linken sehr nahe, nur teile ich deren Grundanschauung nicht - ebensowenig wie die der FDP oder der CDU oder SPD oder sonst einer Partei im Parteienspektrum.

Vielleicht kann die Linke allgemein (nicht nur die Partei) davon profitieren, wenn sie sich ehrlich und unverbissen (entspannt, meditativ) mit den Gedanken von Dávila auseinandersetzt. Mir sprechen die Aphorismen wirklich aus dem Herzen - sie erzeugen ein tiefes, festes Lustgefühl: ein anderes Wahrheits-Kriterium kommt für mich nicht in Frage. Ich habe aufgehört, meinen Verstand in den Dienst einer Moralität oder Ideologie zu stellen: lieber benutze ich ihn, um mein Herz- und Bauchgefühl auszuleben. Das ist mein Begriff von Freiheit und Authentizität.

Im Folgenden nun eine Auswahl an Sätzen, die ziemlich genau (und lustvoll) das Unlustgefühl ausloten, das sich bei mir einstellt, wenn ich erregte, aufgescheuchte, aufgeplusterte, arrogante "Linke" beim phantasieren und schwadronieren beobachte - und vielleicht hat ja jemand etwas Interessantes zu sagen, was über ein schnödes Pro-und Contra hinausgeht.

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01 DEMOKRATIE

Die Demokratie ist die politische Regierungsform, in der der Bürger die öffentlichen Interessen denjenigen anvertraut, denen er niemals seine privaten Interessen anvertrauen würde.

Der, der nicht jedem Einzelnen das Seine zu geben weiß, beschließt, allen das Gleiche zu geben.

Die Rhetorik ist die einzige Blume des demokratischen Gartens.

Geifer ist das Schmierfett demokratischer Gesellschaften.

Wir Feinde des allgemeinen Wahlrechts hören nicht auf, uns über den Enthusiasmus zu wundern, den die Wahl einer Handvoll Unfähiger durch einen Haufen Inkompetenter weckt.

Grundpostulat der Demokratie: das Gesetz ist das Gewissen des Staatsbürgers.

Die Demokratie ist "elitär". Immer will sie wählen, auch wenn sie immer schlecht wählt. Monarchie und Aristokratie nehmen den genetischen Zufall einfach hin.

Dem Demokraten genügt es nicht, dass wir respektieren, was er mit seinem Leben machen will, er verlangt darüber hinaus, dass wir respektieren, was er mit unserem machen will.

Der "Allgemeinwille" ist die Fiktion, die dem Demokraten die Behauptung ermöglicht, dass es dafür, dass man sich einer Mehrheit beugt, einen anderen Grund gibt als die bloße Furcht.

Demagogie ist die Vokabel, welche die Demokraten verwenden, wenn die Demokratie sie erschreckt.

Am Ende schämen wir uns immer, an einer kollektiven Begeisterung teilgehabt zu haben.

Nichts ist dümmer, als die Dummheit zu verachten, während wir uns um ihren Applaus bemühen.

Wenn eine Aristokratie untergeht, zerfällt sie in tausend kraftvolle Individuen, die gewaltsam in die Geschichte geworfen werden; wenn eine Demokratie verschwindet, schrumpft sie wie ein Gummiball.

Der demokratische Drache wird schließlich alle viere von sich strecken, wenn wir ihm das klitzekleine Gehirn durchbohren, anstatt seine zahllosen Tentakeln abzuhauen.


02 DER LINKE

Der Revolutionär ist zu guter Letzt ein Individuum, das es nicht wagt, allein auf Raub zu gehen.

Ich verstehe den Kommunismus, der Protest ist, aber nicht den, der Hoffnung ist.

Die subtile Interpretation jedes Ereignisses scheint dem Linken immer suspekt.

In jedem Utopisten schlummert ein Polizeiwachtmeister.

Gibt man ihm nicht alles, was er verlangt, erklärt sich der Linke zum Opfer einer strukturellen Gewalt, die er mit physischer Gewalt abwehren darf.

Die Ideen der Linken sind vor allem langweilig.

Es nennt sich Kommunist, wer kämpft, damit der Staat ihm eine bürgerliche Existenz sichert.

Revolutionäre zerstören letzten Endes nur, was die Gesellschaft, gegen die sie rebellieren, erträglich machte.

Die Linke gibt sich als Partner aus, fühlt sich aber als Richter.


03 DER REAKTIONÄR

Linke und Rechte streiten sich lediglich um den Besitz der Industriegesellschaft. Der Reaktionär ersehnt deren Tod.

Der Reaktionär strebt nicht die vergebliche Wiederherstellung der Vergangenheit an, sondern den unwahrscheinlichen Bruch der Zukunft mit dieser schäbigen Gegenwart.

Die Unmöglichkeit, Lösungen zu finden, lehrt uns, dass wir uns der Aufgabe widmen müssen, die Probleme zu veredeln.

Das Ideal des Reaktionärs ist keine paradiesische Gesellschaft. Es ist die Gesellschaft der Friedenszeiten in Alt-Europa - vor der demographischen, industriellen und demokratischen Katastrophe.

Der Reaktionär hat Gegenstände der Bewunderung, keine Modelle.

aus "Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift...", ausgewählt und herausgegeben von Michael Klonovsky, Reclam Taschenbuch 2007

12:41 12.04.2013
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Geschrieben von

Rael

Der Künstler begeht nie einen Mord, er ist feige und schlaff. er kriegt noch nicht mal mit, dass Frühling ist. - Alina Vituchnovskaja
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